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Nr. 94.
Samstag den 21. April
1888
Amtliches.
Zum Ankäufe von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren ist im Bereiche der Königlichen Regierung zu Cassel für dieses Jahr nachstehender, Morgens 8 Uhr beginnender Markt anberaumt worden und zwar
am 9. Juli Wabern.
Die von der Remonte-Ankaufs-Kommission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt.
Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, ebenso Krippensetzer, welche sich in den ersten acht und zwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigenthümlich gehören, oder durch einen nicht legitimirten Bevollmächtigten der Kommission vorgestellt werden, sind vom Kauf ausgeschlosien.
Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue, starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens zwei Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben.
Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststellen zu können, ist es erwünscht, daß die Deckscheine möglichst mitgebracht werden; auch werden die Verkäufer ersucht, die Schweife der Pferde nicht zu coupiren oder übermäßig zu verkürzen.
Ferner ist es dringend wünschenswerth, daß der immer mehr überhand nehmende zu massige oder weiche Futterzustand bei den zum Verkauf zu stellenden Remonten aufhört, weil dadurch die in den Remonte- Depots vorkommenden Krankheiten sehr viel schwerer zu überstehen sind, als dies bei rationell und nicht übermäßig gefütterten Remonten der Fall ist.
In Zukunft wird beim Ankauf zum Liessen der Remonten das Stockmaß in Anwendung kommen.
Berlin am 1. März 1888.
Kriegsministerium, Remontirungs-Abtheilung.
Freiherr von Troschke.
BekaRNtmschuKgen Kömgl. La«drathSamts.
Die technischen Revisionen der Maaße und Gewichte für den Landkreis Hanau finden in nachstehender Weise statt:
Großauheim: 23., 24. u. 25. Mai.
Großkrotzenburg u. Pulverfabrik: 26. u. 28. Mai.
Niederrodenbach und Oberrodenbach: 29. Mai.
Rückingen: 30. Mai.
Langenselbold: 31. Mai u. 1. Juni.
Hüttengesäß u. Neuwiedermuß: 2. Juni.
Ravolzhausen u. Langendiebach: 4. u. 5. Juni.
Bruchköbel u. Niederissigheim: 6. Juni.
Oberissigheim u. Rüdigheim: 7. Juni.
Marköbel u. Ostheim: 8. u. 9. Juni.
Eichen u. Erbstadt: 18. u. 19. Juni.
Windecken: 20. u. 21. Juni.
Roßdorf, Mittelbuchen u. Wachenbuchen: 22. u. 23. Juni.
Kilianstädten: 25. Juni.
Oberdorfelden, Niederdorfelden u. Gronau: 26. u. 27. Juni.
Bergen-Enkheim: 28., 29., 30. Juni u. 2. Juli.
Fechenheim: 3., 4. u. 5. Juli.
Bischofsheim u Hochstadt: 6. u. 7. Juli.
Dörnigheim: 9. Juli.
Kesselstadt: 10. Juli.
Die Revisionen werden durch die Organe der Ortspolizeiverwaltungen 'M den allermeister Tr o st aus Hanau ausgeführt.
Die Gewerbetreibenden werden hierdurch aufgefordert, ihre Maaße $ soweit deren fortdauernde Richtigkeit zweifelhaft erscheint, vorher zur sämtlichen Prüfung zu bringen. Werden zweifelhafte Maaße 2C. bei ^" Revisionen vorgefunden, so wird Einziehung derselben bezw. Bestrafung ^ §. 369 Nr. 2 des Strafgesetzbuches erfolgen. Den ungestempelten
Maaßen rc. gelten diejenigen gleich, deren Aichstempel unkenntlich geworden sind.
Hanau am 4. April 1888.
Der Königliche Landrath
P. 2266_________________Gf. Bismarck._______________________
NeM-UüchrichLnL aus dem Kreise.
Vom Wasenmeister ein gefangen am 19. ds. Mts.: ein grauer Mopshund m. Geschl.
Gefunden: Eine Bettelmünze (doppelt). Ein Kindertaschentuch. Eine Fibel.
Hanau am 21. April 1888.____
Es wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß durch Verfügung des Königlichen Herrn Regierungs-Präsidenten dem am 12. Mai 1855 zu Hanau geborenen Karl August Ferdinand Diemer, außerehelichem Sohne der Wittwe des Schlossers Johann Peter Rohrweg, Karoline Philippine, geb. Diemer, mit Zustimmung seiner Mutter gestattet worden ist, fortan den Familien-Namen „Rohrweg" zu führen.
Hanau am 19. April 1888.
Der Oberbürgermeister Westerburg.______________________
Ich hab's gewagt!
Ein Gedenkblatt zum 400jährigen Geburtstage
Ulrichs von Hutten
am 21. April 1888. (Nachdruck verboten.)
An den Quellen der Kinzig erhebt sich der Steckelberg, thalwärts mit blühenden Ländereien geziert, weiter hinauf aber mit wildem Gestrüpp bedeckt, durch das sich einzelne Baumpflanzungen bis auf den nicht sehr geräumigen Gipfel ziehen, diesen selbst hat ein wüster Trümmerhaufen fast ganz verschüttet.
Vor Zeiten stand hier die Steckelburg, wo Ulrich von Hutten geboren wurde. Hier athmete er den ersten Hauch, hier verträumte er der Jugend goldne Tage. Wechselvoll wie sein Schicksal war das seines Stammsitzes, der nach dem Aussterben der Steckelberger an den Würzburger Bischof und von diesem für 250 Mark Silber um 1274 an Reinhard Herrn von Hanau verpfändet wurde. Aber auch ihm wurde die Steckelburg schon 1276 von Rittern, deren Name die Geschichte nicht nennt, entriffen. Soviel aber steht fest, daß es Raubritter waren, die die Kaufleute der Wetterau überfielen und brandschatzten. Deshalb brach Reinhard von Hanau die Burg nieder und so verschwand sie beinahe ein Jahrhundert lang vom Schauplatze, bis sie 1388 von neuem erscheint und zwar im Besitz Ulrichs von Hutten, dessen Linie schon um 1452 erlosch.
Unser Dichter gehörte dem Gronauer Stamm an, der mit Ludwig, um 1300, ins Bereich der Geschichte tritt.
Von Ulrich's Brüdern ist noch der jüngste Hans bekannt, von einem dritten mit Namen Fröben haben wir einen Brief an den „hochgelarten vnd Ernuesten Ulrich von Hutten zu steckelberg mejn fr. lieber Bruder zu Eygner Handt" aus dem Jahre 1520.
Von Ulrich wird erzählt, daß er zu Gunsten seiner Brüder auf das väterliche Erbe verzichtet habe, doch kann ich nirgends eine Spur von dieser Verzichtleistung finden. Vielmehr erklärt es sich daraus, daß er zum geistlichen Stande bestimmt und daher als solcher erbrechtlos war. Späterhin hielt ihn wohl sein unstätes, eheloses Leben ab, Erbansprüche zu erheben. Ueberhaupt scheint er sich zu Hause nie wohl gefühlt zu haben, die Umgebung war zu wenig geeignet, seinen feurigen Geist zu fesseln; sein längster Aufenthalt auf Steckelburg war im Jahre 1519, wo er eine eigene Handdruckerei in der Burg angelegt hatte, aus der vor allem die Reden gegen den herzoglichen Meuchelmörder*) Ulrich von Würtemberg und die Ausgabe des alten Werkes de unitate ecclessiae etc. heroor- gingen.
Wir wollen nun näher auf Ulrich selbst und seine Bedeutung als Dichter eingehen. Wie oben erwähnt, war er für den geistlichen Stand bestimmt, aber schon früh entlief er der Klosterschule und widmete sich in Erfurt und Frankfurt a. O. humanistischen Studien. Hier war er der