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Präsident des Reichstages war, sagte:Wenn Frankreich und Holland abgeschloffen haben, so bedeutet das den Krieg." Der Kronprinz antwor­tete lebhaft:Sie haben den Krieg nicht gesehen, sonst würden Sie das Wock nicht so ruhig aussprechen. Ich kenne den Krieg und muß Ihnen sagen: Es ist die größte Pflicht, wenn noch eine Möglichkeit be­steht, dieses Unglück zu vermeiden. Zu einem Kriege zu reizen, ist eine furchtbare Schuld. Ja, selbst wenn ein Statsmann die Nothwendigkeit des Krieges voraussieht, darf er ihn nicht künstlich herbeiziehen, außer wenn * er ein Genie und des Schicksals sicher ist, sonst heißt das Gott versuchen! Aber den Krieg, wenn er kommt, erwarten und bestehen, ist Mannespflicht. Dann haben mit mit uns die beiden mächtigsten Bundesgenossen : Den entschlossenen Willen des Volkes und den Beistand des Himmels."

Der Schwäbische Merkur bemerkt, daß einer der wichtigsten Bestandtheile des soeben verkündigten Gesetzentwurfs über die Nechtsver- hältniffe in den deutschen Schutzgebieten die Vorschriften über die Ec- theilung von Korporationsrechten von Reichswegen an Kolonialgesell­schaften seien, und fährt dann fort: Diese Vorschriften sind erst im Reichstage, hauptsächlich auf Anregung des Abg. Meyer-Jena (national­liberal), hinzugefügt und dürften zur Förderung unserer kolonialen Unter­nehmungen wesentlich beitragen. Es war eine alle Klag', daß das deutsche Gesellschaftsrecht für koloniale Unternehmungen große Mängel und Schwierigkeiten bietet, daß die Form der Aktiengesellschaft für diese Unternehmungen nicht paßt und für eine andere Gesellschaftsform mit beschränkter Haftbarkeit die genügende Grundlage fehlte. Es wurde wesentlich diesem Mangel zugeschrieben, wenn der deutsche Unternehmungs­geist in den Kolonien sich noch nicht recht bethätigt hat. Bisher hatte man wohl als Nothbeh ls die Kolonialgesellschaften auf Grundlage des preußischen Landrechts als pnoatrechtliche Korporationen eingerichtet; in­dessen hatte sich das Ungenügende dieses Auskunftsmittels klar genug herausgestellt. Um dem dringendsten Bedürfniß abzuhelfen, wurden jetzt ormativbestimmungen für die Biloung von Kolonialgesellschaften ausge­stellt, mit dem Vorbehalt, daß die Reichs-Gesetzgebung sich demnächst mit der Schaffung eines vollständigen Kolonialgesellschaftsrechts besassen werde. Man wird wohl erwarten dürfen, daß jetzt, nachdem zweckmäßige recht­liche Grundlagen für die Bildung von Kolonialgesellschaften geschaffen sind, der deutsche Unternehmungsgeist sich noch eifriger, als es bisher der Fall gewesen, auf diesem Felde bethätigen wird.

Posen, 3. April. (K. Z.) Einem Ausschüsse von Bürgern, der

s Nahrungsmittel an die durch die Ueberschwemmung Geschädigten vèrtheilt, sagte Minister v. Puttkam er, S. M. der König habe ihn direct auch nach Posen gesandt, weil sein Herz sehr schmerzlich davon ergriffen sei, daß . gleich bei seinem Regierungsantritte so viel Noth und Elend über einen Theil seines Landes hereingebrochen sei; er, der Minister, bitte, dies den Bürgern zu sagen, und spreche ihnen für ihre werkthätige Hülfe den Dank Sr. Majestät aus. Die Warthe ist heute auf 5,20 Mir gefallen.

Danzig, 3. April. Durch Ueberfluthung des Sorgefluffes sind ganze Stadttheile von Christburg (Kreis Stuhm, Regierungsbezirk Marien­werder) hoch überschwemmt, mehr als 20 Häuser sind eingestürzt, an 300 Menschen obdachlos. Bei Wernersdorff, oberhalb Marienburg, droht der Nogatdamm zu versinken; es wird mit aller Kraft gearbeitet, um den Damm zu halten und neue schwere Gefahr für Marienburg und das große Werder abzuwenden.

Elbing, 3. April. Zwischen hier und Marienburg geht täglich eine Pontonpost. Das Ueberschwemmungsgebiet umfaßt jetzt etwa zwölf Quadratmeilen, da viele Dörfer durch Rückstau überschwemmt sind. Die Wafferhöhe beträgt 3 bis 12 Fuß. Heute wurde die Schichau'sche Schiffs­werft theilweise überschwemmt, 200 Arbeiter sind in Folge dessen entlassen worden. (NH. K.)

Lübeck, 3. April. (K. Z.) Der Dampfer Hansa, Capitän Pier- storff, der Libau Lübecker Dampfschifffahrts. Gesellschaft gehörig, ist in der Libauer Bucht gestrandet. Die Mannschaft wurde gerettet.

Leipzig, 3. April. Der namhafte hiesige Musikproseffor Franz Götze ist gestorben.

München, 3. April. (K. Z.) Der Prinzregent ließ dem Grafen Werthern durch Minister Crailsheim den Stern in Brillanten zum Groß- komiurkreuz des bayerischen Kronenordens überreichen. Nachdem Graf Werthern sein Abberufungsschreiben übergeben, empfing der Prinzregent ^ auch die übrigen Herren der preußischen Gesandtschaft, darunter den Grafen Eulenburg, welcher einstweilen die Gesandtschaftsgeschäfte führt. Auf heute Nachmittag ist Graf Werthern mit Gemahlin nebst den oben- erwähnten Herren zur königlichen Tafel geladen. Werthern bleibt noch / einige Wochen hier. Ueber seinen Nachfolger ist noch nichts bekannt; die Ernennung eines solchen dürfte sich überhaupt länger verzögern.

Rom, 3. April. In mehreren Ortschaften der Provinz Bergamo sind durch Schneelawinen Verheerungen angerichtet worden. Die Straße zwischen Gardellino und Bondione ist verlegt.

Italiener und Abessynier stehen sich fast Auge in Auge gegenüber, die Italiener in ihrem verschanzten und sehr festen Lager, die Abessynier rings herum, jeden Tag konnte es zum Schlagen kommen. Da hat plötzlich der schwarze Negus dem italienischen General den Frie­

den angeboten oder auch ein Ultimatum, man weiß es nicht recht; denn der Negus ist listig und verschlagen. Unterhandelt aber wird.

Paris, 2. April. Die Mitglieder des neuen Cabinets haben schon die Erklärung entworfen, welche morgen in der Deputirtenkammer vor­gelesen werden soll. Floquet stellte hierauf die Mitglieder seines Cabinets dem Präsidenten Carnot vor.

Paris, 3. April. Das neue Ministerium setzt sich folgendermaßen zusammen: Präsidentschaft und Inneres: Floquet, Krieg: Freycinet, Finanzen: Peytral, Aeußeres: Goblet, Justiz: Ferrouillat, Unterricht: Lockroy, öffentliche Arbeiten: Deluns-Moiuaud, Ackerbau: Vielte, Marine: Krantz, Handel: Pierre Legrand. Die Kammer beginnt ihre heutige Sitzung erst um 3 Uhr, um dem Cabinet Zeit zu lassen, seine Erklärung auszuarbeiten.

Washington, 2. April. Der Gesetzentwurf, betreffend die Er­mäßigung des Zolltarifs, ist der Repräsentantenkammer von dem Bericht­erstatter des Finanz - Ausschusses nunmehr vorgelegt worden.

Chikago, 3. April. Die Direktion der Chikago-Milwaukee-Saint Paul-Eisenbahn hat gegen 5000 ihrer Bediensteten wegen Betheiligung an dem jüngsten Strike entlassen.

Bremen, 2 April. Der Dampfer des Norddeutsche Lloyd Trave" ist heute in New-Pork eingetroffen.

Hamburg, 2 April. Der PostdampferMoravia" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt - Aktiengesellschaft ist gestern in New-Aork eingetroffen.

Triest, 31. März. Der LloyddampferEttore" ist mit der ostindischen Post heute Nachmittag aus Alexandrien hier eingetroffen.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Für die durch Ueberschwemmung so schwer Heim gesuchten an der Elbe, Ooer und Weichsel rc. sind uns folgende Liebesgaben zuge­gangen :

3. April. Von einer Skatpartie 5,20 Mk. Von F. 50 Mk. Von M. 20 Mk.

Weitere Selb gaben nimmt gerne entgegen

Die RedaktionidesHanauer Anzeiger."

Redaktionell. Die Prüfung neuangemeldeter Schüler in Kgl. Gymnasium findet, wie dies aus der darauf bezüglichen Bekanntmachung in heutiger Nummer zu ersehen, Montag den 9. April von 8 Uhr an statt. ---------------

Frequenz der städtischen Badeanstalt im Monat März 1888.

Abgegeben wurden:

175 Bäder I. Cl.

319 li. Cl.

619 III. Cl.

43 Douchebäder.

39 Römisch-Irische Bäder.

Sa. 1195 Bäder.

sohin im Durchschnitt per Tag : 39,s Bäder (bei 30 Betriebstagen.)

Die höchste abgegebene Zahl betrug: 127 Bäder am 31. März.

Die geringste abgegebene Zahl betrug: 6 Bäder am 19. März.

Viertes Symphonie - Concert. Das nächste und wie wir hören letzte Symphonie-Concert der Hanauer Stadtkapelle in die­ser Saison, welches nächsten Dienstag stattfindet, wird ein erhöhtes In­teresse noch dadurch gewinnen, daß eine Composition (Symphonie in F-dur) des Herrn Frank Limbert aus Kesselstadt, dessen seelenvolles Klavier­spiel unsere Concertbesucher bereits kennen, unter Leitung des Componisten selbst, die erste Nummer des schönen Programms bildet. Es sei be­merkt, daß der junge strebsame Künstler seine Studien am Ho ch'schen Conservatorium zu Frankfurt a. M. gemacht hat.

Indem wir hier noch bemerken, daß die bis jetzt schonst verlaufenen Symphonie Concerte der hiesigen Stadlkapelle sich bereits die Gunst unse­rer Musikfreunde erworben haben, wollen wir wünschen und hoffen, daß sie unter ihrer bewährten L-itung in der seitherigen Weise weiter strebt; allgemeine Anerkennung wird dann nicht ausbleiben.

Hassia. Die Hanauer RudergesellschaftHassia" bezog von der bekannten Bootbauerei Joseph Wirth in Frankfurt a. M. einen neuen Vierer. Vorgestern wurde die Probefahrt in dem nach neuester Construk- tion verfertigten, sorgfältigst gebauten Boote unternommen, und fiel die­selbe zur Zufriedenheit aus. Die regelmäßigen Uebungsfahrten der zu den Regatten bestimmten Mannschaften werden demnächst ausgenommen.

Deutsch-nationale Knnstgewerbeausftettnng zu Mün­chen 1888. Das Direktorium der Deutsch nationalen Kunstgewerbeaus­stellung theilt demPf. Beob." mit, daß vielfach verbreiteten irrthüm- lichen Nachrichten entgegen keinensalls eine Verschiebung der Ausstellungs­eröffnung auf 1. Juni stattfinden wird. Der Stand der Vorarbeiten ist vielmehr ein derartiger, daß der 15. Mai mit aller Sicherheit als unab änderlich festgesetzter Eröffnungstermin betrachtet werden kann.

Kommitzbrod. Das Generalkommando des 11. Armeekorps macht vsm 1. April d. J. an den Versuch, den sämmtlichen Truppen der