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Nr. 65.

Samstag den 17. März

1888.

BewMtmachungen Kömgl. LüNvialhsamts.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden hierdurch veranlaßt, die in dovpelter Ausfertigung aufzustellenden Klassenfteuer-Zu- und Abgangslisten pro II. Halbjahr 1887/88 nebst Belägen sofort und spätestens bis zum 20. d. Mts. an die betreffende Königl. Steuerkaffe und die Listen der zu den Klassensteuerstusen 1 u. 2 durch Zugangsstellung neu veranlagten in keine Rolle aufgenommenen Personen in gleicher Frist hierher einzu­senden, eventuell Baeat-Anzeige zu erstatten.

Hanau am 17. März 1888.

St. 393

Der Königliche Landrath.

J. V.: Baabe.

Dienst-Nachrichten ans dem Kreise.

Gefunden: Bei der Musterung zu Keffelstadt: ein Messer. Eine

Vorstecknadel mit Stein. Eine Stellscheere.

Hanau am 17. März 1888.

Kusslkreikeu âömgt. Staatsanmattfdiaft zu Frankfurt a. N.

M. 99/88. Ueber den Aufenthalt des Kaufmanns Franz Josef Koch, geb. 12./3. 1858 zu Untererthal, wird Auskunft begehrt.

. A. 4140. J. 4098/87. Das unterm 13. Dezember 1887 er­lassene Ausschreiben gegen den Arbeiter Wilhelm Feibel, geboren den 28. August 1867 zu Saarbrücken, wird erneuert.

J. 413/88. Ueber den Aufenthalt der Anna Louise Marie Rupprecht, geb. 9 /11. 1866 hier, wird Auskunft begehrt.

4212 A. J. 3628/87. Der am 9. d. M. gegen Johann Strube von Homberg erlassene Steckbrief ist erledigt.

Frankfurt a/M. den 14. März 1888.

Die Beisetzung des Kaiser Wilhelms.

A. d. Köln. Ztg.

Berlin, 16. März, 11 Uhr Morg. Der Menschenzudrang in den zu den Linden führenden Straßen hat augenblicklich offenbar seinen Höhepunkt erreicht. Das Gewühl ist außerordentlich; in den Haupt­straßen kommt man nur mit größter Mühe langsam vorwärts. Die Haltung der Bevölkerung ist würdig, still, traurig; nicht bloße Neugierde, innige Theilnahme treibt die größte Mehrzahl zur Feier. Die Kälte der Nachl hat allmählich nachgelaffen, doch durchpfeist ein schneidiger Wind die Straßen. Die Pferdebahnen waren seit dem frühen Morgen überfüllt; die Eisenbahnzüge wissen den Verkehr kaum zu bewältigen. Zahlreiche Kriegervereine treffen mit umflorten Fahnen aus den umliegenden Städten und Ortschaften ein und suchen noch den letzten Augenblick eine geeignete Spalieraufstellung. Bereits beginnt die Auffahrt der Eingeladenen beim Dome, die Kutscher tragen am Hut die Durchlaßkarte, dennoch haben sie alle Mühe, ungefährdet ihre Herrschaften am Ziele abzugeben.

Ter Trauergottesdienst im Domefür Seine in Gott ruhende Majestät Wilhelm I., deutschen Kaiser und König von Preußen" nahm folgtnden Verlauf: Nach einem leisen Vorspiel der Orgel, während dessen sich die Gemeinde versammelt liest der Geistliche Psalm 90, 2, 3, l0, 12 (Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge worden, und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der du die Menschen lässest sterben, und sprichst: Kommt wieder Menschenkinder. Unser Leben währet sieben- zrg Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achzig Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fahret schnell dahin, als flögen wir davon. Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden) und Joh. 11, Vers 25 unb 26 (Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da? lebet, und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben.) Der Dom- chor singt die Lieder: " ' " ' ...... "

I Wilhelm, gesandt hat; auch fehlt der kranke König Otto und der Prinz- ! rezent von Bayern, ihre Stelle versieht der künftige bayrische Thronfolger ^v ... . . . _ Lf Prinz Ludwi , der so schnell sich die Sympathien des preußischen Königs-

c Q Eil Erlöser lebt undChristus Hauses erobert hat, und mit ihm vertreten das Wittelbacher Geschlecht

= ... Geistliche lrest darauf Psalm 91, Vers 14 Prmz Leopold, der Schwiegersohn des österreichischen Kaisers, und die

biv 1b (Er begehret meiner, so will ich ihm aushelfen; er kennet beiden Herzöge in Bayern, der heilspendende Augenarzt Dr. Karl

meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn Herausreißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil.) 2 Tim. 4, Vers 7 bis 8 (Ich habe einen guten Kampf gekämpfet ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche

mir mir und nun von

der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter geben wird; nicht aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben) fährt fort: Selig sind die Toden, die in dem Herrn sterben, von an! Der Domchor antwortet: Ja der Geist spricht, daß sie ruhen ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Nach einem Ein­

gangsgebet singt nun die Gemeinde:

Was Gott Idut, das ist wohlgethan, Es bleibt gerecht sein Wille, Wie er fängt seine Sachen an, Will ich ihm halten stille.

Er ist mein Gott, Der in der Noth

, Mich wohl weiß zu erhalten,

Drum laß ich ihn nur walten!

Oberhofprediger Generalsuperintendent D. Kögel hielt hierauf die Gedächtnißrede am, Sarge, der der Text zu Grunde liegt:Nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen." Hierauf sprach er das Schlußgebet nebst Vater unser. Die Gemeinde sang darauf die zwei StrophenWenn ich einmal soll scheiden u. s. w." undErscheine mir zum Schilde u.s.w." Die Sing­akademie trug aus Grauns Tod Jesu vor: Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den Frommen vorbehält, Kein Mensch kann sie erwerben. O Jesu, Herr der Herrlichkeit, Du hast die Stätt' auch mir bereift, - Hilf sie mir auch ererben. Einen kleinen Blick in jene Freudenscene gib mir Schwachen, mir den Abschied leicht zu machen!" Der Oberhofprediger erteilte den Segen und der Domchor schloß mit demHeilig, heilig ist der Herr!"

Beim Austritt aus dem Dom ordnete sich der Zug in der vom Programm vorgeschriebenen Weise. Unmittelbar hinter dem Leichenwagen folgt zunächst das Reichspanier, getragen vom Commandirenden des Gardecorps, General von Pape, an dessen Seite die beiden steten Be­gleiter des dahingeschiedenen Kaisers, Fürst Anton Radziwill und Gras Lehn­dorff und hieran schließt sich ein Zug von Fürstlichkeiten, wie er in diesem Glanz und dieser Vollzähligkeit schwerlich je und gewiß nie in der Reichshauptstadt gesehen worden ist. Neben dem Kronprinzen, der an dieser Stelle vor allem seinen kaiserlichen Vater zu vertreten berufen ist, schreiten zunächst die drei anwesenden Könige von Dachsen, Belgien und Rumänien, alle drei aus deutschem Stamme und alle drei in engster Freundschaft mit dem Dahingeschiedenen verbunden; an sie schließen sich die Mitglieder der preußischen Königsfamilie und des Hohenzollernhauses, Prinz Heinrich an der Spitze, und unter ihnen die stattliche Gestalt des Regenten von Braunschweig und die jugendliche Erscheinung des Prinzen Leopold, grade an dieser Stelle die Erinnerung an seinen viel zu früh dahlngeschiedenen tapferen Vater hervorrufend, der mit dem jetzigen Kaiser in engster Waffenbrüderschaft so viel dazu mitgewirkt hatte, daß unsere Heere von Sieg zu Sieg eilen konnten; dann folgt die lange Reihe der fürstlichen Persönlichkeiten, die in dem Kaiser ihren langjährigen Ver­bündeten, ihren glänzenden Heerführer, ihren allzeit bewährten Freund und Rathgeber verloren haben. Fast alle die Herrscher der deutschen Bundesstaaten gehen hier einher, es fehlt nur der König von Würtemberg, j ben eigenes schweres Leiden in Florenz festhält und der seinen Neffen und Thronfolger, den so lange Zeit in Berlin heimisch gewesenen Prinzen