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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr 296.

Dienstag den 20. Dezember

1887.

VienMachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: In der Nacht vom 18. bis 19. d. Mts. ein Regen­schirm.

Hanau am 20. Dezember 1887.

Ussllireiben Königl. Sfaatsanwattfdiiift zu Frankfurt a. M.

J. 4387/87. Ueber den Aufenthalt 1) des Tagelöhners Hermann Julius Kranz, geboren am 8. April 1860 hierselbst, 2) des Tage­löhners Adam Kraft, geboren am 24. August 1852 zu Schlotzau, wird Auskunft begehrt.

23459 B. N. 971/87. Das am 25. v. Mts. gegen Ludwig Scheidet von Ludwigshafen erlassene Ausschreiben ist erledigt.

J. 4007/87. Der am 28. November c. gegen den Schuhmacher Peter Fischer von Fürth erlassene Steckbrief ist erledigt.

Frankfurt a/M., den 17. Dezember 1887.

J. 4056/87. Ueber den Aufenthalt des Georg Hartmann, geb. am 4. April 1857 zu Bettig, wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M., den 18. Dezember 1887.

Tagesschau.

Berlin, 19. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser haben am Sonn­tag, den 18. d. M., um 12 Uhr Mittags, den neuernannten Kaiserlich chinesischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister, pertn Hung-Chun, und an demselben Tage, um 12^4 Nachmittags, den teuernannten japanischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Nimster, Marquis Saionzi, in Audienz zu empfangen und aus deren Händen die Schreiben ihrer Souveräne entgegenzunehmen geruht, durch welche die Herren Hung; Thun und Marquis Saionzi in der gedachten Ligenschaft am hiesigen Allerhöchsten Hofe beglaubigt werden. Marquis Zaionzi hatte gleichzeitig die Ehre, Sr. Majestät das Abberufungsschrei- ben seines Amtsvorgängers, des Vicomte Sinagawa, zu überreichen. Vei­ten Audienzen wohnte der Staatssekretär Graf von Bismarck - Schön­sausen bei.

Berlin, 19. Dezbr. Dem zum französischen General Konsul mit Dem Amtssitz in Frankfurt a. M. ernannten Herrn Henri Belle ist das Exequalur Namens des Reichs ertheilt worden.

Berlin, 19. Dezember. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen im Laufe des heutigen Vormittags den Besuch Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Sachsen-Weimar und arbeiteten sodann mit tem Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath v. Wilmowski.

Berlin, 19. Dez. Der Bundesrath hat in feiner heutigen Ge- !Lmmtsitzung dem Gesetzentwürfe betreffend die Abänderung des Zolltarifs eine Zustimmung ertheilt und beschlossen, das am 8. ds. in Wien unter­zeichnete Abkommen mit Oesterreich-Ungarn betreffend die Verlängerung 'es Handelsvertrags zwischen dem Reich und Oesterreich zur allerhöchsten Ratifikation vorzulegen. (K. Z.)

Berlin, 19. Dez. Die heutige sehr zahlreich besuchte General- msammlung des Deutschen Colonialvereins unter den Vorsitz des Fürsten Hohenlohe-Langenburg ertheilte der Vereinigung des deutschen Colonial- 'ereins mit der Gesellschaft für deutsche Colonisation unter dem zu- unstigen NamenDeutsche Colonialgeselllchaft" ihre Zustimmung. Die seneralversammlung für deutsche Colonisation stimmte gleichfalls der Verschmelzung zu.

Berlin, 19. Dez. Im Admiralgartenbade, Friedrichstraße 102, in einer Tiefe von 150 Fuß, eine an der Erdoberfläche aussteigende -oolquelle mit einem Salzgehalt von 3 Prozent beim ersten Anstich er- ^ohrt warten. Die Mutung ist für eine Fläche von 500 000 Quadrat- °chtern = 2187 000 qm eingelegt und heute Mittag durch die zuständige Rrgbehörde abgenommen worden.

Berlin, 19. Dezbr. S. M. Kreuzer FregattenPrinz Adalbert", Kommandant Kapitän zur See v. Pawelsz,Gneisenau", Kommandant ^pitän zur See Thomson, undMoltke", Kommandant Kapitän zur 2ee Dautwiz, gehen am 27. Dezember cr. von Madeira wieder in See.

Berlin, 19. Dez. Die Fernsprechverbindungen zwischen Leipzig Berlin, sowie zwischen Leipzig und Halle werden die letztere zu- lachst versuchsweise morgen dem öffentlichen Verkehr übergeben.

DemDeutschen Handelsarchiv" wird aus Metz (Mitte Oktober geschrieben: Während in den ersten beiden Monaten des abge­laufenen Quartals auf den fiskalischen Kohlengruben im Saargebiet der Absatz der geförderten Kohlen nur unter stellenweiser Einschränkung des Betriebs und mit Preisermäßigungen zu bewerkstelligen war, gestaltete sich im September die Nachfrage wesentlich besser und der Gesammtabsatz im 3. Quartal geht daher über denjenigen im gleichen Zeitraume des vorigen Jahres noch um Einiges hinaus.

In der Eisen-Industrie hat sich in den letzten Monaten ein völliger Umschwung vollzogen. An Stelle der früheren Zurückhaltung der Käufer ist verstärkte Nachfrage getreten, und die Preise sowohl für Roh, als auch für Fertigfabrikate verfolgen eine steigende Richtung. Die alten, noch zu niedrigen Preisen bewirkten Lieferungsabschlüsse sind nahezu abgewickelt, und neue Aufträge gehen dafür reichlich ein. Die Eisenwerke der Saar und Mosel, die in ihrer Gesammtheit eine gewaltige Leistungsfähigkeit aufzuweisen haben, arbeiten durchweg mit voller Kraft und verfügen schon jetzt bis in das nächste Jahr hinein über genügende Aufträge zu lohnen­den Preisen.

Für die Besserung der Lage der Eisenindustrie sollen die in letzter Zeit ins Leben getretenen Syndikate und Koalitionen, verbunden mit ge­meinschaftlichen Verkehrsbureaux, von wesentlichem Einfluß gewesen sein. Derartige Syndikate für Stabeisen bestehen gegenwärtig drei, das ober- schlesische, das mitteldeutsche uns rheinisch-westfälische, und neuerdings wird eine Vereinigung sämmtlicher deutscher Stabeisenwalzwerke angestrebt.

Die Maschinenfabriken arbeiten ebenfalls unter recht günstigen Ver­hältnissen; einzelne Werke sind kaum im Stande, bei der Menge der Aufträge die Lieferungsfristen inne zu halten.

In der Tafelglasindustrie machte sich die in Deutschland herrschende lebhafte Bauthätigkeit in erfreulicher Weise geltend. Die Stimmung über die gegenwärtige Geschäftslage ist im Allgemeinen eine befriedigende, und wenn auch eine Erhöhung der Preise nicht zu erreichen war, so hat doch der lebhaftere Absatz zur Verminderung der vorhandenen Vorräthe wesent­lich beigetragen. Lebhafte Beschwerde wird von dieser Industrie fortge­setzt gegen die belgischen Glashütten geführt, die ihre Fabrikate zu Schleuderpreisen auf den deutschen Markt werfen sollen.

In wesentlich besserer Lage befinden sich die Thonwaaren- und Cementfabriken, die ebenfalls durch die lebhafte Bauthätigkeit recht günstig beeinflußt worden sind.

Die Seidensammet- und Plüschfabriken in Saargemünd und Um­gebung sind dem Vernehmen nach gegenwärtig in schwungvollem Betriebe..

Die fortschrittlicheDresdener Zeitung" begrüßt die Wehr­vorlage mit Freuden, wiewohl sie Opfer von der Nation verlange: Denn sie ist diktirt von dem lautersten Patriotismus, sie ist eingegeben von der richtigen Erkenntniß der strategischen Erfordernisse der Gegenwart, sie dient zur Erhöhung der Wehrkraft des deutschen Vaterlandes und was zur Erhöhung der Wehrkraft der Nation und zur Sicherheit des Deut­schen Reichs dient, wird bei allen Patrioten alle Zeit vollen und warmen Beifall finden

Leipzig, 19. Dezbr. Das Urtheil gegen Cabannes lautet wegen Bestechung, Landesverraths und Beseitigung amtlicher Gegenstände in Konkurrenz mit Diebstahl auf 10 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehren- verlust.

Leipzig, 19. Dezbr. Die Entscheidungsgründe des Reichsgerichts im Urtheil gegen Cabannes besagen: Das Gericht sah, gemäß den Gut­achten der Sachverständigen, die Mittheilung der Verwaltungsberichte als Landesverrath an, weil der Geiammtcharakter derselben, namentlich die rückhaltlosen vertraulichen Mittheilungen, darin das genaueste Bild von den Kulturverhältnissen der Reichslande liefern, deren Kenntniß für Frank­reich von höchstem Werth sei, indem es dadurch für den Kriegsfall genau wüßte, wo der Kundschastsdienst zu arrangiren, welche Vorräthe vorhan­den seien 20. Cabannes habe zweifellos gewußt, daß das Wohl des deut­schen Reiches die Geheimhaltung der Verwaltungsberichte erforderte, des­halb betrieb auch der Angeklagte geheimnißvoll die Beförderung der Schriften nach Paris. Was die überzähligen, durch Bestechung erlangten Kopien betrifft, welche der Angeklagte entwendet und bei Seite geschafft hat, so nahm der Gerichtshof keine Urkunden nach Paragraph 348, son­dern Beiseiteschaffung amtlich aufbewahrter Gegenstände an. Bei der