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Nr. 64.

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Donnerstag den 15. März

1888.

BLAnNtMüchrmgen Königs LkKLrathsamts.

Aus Anlaß des für Weiland Seine Majestät den Kaiser und König I Wilhelm am 16. d. M. stattfindenden Trauergottesdienstes bleiben die I Bureaux des Landrathsamts während dieses ganzen Tages geschloffen.

Hanau am 14. März 1888.

Der Königliche Landrath

V. 1614 Gf. Bismarck.

Der Altstädter Wochenmarkt fällt Freitag den 16. d. M. aus. Hanau am 15. März 1888.

Der Königliche Landrath

_ Gf. Bismarck. ____ ___

I Insfdu'cißen Kömgt. SMsanmiittfdiftff zu Frankfurt a. Ä.

M. 4/88. Ueber den Aufenthalt: 1) des Malers Philipp Sprengel, geboren am 4./10. 1864 in Bad-Nauheim, Lindheimergasse 16 hier wohnhaft gewesen, 2) des Kellners Jean Erben, geboren am 116./4. 1865 in Koblenz, Einhornstr. 14 hier wohnhaft gewesen, 3) des i Schuhmachers Nikolaus Wehner, geboren am 25. Aug. 1859 zu Dammersbach und hier Breitegaffe 9 wohnhaft gewesen, u. 4) des Weiß- > binders Uhl, früher in Sachsenhausen wohnhaft gewesen, wird Auskunft begehrt.

J. 776/88. Das am 2. d. M. gegen Johanna Hofmann aus Wehrheim erlassene Ausschreiben ist erledigt.

I Frankfurt a/M. den 13. März 1888.

I M. 217/86. Gegen den Schuhmacher Georg Kircher, geb. 27./2. 1851 zu Hünfeld, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Körperverletzung verhängt.

! Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 13. März 1888.

1_______ Königliche Staatsanwaltschaft.

t Ein Lebensbild des Kaisers Wilhelm.

(Fortsetzung und Schluß.)

Der Krieg mit Frankreich, die Kaiserkrönung.

Der Sieger von Königgrätz bot, von dem Schlachtfelds zurückge­kehrt, der preußischen Volksvertretung, obwohl Neuwahlen einen großen Umschwung in der Stimmung hervorgerufen hatten, die Hand zum Frie­den : durch dieIndemnität" wurde der innere Konflikt beigelegt, die Reorganisation der Armee als zu Recht bestehend, anerkannt und gutge­heißen. Noch aber war die Zeit der Ruhe und völligen Einigung Deutsch­lands nicht gekommen. In den Friedensschlüssen von 1866 hatte Preußen mit den süddeutschen Staaten ein Schutz- und Trutzbündniß geschlossen, welches Deutschland wenigstens für den Kriegsfall einigte und außerdem wurde eine gemeinsame Volksvertretung aller deutschen Staaten für Zoll- und Handelswesen durch Errichtung eines Zollparlaments geschloffen: die ersten Grundlagen einer Ueberbrückung des Mains, welche aller Welt Zeugniß davon ablegte, daß König Wilhelm die Vollendung seiner deutschen Ausgabe fest im Auge behielt. Das eifersüchtige Frankreich suchte wieder­holt mit dem König Händel; wie sehr er bereit war, den Frieden zu er­halten und dem Ausbruch eines neuen Krieges vorzubeugen, bewies seine Zustimmung zu den Vereinbarungen über Luxemburg (11. Mai 1867), durch welche dieses Großherzogthum neutralisirt wurde. Erst als im Jahre 1870^ per übermüthige Napoleon, von seinem Volke gedrängt,Revanche iür Sadowa" (Königgrätz) forderte und durch seinen Botschafter dem Könige Wilhelm, der im Bade Ems weilte, eine demüthigende und belei-1 bigenoe Bedingung bezüglich der von Spanien ausgestellten Thronkandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern stellte (19. Juli 1870), da wahrtet der König seine und seines Volkes Eyre, indem er es zu den Waffen rief. Wie ein Mann erhob sich Deutschland, dem Rufe des Königs folgens: auch Suddeutschland stellte seine Kriegsmacht dem Könige von Preußen: jur Benützung ! Den Siegen bei Wörth und"Spicheren folgten unter dem Oberbefehl des greifen Kriegsherrn die großen Schlachten bei Metz am

14., 16. und 18. August, bei Sedan am 1. September die Gefangen nähme Napoleons und der französischen Armee. Weiter eilte der König mit seinen Heeren nach Paris, das er fünf Monate lang belagerte, bis es sich endlich nachdem alle Entsatzversuche von unseren Truppen zu- rückgeschlagen waren ergab. Es ergab sich und mit ihm das nieder, geworfene Frankreich dem Deutschen Kaiser, der in dem altfranzö­sischen Königslchloß Versailles die ihm von den Fürsten Deutschlands an­getragene Kaiserkrone am 18. Januar 1871 ausgesetzt hatte.Wir über­nehmen die Kaiserliche Würde" so hieß es in seiner Proklamation in dem Bewußtsein der Pflicht, in deutscher Treue die Rechte des Reichs und seiner Glieder zu schützen, den Frieden zu wahren und die Unab­hängigkeit Deutschlands, gestützt auf die geeinte Kraft seines Volkes zu vertheidigen. Wir nehmen sie an in der Hoffnung, daß dem deutschen Volke vergönnt sein möge, den Lohn seiner heißen und opfermüthigen : Kämpfe in dauerndem Frieden und innerhalb der Grenzen zu genießen, i welche dem Vaterlande die seit Jahrhunderten entbehrte Sicherung gegen erneute Angriffe Frankreichs gewähren. Uns aber und unseren Nachfol­gern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung !"

Deutschland war einig geworden, vergrößert durch die alten deutschen Lande Elsaß und Lothringen. Gestützt auf diese Einigkeit und Macht führte der Kaiser das in so feierlicher Stunde verkündete Friedenspro­gramm aus: siebzehn Jahre hat Kaiser Wilhelm den Frieden erhalten und demselben immer neue Bürgschaften zugesügt, In Freundschaft nahte er sich dem alten Rivalen Oesterreich, das den geschichtlichen Thaten Rech­nung tragend die gebotene Hand ergriff; vom 5.- 11. September 1872 besuchten die Kaiser von Oesterreich und Rußland unseren Kaiser und schloffen mit ihm einen Bund zur Aufrechterhaltung des nach dem Frank, furter Frieden vom 10. Mai 1871 geschaffenen europäischen Rechtszu­standes. Der Machtstellung Deutschlands gelang es Europa vor den Ge­fahren zu schützen, welche der russisch-türkische Krieg (18771878) heraufbeschwor. Als später Rußland für die Beschränkung seiner Erfolge, die auf dem Berliner Kongreß (13. Januar bis 13. Juli 1878) vor­nehmlich auf Betreiben Englands beschloffen wurde, Deutschland verant­wortlich zu machen suchte und den Frieden bedrohte, sah sich Kaiser Wil-1 Helm gezwungen, zur Aufrechterhaltung desselben jenen Friedensbund mit Oesterreich-Ungarn (7. Oktober 1879) zu schließen, dessen Bestimmungen erst in diesen Tagen veröffentlicht wurden. Dieser Friedensbund hat seit neun Jahren den Mark- und Eckstein für den Frieden Europas gebildet, er ist im vorigen Jahre durch den Beitritt Italiens verstärkt worden. Aber Kaiser Wilhelm lreß auch in Voraussicht der trotzdem möglichen Gefahren nicht nach, weiter und weiter an der Vervollkommnung der Wehrkraft zu arbeiten: ein Heer, auf das wir mit Vertrauen in die Zu kurst blicken dürfen, hat er uns hinterlassen, ein werthvolles Unterpfand, für welches ganz Deutschland für alle Zeit dem dahingeschiedenen Kaiser zu dem größten Dank verpflichtet ist.

Die innere Politik.

Kaiser Wilhelm war trotz seiner Kriegèthaten ein Friedenskaiser. Unablässig war er bemüht, dieses Reich auch nach Innen zu stärken, die I friedliche Arbeit zu pflegen und den Frieden im Innern zu befestigen. | Die Achtung, welche er den Rechten der mit ihm verbündeten deutschen j Fürsten zollte, der bundesfreundliche Geist, der ihn als den Ersten, als das | Haupt des Bundes beseelte, hat das Gefühl der nationalen Zusammen- | gehörigkeck mächtig gefördert und die deutschen Fürsten in ihrer Gesammt- D heit zu einer Hauptstütze der nationalen Einigkeit gemacht. Nie und I nirgends kamen mehr jene Eifersüchteleien unter den Bundesstaaten vor, | an denen der deutsche Bund krankte: ein Ge-st beseelt sie alle. Alle 8 Bestrebungen des Kaisers, das Reich auszubauen und auf gesunde Grund- | lagen zu stellen, fanden die eifrigste Unterstützung bei seinen Bundes- | genossen. So konnte er, nachdem die ersten Einrichtungen des neuen ß Gemeinwesens errichtet, vor Allem seine Thätigkeit in gesteigertem Maße | der wirths chaftlichen Thätigkeit seines Volkes zuwenden. Diesem L