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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 279. Mittwoch den 30. November

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Sienft-Nachrichte« aus dem Kreise.

Gefunden: 10 Körbe verschiedener Größe mit Gemüse rc. (gestern Abend auf dem N - Markt stehen geblieben). Eine blaue Weißbinderschürze. Eine silberne Denkmünze (in der Marienkirche). Ein SchulheftLatei­nische Phrasen für die Klassen Prima u. Sekunda".

Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund mit rothem Kopf.

Verloren: Ein gehäckeltes schwarzes Frauentuch.

Hanau am 30. November 1887.

UnsfdiwiGßn lonigl. Sfaafsanmattfdiaft zu Frankfurt a. N.

21399 B. J. 3654/87. Ueber den Aufenthalt des Kellners Georg Schröder von Altmorschen wird Auskunft begehrt.

Frankfurt a/M., den 27. November 1887.

22067 B. J. 3432/87. Ueber den Aufenthalt des Commis. Emil Hermann Leichnitz von Pensa» wird Auskunft begehrt.

J. 2921/87. Ueber den Aufenthalt des circa 20 Jahre alten Commis Adam Berninger von hier wird Auskunft begehrt.

22018 B. J. 3955/87. Ueber den Aufenthalt der Wäscherin Wal- purga Dreßner, geboren am 14. JuliH186O zu Wüstensachsen, wird Auskunft begehrt.

7322 D. J. 4158/87. In der Nacht vom 27. zum 28. Nov. d. J. ist zu Bockenheim ein dem Schenkwirth Eduard Schipperges gehöriger Schuppen niedergebrannt. Es wird Brandstiftung vermuthet. Alle Diejenigen, welche über die Entstehung des Brandes Auskunft geben 4 können, werden ersucht, ungesäumt der unterzeichneten Staatsanwaltschaft oder der nächsten Polizeibehörde Mittheilung zu machen.

Frankfurt a/M., den 28. November 1887.

Königl. Staatsanwaltschaft.

Steckbriefs

J. 4007/87. Gegen den Schuhmacher Peter Fischer, geboren am 10. März 1856 zu Fürth, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungs- ' haft wegen Diebstahls i. w. R. verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und die Unterzeichnete von

. der erfolgten Festnahme unverzüglich in Kenntniß zu setzen. Frankfurt a/M., den 28. November 1887.

Königliche Staatsanwaltschaft.

Koose

* zu der Lotterie für die Kinderheilanstalt in Orb sind zu haben bei: Gräfin Bi s m arck, Altst. Schloß, Fräulein Osius, Heumarkt 1,

; Frau Direktor Wiese, Königl. Zeichenakademie.

t Der fortdauernd revolutionäre Charakter

- der socialdemokratischen Agitation hat die Regierungen von Preußen, . Sachsen und Hamburg genöthigt, die auf Grund des Gesetzes gegen die ( gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie seit mehreren Jahren

getroffenen Anordnungen abermals auf ein Jahr zu verlängern und theil- weise zu verschärfen. Wie aus den an den Reichstag darüber gelangten

Mittheilungen ersichtlich, ist, was zunächst Berlin betrifft, die Stetigkeit 1 der Organisation der Berliner Socialdemokratie anläßlich der diesjährigen

Reichstagswabl von Neuem offenbar geworden, ebenso die Ausdehnung , | dieser Organisation auf die unmittelbar an das Weichbild von Berlin » angrenzenden Theile des platten Landes. Mit der Agitation, für die

Wahl von socialdemokratischen Reichstagsabgeordneten wurde eine öffent- liche Propaganda für die socialrevolutionären Lehren verbunden und unter Benutzung der aus Amerika geflossenen Geldmittel Wahlflugblätter in ungefähr 11 2 Millionen Exemplaren verbreitet. Ein Theil dieser Flug- blätter wurde verboten, andere wegen Nichtberücksichtigung der preßpolizei- ' < m Urschriften beschlagnahmt. Bei dieser Wahlagitation wurde ferner

die Versammlungsfreiheit dergestalt mißbraucht, daß 19 Wahlversamm­lungen aufgelöst werden mußten. Aus dem revolutionären Inhalt der st Flugblätter ist zugleich ersichtlich, daß unter den Führern der Bewegung

. sie radikale Richtung immer noch in weit überwiegendem Maße vertreten ist, und da in der Berliner Arbeiterbevölkerung sich eine große Anzahl

( bandet, welche bereit ist, den socialdemokratischen Führern blindlings zu

1887

folgen, so bergen jene Flugblätter eine nicht unerhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit in sich.

Die strengeren polizeilichen Maßnahmen, die Auflösung der beinahe ausschließlich socialdemokratischen Arbeiterbezirksvereine, der Fachvereine, die zur Abhaltung von Versammlungen erforderlich gemachte polizeiliche Genehmigung, haben nun zwar die Agitation in der Oeffentlichkeit sehr erheblich eingeschränkt, im Geheimen wird sie aber in zahlreichen kleinen Vereinen, die sich unter den unschuldigsten Namen gebildet haben, in Werkstätten, auf Ausflügen und in geheimen Versammlungen noch immer eifrig betrieben. Die socialrevolutionären Blätter haben in Berlin noch immer einen großen Leserkreis, ein beträchtlicher Theil der Parteigenossen hält neuerdings anarchistische Zeitungen. Die Zahl der in Berlin lebenden Anarchisten hat sich zwar etwas vermindert, die noch vorhandenen unter­halten aber lebhafte Verbindungen mit ihren Parteigenossen im Auslande und agitiren auch sonst, soweit es ihnen bei der Aufmerksamkeit der Be­hörden möglich bleibt, so daß die Besorgniß vor neuen verbrecherischen Unternehmungen noch immer gerechtfertigt ist. Es konnte daher von der Verhängung des Ausnahmezustandes für Berlin und Umgegend auf ein weiteres Jahr nicht abgesehen werden und es hat sich des Weiteren der Erlaß einer Anordnung als nothwendig ergeben, welche die Verbreitung von Druckschriften auf Straßen, Plätzen rc. der polizeilichen Genehmigung unterwirft, um so vor Allem der Verbreitung socialdemokratischer Flug­blätter rc. eine verschärfte Aussicht zuwenden zu können.

Aehnlich liegen die Dinge in Hamburg und in den angrenzenden preußischen Gebietstheilen von Altona und Harburg. Durch neuere Straf­prozesse war die gesammte Parteiorganisation, welche dort die socialdemo­kratische Bewegung im Gange hält, bekannt geworden, der sogar ge­druckte Organisationsplan liegt vor. In dem Strafverfahren gegen 8 Agitatoren, welche im August d. I. in einer Hamburger Wirthschaft er­griffen wurden, hat sich herausgestellt, daß sie alle 14 Tage regelmäßig geheime Zusammenkünfte gehalten, welche der Vorbereitung und Unter­stützung von Arbeitseinstellungen und der Verbreitung revolutionärer Druckschriften galten. Im März d. J. wurde in Hamburg ein großes Lager verbotener sozialdemokratischer Druckschriften, sowie eine bedeutende Zahl von Kassenbüchern, Abrechnungen u. s. w. aufgefunden. Zahlreiche Fachvereine fördern die Agitation, für Altona allein sind in einem Jahre, von August 1886 bis August 1887, 233 öffentliche, der Aufregung der Arbeiterbevölkerung dienende Parteiversammlungen abgehalten worden. In Hamburg sind 7, in Altona 10 Ausweisungen neu erfolgt, außerdem in Hamburg 111, in Altona 131 Aufenthaltsversagungen erneuert worden. War nun bisher sowohl preußischer- als auch Hamburgischerseits nur von der Befugniß der Aufenthaltsversagung Gebrauch gewacht worden, so machte die systematische Betreibung der Aufregung unter den Arbeitern in zahlreichen nach Altona berufenen Versammlungen eine Einschränkung des Versammlungsrechts in der Weise nothwendig, daß alle Versamm­lungen, in denen öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollen, der vorherigen polizeilichen Genehmigung unterliegen. Die Gesetzgebung des Hamburgischen Staates über das Versammlungsrecht gestattet den Ham­burger Behörden das Verbot aller Versammlungen, deren Zweck irgend bedenklich erscheint; durch Ausübung dieser Befugniß wurden nun die derartigen Versammlungen auf das preußische Gebiet hinübergedrängt, so daß es erforderlich war, auch die preußischen Behörden mit entsprechender Befugniß auszurüsten. Ebenso stellte sich die Nothwendigkeit heraus, den Vertrieb von Druckschriften auf Straßen, Plätzen u. s. w. auch dort von der polizeilichen Genehmigung abhängig zu machen.

Die gleiche Sachlage besteht in Leipzig, wo im Laufe des verflosse­nen Jahres die Zahl der Verurtheilungen wegen Verbrechen und Ver­gehen, die auf revolutionäre und anarchistische Bestrebungen zurückführen, eine sehr erhebliche gewesen ist. In der großen Zahl der desfallsigen gerichtlichen Bestrafungen befindet sich die Verurtheilung von 12 Personen zu mehrjährigen Zuchthaus- oder Gefängnißstrafen wegen Aufruhrs und einer andern zu 2^2 Jahren Zuchthaus wegen Vorbereitung eines Hoch- verrätherischen Unternehmens. Zu diesen an Anzahl wie an Schwere zunehmenden Vorkommnissen gesellt sich die wachsende Agitation der inner­halb der socialdemokratischen Agitation die Oberband behauptenden extre­men Elemente, die sich in er massenhaften Verbreitung von Druckschriften, Vertheilung von Flugblättern u. s. w. bekundet, ferner in den leidenschaft--