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Nr. 59
Freitag den 9. März
1888
Kurs vor Schluß der Redaktion unseres heutigen Blattes ist folgende, das ganze Volk Deutscher Nation tief betrübende und mit schwerer Sorge erfüllende Drahtnachricht von Berlin eingetroffen:
„Kaiser Wilhelm ist heute Morgen halb 9 Ahr verschieden."
Hns[direi6ßii Kölügt. Sfaatsanmatffdiaft zu fcanftfucf a. M.
4550 B. — J. 1738/86. Ueber den Aufenthalt des Bäckers Valentin Oestreich von Egelsbach wird Auskunft begehrt.
A. 3607. — J. 3841/87. Ueber den Aufenthalt der Dienstmagd Emma Bifch, geboren 1861 zu New-Jork, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 5. März 1888.
4630 B. — 0. 62/88. Das am 2. d. Mts. gegen den Brauerei- gehülfen Hermann Zimmermann von Graben erlassene Ausschreiben ist erledigt.
D. 195/88. Ueber den Aufenthalt des Schuhmachers August Sauerteig, geb. 4. Mai 1864 zu Weißkirchen, wird Auskunft begehrt. Frankfurt a/M. den 6. März 1888.
J. 215/87. Das am 14. November 1887 gegen den Braugehilfen Johann Adam Pausch aus Münchberg erlassene Ausschreiben wird erneuert.
Frankfurt a/M. den 7. März 1888.
Tagesschau
P. Ans den Parlamenten. Berlin, 7. März. Der Reichstag berieth heule zunächst den Gesetzentwurf über die Auslegung des Artikels II des Gesetzes vom 30. Juni 1871, betreffend die Einführung des deutschen Strafgesetzbuchs in Elsaß, Lothringen. Die Majorität anerkennt die Nothwendigkeit dieses Gesetzes. Die zweite Berathung wird im Plenum statifinden. Die Gesetzentwürfe, betreffend den Reingewinn aus kriegsgeschichtlichen Werken des großen Generalstabes und betreffend die Ausführung der Uebereinkunft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst, wurden debattelos in erster und zweiter Berathung erledigt. Der Gesetzentwurf, betreffend die Feststellung eines Nachtragsetals (strategische Bahnen), wurde der Budgetkommission überwiesen. Die Gesetzentwürfe, betr. die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statlfindenden Gerichtsverhandlungen, sowie den Gesetzentwurf Lieber-Hitze wegen der Sonntagsfrage und endlich der von dem Abg. Munckel eingebrachte Gesetzentwurf, betreffend die Entschädigung unschuldig Verurtheilter, wurden in dritter Berathung definitiv angenommen. Schließfich wurden die Wahlen der Abgg. Dommes und Böhm (beide nat. lib.) für gültig erklärt. Morgen: Dritte Lesung des Etats.
Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung Ides Etats des Kultusministeriums bei dem Kapitel „Universitäten" fort. Bei demselben wurde wiederum die Honorarfrage der Universitsprofisioren, sowie auch das Universitätsstudium selbst zum Gegenstände längerer Erörterungen gemacht. Abg. Dr. Friedberg (nat.-lib.) wies dabei die gegen die akademische Jugend von gewisser Seite hier fortwährend erhobenen Vorwürfe als unbegründet zurück und betonte, daß, indem man die Achtung vor der studirenden Jugend schmälere, man unsere Universitäten selbst auf das schwerste schädige. Der Herr Kultusminister fügte dem noch hinzu, daß st seinerseits das Vertrauen zu unserer akademischen Jugend habe, daß sie selbst nach Kräften bemüht bleiben werde, etwaige Mängel zu beseitigen. — Bei dem Kapitel „Höhere Lehranstalten" wurde von freisinniger Seite eine Gleichstellung der Abiturienten der Realgymnasien mit denen der humanististischen Gymnasien hinsichtlich der Studienfächer in Anre gung gebracht. Der Herr Kultusminister widersprach dieser Auffassung unter Hinweis auf die schon fitzt vorhandene Ueberproduktion wissenschaftlicher Kräfte, die nur die Unzufriedenheit vermehrten und deshalb eine Gefahr für Staat und Gesellschaft seien. — Bei dem Kapitel „Elemen
tarunterrichtswesen" wurden polnischerseits die Klagen über die angebliche Verkümmerung der polnischen Sprache wiederholt. — Morgen: Fortsetzung.
P. Aus den Parlamenten. Berlin, 8. März. Der Reichstag erledigte eine Reihe kleinerer Vorlagen in dritter Berathung ohne Debatte, desgleichen einige Rechnungssachen. Eine Petition wegen Erweiterung reichsgesetzlicher Vorschriften zur Verhinderung des Wuchers wurde nach längerer Diskussion dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Der Hauptgegenstand der Tagesordnung, dritte Berathung des Etats, nahm einen sehr schnellen Verlauf. In der Generaldiskusston erklärte der Abg. Frhr. v. Mirbach (deutschkons.), daß er und mit ihm verschiedene seiner Freunde mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses davon Abstand nehmen würden, große wirthschaftspolitische Fragen zur Diskussiion zu stellen. Im Uebrigen wurden bei den verschiedenen Spezialetats nur einzelne wenige Punkte von allgemeinem Interesse berührt; verschiedene Anträge wurden zurückgezogen. Erwähnenswerth ist, daß die Resolution des Abg. Kulemann (nat. lib.), betreffend die Ermäßigung der Gerichtskosten und der Anwaltsgebühren, sowie die von dem Abg. von Wedell-Malchow (deutschkons.) beantragte Resolution, betr. die Anstellung von Ermittelungen der Kongruenz einzelner Zollposttionen und Mittheilung des Ergebniffes an den Reichstag, letztere bei Zählung mit 111 gegen 102 Stimmen, zur Annahme gelangten. Die Beschlußfaffung über einzelne Positionen des Etats war noch ausgesetzt, weshalb der Etat mit dem Etatsgesetz erst morgen zum Abschluß gelangen kann. Auf der Tagesordnung für morgen stehen: dritte Berathung mehrerer kleiner Vorlagen, Rest des Etats, sowie den Gesetzentwurf, betreffend den Befähigungsnachweis.
Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung des Etats des Kultusministeriums bei dem Kapitel „Elementarunterrichtswesen" fort. Nach kaum zweistündiger Berathung vertagte das Haus auf den Antrag des Abg. v. Rauchhaupt seine Sitzung „mit Rücksicht darauf, daß bei der gegenwärtigen schweren Lage, in der wir uns befänden, eine ruhige Erwägung der Verhandlungsgegenstände nicht möglich sei."
Berlin, 8. März. Der „R. u. St.-A." Nr. 63 bringt folgende Depeschen:
Berlin, 7. März, Abends 7 Vs Uhr. Der Zustand Sr. Majestät des Kaisers und Königs hat sich im Laufe des Nachmittags nicht wesentlich geändert. Se. Majestät haben ab und zu leichte Nahrungsmittel zu Sich genommen, v. Lauer. Leuthold.
8. März, Morgens 9 Uhr. Se. Majestät der Kaiser haben eine sehr unruhige Nacht gehabt. Die Kräfte haben noch mehr abgenommen. Etwas Nahrungèannahme ist erfolgt, v Lauer. Leuthold.
8. März, Mittags 12 Uhr. Zur Zeit ist etwas mehr Ruhe eingetreten, indeß ohne merkbare Hebung der Kräfte, v. Lauer. Leuthold.
Berlin, 8. März, 9 Uhr 30 Min. Abends. Nach einer Mittheilung von Abends 7 Uhr dauert der Schwächezustand des Kaisers fort. Der Kaiser nimmt ab und zu etwas Wein und flüssige Nahrung zu sich. Im ganzen ist sein Zustand ruhiger. — Abends 10 Uhr 10 Min. Ein! Bulletin beruhigt die Bevölkerung, welche durch Extrablätter, die eine I falsche Nachricht enthielten, sehr erregt war (F- N.)
Berlin, 9. März, 1 Uhr 20 Min. Nachts. Die ralative Besse rung im Zustand des Kaisers hält an. Seit 7 Uhr bis jetzt hat er, | nach einer Privatdepesche der „Fr. Ztg.", wiederholt etwas Nahrung ein-- genommen. Die Athmung ist besser, der Puls etwas kräftiger.