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Nr. 18.

Samstag den 21. Januar

1888.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Die im Kreisblatt Nr. 305 für den 21. d. Mts. im Gasthaus zumgoldnen Löwen" hier ausgeschriebene Ver­sammlung der Herrn Bürgermeister und Freunde des Obst­baues wird aus den 28. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, verlegt.

Hanau den 17. Januar 1888.

Der Landrath

V. 326._____________ Gs. Bismarck.__________________

Dimst-Nllchrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein leeres Portemonnaie. Ein schwarzer Kinder-Muff. Eine Pferdedecke. Ein Liederbuch (Sängerhain) mit der AufschriftJo­seph Schwind". Ein kleines schwarzes Eiswolltuch. Ein Stück Pack­leinen.

Vom Wasenmeister ein gefangen: ein schwarzer Neufundländer m. Geschl.

Verloren: Ein s. g. Bettelarmband. Ein blechener Eimer. Ein weiß-leinenes Taschentuch mit Monogramm L. B.

Hanau am 21, Januar 1888.______________________________

Äusfdicßi6Bn âömgt. AaaisMMalWafi zu Frankfurt u. M.

J. 2227/87, Ueber den Aufenthalt der Ehefrau des Schieß­budenbesitzers Julius Schicht!, welche s. Zt. auf dem hiesigen Schützen- platze war, und die bei ihr im Dienst gewesene Marie Deißler wird Auskunft begehrt.

J. 4435/87. Ueber den Aufenthalt des Schneiders Andreas Altenberger, geboren am 29. September 1854 in Kitzingen, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M., den 19. Januar 1888._________________________

Tagesschau

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 20. Jan. Der Reichs­tag setzte heute die Berathung des Etats des Reichsamts des Innern fort und erörterte vorwiegend sozialpolitische Fragen, deren Beleuchtung je nach dem politischen Standpunkt. der Redner selbstverständlich in sehr verschiedenem Lichte erschienen. Abg. Frohme (Ssz. Dem.) erklärte sich mit den Berichten der Fabrikinspektoren nicht einverstanden, weil sie par­teiische Färbung hätten. Dem trat der konservative Abg. Dr. Hartmann entgegen, während der Abg. Hitze (Zentr.) namentlich bedauerte, daß die verbündeten Regierungen noch nicht zu dem von dem Reichstage beschloffe- nen Arbeiterschutzgesetze Stellung genommen hatten. Staatssekretair des Innern, Staatsminister v. Boetticher, konnte dem gegenüber leicht Nach­weisen, wie es lediglich sachliche Gründe seien, welche die Beschlüsse des Bundesraths auf diesem Gebiete verhinderten, außerdem auch auf die großen Ziele hinweisen, welche die verbündeten Regierungen auf dem sozia­len Gebiete verfolgten. Abg. Dr. Miquel (nat.-lib.) brachte die Frage der Arbeiterwohnungen vom sozialen Standpunkte zur Sprache und deu­tete die Richtung an, in welcher er einen reichsgesetzlichen Eingriff für möglich hielt, ohne im Uebrigen die Schwierigkeiten der ganzen Frage zu verkennen. Darauf nahmen zu den in der Debatte berührten Fragen noch das Wort die Abgg. Schrader (deutsch-freist), Kalle (nat.-lib.), sowie der Staatssekretär des Innern v. Boetticher, welcher den Vorwurf wiederholt -zurückwies, daß der Bundesrath die Arbeiterschutzgesetzgebung nicht genü­gend fördere, und außerdem betonte, daß er neulich keineswegs sich gegen die freien Krankenkassen ausgesprochen habe. Morgen: Gewerbeord- . nung für Elsaß Lothringen und Etat.

Das Abgeordnetenhaus begann heute die erste Berathung des Etats. Abg. Frhr. v. Huene (Zentr.) sprach im Allgemeinen seine Be­friedigung über die derzeitige Finanzlage aus, daran die Hoffnung knüpfend, daß dieselbe eine dauernde sein werde. Im Uebrigen hatte er einige Bedenken gegen die Form der Verwendung der vorhandenen Ueber- schüsse und betonte die Nothwendigkeit der Reform der direkten Steuern in Preußen. Abg. Dr. Sattler (nat.-lib.) bezeichnete eine solche Steuer­reform ebenfalls für wünschenswerth und verbreitete sich im Uebrigen über die in Aussicht genommene Entlastung der Kommunen. Abg.

Rickert (deutschfr.) erblickte in dem Vorschläge der Regierung, einen Theil der Volksschullasten auf den Staat zu übernehmen, nur ein geringes Aequivalent für die Branntweinsteuer, erklärte indeß, trotz mancher Be­denken diesem Vorschläge zustimmen zu wollen, da er prinzipiell für Be­seitigung des Schulgeldes sei. Ebenso erklärte Abg. Frhr. v. Minnigerode namens der konservativen Partei im Prinzip sich mit den Vorschlägen der Regierung bezüglich der Verwendung der im Etat vorhandenen Ueberschüsse einverstanden und sprach seinerseits ebenfalls seine volle Befriedigung über die günstige Wendung in der Lage unserer Finanzen aus. Die Berathung wurde darauf auf morgen vertagt.

Berlin, 20. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute die Generale v. Kameke und v. Grolmann und ertheilten den Präsidien des Herren- und des Abgeordnetenhauses Audienzen. Um 12*/4 nahmen Se. Majestät die Meldung des Prinzen Friedrich von Sachsen-Meiningen entgegen und hörten darnach von 3 Uhr ab den Vor­trag des Oberst Kämmerers Grafen zu Stolberg. Zuvor hatten Se. Majestät eine kurze Ausfahrt unternommen.

Berlin, 20. Jan. Eine mit 180 000 Unterschriften versehene Adresse an den Kronprinzen liegt mit kostbarem Einbande geschmückt bis zum 22. Januar öffentlich aus. Am 25. Januar, am dreißigsten Hoch­zeitstage des Kronprinzen, wird sie in San Remo überreicht werden.

Magdeburg, 20. Jan. DieMagdeb. Ztg." meldet, daß Fürst­bischof Dr. Kopp im besonderen Auftrage des Papstes dessen heißeste Segenswünsche zur Wiederherstellung dem deutschen Kronprinzen in San Remo überbracht habe.

Die Stadt Magdeburg hat von dem Kommerzienrath H. Gruson ein Geschenk von 100 000 Mk. erhalten. Die Summe ist dem dortigen Oberbürgermeister zur Verwendung für Museumszwecke eingehändigt wor­den. Wie aus Elberfeld berichtet wird, hat der verstorbene Geh. Kommerzienrath Ed. Neviandt der Stadt ein Legat von 200 000 Mark vermacht.

Wien, 20. Jan. Die amtliche Wiener Zeitung meldet, die Er­nennung des bisherigen österreichischen Gesandten in Madrid, Grafen Dubsky, zum Botschafter daselbst.

San Remo, 19. Jan. Dem Fürstbischof von Breslau Dr. Kopp ertheilte der Kronprinz noch gestern, kurz nach dessen Ankunft, eine halb­stündige Audienz. Dr. Kopp setzte Abends seine Heimreise fort. Der Fürstbischof äußerte sich sehr erfreut über das gesunde Aussehen und die für die Umstände unerwartet klare Stimme des hohen Kranken.

San Remo, 20. Jan. Das Wetter ist frisch, der Himmel et­was bedeckt. Das Befinden des Kronprinzen ist günstig. Falls die Sonne durchbricht, unternimmt der Patient re gewohnte Spazierfahrt.

Paris, 20. Jan. Die Justice schreibt: Soeben von uns einge- zogene Erkundigungen versichern, daß die Verhandlungen über den Zwischen­fall von Florenz sich glatt abwickeln. Flourens rechnet darauf, daß die Angelegenheit binnen Kurzem in günstigem Sinne erledigt wird.

London, 19. Jan. Lord Beresford überreichte heute sein Ent- laffungsgesuâ als Lord der Admiralität. Derselbe hatte sich gegen den Antrag des Cabinets erklärt, daß der Credit für das Nachrichten-Depar­tement der Admiralität um 1000 L. ermäßigt werde.

London, 20. Jan. Heute früh entstand in einem Kaufladen zu Houndsditch Feuer, wobei vier Personen um gekommen sind und fünf schwer verletzt wurden.

Petersburg, 20. Jan. Lord und Lady Churchill, welche am Mittwoch von dem Großfürsten Sergius Alexandrowrtsch zur Tafel gezo­gen waren, waren gestern zum Diner bei dem deutschen Botschafter gela­den ; später wohnten dieselben der Soirée bei dem englischen Botschaf­ter bei.

New-Uork, 19. Jan. Einem Telegramm aus Pittsburg zufolge, wird eine Krisis in Roheisen, das seit dem 1. d. Mts. um 4 Doll, per Tonne billiger geworden, befürchtet.

Nach einer Meldung desStandard" aus Shanghai vom 19, d. M. sollen 4000 Arbeiter, welche unter der Aufsicht mehrerer M-noa» rinen einen Wellenbrecher herstellen sollten, um den Lauf der Fluthen oes Hoangno zu stauen, von dem plötzlichen Andrange des Wassers überrascht worden und größtentheils umgekommen sein.