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Nr. 103.

Mittwoch den 2. Mai

1888.

BekanutMschuNgen Königl. Lsnsralhsamts.

Die Herren Bürgermeister, welche versäumt haben, gemäß meiner Verfügung vom 12. d. Mts., St. 709 Kreisblatt Nr. 87 anzu­zeigen, an welchem Tag die Gewerbesteuer-Veranlagungs-Benachrichtigungen pro 1888/89 behändigt worden sind, werden an Erledigung innerhalb 3 Tagen erinnert.

Hanau am 30. April 1888.

Der Königliche Landrath

8t. 709___Gf. Bismarck.__

Vrenft-Uachrichterl aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Hundemaulkorb. Eine Verschlußstange von einem Metzgerwagen. Ein Schild mit der AufschriftCigarren". Zwei Säcke und ein Topf (in einem Metzgerladen stehen geblieben).

Hanau am 2. Mai 1888._____________ ihsfdkeißen Kömgl. UaâamMtisâsi zu âankfmlt a. M.

B. 7739. J. 1630/88. Ueber den Aufenthalt des Taglöhners und Hausirers Heinrich Hager, geboren am 18. Oktober 1866 zu Jngersheim in Württemberg, wird Auskunft begehrt.

J. 413/88. Das am 14./3. d. I. gegen Louise Maria Rupp­recht von hier erlassene Ausschreiben ist erledigt.

7722 B. J. 1616/88. Der angebliche Photograph Adolf Schulze aus Hatte in Bayern, der sich auch unter dem Namen Robert Köhler, Künstler aus Berlin, in Gesellschaft eines Frauenzimmers auf Messen und Märkten herumtreibt, ist hier wegen Diebstahls zur Anzeige gebracht. Es wird um Auskunft über besten Aufenthalt ersucht.

N. 8/88. Das am 25. Januar c. gegen den Schlosser Hch. Göbert von Castel erlassene Ausschreiben ist erledigt.

Frankfurt a/M. den 30. April 1888.

J. 1352/88. Das am 23./4. d. J. gegen Anna Maria Meides von Oberau erlassene Ausschreiben ist erledigt.

Frankfurt a/M. den 1. Mai 1888.______________________________

t Das Reich imd die Einzelstaaten.

Der Tod Kaiser Wilhelms hatte in wahrhaft erhebender Weise die Einheit der nationalen Trauer aller Deutschen zu lebendigstem Ausdruck gebracht. So viele große Anlässe im Leben des unvergeßlichen Kaisers sich auch dargeboten hatten, bei denen im Norden wie im Süden des deutschen Vaterlandes der Einheitsgedanke in mächtiger, thatbereiter Le­benskraft sich bekundete, bei keiner Gelegenheit war er so groß und herrlich in die Erscheinung getreten, als da es galt, dem entschlafenen Schöpfer des Reichs den Zoll der Liebe und des Dankes auf das Grab zu legen.

Das Lebenswerk Kaiser Wilhelms zeigte sich solchergestalt dem deutschen Volke wie dem Auslande gleichsam in verklärtem Glanze, jeden Zweifel beseitigend, daß die Einheit des deutschen Volkes in ihrer jetzigen Gestalt, die Wiederausrichtung des Reiches, nicht auf der Ueberlegenheit der preußischen Staatsmacht, sondern auf dem Willen, dem Vertrauen und der tiefinnersten Ueberzeugung der gejammten deutschen Nation be­ruht. Gerade die Eigenart dieses deutschen Staatswesens, welches bei seiner Aufrichtung den Theoretikern in so gar keine Schablone Hineinpassen wollte und nun so kräftig und lebensstark in seinen eigenen Rahmen hineingewachsen ist, konnte nicht schöner und wirkungsvoller zu Tage treten als in der erhabenen Einheit der Trauer um den Kaiser, welcher der ideale Repräsentant dieses Reiches gewesen war und für alle Zeiten bleiben wird.

Eine außerordentlich beredte Darstellung dieser Eigenart des Reichs­baues in seinem geschichtlichen Werden hat vor einigen Tagen in Leipzig der Geh. Hofrath Professor Dr. Wach von der dortigen Universität vor einer glänzenden Festversammlung gegeben. König Albert, Sachsens hoch­sinniger König, der sich als einer der Feldherren des Reiches wie als einer der hervorragendsten unter des Reiches Fürsten so treu bewährt hat, ein Mitschöpfer des Reiches und der warme Freund unseres Königshauses, beging am 23. April seinen 60. Geburtstag. In Leipzig hatten die dortigen Conservativen und Nationalliberalen eine gemeinsame Festfeier veranstaltet, und der genannte Gelehrte hatte die Weiherede des Tages übernommen, in welcher er sich eingehend gerade über das Verhältniß zwischen dem Reich und den Einzelstaaten verbreitete. I

Sie werden mich nicht tadeln", sagte der Redner,daß ich durch den Hinweis auf den kaum dahingeschiedenen Kaiser Wilhelm, den Helden der That, und den schwer leidenden Kaiser Friedrich, den Helden der Schmerzen, in diese Freudenstunde Trauertöne mische. Ich begehe dadurch keinen Raub an unserer Festfreude, an dem, dem sie gehört. Ich sage, was wir Alle fühlen, denn die Liebe zu unserem König und zu unserem Kaiser wohnt nicht in getrennten Herzkammern. Es ist keine Seelen­spaltung, dem einen und dem andern anhangen. Hier gilt nicht das Wort: Niemand kann zween Herren dienen. Als über unserem Sachsen­land sich der deutsche Reichsverband, die Kaiserkrone erhob, da wurde unsere Liebe nicht getheilt: sie wurde verdoppelt. Wir sind nicht Sachsen und nur nebenher auch Deutsche. Wir sind nicht wahrhaft landestreu, wenn wir nicht reichstreu sind, und wiederum nicht reichstreu ohne Landes- treue." Des Weiteren erinnerte er daran, daß in den Zeiten der unge­stillten Sehnsucht nach der Einigung des vielgespaltenen Vaterlandes Vielen der deutsche Einheitsstaat als Zukunstsideal vorschwebte. Ganz be­sonders ist dies auch wohl in Leipzig der Fall gewesen. Und als aus blutigen Kämpfen das Reich endlich geboren wurde, haben Manche in seiner b und es staatlichen Gestalt nur eine Form des Uebergangs, voll Halbheit, Unvollkommenheit und innerem Widerspruch erblicken wollen. Diese seien jetzt verstummt vor dem zwingenden Beweise der Geschichte. Die seit der Gründung des Reiches verflossenen Jahre beweisen gerade, wie wunderbar diese in kein Schema der Schuldoctrin gehörige bundesstaatliche Form dem deutschen Wesen abgelauscht und angepaßt ist:Die Reichs­staatsgewalt ruht in den Händen der im Bundesrath vereinigten deutschen Regierungen. An ihrer Spitze steht als erster unter den Genossen der Kaiser mit kraftvoller Executive; daneben die Vertretung des Volkes im deutschen Reichstag. Nicht die Form, wohl aber der Geist dieser Ver­fassung ist echt monarchisch. Der Bundesrath und das Kaiserthum sind ganz gesättigt mit monarchischen Elementen. So sind wir bewahrt vor der unftäten Herrschaft wechselnder Parteimajoritäten, dilettantischem, wurzellosem Parlamentarismus. Echt national ist die Reichsregierung. Selbst'sche, undeutsche Hauspolitik, dem Ganzen schädliche Theilintereffen haben in ihr keine Stätte."

Grade die Hauspolitik, das Streben nach Vergrößerung der Haus­macht des Kaisers, war es bekanntlich, woran das alte Reich zu Grunde ging. Um so werthvoller sind die Bürgschaften für das neue Reich: die Hohenzollern-Kaiser wollen nicht erst Hausmacht erwerben auf Kosten des Reiches, sondern sie haben diesem ihre eigene starke Hausmacht als Morgen­gabe zugebracht. Mit Recht konnte der Festredner daher aussprechen, daß den einzelnen Bundesstaaten das Reich ein starker Schutz und Schirm sei, eine glückliche Vereinigung und Concentration und Decentralisation, ein Produkt der geschichtlichen wirkenden Lebensmächte, welches nicht durch Zerstörung, sondern durch Aufbau gewonnen worden.Daher auch überall freiwilliges Schaffen, gesunde Lebensentfaltung, eine Mannigfaltig­keit, Vielheit in der Einheit, welche den Reichthum des Daseins verbürgt." Zum Schluß vergleicht er den Bund zwischen Reich und Einzelstaat mit einer Ehe und gebraucht dabei folgendes Bild:Das Reich, dem Manns vergleichbar, schützt Haus und Hof, sein starker Wille ordnet, gibt Maß und Ziel. Der andere Theil, der Einzelstaat, ist nicht Dienerin, er ist Genossin, die im engeren Kreise Gedeihen und den Schmuck des Hauses wirkt. So ist Alles wohl bestellt."

In der That konnte gerade am Geburtstage König Alberts keine zutreffendere Darstellung des Verhältnisses zwischen Reich und Einzelstaat gegeben werden. Auf Treue um Treue, auf Vertrauen um Vertrauen, hat Kaiser Wilhelm das Reich gebaut, auf dieser Grundlage wird es dauern bis in die fernsten Zeiten.

Tsqesscha«.

P. Aus dem Abgeordnetenhaus. Berlin, 1. Mai. Im Ab geordnet enh ause gelangte heute zunächst die Eisenbahnvorlage in dritter Lesung definitiv zur Annahme, nachdem auch die in zweiter Lemng zurückgesetzte Position zum Umbau der Bahnhofsanlogen in Spandau nach den Vorschlägen der Regierung die Zustimmung des Hauses gesunden hatte. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die zweite Be­rathung des Entwurfs einer Kreisordnung rc. für Schleswig-Holstein. Nachdem eine Reihe von Paragraphen fast debattelos erledigt war, ver-