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Nr. 280
Donnerstag den 1. Dezember
1887
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Amtliches.
SlusfdicßiGßn Kömgl. Sfaafsanmattfdiaff zu Frankfurt a. Ä.
21340 A. — J. 2092/87. Ueber den Aufenthalt des Kellners Fritz Keller, geboren am 19. Oktober 1863 zu Leubus, wird Auskunft begehrt. Derselbe nennt sich Hieronymus Pietsch von Kostenthal.
J. 2769/87. Ueber den Aufenthalt des Schaubudenbesitzers Friedr. Wolf von Nordhausen wird Auskunft begehrt.
22086 B. — J. 3763/87. Das am 9. d. Mts. gegen Kath. Treulieb von Seckbach erlassene Ausschreiben ist erledigt.
Frankfurt a/M., den 28. November 1887.
22124 B. — N. 1071/87. Ueber den Aufenthalt des Mechanikers Emil Christen, geboren am 27. Juli 1851 zu Stettin, wird Auskunft begehrt.
1 Frankfurt a/M., den 29. November 1887. _____
21727 A. — J. 3413/87. Gegen den Obsthändler Friedrich Heinemann, geboren am 25. August 1861 zu Dörnigheim, welcher flüchtig ist ist die Untersuchungshaft wegen Unterschlagung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und von der Verhaftung unverzüglich hierher Nachricht zu geben.
Frankfurt a/M., den 29. November 1887.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Steckbrief.
M. 37/86. Der Kaufmann S. Oppenheimer, geboren am 15. März 1846 in Kirberg, ist durch Urtheil der Strafkammer des hiesigen Königlichen Landgerichts vom 26. März 1886 wegen Vergehens gegen das Markenschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 200 M. evt. für je 10 M. 1 Tag Gefängniß rechtskräftig verurtheilt worden und hat sich dem Vollzüge dieser Strafe durch die Flucht entzogen.
Es wird ersucht auf den rc. Oppenheimer zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften und die Unterzeichnete von der Verhaftung "zu benachrichtigen.
Frankfurt a/M., den 29. November 1887.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Koose
zu der Lotterie für die Kinderheilanstalt in Orbssind zu haben bei: Gräfin Bismarck, Allst. Schloß, Fräulein Osius, Heumarkt I, Frau Direktor Wiese, Königl. Zeichenakademie.
Tagesschan.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 29. Nov. Im Reichs- tage machte der Präsident zunächst Mittheilung von dem Empfange des Präsidiums durch Seine Majestät den Kaiser, der die Theilnahme des Reichstages an der schweren Erkrankung des Kronprinzen mit huldvollstem Danke entgegengenommen habe. — Die Berathung des Etats leitete der Staatssekretär des Reichsschatzamts Dr. Jacobi mit einem längeren Vor- trage ein. Er betonte, daß die Mehreinnahmen aus der erhöhten Branntwein- und Zuckersteuer sowohl dem laufenden als auch den nächsten Etats ein anderes, günstigeres Gepräge verleihen würden und daß die Zeit der Fehlbeträge vorüber sei. Abg. Rickert (deutschfreis.) entgegnete, daß immer neue Steuern natürlich auch dem Reiche Mehreinnahmen zuführen müßten, übrigens sei es nicht richtig, an die Einzelstaaten Ueberweisungen zu machen, während das Reich selbst einen Fehlbetrag habe. Er bestritt, daß bei Aufstellung des Etats überall Sparsamkeitsrücksichten maßgebend gewesen und bemängelt im Einzelnen einige Ausgaben bei dem Marine- Gtat, um dann zu der neuen Zolltarifvorlage überzugehen, die er namentlich ^vom sozialpolitischen Standpunkte bekämpft. Es sei befremdend, daß die Industrie sich noch immer nicht gegen die übermäßigen Ansprüche der Agrarier erhoben, da sie doch unter diesen Ansprüchen konkurrenzunfähig werden müsse. Abg. Frhr. v. Maltzahn - Gültz (deutsch -kons.) trat dem gegenüber kurz für die Nothwendigkeit einer weiteren Erhöhung des Ge- lreidezolles ein. Der Etat sei mit großer Sorgfalt aufgestellt, einzelne neu eingestellte Mehrausgaben würden in der Kommission einer eingehenden Prüfung unterworfen werden. Ersparnisse an der Militair- und! I Marineverwaltung konnten nicht vorgenommen werden, denn die Stärke; /
unserer Rüstungen hänge nicht von uns allein ab. — Abg. v. Bennigsen (nat.-lib.) betonte, daß er persönlich ein Gegner der Vorlage über die Erhöhung der Kornzölle sei; aus dem Eifer und der Eile, mit welchem die Deut'chfreistnnigen diese Vorlage in die Debatte gezogen, könnte man aber sehen, welch fruchtbares Oppositionsfeld jene in der Borlage gefunden zu haben glauben. Die Verquickung der Finanzen des Reichs mit denen der Bundesstaaten sei in den bundesstaatlichen Verhältnissen begründet. Der Redner trat schließlich unter lebhaftem Beifall des Hauses der Behauptung des Abg. Rickert von dem vorhandenen Pessimismus entgegen Niemals sei die Liebe zu Kaiser und Reich, die Anerkennung der großen Institutionen des Reiches so fest und so sicher begründet gewesen im deutschen Volk, als eben jetzt, wo wir vielleicht großen Gefahren notdürftig entgangen und vielleicht noch größeren entgegengehen. Morgen Fortsetzung der Elatsberathung.
Berlin, 30. November. Der Reichstag beendigte heute die erste Berathung des Etats in einer kaum zweistündigen Sitzung. Es sprachen für die Reichspartei der Abg. Graf von Vehr - Behrenhoff, welcher dringendste Sparsamkeit empfahl und die Ausgaben bezeichnete, welche er für nicht unbedingt nothwendig erachtet; aber jede Streichung im Militäretat ablehnt. Abg. Bebel (Soz.-Dem.) bekämpfte das ganze System des Etats, wie er dem gegenwärtigen Staat zur Grundlage und nur dem Militarismus diene. Er bezeichnete die heutige Friedensliebe als eine Heuchelei. (Wird vom Präsidenten zur Ordnung gerufen.) Die steigenden Rüstungen würden nicht den Krieg abwehren, sondern ihn im Gegentheil herbeiführen. Die Herren arbeiteten durch ihre Gesetze selbst am eifrigsten an der Erschütterung der bestehenden Staats- und Gesellschaftszustände. Abg. Dr. Windthorst (Centrum) betonte gestrigen Ausführungen gegenüber den föderativen Charakter der Reichsverfassung; für das Militär will er alles wirklich Nothwendige, aber nur das bewilligen. Thatsache sei es, daß sich im Lande eine Mißstimmung über die alljährlich zunehmenden Militärlasten äußere. Das Sozialistengesetz müsse, weil schädlich, aufgehoben werden. Der Etat biete keineswegs ein erfreuliches Bild. Sparsamkeit sei dringend geboten. — Darauf wurde beschlossen, einen bestimmten Theil des Etats der.Budgetkommission, den anderen aber ohne kommissarische Berathung im Plenum zu erledigen. Schließlich wurden noch einige Rechnungssachen debattelos erledigt. Morgen 11 Uhr: Erste Lesung der Getreidezollvorlage.
Berlin, 40. Novbr. Der „R. u. St.-A." Nr. 281 veröffentlicht: Verordnung, betr. das Verbot der Einfuhr von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten dänischen, schwedischen oder norwegischen Ursprungs, vom 29. November 1887.
Berlin, 30. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Nachmittag noch den diesseitigen Botschafter in Wien, Prinzen Reuß, in längerer Audienz. Heute arbeiteten Se. Majestät mit dem Chef des Civilkabinets.
Berlin, 30. Novbr. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin ist gestern Abend 9^4 Uhr nebst Gefolge aus Koblenz hier eingetroffen und von Sr. Majestät dem Kaiser und König im Königlichen Palais empfangen worden.
Berlin, 30. Nov. (K. Z.) Den Berathungen des deutschen Han- delstages folgte gestern Abend in herkömmlicher Weise ein Festmahl der Mitglieder im großen Saale des Kaiserhofes, an welchem etwa 150 Personen theilnehmen. Als Gäste waren anwesend der Präsident der Reichsbank v. Dechend, der frühere langjährige Vorsitzende des bleibenden Ausschusses Geh. Commerzienrath Liebermann und einige Mitglieder der Tagespresse. Der Vorsitzende Geh. Commerzienrath Adalbert Delbrück eröffnete die Reihe der Tischreden mit einem in schwungvollen Worten und ergreifender Wirkung gehaltenen Trinksprnch auf den Kaiser, das erhabene Vorbild aller Herrscherweisheit und menschlicher Tugend, welcher jetzt wieder der Nation ein leuchtendes Beispiel heldenmüthiger Fassung und frommer Ergebung biete. Der Trinkspruch auf den Kaiser uns sein ganzes Haus fand stürmischen Zuruf.
Dr. Jerusalem, der bekannte, wegen großartiger Defraudationen aus Leipzig flüchtig gegangene ehemalige Direktor der Leipziger Diskonto- Gesellschaft, hat sich am Dienstag Abend zwischen 6 und 7 Uhr im Rheinischen Hof zu München erschossen. Der dortigen Polizeidirektion war es seit Sonntag Abend bekannt, daß Dr. Jerusalem in München sich aufhielt. Der Selbstmörder hatte u. A. durch eine graue Perücke seine