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; Nr. 58.
Menst-Nachrichten aus Lem Lreile.
Gefunden: Am 6. ds. Mts. 2 Portemonnaies mit Geld. Ein Zwicker.
Verloren: Ein Zwicker.
Hanau am 8. März 1888.
ânssiürklküll Königs. Sfaatsanmasffdiftff zu Mnfcfuüf a. N.
L. 48/88. Ueber den Aufenthalt der Maria Deißler, 18 Jahre alt, zuletzt in der Schießbude bei Hoffmann aus Bechtheim, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 6. März 1888.
Unsere Eisenindustrie.
Es ist keine Frage, daß sich in letzter Zeit auf dem Gebiete von Handel und Verkehr nicht nur, wie dies die Ergebnisse unserer Staatseisenbahnen deutlich zeigen, sondern auch in unseren produktiven Erwerbs, zweigen ein Umschwung zum Besseren bemerkbar gemacht hat. Es betrifft diese erfreuliche Wendung weniger die Quantität der Produktion, über deren Rückgang erhebliche Klagen eigentlich nicht in die Deffentlief eit gedrungen sind, als vielmehr die Höhe der Preise, welche für die verschiedensten Erzeugnisse auf einem Niveau angelangt war, daß vielfach nicht einmal die Herstellungskosten gedeckt werden konnten. In Hoffnung auf bessere Zeiten arbeitete unsere Industrie trotzdem weiter, und ihre Erwartung hat sie nicht im Stiche gelassen.
Auch die Eisenindustrie parlizipirt, wie der vom Generalsekretär des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, Dr. Rentzsch, in der letzten Generalversammlung dieses Vereins vorgelegte Geschäflsbericht an= gibt, an der Besserung des Geschäftsganges. Allerdings sind danach die heutigen Preise der Eisenfabrikate noch immer 10—20, 30, vereinzelt 1 sogar bis 40 Prozent niedriger als die in den Jahren 1882 und 1883 gezahlten, sie sind aber im Vergleich zu denen der letzten Jahre gestiegen, und man darf um so eher aus eine Dauer dieser Steigerung rechnen, als die Deckung des eingetretenen Mehrbedarfs nicht, wie im Jahre 1882 mit Ü berstürzung, sondern unter sorgfältigster Beachtung des Preisstandes und des etwa zu erwartenden weiteren Bedarfs vorgenommen würbe. Die letztere nicht zu unterschätzende Thatsache verdankt die Eisenindustrie vor Allem den im Laufe des Jahres 1887 getroffenen Verständigungen der Werke gleicher Branche unter sich über das Festhalten an einem den jeweiligen Bedarf nur wenig überschreitenden Produktions- quantum und den Vereinigungen zu Verkaufssyndikaten mit möglichst einheitlicher Preisstellung, und es ist dies ein von diesen Conventionen gestifteter Nutzen, der wohl zur Genüge bis Berechtigung nicht nur, sondern auch die Nothwendigkeit ihrer Existenz darthut.
Was die Produktion selbst betrifft, so lagen für den Geschäftsbericht nur die Zahlen des Jahres 1886 vor. Nach diesen hatte sich in dem genannten Jahre gegen das Vorjahr erhöht: die Produktion von Luppen und Jngots zum Verkauf von Röhren, von Gußwaaren (ausgenommen Geschirrguß), von Eisendahnachsen, Rädern und Radreifen, Hanbelseisen, Fe n-, Bau- und Profileisen, von Platten und Blechen, Weißblech, Draht, Geschützen und Geschossen. Die Ausfälle in der Minderproduktion, welche eingetreten war: für Eisenerze, Roh isen, Geschirrguß, Eisenbahnschienen und Schienenbefestigungstheile, Bahnschwellen und Schwellenbefestigungs- theile, Maschinenthkile und Schmiedestücke umfaßten nirgends bedeutende Posten. Im Vergleich zum Jahre 1878, dem letzten vollen Jahre vor Wiedereinführung der Eisenzölle, führten wir per 1886 an Eisenfabrikaten 297 174 Tonnen mehr aus, und dies geschah in einer Zeit, als der internationale Markt sich in der Ausnahme von Eisenartikeln aller Art besonders schwierig zeigte. Unsere Eisenindustrie hat demnach nicht nur bis auf ganz wenige Artikel unseren isländischen Markt für sich zurück erobert, sie hat auch im Auslande ein sich immer noch erweiterndes größeres Absatzgebiet gewonnen.
Wenn die Industrie an sich bessere Zeiten erlebt, so kann man sicher sein, daß auch für die Arbeiter die Löhne sich steigern. Das hat sich auch wieder für das Jahr 1887 in der Eisenindustrie gezeigt. Während noch im Jahre 1886 eine Abschwächung der Lohnsätze èinge- ’ treten war, sind dieselben für 1887 wieder in die Höhe gegangen, und eine solche Steigerung will umsomehr sagen, als die Eisenindustrie und der Maschinenbau, wie dies u. A. auch aus den für das Jahr 1886 |
Donnerstag den 8, März
1888.
dem Reichstage vorgelegten Rechnungsergebnissen der Berufsgenossenschaften hervorgeht, schon an und für sich zu denjenigen Erwerbsbranchen gehören, welche die höchsten Lohnsätze zahlen.
Nach alledem ist, falls nicht der politische Horizont sich wieder trübt, darauf zu rechnen, daß das Jahr 1888 Deutschlands Eisenindustrie und Maschinenbau, die sich bis zu einem hohen Grade der Leistungsfähigkeit und zu einem hervorragenden Standpunkte ihrer technischen Entwickelung emporgeschwungen haben, für einen Theil der harten Verluste in früheren Jahren schadlos halten wird._____________________________________________
Tagesschau
P. Aus den Parlamenten. Berlin, 6. März. Der Reichstag erledigte zunächst in erster und zweiter Berathung den internationalen Vertrag zur Unterdrückung des Branntweinhandels unter den Nordseefischern auf hoher See, genehmigte ebenfalls in erster und zweiter Berathung die Freundschaftsverträge mit Ecuador, Guatemala und Honduras, und berieth nach Erledigung einiger Rechnungssachen in dritter Lesung den Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete, der mit zwei Zusätzen nach dem Anträge des Abg. Struckmann (nat.-lib.), mit welchen sich die Regierung einverstanden erklärt hätte, definitiv zur Annahme gelangte. Schließlich folgten Wahlprüfungen, bei welchen die Wahl des Abg. v. Oertzen-Parchim (3. M.cklenburg - Schwerin) eine längere Debatte veranlaßte. Das Ergebniß derselben war, daß die Wahl selbst für gültig erklärt, gleichzeitig aber auf den Antrag des Abg. Rickert (deutschfr.) beschlossen wurde, gewisse Erhebungen zu veranlassen. Die Wahlen der Abgg. v. Seydewitz (6. Breslau) und Dr. v. Kulmiz (9. Breslau) wurden ebenfalls für gültig erklärt; zu der letzteren außerdem eine auf die Wahl selbst bezügliche Resolution beschlossen, eine andere mehr allgemeinen Inhalts dagegen der Wahlprüfungskommission zur Vorberathung überwiesen. Morgen: Sitzung.
Im Abgeordnetenhaufe kam der Gesetzentwurf, betreffend die Verlängerung der Legislaturperiode, zur Schlußabstimmung. In der vorangehenden Diskussion, an welcher die Abgg. Frhr. v. Minnigerode (fonf.), v. Eynern (nat.-lib.), Frhr. v. Ecffa (kons.) und Dr. Gneist (nat.-lib.) sich für bie Vorlage, die Abgg. Rickert (deutschfreis.), Dr. Windthorst (Zentrum), Träger und Dr. Meyer (Breslau, deutschfreis.) aber gegen dieselbe erklärten, traten neue Gesichtspunkt im Wesentlichen nicht hervor; das Schlußergebniß der Debatte war, wie erwartet, auch die definitive Annahme des Antrages, die wiederum gegen die Stimmen des Zentrums, der Deutschfreisinnigen und der Polen erfolgte. Morgen: Etat.
Berlin, 7. März. Der „R. u. St.-A." meldet: Bei Sr. Majestät dem Kaiser und König haben sich zu den, seit Sonnabend, den 3. d. M. vorhandenen, allgemeinen Erkältungserscheinungen, welche mit einer Affektion der Halsschleimhaut und Reizung der Augenlid; Bindehaut verbunden waren, in den nächstfolgenden Tagen öfters eintretende schmerzhafte Unterleibsbeschwerden gesellt. Seit gestern hat sich auch der Appetit wesentlich vermindert. In Folge dessen ist eine merkliche Abnahme der Kräfte eingetreten, v. Lauer. Leuthold.
Berlin, 7. März. Bei dem eingetretenen Schwächezustand des Kaisers hält man doch die zuversichtliche Hoffnung aufrecht, daß er denselben wie frühere Aniälle glücklich überstehen wird. Nachmittags genoß der Datier etwas Nahrung. Fürst Bismarck kehrte gegen 3 Uhr aus dem kaiserlichen Palais zurück. — Im Laufe des Nachmittags sind bei dem Kaiser keine Veränderungen eingetreten, die Besorgnisse zu erregen geeignet wären. Die eingenommene Nahrung übte eine belebende Wirkung aus und brachte eine Wendung zum Besseren hervor. Der Kaiser sah den Prinzen Wilhelm kurz, ehe derselbe das Palais verließ, eine Mrtelstunve bei sich im Zimmer. Um 43Â Uhr erschien die Prinzessin Wilhelm bei der Kaiserin. (F N.)
Das erste Blatt der heutigen „Köln. Zig." bringt u. a. folgende Telegramme:
Berlin, 7. März, 8 Uyr Abends. Der Kaiser nahm Nachmittags wieder: oü Bouillon und Selterswasser. Die allgemeinen Körperfunktionen waren regelmäßig, der Kräftezustar d ist indessen noch nicht wesentlich aehoben.
Berlin, 7. März. Die Erkrankung des Kaisers, welche den Aerz-