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Nr. 29.
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Freitag den 3. Februar
1888.
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Die am 21ften d. Mts. in Ludwigshafen erschienene Nr. 3 der „Pfälzischen Freien Presse", Wochenschrift für die Arbeiter der Pfalz und Baden, Redaktion und Verlag von I. Huber in Ludwigshafen, Druck von Schwab und Muchenberger in Mannheim, ist durch Beschluß der Königlichen Regierung der Pfalz, Kammer des Innern, vom Heutigen auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie verboten worden.
Speyer den 24. Januar 1888.
Königlich bayerische Regierung der Pfalz, Kammer des Innern.
von Braun, Königlicher Regierungs-Präsident.
Durch Verfügung der unterzeichneten Landes-Polizeibehörde vom heutigen Tage ist das Flugblatt mit der Ueberschrist:
„Zum 1 8. Januar."
Druck von I. Noorduyn und Zoon in Gorinchem, auf Grund der §§. 11 und 1,2 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten worden.
Ludwigsburg am 24. Januar 1888.
Königlich württembergische Regierung des Neckar-Kreises.
-__Krauß._________________________
Allssäreikea Königs. NaäMmalMafi zu FkMkfuri a. M.
A. 1710. — J. 4569/87. Ueber den Aufenthalt der Schneider- gesellen Friedrich Johann Gr all, geboren den 24. Juni 1860 zu Greisen«», und Gottlieb Johann Farrenkopf, geboren den 27. Dezember 1860 zu Hettingenbeuren, wird Auskunft begehrt.
N. 3/88. Ueber den Aufenthalt de^ Eiiendrehers Adam Ott, geb. 11. März 1856 in Offenbach a/M., wird Auskunft begehrt. Frankfurt a/M. den 1. Februar 1888.
J. 107/88. Gegen den Schriftsetzer Friedrich Uhlmann, ge- j hören am 12. Novbr. 1864 in Oberrad, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen schwerer Urkundenfälschung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und die Unterzeichnete von der erfolgten Festnahme unverzüglich in Kenntniß zu setzen.
Frankfurt a/M. den 31. Januar 1888.
Königliche Staatsanwaltschaft._________
Tagesschau
Berlin, 2. Februar. Sè. Majestät der Kaiser 'und König empfingen heute einige militärische Meldungen, hörten die Vorträge des Chefs des Militärkabinets sowie des Kriegs-Ministers und ertheilten nach einer Ausfahrt dem Staatssekretär Grafen v. Bismarck Schönhausen eine Audienz
Beeiln, 2. Febr. Der Entwurf des neuen Genosimschaftsgesetzes ist vom Reichsjustizamte ausgearbeit und dem. Reichskanzler vorgelegt. — Der bereits signalisirte Antrag auf Aufhebung des Identitätsnachweises, von über achtzig Mitgliedern der Konservativen, der Reichspartei und der Nationalliberalen unterzeichnet, ist nunmehr dem Reichstage zugegangen.
« . (F. N )
Berlin, 2. Febr. Dem Reichstage sind folgende Drucksachen zu- gegongen: Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Schutz von Vögeln. — Meistbegünstigungs Vertrag zwischen dem Reich und dem Freistaat Para- guay nebst Zusatzprotokoll. — Sechstes Verzeichnis der bei dem Reichs- *£ tag? eingegangenen Petitionen. — Mündlicher Bericht der Kommission für ' die Geschäftsordnung, betreffend die Frage über die Fortdauer des Man- dats des Abg. Weyrauch.
Ueber ihre Thätigkeit im Jahre 1887 hat die preußische An- siedèlungs Kommissisn einen sehr eingehenden und mit reichlichen Zahlennachweisen versehenen Bericht erstattet, der als Rechenschaftsbericht in Gemäßheit des Ansiedelungsgesetzes dem preußischen Abgesrdnelenhause zugehen dürfte. Die gesammten Erwerbungen betrage» 27 000 Hektare zu einem Kaufpreise von annähernd 16 Millionen Mark; zum weit über
wiegenden Theile ist es ritterschaftlicher Besitz. Für 10 Güter ist das Ansiedelungsgesetz ganz oder nahezu vollendet, und es haben bereits 142 Ansiedler, meist kleinbäuerliche, Platz gefunden. Die meisten sind aus Brandenburg, Pommern, Schlesien, Sachsin zugezogen. Die bisherigen Ergebnisse lassen die sichere Hoffnung zu, daß die Ansiedelung mit geringen Kosten für den Staat trotz der Aufwendungen für Schulen rc. durchführbar sein wird. Die Kosten werden vorläufig auf 4—7 Prozent veranschlagt.
Halle, 1. Febr. Die große Wollspinnerei Rabe und Compagnie in Eiebichenstein steht in Flammen.
Stratzburg, 1. Febr. Das Amtsgericht Molsheim hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft den Bierbrauer Alfred Wagner aus Mutzig, der wegen Verdachts der Beihilfe zum Landesverrath in Untersuchung war, außer Verfolgung gesetzt.
Karlsruhe. Hauptmann a. D. v. Ehrenberg, gestern aus der Militärhaft entlassen, läßt heute öffentlich Bebels Beschuldigungen für einen längst geplanten sozialdemokratischen Racheakt erklären. (Pf. B.)
St. Blasten. In den letzten Tagen war hier die Temperatur über die Mittagszeit so gelinde, daß die Pensionäre eines hiesigen Arztes das Mittageffen im Freien entnehmen konnten. Die Nächte dagegen waren kalt, oft hatte es 8 und mehr Grad Kälte.
Pest, 1. Febr. In Folge Schneeverwehungen ist der Verkehr auf den Eisendahnstrecken Pest— Kanisza, Weißenburg—Neuszoeny, Zakany— Dombovar— Battaszek und Großwardein—Mihalyfalva eingestellt.
Der Prager Jungezechen-Klub beschloß eine Aufforderung an den reichsräthlichen Jungczechen-Klub, derselbe möge dahin wirken, daß Fürst Liechtenstein's Schulantrag schon in erster Lesung verworfen werde. Ein ähnliches Ansuchen richtete die Bürger-Beseda in Pchery an Eduard Gregr. Der Politische Verein in Rokycan beschloß in derselben Angelegenheit folgende Resolution: „In Erwägung der Gefahr, welche dem czechischen Volke durch den Antrag Liechtenstein's auf Einführung der konfessisnellen Schule droht, fordern wir die Czechen-Abgeordneten, insbesondere aber unseren Reichsrathsabgeordneten Stejskal, auf, gegen die Anträge der Klerikalen zu stimmen. Das wird, so Gott will, nicht geschehen, daß die Vertreter eines Volkes, das im Mittelalter zu allererst freisinnige Volksideen vertheidigte, übereinstimmen würden mit den Nachkommen der Todtengräber vom Weißen Berge. Sollten jedoch unsere Reichsrathsabgeordneten abermals Stellung nehmen gegen den offenkundigen Bolkswillen, so wird die Wählerschaft bei den nächsten Wahlen über dieselben das wohlverdiente Verdikt fällen." (Fr. N.)
San Remo, 2. Febr. (K. Z.) Ein Wetterumschlag hat uns etwas Regen und wärmere Luft gebracht. Das Befinden des Kronprinzen ist gut. Mackenzie bleibt etwas langer hier, jedenfalls bis morgen. Wenn heute von den behandelnden Aerzten gegenüber dem günstigen Vir- chowschen Befunde über den Charakter untersuchten Partikel daran festgehalten wird, damit sei die Gutartigkeit des ganzen Falles noch nicht endgültig erwiesen, so ist diese Erklärung als genaue vorsichtige Definition des Thatbestandes aufzufafsen; sie hängt zusammen und überein mit Mackenzies Darstellung seiner früheren Position; er sagt, ich habe niemals erklärt, das Leiden ist nicht bösartiger . atur, sondern es ist nicht genugsam erwiesen, daß es bösartig ist.
Christiani», 2. Febr. Das Storthing wurde heute mit einer Thronrede eröffnet, worin Gesetzvorschläge angekündigt werden, betreffend das Postmesen, die Erweiterung der Wirksamkeit der Staatsbank und die Volksschulen.
London, 2. Febr. Heute Vormittag ist in Jvernèß unh Birmingham, sowie in der ganzen Umgegend dieser Städte eine ziemlich heftige Erderfchütterung wahrgenommen worden.
Dublin, 2. Febr. Lord Ripon und John Morley sind heute hier eingetroffen. Bei der Landung in Kingstown wurden dieselben von einer Abordnung begrüßt. In Erwiderung auf eine Ansprache sagte Lord Ripon, sie seien gekommen, die vertrauteste und herzlichste Einigung zwischen England und Irland anzubahnen und den lebhaften Sympathien der liberalen Partei Englands und Schottlands für das irische Volk Ausdruck zu geben, sowie auch zu erklären, daß die Zeit gekommen sei, um der Herrschaft der Bedrückung und des Zwanges für immer ein Ende zu setzen und Irland diejenige Selbstständigkeit zu geben, auf die es