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Hanauer Anzeiger.

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Nr. 57. Mittwoch

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Aienft-NachrtchLen aus dem Kreise.

Verloren: 20 Mark.

Gefunden: Ein leerer Geldbeutel. Eine gedruckte Schürze.

Zugelaufen: Ein kleiner blaßgelber Hund mit geschnittenen Ohren und Ruthe, m. Geschl., mit Halsband.

Hanau am 7. März 1888.______

Arislckreibm Königt. KiaaisLstmalisäLfi zu Fran-Ksurt a. Ä. J. 4073/87. Ueber den Aufenthalt des Tagelöhners Johann Büch, geboren am 1. September 1862 in Heiligenroth, früher in Rö­delheim Hof Rebstock wohnhaft gewesen, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 2. März 1888.

J. 335/88. Ueber den Aufenthalt der Arbeiterin Sophie Meyn aus Altona, geb. 31. Mai 1867, wird Auskunft begehrt.

4393 B. J. 3080/87. Ueber den Aufenthalt der Kellnerin Amanda Feder von Uffenheim wird Auskunft begehrt.

3676 A. J. 164/88. Das am 11. Januar 1888 gegen den Taglöhner Johannes Keil von hier erlassene Ausschreiben ist erledigt.

Frankfurt a/M. den 5. März 1888.

Tagesschau

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 5. März. Der Reichs­tag beendigte die Berathung des Antrages des Abg. Ampach (Beseiti­gung des Identitätsnachweises). Zunächst begründete Abg. v. Wedell- Malchow (veutschkons) ein von ihm zu den Kommissionsbeschlüssen ge­stelltes Amendement, an Stelle derAusfuhrvollmachten" eine Vergütigung Wr 90 Prozent des für die Einfuhr gleichartiger Waaren tarifmäßig zu zahlenden Zolles zu gewähren. Abg. Woermann (nat.-lib.) trat für die Annahme der Kommissionsbeschlnsse ein. Die Beseitigung des Iden­titätsnachweises liege nicht allein im Interesse des Großhandels, sondern im Interesse der Allgemeinheit; einem großen Theile Deutschlands würde ein außerordenilicher Nutzen geschaffen werden, während die Behauptung, daß Süddeutschland dadurch geschädigt würde, noch unerwiesen sei. Abg. Frhr. v. Pfetten (Centrum) erklärte sich vom speziell bairis; en Standpunkte gegen die Anträge. Abg. Brömel (dfr.) sprach für die Kommissionsbe- schlüsse, indem er ausführte, dâß die durch die Zollerhöhungen herbeige- führten Schädigungen, soweit dies möglich, innerhalb des bestehenden Systems gemildert werden müßten. Inzwischen war von den AbgZ. v. Bennigsen, Dr. Miquel (nat.-lib.), Graf v. Behr-Behrendorff, v. Kar- dorff (Reichèp.), Graf zu Stolberg.Wernigerode und Wichmann (deutsch- kons.) ein Antrag eingegangen, in welchem mit Rücksicht auf die Schwierig­keit des Gegenstandes in Bezug auf die Wirkungen für Landwirtschaft und Handel und in Erwägung, daß für die erforderliche sorgfältige Prüfung aller einzelnen Fragen es in gegenwärtiger Session an Zeit mangelt, sowie in der Erwartung und mit dem Wunsche, daß die Re­gierungen Erhebungen anstellen und dem Reichstage in der nächsten Session das Ergebniß mittheilen werden, U e b e r g a n g zur Tages­ordnung empfohlen wird. Abg. Singer (Soz.-Dem.) erklärt sich gegen sämmtliche Anträge. Abg. v. Puttkamer-Plauth (deutschkons.) betonte, daß die Wirkungen des Antrages den nöthigen Ausgleich zwischen dem Osten und Westen herbeiführen würden. Abg. Richter (dfr.) erklärte sich gegen sämmtliche Anträge, während Abg. Robbe (Reichsp.) es als eine Ehrenpflicht bezeichnet, für den Osten voll und ganz einzutreten. Er seinerseits halte die Frage schon heute für spruchreif, um eine Einigung über den Antrag Ampach herbeizuführen. Abg. Frhr. v. Hume (Centr.) erklärt sich ebenfalls gegen sämmtliche Anträge, er will auch nicht durch Annahme einer motivirtcn Tagesordnung einen Wechsel auf die Zukunft ausstellen. Abg. Gebhard (nat.-lib.) erklärt sich für motivirte Tages­ordnung, ebenso Abg. Rickert (dfr.), der bemerkte, für die motivirte Tagesordnung stimmen zu wollen, da für den Augenblick nichts mehr zu et reifen sei.' Darauf wurde in namentlicher Abstimmung der Antrag auf motivirte Tagesordnung mit 278 gegen 101 Stimmen (1 Mitglied enthielt sich der Abstimmung), angenommen. Morgen: Kleinere Vor­lagen ; Rechnungssachen; Wahlprüfungen.

Berlin, 6. März. Der neuesteR. u. St.-A." veröffentlicht nachfolgendes Bulletin:

den 7. März 1888.

San Remo, 6. März, 11 Uhr Vorm. Gegenüber den in der Presse verbreiteten Gerüchten von Meinungsverschiedenheiten unter den be­handelnden Aerzten Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kron- prinzen des Deutschen Reichs und von Preußen erklären die Unterzeich­neten, daß hinsichtlich der Natur und Beurtheilung der Krankheit eine Meinungsverschiedenheit unter ihnen nicht besteht. Ebenso wenig ist von ihnen die Nähe einer gefährlichen Wendung des Leidens behauptet worden. Die einheitliche, verantwortliche Leitung der Behandlung befindet sich wie vor der Operation in den Händen des mitunterzeichneten Sir Morell Mackenzie. An die Zeitungen des In- und Auslandes richten die Aerzte noch einmal im Interesse des Hohen Kranken und der Völker, die ihn hochachten, lieben und verehren, die Bitte, sich jeder Diskussion über die Krankheit Höchstdeffelben oder über die bei der Behandlung angewandten Methoden und Instrumente zu enthalten. Die örtlichen Störungen im und am Kehlkopfe Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit haben sich wesentlich nicht verändert, die Wunde ist geheilt, die Kanüle liegen gut, die Lungen sind gesund, Husten und Auswurf wurden geringer. Der Kräftezustand ist ein befriedigender, der Appetit im Zunehmen begriffen, Verdauungsstörungen sind nicht vorhanden, ebensowenig Schmerzen beim Schlucken oder Kopfweh. Der Schlaf hält ununterbrochen Stunden lang an. Da die Mission des Geheimen Raths v. Bergmann beendet ist, wird er demnächst abreisen. Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell. v. Berg­mann. Bramann.

Berlin, 6. März. Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers läßt keine Bedenken zu, obwohl die Aerzte der Ansicht find, daß das Leiden noch einige Tage in Anspruch nehmen wird.

Berlin, 5. März. Sofort nach der Rückkehr des Prinzen Wil­helm werden die ihm beigegebenen drei Räthe : Professor Gneist für das Gebiet des Staatsrechts, Regierungsrath v. Brandenstein und General­major v. Wittich, ihr Amt antreten. Professor Gneist ist auf Vorschlag des Fürsten Bismarck berufen worden, die beiden andern Herren hat der Prinz selbst gewählt. Generalmajor v Wittich, zur Zeit Commandeur der 11. Jnfanteriebrigade zu Brandenburg, war vor dem Jahre 1870 als Lehrer der Technik an der Kriegsakademie thätig. Im Feldzug war er der erste Offizier des Generalstabs des 4. Armeekorps, später erhielt er ein Regimentskommando, kam dann als Abtheilungsdirektor in das Kriegsministerium und aus dieser Stellung in seine j-tzige als Brigade­commandeur. General v. Wittich gilt als einer unserer hervorragendsten Militärs. Ueber die Wahl des Professors Gneist bemerkt noch dieNat.- Ztg.":Die Initiative dazu ist vom Fürsten Bismarck ausgegangen, dessen Vorschlag alsbald die Genehmigung des Kaisers sowie die Zu­stimmung des Kronprinzen bei welchem in früherer Zeit der jetzige Justizminister Dr. Friedberg eine ähnliche Stellung inne hatte und des Prinzen Wilhelm erhielt. Auch im Staatsministerium ist die Ange­legenheit zum Vortrag gekommen. Wie verlautet, hat Professor Gneist die Stellung übrigens als eine durchaus freie übernommen, auch den Bezug einer Besoldung abgelehnt. Regierungsrath v. Brandenstein, ein noch junger Beamter, ist, wie es heißt, für die ihm zugedachte Cadinets- stellung von dem Prinzen Wilhelm selbst ausgewählt worden. (K. Z.)

Berlin, 5, März. In der heutigen Bundesralhssitzung wurden die neuen Elsenbahnvorlagen angenommen, die unmittelbar an den Reichs­tag gelangen werden. Ferner hat der Bundesrath zur Ausführung der Paragraphen 12 und 13 des Zuckersteuergesetzes genaue Bestimmungen darüber getroffen, welche Maßregeln in den Zuckerfabriken einzurichten sind, um Verschleppungen der Steuerhinterziehungen zu verhüten.

BsrliM, 6. März. Der Schluß der Reichstags seffwn wird vor­aussichtlich am nächsten Samstag erfolgen ; eine Verlängerung um ein oder zwei Tage könnte nur durch einen Zufall herbeigeführt werden. Umfang­reichere Verhandlungen sind vielleicht bei der allgemeinen Berathung vor der dritten Lesung des Etats zu erwarten. Die Vorlage bezüglich des Reichszuschusses zum Ausbau ter Eisenbahnen im Interesse der Reichs­vertheidigung im Osten wird unbeanstandet die Zustimmung des Reichs­tages finden. Auch in Bezug auf die übrigen in der letzten Bundesralhs­sitzung angenommenen Vorlagen, welche soeben an den Reichstag gelangt sind, sind Weiterungen seitens des letztern nicht zu besorgen.

Berlin, 6. März. Nachdem der bis zum 1. März d. J. ver­längerte Handelsvertrag zwischen Frankreich und Italien abgelaufen ist,