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Hanauer Anzeiger.
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/ Nr. 25.
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Montag den 30. Januar
\ 1888.
WkLKKtMachuKgen Kömgl. Lündrathsamts.
Die Lieferung der Fourage für das Etatsjahr 1888/89 für die in i Hanau, Bruchköbel und Dörnigheim stationirten Gendarmeriepferde soll ! Dienstag den 31. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, auf dem landrälh- £ lichen Büreau verdungen werden.
Reflektanten werden zur Abgabe des mündlichen Gebots hierzu F eingeladen.
Hanau am 26. Januar 1888.
Der Königliche Landrath
, M. 261 Gf. Bismarck.
âns[dicei6ßn Kömgl. Sfaafeanwafffdiaff zu äankfuri a. N. J. 315/88. Ueber den Aufenthalt des Kellners Aug. Ehrhardt, geboren am 30. April 1868 hierselbst, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 26. Januar 1888.
J. 3735/87. Ueber den Aufenthalt der Barbara Rieß, geb.^12. Oktober 1869 zu Obernau, wird Auskunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 27. Januar 1888.
J. 3399/87. Das am 21. Januar c. gegen den Gärtner Phil. Aug. Jos. Wilhelm Hinkel von Seckbach erlassene Ausschreiben ist er- ; ledigt.
B. 1898. — J. 4578/87. Ueber den Aufenthalt des Hausirers Louis Kaster, geboren den 6. September 1863 zu Mörsch, wird Aus- kunft begehrt.
Frankfurt a/M. den 28. Januar 1888.
1812 B. — J. 4484/87. Gegen den unten beschriebenen Monteur Funo Schreiner Johann Dull von München, geb. 30. März 1860, welcher p flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Betrugs verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich Nachricht zu geben.
Frankfurt a/M. den 27. Januar 1888.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Beschreibung: Alter 27 Jahre, Statur mittel, Haare schwarz, Stirn schmal, Bart schwarzer Vollbart im Entstehen, Augenbrauen schwarz, Augen braun, Rase gewöhnlich, Mund gewöhnlich, Zähne gut, Kinn * länglich, Gesicht oval, Gesichtsfarbe gesund.
Tagesschau
P. Aus den Parlamenten. Berlin, 27. Januar. Heute begann der Reichstag die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Verlängerung bezw. Verschärfung des Sozialistengesetzes. Der An- . rng des Publikums war nicht so groß, wie man wohl erwartet hatte, auch die Bänke des Hauses zeigten mehrfach Lücken. Zunächst erklärte sich der sozialdemokratische Abg. Singer, wie sich erwarten ließ, mit aller Entschiedenheit und mit Aufgebot aller Kräfte, wenn auch mit schon bekannten Argumenten, gegen die Berechtigung der Vorlage. Seine Ausführungen gaben dem Vicepräsidenten des preußischen Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer dann Veranlassung, dieselben im Einzelnen zu widerlegen und nachzuweisen, daß das Sozialistengesetz nicht nur wohlthätig gewirkt, sondern auch in loyalster Weise ausgeführt worden sei. Gewisser geheimer Agenten könne die Verwaltung nicht entrathen, ; namentlich nicht in der Schweiz, wo der Herd aller revolutionären Be wegung sich befinde. Auf eine Milderung des Gesetzes könne die Regierung nicht eingehen, die Rückkehr zum gemeinen Recht sei unter heutigen . Verhältnissen nicht denkbar. Außerordentliche Verhältnisse rechtfertigten außerordentliche Mittel. Die vorgeschlagenen Verschärfungen des Gesetzes seien durchaus gerechtfertigt und gegen einen etwaigen Mißbrauch dieser Befugnisse lauteten in dem Gesetze selbst gegeben. — Darauf sprach Abg. Dr. Reichensperger (Centr.) gegen die Vorlage, wobei er besonders die verschärfenden Bestimmungen bekämpfte: die Sozialdemokratie sei eine Krankheit, die nicht mit mechanischen, der Polizei, sondern mit inneren , Mitteln geheilt werden müsse. Demnächst wurde die Berathung abgebrochen und auf morgen vertagt.
Berlin, 28. Januar. Der Reichstag setzte dre erste Berathung der Novelle zum Sozialistengetze fort, ohne dieselbe schon zu beendigen.
Als erster Redner trat für die Vorlage nachdrücklich der Abgeordnete v. Helldorff (deutschkons.) ein. Die heilsame Wirkung des Sozialistengesetzes sei zweifellos, aber es leide an zwei Fehlern, der Periodizität, sowie daran, daß die Agitatoren zu milde bestraft würden. Die Ver- schärfung des Gesetzes hält er für gerechtfertigt, will indeß die Bestimmung, betreffend die Expatriirung, in der Kommission noch sorgfältig prüfen. — Der sächsische Bundesbevollmächtigte, Geheimrath Held rechtfertigte die von den sächsischen Behörden gegen die Herren Christensen und Kayser getroffenen Maßnahmen, und namentlich die Verschärfungsbestimmungen der Vorlage vom juristischen Standpunkte. — Abg. Dr. Bamberger (dfr.) glaubt, daß die Verschärfungsbestimmungen bereits gerichtet seien,hält auch die Verlängerung des Gesetzes um 5 Jahre für ausgeschlossen, nachdem selbst die Nationalliberalen nur für eine Verlängerung der Geltungsdauer auf 2 Jahre seien. Gegenüber den eingetretenen Auswüchsen, welche das Sozialistengesetz gezeitigt, wolle er lieber die Gefahr der Aufhebung auf sich nehmen, als noch länger den Ausnahmezustand bestehen lassen. Die Ausführungen des Redners gaben dem Vicepräsidenten des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer Veranlassung zu einer scharfen Entgegnung, in welcher er namentlich ausführte, daß der Abg. Bamberger unsere soziale Gesetzgebung verspottet, im Uebrigen zur Sache selbst wenig anzuführen gewußt habe. Er habe vielmehr nur dem sozialdemokratischen Redner stzkundirt, was vielleicht auf Wahlpolitik zurückzuführen sei. Wenn der Abg. Bamberger erklärt, daß er die Folgen der Aufhebung des Gesetzes auf sich nehmen wolle, so sei das eine im höchsten Maße leichtherzige Auffassung. Auf die gestrigen Einzelheiten zurückgehend, erklärte dann noch der Minister, daß er als Chef der Polizeiverwaltung verpflichtet sei, Alles zu thun, was nützlich und möglich sei, um die Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten, daß er deshalb der Geheimpolizei bedürfe, aber agents provocateurs, die er für Schufte hielte, bediene sich die preußische Polizei niemals. — Abg. Dr. Mar- quardsen erklärte Namens der Nationalliberalen, daß sie für das bestehende Gesetz auf die Dauer von weiteren zwei Jahren seien, auch bereit wären, über die Vorlage noch in einer Kommission zu verhandeln. Abg. v. Koscielski (Pole) erklärte, daß die Polen schon aus prinzipiellen Gründen gegen das Gesetz stimmen müßten, da es ein Ausnahmegesetz fei. — Dann wurde die Berathung auf Montag 11 Uhr vertagt
Das Abgeordnetenhaus verwies heute zunächst den Gesetzentwurf, betreffend den Erlaß der Reliktenbeiträge der unmittelbaren Staatsbeamten nach längerer Debatte an eine besondere Kommission von 2i Mitgliedern zur Vorberathung. Der Rechenschaftsbericht über die Ausführung des Konsolidationsgesetzes wurde durch Kenntnißnahme erledigt, und nach Ueberweisung einer Rechnungssache an die Budgetkommission wurden noch die Gesetzentwürfe, betreffend den Rechtszustand einiger von Lippe-Detmold an Preußen abgetretener Gebietstheile und betreffend die Einrichtung von Kehrbezirken für Schornsteinfeger, in erster und zweiter Lesung genehmigt. Montaq: Etatsberathung.
Berlin, 28. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den General Intendanten der Königlichen Schauspiele, Grafen v. Hochberg, demnächst den Hauptmann v. Gotsch vom 6. Infanterie Regiment, der die Orden seines verstorbenen Vaters zurückzureichen die Ehre hatte, und nahmen dann im Adlersaale des Königlichen Palais die persönliche Meldung von 357 in die Armee tretenden Kadetten entgegen, was 1^/4 Stunde in Anspruch nahm. Darauf folgte der Vortrag des Chefs des Militärkabinets.
Berlin, 28. Jan. Wie „R. u. St. A." aus San Remo meldet, sind Se. Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Glvßherzogliche Hoheit die Prinzessin Irene von Hessen in Begleitung Sr. Königlichen Ho seit des Prinzen Heinrich, welcher Höchstdenselben bis Genua entgegengereist wa, gestern dort eingetroffen und am Bahnhof von Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Kronprinzessin, den Prinzessinnen Töchter», Königlichen Hoheiten, und den Spitzen der Behörden empfangen worden.
Das vom Kronprinzen ansgehustete Gewebstückchen ist noch dem „D. M.-Bl." mittlerweile durch Professor Dr. Virchow einer mikroskopischen Untersuchung unterzogen worden. Ueber das Resultat derselben ist eine offizielle Verlautbarung zwar noch nicht erfolgt; doch wird von verschiedenen Seiten versichert, Professor Virchow fei zu