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Nr. 282.

Samstag den 3. Dezember

1887

BekanntMKchungen Königl. Landrathsamts.

Der Metzger Salomon Hahn in Fechenheim beabsichtigt auf seinem daselbst Ecke der Lang- und der Löhnungsgasse belegenen Grundstücke Kataster N. 468/224 eine Rindsschlächterei zu errichten und zu be­treiben. Es wird dies gemäß §.17 der Gewerbeordnung mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Einwendungen gegen diese Anlage im Büreau der unterzeichneten Behörde, woselbst Zeichnung und Beschreibung zur Einsicht offen liegen, innerhalb 14 Tagen angebracht werden können.

Hanau am 1. Dezember 1887.

Namens des Kreisausschuffes

A. 2274___________der Vorsitzende: Gf. Bismarck.__________________

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein rothes Corallen-Armband. Ein Portemonnaie mit Geld.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 9,90 M. Eine Briefmappe.

Hanau am 3. Dezember 1887.______________________________

HusfdiceiBen Kömgl. Sfaafsanwasffiftaff zu Frankfurt a. M.

J. 1632/87. Ueber den Aufenthalt der Wittwe Anna Maul, geb. Aumül ler, geboren am 11. Mai 1847 zu Nördlingen, wird Auskunft begehrt.

J. 3980/87. Ueber den Aufenthalt der Wäscherin Helene Berwein, geboren am 14. Januar 1852 in Uffing, wird Auskunft begehrt.

22245 B. N. 730/86. Ueber den Aufenthalt des Schuhmachers Kaspar Krapf von Hammelburg wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M., den 30. November 1887.

22297 B. N. 1222/87. Ueber den Aufenthalt des Dach­deckers Karl Mayer von hier wird Auskunft begehrt.

21847 A. J. 2771/87. Ueber den Aufenthalt der Dienstmagd Josephine König von Miltenberg und der ledigen Katharine Dilken- koffer von Havre wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M., den 1. Dezember 1887.

Tagesfchau

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 2. Dezbr. Der Reichs­tag beendete die erste Berathung der Getreidezollvorlage. Das Wort er­hielt zuerst Abg. Leemann (Württemberg), welcher denjenigen Theil der Nationalliberalen vertrat, der für die Vorlage zu stimmen entschloffen ist. Er rechtfertigte die Vorlage hauptsächlich vom Standpunkte des süddeut­schen kleineren Grundbesitzes, während Abg. Singer (Soz.-Dem.) in der­selben einen Angriff auf den Magen der großen Masse des Volkes zu Gunsten einer kleinen Minderheit zu erkennen glaubte. Abg. Dr. v. Frege (deutschkons.) betonte demgegenüber, daß es sich bei dieser Vorlage gerade um die Erhaltung des mittleren und kleinen ländlichen Grundbe­sitzes handle, und wies dann des Näheren nach, daß die deutsche Land- wirthschast der außereuropäischen und der russischen gegenüber, welche be­deutend billiger produziren, ohne genügenden Zollschutz nicht mehr lebens­fähig sei, während er andererseits darlegte, daß in dieser Frage die Jn- tercffen der Landwirthschaft ohne Unterschied der Größe des Besitzes soli­darisch seien. Der eigentliche Grund der Schutzzölle liege übrigens in der Goldwährung; werde diese beseitigt, dann würden auch jene unnöthig. Abg. Dr. Barth (dfr.) würde sich selbst dann gegen die Erhöhung der Getreidezölle erklären, wenn ein wirklicher Nothstand in der Landwirth- schaft vorhanden, weil eine Hülfe auf Kosten der Gesammtheit sich nicht rechtfertigen laffe. Eine solche Nothlage sei aber gar nicht erwiesen; die ganze agrarische Agitation bezwecke nur eine Erhöhung der Bodenrente zu Ungunsten der konsumirenden Bevölkerung. Abg. v. Kardoiff (Reichs- partei) betonte die Nothwendigkeit der Erhaltung der deutschen Landwirth­schaft in ihrem jetzigen Bestände auch im Interesse der Aufrechthaltung der politischen Machtstellung Deutschlands, da auf der Landwirthschaft die Stärke der Wehrkraft des Reiches beruhe. Angesichts der Thatsache, daß in den letzten Jahren in der Landwirthschaft Millionen verloren gegangen, einen Nothstand derselben leugnen zu wollen, sei ihm unerfindlich. Staatsminister Dr. Lucius wiederholte, daß die Vorlage keineswegs

Klaffenintereffen diene, betonte noch einmal, daß die bezüglich der Produk­tionskosten gemachten Angaben der Wirklichkeit entsprächen, und daß die vorgeschlagenen Zollsätze nicht zu hoch gegriffen seien, vielmehr denjenigen der romanischen Staaten entsprächen, wo indeß noch neben den Zöllen ein Oktroi bestehe. Er bat um möglichste Beschleunigung der Berathung. Abg. Grub (nat.-lib.) bekämpfte die Vorlage im Jntereffe der Industrie im Allgemeinen, speziell in dem der Mühlenindustrie, während Abg. Frhr. v. Landsberg Steinfurt Namens eines großen Theils des Zentrums für dieselbe eintrat, da namentlich die Erhaltung des Bauernstandes in ihrem Nahrungsstande diesen Zollschutz nothwendig mache. Die Vorlage ging darauf an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern, welche morgen Nachmittag gewählt werden wird. Montag: Kleinere Gesetz­entwürfe.

Berlin, 2. Dezbr. Dem zum französischen General - Konsul mit dem Sitz in Leipzig bestellten Herrn Jacquot, sowie den zu französischen Konsuln in Düsseldorf beziehungsweise Danzig ernannten Herren Audisio und du Closel ist das Exequator Namens des Reichs ertheilt worden.

Berlin, 2. Dez. Beide Kaiserlichen Majestäten empfingen gestern den Besuch Sr. Königliche Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern. Im Laufe des Tages empfing Ihre Majestät die Kaiserin und Königin auch die hier anwesenden Mitglieder der Königlichen Familie.

Berlin, 2. Dezbr. Prinz Wilhelm ist mit dem Prinzen Ludwig von Bayern gestern Abend 6 Uhr nach Letzlingen zur Jagd abgereist.

Stratzburg, 2. Dezbr. Der Bürgermeister Back ist zum Mit­glieds des Slaatsraths ernannt.

Schwerin i. Meckl., 1. Dez. Der Landtag hat heute eine Lan­desbeihülfe von 759 000 Mk. für Den Bützower Kanal bewilligt

Rudolstadt, 2. Dezbr. Der Staatsminister v. Bertrab ist heute gestorben. Seit dem 13. Dezember 1851 war derselbe in Schwarzburg- Rudolstadt Minister.

San Remo, 1. Dezbr. Heute Mittag paffirte ein aus 3 deut­schen Kriegsschiffen bestehendes Geschwader hier vorbei und salutirte den Kronprinzen durch 21 Kanonenschüsse.

Paris, 2. Dezbr. Die heute in der Kammer veröffentlichte Bot­schaft Grevys besagt: So lange es sich nur um Schwierigkeiten gehandelt hätte, wie es beispielsweise die Unmöglichkeit gewesen, in Folge der Zurück­haltung der politischen Männer ein Kabinet zu bilden, sei der Präsident auf seinem Posten geblieben. Indeß die gestrige Abstimmung der beiden Kammern mußten ihn veranlassen, seine Demission zu geben. Der Präsi­dent würde ein Recht gehabt haben, zu bleiben, aber um bei den gegen­wärtigen Umständen einen Konflikt zu vermeiden, habe ihm die Stimme der Klugheit und des Patriotismus gerathen, zurückzutreten, er überlasse die Verantwortlichkeit dafür denjenigen, welche dieselbe auf sich zu nehmen hätten, und appellire darüber an Frankreich. Das Land werde sagen, der Präsident habe während der neun Jahre seiner Amtsführung ihm Frieden, Ordnung und Freiheit gesichert. Er lasse es inmitten eines ge­rüsteten Europas in einem Zustande zurück, der es ihm ermögliche, seine Ehre und Rechte zu vertheidigen. Das Land werde sagen, daß er es verstanden habe, die Republik auf dem Wege der Klugheit zu erhalten, und daß man ihn zum Dank dafür von seinem Posten entfernte, auf den ihn das Vertrauen der Nation gestellt hatte.Indem ich aus dem poli­tischen Leben zurücktrete, wünsche ich, daß die Republik durch den gegen mich gerichteten Schlag keinen Schaden erleide, sondern triumphirend aus den Gefahren hervorgehe, denen man sie aussetzt. Ich lege hiermit meine Demission auf dem Bureau der Kammer nieder." Nach der Verlesung der Botschaft vertagten sich Kammer und Senat bis Dienstag. Der Kon­greß ist auf morgen Nachmittag 2 Uhr nach Versailles berufen. Die Verlesung der Botschaft wurde in den Kammern mit allgemeiner Stille angehört. In der Nähe des Palais Bourbons stehen vereinzelte Gruppen; aber der allgemeine Anblick der Gegend ist ruhig. Luise Michel versuchte in das Palais zu gelangen, wurde jedoch festgenommen. Ein Haufen von Manifestanten begab sich nach dem Rathhause, um den Munizipalrath zu ersuchen, sich ihnen anzuschließen, zu den Deputirten der äußersten Linken zu gehen und gemeinsam Protest gegen die Kandidatur Ferry's zu erheben. Boulanger begab sich heute Morgen auf seinen Posten nach Clermont- Ferrand zurück. (Fr. N.)