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Hanauer Anzeiger.
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30 Pfgâ
Nr. 102.
Dienstag den 1. Mai
1888.
DimMachrichten aus dem Kreise-
Gefunden: Ein Schiebekarren.
Verloren: Mehrere Bilder.
Hanau am 1. Mai 1888._________________________________
Belohnung bis zu 200 Mark!
6358 A. — J. 1514/88. In der Nacht vom 20. zum 21. April ds. Js. sind zu Gonzenheim bei Homburg v. d. H. mittels Einbruchs folgende Gegenstände gestohlen worden:
1. ein Armband mit einem Rubin, einem Brillant und einem Saphir, ein Kleeblatt bildend; 2. ein schweres goldenes Gliederarmband; 3. ein goldenes Gliederarmband, sogen. Kuhkette; 4. ein Halsband von großen viereckigen, einfach gefaßten Amethysten, an jedem Stein hängt ein Amethysttropfen ; 5. ein großes Amethystkreuz, in der Mitte und den Enden Goldkapseln; 6. ein Halsband von Genueser Goldfiligran mit durchbrochenen Kugeln; 7. ein Gliederarmband von Goldfiligran; 8. ein Goldfiligran- Armband ; 9. desgleichen, mehrere Nadeln und 2 große Filigranschmetterlinge; 10. ein aüerthümlicher Schmuck von Türkisen, bestehend in Broche und langen Ohrringen, die Steinchen dicht zusammengesetzt; 11. eine schwere goldene Damenuhr mit schwerer goldener Kette; 12. eine Gold- filigran-Broche (Fahne bildend); 13. ein großes Kreuz von oxydirtem Silber mit italienischen Rubinen; 14. ein breites silbernes Armband; 15. ein silbernes Filigranarmband; 16. acht silberne Kaffeelöffel, E. P. gravirt; 17. ein silberner Serviettenring; 18. ein alterthümlicher großer Salzburger Filigranschlüffel; 19. eine Broche von Florentiner Mosaik, die Tauben vom Capitol darstellend; 20. ein Armband von römischem Mosaik (Marguerites); 21. eine unächte Brillantnadel mit unächtem Brillanttropfen; 22. achtzehn feine neue Battisttaschentücher, davon zwölf mit Monogramm W. M. verschlungen und sechs mit M. gestickt; 23. ein durchbrochenes seidenes Crème Kopftuch; 24. ein langes Tuch von ächten schwarzen spanischen Spitzen; 25. desgleichen ein Kopftuch von ächten schwarzen spanischen Spitzen; 26. ein neues Portemonnaie.
Alle Diejenigen, welche über die Thäter oder den Verbleib der gestohlenen Gegenstände Auskunft geben können, werden ersucht, der unterzeichneten Staatsanwaltschaft oder der nächsten Polizeibehörde davon ungesäumt Mittheilung zu machen.
Seitens des Bestohlenen ist auf die Entdeckung der Thäter und die Wiederbeschaffung der gestohlenen Gegenstände eine Belohnung bis zu 200 Mark ausgesetzt worden.
Frankfurt a/M. den 27. April 1888.
____________Königliche Staatsanwaltschaft._____________________
Aii-8 schreiben Königs. KinaisnnMnlischasi zn Frnnbfnri a. Ä J. 1298/88. Ueber den Aufenthalt der Anna Maria Sauer, geb. 4./4, 1863 zu Oberreisenberg, bis 30./3. d. J. hier aufenthältlich, wird Auskunft begehrt.
B. 7919. — J. 1387/88. Ueber den Aufenthalt des Maurers Heinrich Ernst Blechschmidt, geboren am 13. April 1864 zu Schalkau, Kreis Sonneberg in Sachsen-Meiningen, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 28, April 1888.___________________________
Tagesschau.
P. Aus dem Abgeordnetenhause. Berlin, 30. April. Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in dem größeren Theile seiner Sitzung mit der Beendigung der zweiten Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Regulirung der Stromverhältnisse in der Weichsel und Nogat. Der Entwurf ist bekanntlich in die Kommission zurückoerwiese« und ist aus derselben mit den früheren prinzipiell entgegengesetzten Beschlüffen hervorgegangen. Das Haus nahm heute nach längerer Berathung die Beschlüsse der ersten Lesung, welche wesentlich mit der Regierungsvorlage über ein stimmen, mit geringen Modifikationen an. Außerdem aber wurde die nachfolgende, vom Abg. Stengel (freikons.) beantragte Resolution be- schloffen: „Die Staatsregierung aufzufordern, auf Grund der während des diesjährigen Hochwassers gemachten Erfahrungen von Neuem Ermittelungen darüber anzustellen, ob durch die Schließung und Kanalisirung bezw. durch eine entsprechende Regulirung der Nogat mit Aussicht auf Erfolg und unter möglichster Berücksichtigung aller damit zusammenhängenden Interessen der Wiederkehr der Ueberschwemmungsgefahren für die durch die Hochwasser der Weichsel und Nogat bedrohten Gebiete vorge
beugt werden kann, und darüber dem Landtage thunlichst in seiner nächsten Session eine Vorlage zu machen." — Die aus der Eisenbahnvorlage an die Budgetkommission zur nachmaligen Prüfung zurückverwiesene Position für Verlegung des rheinischen Güterbahnhofs zu Aachen wurde, entgegen dem Anträge auf vorläufige Absetzung, genehmigt. Morgen: Dritte Berathung der Eisenbahnvorlage; sowie zweite Berathung der Kreis- und Provinzialordnung für Schleswig-Holstein.
Berlin, 30. April. Der „R. u. St.-A." enthält nachfolgendes Bulletin:
Charlottenburg, 30. April, Morgens 9 Uhr. Se. Majestät der Kaiser und König hatten eine ruhige Nacht und sind nahezu fieberfrei. Das Allgemeinbefinden ist unverändert. Mackenzie. Wegner. Krause. Hovell. Leyden. Bardeleben.
Berlin, 30. April. Se. Majestät der Kaiser haben Allergnä- digst geruht den bisherigen Gesandten in Washington, Legations-Rath und Kammerherrn v. Alvensleben, zu Allerhöchstihrem außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich belgischen Hofe zu ernennen.
Berlin, 30. April. Kaiser Friedrich empfing heute Abend um 5Vä Uhr, nach den „Fr. N.", den Reichskanzler zu einem halbstündigem Vortrag.
Berlin, 30. April. Sicherem Vernehmen nach hat Geheimrath Professor Dr. v. Bergmann schon am Freitag Abend den Kaiser gebeten, ihn von der Theilnahme an der regelmäßigen ärztlichen Behandlung des Kaisers zu entheben. Er soll, wie verbürgt mitgetheilt wird, in seinem Entlassungsgesuch ausdrücklich darauf hingewiesen haben, daß er es für selbstverständlich gehalten habe, daß die Aerzte, die mit der Behandlung beauftragt worden, sich der Oeffentlichkeit gegenüber die allerstrengste Zurückhaltung auflegen und zumal ^^Kes unterlassen würden, was wie ein Angriff eines Arztes gegen den andern ausgelegt werden könne. Seitdem aber Sir Morell Mackenzie es für richtig gefunden habe, ihn in mehreren öffentlichen Schreiben aus Schloß Charlottenburg mit voller Namensunterschrift anzugreifen, verbiete es sich von selbst, daß er, der Angegriffene, mit diesem Angreifer zusammenwirke. Selbstverständlich sei er jederzeit bereit, falls seine Hülfe in einem besonderen Augenblicke vom Kaiser gewünscht werde, sofort zu erscheinen. Die Entlassung ist angenommen und an Bergmanns Stelle jetzt der Geheimrath Professor Dr. Bardeleben zugezogen worden, der bereits den heutigen Bericht der Aerzte mit unterzeichnet hat. (K. Z.)
Berlin, 30. April. Der bisherige vortragende Rath im Auswärtigen Amt, Geheime Legations-Rath v. Brauer, ist zum General- Konsul des Reichs für Egypten in Kairo ernannt worden.
Berlin, 30. April. S. M. S „Ariadne", Kommandant Kapitän zur See Barandon, ist am 27. April er. in Habana eingetroffen und beabsichtigt am 29. dess. Mts. wieder in See zu gehen.
Berlin, 30. April. Der „Berl. Börsenkurier" meldet, binnen kurzem werde nicht nur die deutsche Reichsanleihe, sondern auch die 30sprozentigen preußischen Konsols eine Vermehrung erfahren durch die in Folge des Nothstandsgesetzes wegen der Hochfluthen nöthige Summe, da der dringende Charakter derselben außer Frage stehe. Der Verkauf von 34 Mill. Mark 3Vsproz. Consols, sei es durch feste Hände, sei es durch das sogenannte Preußen-Consortium, sei in nächster Zeit zu erwarten. — Nachdem der Sultan die Emmission der neuen ägyptischen Anleihe genehmigt habe, werde in den nächsten Tagen der Prospekt veröffentlicht werden.
Berlin, 30. April. Bei dem gestrigen Festessen zu Ehren von Karl Schurz im Kaiserhofe, welchem außer mehreren Abgeordneten und Notabilitäten auch der Staatssecretär Graf Herbert Bismarck beiwohnte, toastete Professor Gneist auf Schurz, der als Volksredner, Führer eines Armeekorps im Freiheitskriege, als Senator und Minister in mustergültiger Verwaltung immer derselbe geblieben sei. Schurz erwiderte, er stehe hier als einfacher amerikanischer Bürger deutscher Geburt. Wir Deutschgeborenen in Amerika haben für unser großartiges Gemeinwesen die Liebe zur Braut, welche aber die Liebe zur alten Mutter nicht beeinträchtigt. Wir begrüßten mit warmer Begeisterung die Vollendung der Einigung des deutschen Vaterlandes unter Führung des mannhaften Geschlechtes der Hohenzollern und wie der Kanzler als Kolossalfiguc der