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Nr. 46.

Donnerstag den 23. Februar

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Aienk-Nachrichten aus dem Kreise.

Entlaufen: Ein schwarzer Dachshund mit gelben Flecken über den Augen, weißer Brust, linke Zehe halb weiß, am rechten Hinterlauf eine hochsitzende Afterzehe, m. Geschl.; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Verloren: Ein Gummischuh.

Hanau am 23. Februar 1888.______________________________

Die nächsten Prüfungen der Hufschmiede, welche nach dem Gesetz vom 18. Juni 1884 die Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlagge­werbes erwerben wollen, werden Samstag den 1 4. April d. I., von Vormittags 8 Uhr an, in der Werkstätte des Hufschmiedes M. Wilscheck hierselbst abgehalten.

Anmeldungen zu dieser Prüfung sind mindestens vier Wochen vorher unter Einreichung des Geburtsscheins und etwaiger Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung, sowie unter Einsendung der Prüfungsge­bühr (10 Mark), an den Unterzeichneten zu richten.

Zur Vorbereitung auf die Prüfung wird das Buch:Anleitung zum Bestehen der Hufschmiede-Prüfung von Professor Dr. Möller. (Berlin bei Paul Parey. Preis 1 Mark)" angelegentlichst empfohlen.

Hanau am 4. Februar 1888.

Der Vorsitzende der Prüfungs Commission.

Collmann, Königl. Kreisthierarzt.

âusslbreiben âömgl. Sfaafsaamattfdiaff zu Mnifurt a. A 1723 D. J. 296/88. Ueber den Aufenthalt des Spengler­gesellen Karl Friedrich Langenberger von Ebingen wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M. den 20. Februar 1888.________

J. 373/88. Gegen den Kaufmann August Scher, geb. 20. Oktober 1855 zu Wertheim, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Urkundenfälschung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.

Frankfurt a/M. den 20. Februar 1888.

Königliche Staatsanwaltschaft.

Tagesschau

Berlin, 22. Februar. Der neuesteR. u. St.-A." veröffentlicht folgendes Bulletin:

San Rems, 22. Febr., 10 Uhr 30 Min. Vorm. Se. Kaiser­liche und Königliche Hoheit der Kronprinz hatte in der vergangenen Nacht länger andauernden Schlaf, kein Fieber. Husten und Auswurf wie gestern. Tie äußere Wunde verheilt. Mackenzie. Schrader. Krause. Hooell. v. Bergmann. Bramann.

Berlin, 22. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute zum Abschied noch einmal die Deputation des Kaiserlich ruffischen Regiments Kaluga, n der Uniform dieses Regiments, und nah­men demnächst den Vortrag des Geheimen Civilkabinels entgegen.

Berlin, 22. Febr. DerR. u. St.-A." Nr. 48 veröffentlicht: Gesetz, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung des Reichsbeeres, vom 20. Februar 1888.

Berlin, 21. Febr. Aus Hoskreisen wird bekannt, daß sich der Kaiser durchaus wohl und rüstig fühle. Die Theilnehmer an dem Fest­mahl, welches im kaiserlichen Palais zu Ehren der Abordnung des rus­sischen Infanterie-Regiments Kaluga, deffen Chef der Kaiser feit 70 Jahren ist, stattfand, können nicht genug die geistige Frische des greisen Monarchen bei der Tafel rühmen. Der Kaiser brachie in fließendem und elegantem Französisch einen Trinkspruch auf den Kaiser von Rußland und das Re­giment Kaluga aus, in welchem er verbindlich für das Erscheinen der Abordnung dankte. Dem Bundesrath ist der Entwurf einer Verord­nung über den Erlaß der Wittwen- und Waisengeld-Beiträge der Reichs- bankbeamtcn zugegangen. Die Verordnung ist nöthig, weil die Reichs­bankbeamten nicht unmittelbar Reichècivilbeamte sind. Ferner ist dem Bundesrath der Entwurf einer Verordnung betreffend die Abänderung und Ergänzung der Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz über die Kriegs­leistungen zugegangen. Die Verordnung betrifft die Naturalverpflegung, also die Mundverpflegung der Truppen, ferner die Verpflegung der Pferde,

1888.

die Gestellung von Vorspann, Wegweisern und Boten und die Quittungs­leistung und Liquidirung.

Berlin, 22. Februar. (K. Z.) Nach einer in politischen Kreisen verbreiteten Lesart, die allerdings noch näherer Feststellung bedarf, soll der angekündigte Vorschlag Rußlands darin bestehen, daß die Pforte durch eine Gesammterklärung der Mächte veranlaßt werde, den gegenwärtigen Zustand in Bulgarien für ungesetzmäßig und vertragswidrig zu erklären. Die in mehreren Blättern enthaltenen Gerüchte von der bevorstehenden Abberufung des hiesigen belgischen Gesandten Grafen van der Straten- Ponthoz sind wahrscheinlich aus dem schon in diplomatischen Kreisen be­kannten Wunsche des Gesandten entstanden, in naher Zeit seinen Rücktritt bei seiner Regierung zu beantragen.

Berlin, 21. Febr. In der Wahlprüfungscommisston ist gestern Abend die Wahl des Abgeordneten Böhm-Offenbach, wegen deren nach dem vorjährigen Reichstagsbeschluß Erhebungen stattgefunden haben, nach Eingang derselben einstimmig für gültig erklärt worden. Den entsprechen­den Bericht an das Plenum wird der Abgeordnete Fritzen vom Centrum schrifrlich erstatten, da es wünschenswerth ist, die völlige Grundlosigkeit der Anfechtung bis ins einzelne nachzuweisen.

Offiziös wird die Nothwendigkeit der Aufhebung des Schul­geldes aus der Statistik der Zwangsvollstreckungen erwiesen. In den ersten drei Monaten des Jahres 1887 kamen auf im Ganzen 1 323 617 fällige Schulgeldposten 167 319 oder beinahe 13 pCt. Zwangsvoll­streckungen, 20 716 oder über P/a pCt. vollstreckte, 24 923 oder beinahe 2 pCt. fruchtlos versuchte Pfändungen. Diese Statistik, so wird bemerkt, ergibt zur Evidenz, wie drückend gerade das Schulgeld wirkt, und zeigt außerdem, daß dieser Druck in neuerer Zeit noch zunimmt, und daß es an der Zeit ist, von demselben die ärmere Schicht der Bevölkerung zu befreien.

Dr. Fritz Bramann, dem nach der Operation der Kronprinz eigenhändig das Komthurkreuz des Hohenzollernschen Hausordens über­reicht hat, ist ein Ostpreuße und erst 35 Jahre alt. Er war wiederholt von schweren Krankheiten, Flecktyphus, Unterleibstyphus, Diphteritis so schwer heimgesucht, daß die Aerzte ihn aufgegeben hUten, er wurde aber doch gerettet, hat also an sich die Erfahrung gemacht, daß menschliche Befürchtungen Gott sei Dank! nicht immer das Richtige treffen. (Dfz.)

Hamburg, 22. Febr. Die hiesige Import und Exportfirma Wilhelm Ferdinand Hasche u. Comp. stellte ihre Zahlungen ein. Die Verbindlichkeiten betragen circa 1000 000 Mark. Hauptbètheiligte sind hiesige Bankhäuser und Wechselmakler. Ein Vergleich zu fünfzig Prozent wird angestrebt. (F. N.)

Amberg, 22. Febr. Baron Fänzl (Centrum) wurde mit ca. 4200 Stimmen ohne Gegenkandidaten zum Reichstage gewählt.

Stuttgart, 22. Februar. Nach einer amtlichen Mittheilung aus Florenz über das Befinden des Königs geht die Rückbildung auf der Lunge ungestört vorwärts; die Erholung macht jedoch nur langsame Fortschritte.

Freiburg i. Br., 22. Febr. Dem heutigen Bulletin zufolge ist das Befinden des Prinzen Ludwig nach einer Nacht, die erst durch pleu- ritische Schmerzen mehrfach gestört, dann aber ziemlich ruhig war, nicht erheblich verändert. Das Fieber hat trotz reichlichen Schweißausbruchs nur unwesentlich nachgelassen.

Graf Andraffy antwortete auf die huldigende Kundgebung des Wiener Bürgervereins bezüglich des Bündnißvertrages:Obwohl stolz, mit dem deutschen Kanzler eines Sinnes gewesen zu sein, kaun ich die Anerkennung nicht auf meine Person, sondern nur auf das Wesen des Vertrages zurückführen. Das Hauptverdienst gebührt den Souveränen, welche um die Sicherheit ihrer Reiche dauernd zu begründen, langjährigen Traditionen entsagten. Was der Vertrag beabsichtigte, war der europäische Friede und die Kraft, ihn zu erhalten. Diese Kraft besaß keines der beiden Reiche für sich allein; sie wurde durch deren Einigung geschaffen. Die beste Gewähr für die Erhaltung des Friedens liegt eben darin, daß beide Reiche sich nunmehr stark genug fühlen, um den Frieden als ihr Recht zu beanspruchen, Weil der Vertrag die einfachste, natürlichste und demnach bleibende Lösung einer Lebensfrage beider Reiche gibt, können w r beruhigt sein, daß deren Fürsten und Völker, so lange sie sich durch ihre Lebensinteressen leiten lassen, den Vertrag nie anders auslegen werkrH