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Nr. 263 Freitag den

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Bekanntmachungen Kömigl. Lkudraihsamts.

Die Herren Standesbeamten werden benachrichtigt, daß die Formulare zu den an das Erbschaftssteueramt unzureichenden Todtenlisten ferner nicht mehr in Anwendung kommen. Die an deren Stelle tretenden ab­geänderten Formulare sind im Druck befindlich und kommen binnen Kur­zem zur Vertheilung.

Ein etwaiger Vorrath des seitherigen Formulars ist hierher einzu- senden.

Hanau am 8. November 1887.

Der Königliche Landrath

V. 5726 Gf. Bismarck.

Der Landmann Wilhelm Lißmann 2r ist in den Gemeinderath zu Langendiebach gewählt und in dieser Eigenschaft bestätigt und vereidigt worden.

Hanau am 7. November 1887.

Der Königliche Landrath

A. 2146 Gf. Bismarck.

Tagesschau

Berlin, 10. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König nah­men heute die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Militär- ka inets entgegen.

Berlin, 10. Novbr. DerR. u. St A." schreibt: Die gestern in San Remo stattgehabte ärztliche Konsulation hat leider die Befürchtun­gen nicht beseitigt, welche Dr. Mackenzie über das Leiden Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen neuerdings zum Ausdruck ge­bracht hat. Eine definitive Entschuldung über die weitere Behandlung ist indeß bis nach erfolgtet mikroskopischer Untersuchung ausgesetzt.

Berlin, 10. Nov. (K. Z.) Die heutigen Meldungen aus San Nemo lauten recht unbefriedigend und bestätigen leider, daß Grund zu ernster Besorgniß vorhanden ist. Die heutige Untersuchung durch sämmt­liche zugezogene Aerzte hat ergeben, daß die Stimmbänder und deren ganze Umgebung derart entzündet sind, daß in diesem Augenblick eine zuverlässige Feststellung des Befundes des eigentlichen Sitzes des Leidens noch nicht stattfinden kann. Die Aerzte hoffen, durch lindernde Mittel die Entzündung binnen kurzem zu heben. Die eigentliche Entscheidung läßt also noch auf sich warten. Es steht nach wie vor fest, daß, wenn ein operativer Eingriff nothwendig wird, derselbe hier in Berlin durch hiesige Aerzte erfolgen wird. Im Hinblick auf diese Möglichkeit wird das kron- prinzliche Palais für die Ausnahme des hohen Kranken bereit gehalten.

Berlin, 10. Novbr. Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm ist gestern Abend in San Remo eingetroffen.

Berlin, 10. Nov. DieNationalztg " meldet: Dem Vernehmen nach hat die Reichsbank heute Vormittag die Lombardirung von russischen Werthen abgelehnt. Die Verfügung wird mit einem von maßgebender Seite gefaßten prinzipiellen Beschuh in Verbindung gebracht, dessen Pu­blikation schon morgen erwartet wird.

Allen in Berlin lebenden Russen ist durch Schutzleute eure Liste zugestellt mit rubricirten Fragen über sämmtliche Geburts-, Familien-, Aufenthalts- und Erwerbsverhältnisse, welche ausgefüllt dem russischen Consulate einzusenden ist. ., . x ..

In einemReges Schaffen" überschriebenen Artikel äußert die Nord-Ostsee-Zeitung/t In unserer Zeitperiode, in welcher der Verkehr und die Oeffentlichkeit als charakteristische, bestimmende Merkmale hervortreten, haben sich die Klagen über schlechte Zeiten in geometrischer Progression gehäuft, während die Uebelstände in Wahrheit sich nicht ein- ural in arithmetischer Progression steigerten. ES liegt nun einmal in der menschlichen Natur, daß milleiderregende Schilderungen und Schwarz­malereien, die täglich in allen möglichen Variationen wieder aufgettscht werden, endlich Glauben finden oder doch die Meinung erwecken, als ob etwas daran" sein müsse. . . . Der Racker von Staat, dieser arme Sündenbock für die Gebrechen und Anklagen der Mitwelt, ist es ganz be­sonders, der unter den Keulenschlägen der extremen Richtungen zu leiden hat. Es ist so unendlich leicht und bequem, alle Schuld, die der eigenen Unfähigkeit entspringt, auf diesen angeblichen Störenfried abzuwälzen.

11. November 1887

Was in Wirklichkeit der moderne Staat für die Ausbildung des Verkehrs­wesens, die Ausgleichung der Preise der nothwendigen Volksbedürfniffe, die allgemeine geistige und technische Ausbildung, für Hebung der Land­wirthschaft, des Handels- unv Unlernehmergeifles, für Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen thut und gethan hat, ist freilich in den Au­gen ruhiger Beurtheilen und des objektiv zuschauenden Auslandes keines­wegs fo unbedeutend, wie es die gewerbsmäßigen Parteipessimiften zu be­haupten belieben. Gilt es doch, um jeden Preis Unzufriedenheit mit dem Erreichten und den bestehenden Zuständen im Staat und in der Gesell­st! alt hervorzurufen. Indessen, gerade die tollen Verdächtigungen der sozialpolitischen Gesetzgebung und der Absichten der positiv schaffenden Rich­tungen haben bis jetzt nicht vermocht, tie stetige Organisationsarbeit im Staat ernstlich zu gefährden. Im Gegentheil, die unendlich hohe Bedeu­tung der sozialpolitischen Gesetzgebung für die ruhige politische und gesell­schaftliche Entwickelung des deutschen Volks wird jetzt endlich auch in Arbeilerkreisen mehr und mehr anerkannt.

Für die kommissarische Wahrnehmung der Geschäfte des Lan­deshauptmanns von Neu Guinea für die Zeit, daß Herr v. Schleinitz nach Europa reifen wird, um dorthin feine Familie zurückzugeleiten, ist der vortragende Rath im Reichspostamt, Geheimer Oberpostrath Kratke, von der Neu Guinea Gesellschaft gewonnen worden. Er wird um einen länger« Urlaub im Reichsdienste nachsuchen und nach der Bewilligung wohl schon im Dezember nach Finschhafen reifen. Nach Krätkes Ankunft daselbst wird alsdann Herr v. Schleinitz seine Urlaubsreise antreten. Herr Krätke hat sich im Reichspostdienst eines ausgezeichneten Rufes zu erfreuen. Er war einer der hauptsächlichsten Förderer und Bearbeiter der Vorlage über ReichsposUDampferlinien nach Ostasien und Australien und hatte sich we­gen seiner hervorragenden praktischen Kenntnisse namentlich auch in parla­mentarischen Kreisen viele Freunde erworben. Er steht im Anfänge der vierziger Jahre.

Lübeck, 9. Nov. Heute wurde hier die Schwester Maria Ermen- trudis Stenzel vom Orden der katholischen Barmherzigen Schwestern mit militärischen Ehren beerdigt. Die Verstorbene war Inhaberin des Eisernen Kreuzes am weißen Bande, das sie sich in den Jahren 1870/71 durch unermüdliche Krankenpflege in Feindesland erworben hatte. Eine Abord­nung des hiesigen Officiercorps nahm an der Trauerfeierlichkeit Theil. (K. Z.)

München, 10. Nov. Prinz Ludwig übernahm den Ehrenvorsitz der nächstjährigen Kunstausstellung.

Kopenhagen, 10. Nov. Der Kaiser von Rußland tritt die Reise nach Berlin nicht vor dem 17. November an.

Paris, 9. Novbr. Bei der heute fortgesetzten mündlichen Ver­handlung in der Angelegenheit Caffarel vor dem Tribunal für Straf­sachen erklärten mehrere Zeugen, daß sie dem Senator General d'Andlau für Ordensauszeichnungen Geld zugestellt hätten. Während der Verneh­mung stellte sich heraus, daß zwei Briefe mit der Unterschrift Wilson's in dem Aktenstück zurückvatirt waren. Ueber den Sinn dieses Manövers besteht noch keine Klarheit. Der Militär-Intendant Bouchö machte Aus­sagen zu Gunsten Caffarel's. Der Vertreter der Anklagebehörde gab eine geschichtliche Darstellung der Angelegenheit und erklärte, daß der Name Wilson's aus der Sache entfernt werden müsse, da alle Anklagen gegen denselben hinfällig geworden seien. Es handle sich einfach um eine Gaune rei, die nur wegen des hohen Standes der Angeklagten Aufsehen mache. Die bei den Angeklagten vorgefundenen Briefe Thibaudin's, Boulanger's um Wilson's seien bedeutungslose, nichtssagende Antworten.

Paris, 10. Nov. In der heutigen Verhandlung im Prozeß Caffarel, welcher der Generalprokurator und der Prokurator der Repu­blik beiwohnten, begann das Plaidoyer des Vertheidigers der Limousin. Derselbe führte aus, die Angeklagte habe ihre hohen Beziehungen benutzt, um Kandidaten für Ordensdekorationen zu empfehlen und sich für die von ihr unternommenen Schritte einfach bezahlen zu lassen. Hierin läge kein Betrug; er beantragte deshalb Freisprechung. (Fr. N.)

Paris, 10. Nov. In Folge der Unterschiebung der Briefe Wil- sons, welche in der heutigen Verhandlung des Prozesses Caffarel ausge­deckt wurde, begab sich Rouvier zum Präsidenten Grövy, um zu verlan­gen, daß Wilson das Elpsee sofort verlasse. Grövr) erklärte darauf, er wolle lieber sein Amt niederlegen, als Wilson aus Dem Elpsöe entfernen.

Rom, 10. Nov. Gestern früh P/ü Uhr fand in Forli ein lang-