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Samstag den 10. März

1888

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Stark und treu!

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Eine Gabe auf den Todtenaltar unseres unvergeßlichen Kaisers und Königs, des hochseligen

Wilhelm I.

Eine Rocht, turM, düster und reginschwcr lag über dem Palais, gleichsam als ob sie die drückende Sorge einer ganzen Nation darstellen wollte, die verzweifelnd und doch immer noch hoffend zu Füßen ihres greisen Monarchen fnitete Genesung für ihn vom Himmel herabflehend.

Cs konnte ja nicht fein, so vernichtend durfte die Zeit nicht unsere Hoffnungen angreifen; soll die diesjährige Pafsionszeit wirklich eine Leidenszeit für uns sein, soll der neue Frühling einen alten urdeutschen Baum nicht mehr verjüngen? All diese Fragen drängten sich uns auf, aber unser Herz hatte nur ein banges Zittern, wir wagten keine Antwort, denn wir fürchteten uns davor.

Da traf uns auf einmal am späten Abend des 8. März die ! erschütternde Nachricht; die lauteste Fröhlichkeit verstummte und machte dem dumpfen Gefühl des Schmerzes Platz, es war, als ob mit einem I Male der Todtescngel seine kalte Hand um alle Herzen gekrampft hätte. Dann brachen laute Klagen aus um den geliebten Vater der Nation, der gleich einer gewaltigen breitästigen Eiche den Schatten des Friedens über das schwergeprüfte deutsche Land gebreitet und bis dahin aufrecht gehalten, dessen Herz in heiliger Glut für sein Volk und nur für sein Volk ge- schkagen und der nur für unser Bestes gearbeitet, nein, nicht nur gearbeitet, sein Leben preisgegeben, um uns glücklich zu machen.

Da kam mit einem Male eine Pepesche:Der Kaiser lebt"! Wir athmeten auf 'wie aus einem bösen Kraunt erwachend und dankten der Vorsehung, die uns ihn erhalten. Wie mancher eherne deutsche Mann wird in seiner Kammer Freudenthränen vergossen haben über diese glück, liche Wendung und im Gefühle des heißesten Dankes gegen den König der Könige eingeschlafen sein, ohne zu ahnen, daß es die letzte Nacht sei, die sein erlauchter Kaiser in dieser Welt weilte.

Und kaum war der düsteren Nacht ein trüber Morgen gewichen, iba traf uns, die wir schon wieder die schönsten Hoffnungen hegten die Wahrheit mit erschütternder Wucht und keine Aussicht mehr; der Tod hatte seine grausame That vollbracht, er hatte den edelsten Fürsten, 'den liebevollsten Vater uns auf immer entrissen. Der Schmerz war grenzenlos. Ein ganzes Volk hatte ihn verloren, der es mit einer Welt von Liebe umfaßt hatte, der sein ganzes Leben nur für e s gerungen und gekämpft.

Die Natur selbst fühlte uns unser Weh nach und hüllte sich in ein graues Trauergewand.

O erhabener, erlauchter Herr, es war Dir nicht mehr vergönnt, Deinen zweiundneunzigsten Geburtstag zu feiern, Du solltest den deutschen Lenz, der Deine ersten Jugendtage geschmückt, nicht mehr schauen, solltest die verjüngte Natur nicht mehr begrüßen können. Aber die Liebe Deines Volkes geht mit Dir, sie erleuchtet Dir den Pfad zur ewigen Ruhe, wo Du versammelt bist bei den besten Deines Volkes. Wir werden Dich nie vergessen und wie Barbarossa im Kyffhäuser, so wirst Du in unsern Herzen ewig sortleben. Wir werden immer dessen eingedenk bleiben, was wir Dir schulden, der Tu schon in frühester Jugend für Dein Volk für uns hast leiden müssen.

Aber er war doch hochbegnadet vor allen Sterblichen. Es war ihm vergönnt, sein Vaterland aus der tiefsten Schmach groß werden zu sehen, groß werden durch die Kraft seines Arms, seines Muthes. Schon im zarten Knabenalter trat die Furie des Krieges an ihn heran, Waffen­

lärm waren die Klänge, die seine Jugend umtönten. Die Schlachten von Jena und Auerstädt, von Preußisch Eylau und der schmähliche Friede von Tilsit mögen unauslöschliche Spuren in das jugendliche Gemüth ge­drückt haben. Die Schmach seines Vaterlandes persönlich zu rächen, ist es wohl auch gewesen, die ihn im Jahre 1814 als 17jährigen Jüngling mit Hinausriß in den Drang der Schlacht, in der er sein Leben gering­achtend die schönsten Proben persönlicher Tapferkeit ablegte. In diesen Schlachten und Kämpfen urb durch den furchtbaren Ernst der Zeit war er Mann geworden, ein Recke, der durchführen konnte, was die Vor sehung ihm auferlegt halte: Deutschland groß, einig und stark zu machen, aber noch über sünfzig Jahre harter Kämpfe und ernsten Strebens sollten vergehen ehe es zum letzten schwersten Streit ging, aus dem das neue deutsche Reich glorios entstehen sollte.

AIs greiser Ciebenziger zog er noch hinaus in das Toben der Feldsck lacht:

Er that, was keiner mochte im ächten Rittermuth,

Das ist dem armen Hirten, dem Bauersmann zu gut.

Aber er war geleitet von den höchsten Idealen seines Berufs, er gab sein Alles hin. Ja, wo ein solcher Fürst voranzieht, da kann kein Deutscher zurückbleiben. Es blieb auch keiner zurück, der Staatenbund hatte sich mit einem Male zum Bundesstaat geeinigt, zum Kaiserthum und Wilhelm stand, das verkörperte Ideal des deutschen Kaisers, Karl; der Große der Neuzeit an der Spitze des gesammten Deutschthums. Noch; immer durfte er nicht rasten, es galt eine Verfassung zu schaffen, das einige Deutschland, das im Krieg errungen war, nun auch im Frieden zu stärken.

Wir wollen übergehen, wie er noch gegen die Parteiung zu kämpfen hatte, wir wollen die schändlichen Attentate austilgen aus dem Buch der Geschichte, denn der erlauchte Tahingegangene hat ihnen verziehen. Aber wie muß das seine Seele betrübt haben, der doch nur das Gute wollte. Die Zeit ging hin. Deutschland war groß geworden durch seinen Helden, der ein milder, friedlicher Herrscher wurde, dessen höchstes Streben dahin ging, das Vaterland die schweren Kriege vergessen zu machen und den Frieden so lange als möglich zu erhalten. l

Es ist ihm gelungen trotz den Hetzereien und dem Jntriguenspiel unserer Nachbarn. So konnte er getrost hintreten vor den Allmächtigen und sagen:ich habe meine Mission erfüllt".

Was aber mußte der erlauchte Greis noch für eine Schule des j Leidens im eigenen Hause durchmachen, er mußte den geliebten Sohn als | Opfer einer bedenklichen Krankheit bedauern, den Enkel nahm ihm das j rauhe Geschick in der Blüthe der Jahre, fast alle seine nahen Verwandten | sah er vor sich hinscheiden. Das ist eine harte Prüfung für einen so I edlen und treuen Fürsten, das mag wohl den Lebenssaden so jäh unter- i krochen haben.--

Uns aber kann er nicht sterben, er lebt für uns und wird leben, I solange eine deutsche Zunge klingt und das mag uns ein schwacher Trost | in unserm tiefen Schmerze fein. Solange der Rhein durch deutsche Ufer | rollt, solange deutsche Lieder an der Ost- und Nordsee erklingen, solange | wird Wilhelm leben und wir können sein Andenken nicht schöner ehren, | als daß wir streben, seiner werth zu werden, daß Deutschland werde und 8 immerdar bleibe, was es warstark und treu!!" Das walte Gott!Z

Ferdinand Kunkek. g