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Nr. 2.3
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Freitag den 27. Januar
1888.
BeLsnKtWüchuKgen Körnql. LaKdrathsamts.
Die Lieferung der Fouragè für das Etatsjahr 1888/89 für die in Hanau, Bruchköbel und Dörnigheim stationirten Gendarmeriepferde fall Dienstag den 31. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, auf dem landräth- lichen Bureau verdungen werden.
Reflektanten werden zur Abgabe des mündlichen Gebots hierzu eingeladen.
Hanau am 26. Januar 1888.
Der Königliche Landrath
M. 261 Gf. Bismarck.
Die Herren Ortsvorstände werden hiermit auf die -Regierungs- Präsidial Verordnung vom 23. April 1887, publizirt in Nr. 147 dieses Blattes pro 1887, wiederholt aufmerksam gemacht.
Sie haben darüber zu wachen, daß kein Hundefuhrwerk benutzt wird, bevor nicht für das laufende Jahr der Erlaubnißschein erneuert ist; zu dieser Erneuerung bedarf es eines Attestes des Kreisthierarztes, daß der in diesem Attest genau zu beschreibende Hund zum Ziehen einer, nach dem Gewicht zu bestimmenden Last geeignet ist.
Hanau am 25 Januar 1888.
Der Königliche Landrath
V. 496 Gf. Bismarck.
Hana u, 26. Januar 1888.
Im Anschluß an die am 28. d. M. im Gasthaus zum „goldenen Löwen" hier um 3 Uhr stattfindende Versammlung von Freunden des Obstbaues wird um 5 Uhr auf Anordnung des Herrn Oberpräsidenten Herr Zweifler von der Königl. Obstbauschule einen Vortrag über die Reblaus halten.
Der für diesen Zeitpunkt in Bergen im Gasthaus zur „schönen Aussicht" angesetzte Vortrag über den gleichen Gegenstand wird statt dessen am Sonntag den 29. d M., Nachmittags 3 Uhr, dort gehalten werden.
Für Langenselbold bleibt der festgestellte Termin — Montag Nachmittag 5 Uhr in der Schweinsberg er'schen Wirthschaft — unverändert.
Die Herren Bürgermeister wollen sich die sofortige Bekanntmachung der Versammlungen angelegen sein lassen und aus eine rege Betheiligung hinwirken.
Der Königliche Landrath Gf. Bismarck.
Tagesschau
Berlin, 26. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute die Meldungen mehrerer Offiziere entgegen und arbeiteten mit dem Chef des Militärkabinets.
Berlin, 26. Jan. Der Bundesrath nahm in seiner heutigen Sitzung den Meistbegünstigungsvertrag mit Paraguay an und faßte bezüglich des bürgerlichen Gesetzbuches Beschlüsse, wonach der in erster Lesung festgestellte Entwurf des bürgerlichen Gesitzbuches für das deutsche Reich nebst den Motiven zu den Vorentwürfen und den Berathungs- prstokollen der Kommission veröffentlicht werden, ferner der Reichskanzler ersucht wird, das zur Ausführung dieses Beschlusses Erforderliche zu veranlassen, mit dem Beifügen, daß Besprechungen des Entwurfs bei dem Reichsjustizamt einzureichen und die Bestimmung der zweiten Lesung des Entwurfs vorbehalten bleibt. Der Gesetzentwurf, betreffend die Aufnahme einer Anleihe zu militärischen Zwecken, soll an die Ausschüsse verwiesen sein.
(Fr. N.)
Berlin, 26. Jan. (K. Z ) Im Beginn der Sitzung der Wehrgesetzkommission hat der Kriegsminister soeben mitgetheilt, daß die einmaligen Kosten der Vorlage nebst Zubehör sich auf rund 280 Btillionen Mark belaufen werden. Außer der Verzinsung dieser Summe sind die dadurch veranlaßten Ausgaben dauernder Art (für Bureaupersonal, Unter- Hallung, Aufbewahrungsräume) nur sehr unbedeutend.
Breslau, 26. Jan. In Liegnitz kam es dem Polizeiberichte zufolge bisher zu 654 Erkrankungen und 23 Todesfällen; im städtischen Krankenhause kam es bei 146 Erkrankten nur zu einem Todesfall.
Die bayerische Regierung hat kürzlich drei ihrer Staatsbaube- ; amten beurlaubt, die bei dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals beschäftigt
werden sollen. Auch die übrigen größeren Bundesstaaten haben den gegebenen Zusicherungen gemäß Beamte zum Kanalbau gestellt.
Stuttgart, 26. Jan. Zur Eröffnung des Landtages hielt Präsident v. Hohl eine Ansprache, worin er der Erkrankung des deutschen Kronprinzen gedachte. Auch die Vertreter des württembergischen Volkes dränge es, den Gefühlen innigster Theilnahme Ausdruck zu geben; „bewundernd blicken wir auf den Kronprinzen, welcher mit Seelenstärke die schwere Heimsuchung trägt. Voll innigen Mitgefühls wünschen wir dem ruhmgekrönten Erben der Kaiserwürde baldige Wiedergenesung; die Zuversicht des hohen Kranken bestärkt uns in der Hoffnung, alles werde sich zum Besten wenden. Gott beschirme und erhalte den Kronprinzen."
Wien, 25 Jan. Abgeordnetenhaus. Türck und Genossen beantragten, die Regierung aufzufordern, mit der deutschen Regierung Unterhandlungen wegen einer Zoll-Union einzuleiten. Der Antrag wurde dem volkswirthschaftlichen Ausichusse überwiesen. (K. Z.)
Die belgische Sozialreform soll nun ernstlich in die Wege geleitet werden. Außer den nach einem kürzlich erlassenen Gesetz noch zu schaffenden „Räthen für Gewerbe und Arbeit", welche sowohl Aibeits- einstellungen verhüten, als den Behörden über bestimmte Punkte Ausschluß geben sollen, will die Regierung die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit durch die Einsetzungen von eigentlichen Schiedsgerichten verbessern. Während jene Räthe nur auf besondere Berufung durch die Behörde ihre Friedensaufgabe erfüllen sollen, handelt es sich hier darum, eine Einrichtung zu schaffen, welche die im fortlaufenden Betrieb auskommenden Schwierigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern durch bindende Beschlüsse heben soll. Zu diesem Zweck hat die Regierung den Entwurf eines Gesetzes eingebracht, wodurch das Gesetz vom 7. Februar 1859 über die gewerblichen Schiedsgericht (conseils de prud’homines) umgeändert werden soll.
Paris, 26. Jan. Beim gestrigen diplomatischen Empfange betonte Flourers im Gespräche mit dem deutschen Botschafter Grafen Münster die Nothwendigkeit, für eine Besserung des Grenzverkehrs Sorge zu tragen.
Petersburg, 26, Jan. Ein Tagesbefehl des Kriegsministers ist heute veröffentlicht worden, nach welchem die im April v. I. beschlossene Zutheilung eines Generalstabs. Offiziers zu sämmtlichen Lokalbrigade - Verwaltungen, ausgenommen zu denjenigen der 2, 7. und 21. Lokalbrigade, gegenwärtig auszuführen sei, nachdem ein am 21. Dezember v. I. Allerhöchst sanklionirter Beschluß des Reichsraths die Mittel hierzu bewilligt babe. Der Verwaltung der 9. Lokalbrigade sind überdies zwei General- stabS-Osfiziere zuzutheilen. Der Tagesbefehl gibt auch die Ausgabe jener Offiziere bekannt. Darnach sollen dieselben das Material zur Vorbereitung einer Mobilistrung ausarbeiten und die taktischen Uebungen der Reserve Bataillone leiten rc.
Petersburg, 26, Jan. Das „Journal de St. Petersbourg" ksnstatirt, daß verschiedene Zeitungen, wie der „Pester Lloyd", die „Times" und andere fortfahren, beunruhigende Nachrichten über Rußland zu verbreiten. Dahin gehörten die Nachrichten über eine Anleihe zu Kriegszwecken, obgleich der Finanzminister Wischnegradski versichert habe, wenn eine Anleihe gemacht werde, so geschehe dies lediglich behufs Herstellung der Eisenbahnlinien, welche hauptsächlich für die Industrie Interesse darbieten. Was die andere Nachricht anlange, daß ein kaukasisches Armeekorps gegen die österreichische Grenze vorgeschoben werden solle, und ferner die Meldung von dunklen russischen Absichten auf Erzerum, so sei nicht erklärt, wie Rußland in dem Augenblicke, wo es eine große Aktion in Klein-Asien beginnen wolle, daran denken könne, aus dem Kaukasus die Hälfte der dortigen Truppen herauszuziehen. Es seien dies zwei Behauptungen, welche sich durch ihren Widerspruch aufhöben. Die Neben- einanderstellung genüge für ihre richtige Würdigung
Sofia, 26. Jan. Die türkische Regierung entdeckte in Adrianopel eine Verschwörung von Bulgaren und Montenegrinern, die einen Aufstand in Ostrumelikn erregen wollte. Das Haupt derselben, Namens Karami- Hailow, und eine große Anzahl Mitschuldiger wurden verhaftet,
Bremer», 25. Januar. Der Dampfer des Mrvveutscherr Lloyd „Baltimore" ist in Bahia éingetroffen.
Hamburg, 25. Ja«. Der Postdampfer „Teutonia" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist heute in St. Thomas eingetroffen.