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Auf die Entdeckung des Brandstifters ist Seitens der Nass. Brand- verstcherungsanstalt eine Belohnung bis zu 300 Mark ausgesetzt worden.

Frankfurt a/M. den 20. April 1888.

Königliche Staatsanwaltschaft.

J. 1296/88. Gegen den Uhrmacher Christian Kühl, geb. 18./3. 1852 zu Lübeck, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Unterschlagung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 20. April 1888.

_____________________Königliche Staatsanwaltschaft._____________________ Tagesschau.

P. Aus dem Abgeordnetenhaus. Berlin, 21. April. Das Abgeordnetenhaus nahm heute zunächst in dritter Berathung die Nothstandsvorlage definitiv unverändert an, nachdem in Folge der Er­klärung der Staatsregierung die zur Vorlage eingebrachten Abänderungs­anträge inzwischen zurückgezogen waren. Die darauf folgende dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erleichterung der Volks­schullasten, veranlaßte eine längere Generaldebatte, in welcher der Herr Kultusminister zum Zwecke einer Verständigung über die Vorlage, die Annahme des vom Abgg. Hobrecht (nat.-lib.) und Frhr. v. Zedlich-Neu- kirch (freik.) heute wiederholten, aber etwas modifizirten Antrages empfahl. In der Spezialdebatte wurde darauf in Nr. 1 des ß 1 der Satz von 400 Mark für einen alleinstehenden, sowie einen ersten ordentlichen Lehrer in Uebereinstimmung mit der Regierungsvorlage aufrechterhalten; dagegen wurden in Nr. 2 für einen anderen ordentlichen Lehrer und eine ordent­liche Lehrerin die Sätze von 300 bezw. 200 Mark auf 200 bezw. 150 Mark reduzirt. Die Nr. 3 blieb unverändert. Die §§ 2 und 3 wurden debattelos genehmigt. § 4 (§ 5 her Regierungsvorlage Fortfall der Erhebung des Schulgeldes) wurde nach den Beschlüffen der zweiten Lesung aufrechterhalten, nachdem der Antrag Hobrecht und Gen. in namentlicher Abstimmung mit 172 gegen 132 Stimmen abgelehnt war. Der Rest des Gesetzes mit der Verfaffungsänderung (§ 7) wurde debatte­los genehmigt und dann das Gesetz im Ganzen fast einstimmig ange­nommen. Montag: Anträge, kleinere Vorlagen, Wahlprüfungen.

Ueber das Befinden des Kaisers

meldet derR. u. St.-A.":

Charlottenburg, 21. April, Morgens 9 Uhr. Se. Majestät der Kaiser und König haben eine weniger gute Nacht gehabt. Das Fieber ist etwas stärker als gestern Morgen, die Athmung ziemlich leicht. Das Allgemeinbefinden ist nicht so gut rote gestern. Morell Mackenzie. Weg­ner. Krause. T. Mark Hovell. Leyden. Senator.

Charlottenburg, 21. April, Abends 8 Uhr 30 Minuten. Bei Sr. Majestät dem Kaiser und König war heute das Fieber etwas er­mäßigt. Das Allgemeinbefinden war bester. Morell Mackenzie. Wegner. Krause. T. Mark Havell. Leyden.

Charlottenburg, 22. April, Morgens 9 Uhr.. Majestät der Kaiser und König hatten eine ruhigere Nacht. Das Fieber hat sich wieder ermäßigt. Das Allgemeinbefinden bester. Morell Mackenzie. Wegner. Krause. T. Mark Hovell. Leyden.

Berlin, 21. April, 4 Uhr 50 Nachm. DieNordd. Allg. Z." meldet über den Kaiser : Das Fieber dauert an, ebenso die Eiterentleerung, die aber etwas vermindert ist. Der Appitit ist nicht bedeutend, doch genießt der Kaiser genügende Quantitäten entsprechend zubereiteter Speisen. Die geistige Klarheit und Arbeitslust sind ungeschwächt. Das Blatt hebt die seltene Standhaftigkeit des Kaisers hervor, theilt die erschütternden Worte mit, welche der Kaiser kürzlich dem Kronprinzen auf ein Papier­blatt geschrieben hat :Lerne leiden ohne zu klagen; das ist das Einzige, was ich Dich lehren kann" und erwähnt ferner die Mittheilung eines Charlottenburger Blattes, wonach der Kaiser bei dem jüngsten Empfange des Feldmarschalls Blumenthal, nachdem dieser dem Kaiser baldige Ge­nesung gewünscht hatte, auf ein Papierblatt geschrieben habe:Mein lieber Blumenthal, es ist fast nicht mehr zu ertragen."

Weiter lesen wir in derKöln. Ztg.":

Berlin, 21. April, 6 Uhr 10 Min. Abends. Die Stimmung in Charlottenburg bei der Umgebung des Kaisers und den Aerzten ist heute eine recht ernste, auch Professor Leyden und Senator standen bei der Rück­fahrt von Charlottenburg dem Publikum nicht Rede, sondern verwiesen auf das Bulletin. 6 Uhr 55 Min. Abends. In den Nachmittags- fiunben hat sich das Befinden des Kaisers verhältnißmäßig etwas gebessert, das Fieber ist etwas vermindert, eine größere Beruhigung ist eingetreten.

Berlin, 21. April, 7 Uhr Abends. Der Natur des Leidens un­seres Kaisers entspricht es, daß bei dem vorgeschrittenen Stadium der Krankheit überhaupt und dem jetzigen heftigen Anfall insbesondere das Allgemeinbefinden selbst in kurzen zeitlichen Zwischenräumen sich vom (Sit­ten zum Schlimmern und umgekehrt ändern kann und demnach die Be­richte fast von einer Stunde zur andern sich in Einzelheiten widersprechen. Anscheinend aus Hofkreisen wird vor zahlreich umgehenden Meldungen über Aeußerungen des Kaisers gewarnt. Doch muß anderseits auch be­tont werden, daß sich manche Meldung schon als richtig erwiesen hat, die von derselben Seite her lebhaft bestritten wurde. In der Hauptstadt

waren heute Morgen sehr beunruhigende Mittheilungen über das Befinden des Kaisers verbreitet, die wohl im wesentlichen daraus entstanden waren, daß der Oberhofprediger Kögel zum Kaiser befohlen war. Thatsächlich war aber im Befinden des hohen Kranken keine wesentliche Aenderung eingetreten; es bleibt nach wie vor unbefriedigend, zumal reichliche Eiter­aussonderung und das Fieber andauern, wodurch die körperliche Kräfte des Kranken herabgemindert werden. Da aber der Kaiser noch immer, wenn auch heute weniger als gestern, Eßlust hat und ausreichende kräf­tigende Nahrung zu sich nimmt, so ist immerhin noch Aussicht vorhanden, daß der Kräfteversall ausgehalten werde. Kurz vor 4 Uhr fuhr der Reichskanzler im offenen Wagen nach Charlottenburg, wo sich im Laufe des Tages auch die Kaiserin Augusta und die hiesigen Mitglieder der königlichen Familie eingefunden hatten. Die Auscultation und Percussion des Kranken ergibt keinen bestimmten Befund da infolge des Luftröhren- fchnitts und des Zustande? der Luftröhre die Töne und Geräusche in den Lungen sich nicht mehr klar erkennen lassen. Der Reichskanzler ver­weilte von 4 Uhr 15 Minuten bis 5 Uhr 45 Minuten im Schlöffe.

Berlin, 21. April. Der bisherige hanseatische Minister-Resident, Dr. Krüger hierselbst, ist zum außerordentlichen Gesandten und bevoll­mächtigen Minister der Hansestädte am hiesigen Allerhöchsten Hofe ernannt worden.

Berlin, 21. April. DerR. u. St.-A." Nr. 107 veröffentlicht: Gesetz, betreffend den Reingewinn aus kriegsgeschichtlichen Werken des Großen Generalstabes, vom 12. April 1888.

Berlin, 21. April. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen heute Vormittag den General - Adjutanten v. Winterfeld zu einem Vortrage.

Berlin, 21. April. Der Hausminister Graf Stolberg theilte dem Magistrat mit, daß Kaiser Wilhelm durch ein dem Testamente hinzuge­fügtes Kodizill vom 19. Juli 1882 der Stadt Berlin hunderttausend Mark zu Armenunlerstützungen oder zur Verwendung für besondere Stif­tungen ausgesetzt hat. Der Magistrat beschloß, die kaiserliche Genehmigung zur Annahme der Schenkung nachzusuchen.

Berlin, 21. April. S. M. KreuzerMöwe", Kommandant Korvetten - Kapitän Boeters, ist am 19. April er in Zanzibar eilige« troffen.

Unser Kaiser hat durch Erlaß vom 14. April d. I. bestimmt, daß die Fürbitte für ihn und sein Haus in dem allgemeinen Kirchengebete mit folgendem Wortlaute gehalten wird:Laß, o Herr, Deine Gnade groß werden über Deinen Knecht Friedrich, den Kaiser, unseren König und Herrn, die Kaiserin und Königin, die Kaiserin und Königin-Mutter, über den Kronprinzen und die Kronprinzessin, seine Gemahlin, über sämmtliche Königliche Prinzen und Prinzessinnen u. s. w."

Zur Berliner Dombaufrage wird im weiteren bekannt, daß seitens des Kultusministeriums dem Kaiser bereits ein sehr umfassender Bericht über den Stand bec Angelegenheit und eine Reihe von Vorschlägen eingereicht worden ist, auf welche nun die kaiserliche Entscheidung erwartet wird, worauf die Angelegenheit weitergeführt werden könnte. Die Vor­schläge gehen dem Vernehmen nach davon aus, daß es sich nicht um einen Umbau der jetzigen Domkirche, sondern um einen Neubau handle, wobei gleichzeitig geprüft werden foO, ob dieser Neubau mit einer Fürsten- grust verbunden werden und dem zu Folge eine Gliederung, vielleicht auch noch in Verbindung mit Gebäuden für andere kirchliche Zwecke, erfahren solle.

Soeben ist der Jahresbericht des Norddeutschen Lloyd für 1887 veröffentlicht worden. Bekanntlich werden die seit Sommer 1*86 nach Ostasien und Australien eingerichteten Reichspostdampferlinien vom Nord­deutschen Lloyd betrieben, wofür derselbe einen Reichsznschuß von 4,400,000 Mark erhält. Die vom Norddeutschen Lloyd veröffentlichte Rechnung weist nun nach, daß die Reichspostdampferlinien einungünstiges Resultat" zu verzeichnen haben, welches nicht nur den Reichszuschuß von 4,400,000 Mark völlig aufgezehrt, sondern auch darüber hinaus der Gesellschaft des Norddeutschen Lloyd einen Verlust von 1,753,361 Mark 20 Pfennig zugefügt hat.

Bremen, 21. April. Karl Schurz ist mit seinen Söhnen und Töchtern gestern Abend in Bremerhaven eingetroffen.

München, 20. April. Wie dieAllg. Ztg." aus zuverlässigster Quelle erfährt, ist das diesjährige Georgi. Rittersest in Frage gestellt, da dasselbe nur abgehalten werden würde, wenn im Befinden des Deutschen Kaisers eine erfreuliche Besserung eintritt.

Florenz, 21. April. Die Abreise der Königin von England ist nunmehr auf Sonntag Abend festgesetzt, die Ankunft in Berlin Dienstag Vormittag zu erwarten.

Bremen, 21. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Saale" ist heute in New-Aork eingetroffen.

WU- Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage."SSS

Spezial-Tèlegramme desDeutschen Montags-Blatt."

Berlin, 22. April, Abends. Der Kaiser, wie schon oft erwähnt, der geduldigste und folgsamste Patient von der Welt, nimmt, den Wei­sungen der Aerzte zufolge, verhältnißmäßig große Mengen der in be­kannter Weise bereiteten Nahrung zu sich, obschon fein Appetit nicht