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Jugteich Amtliches girgan für SLcröL- und LernöLvers Kancru.

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Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister eingefangen am 7. ds. Mts.: ein gelber Hund; am 9. ds. Mts.: ein schwarz- und graugefleckter Hofhund mit Halsband, beide m. Geschl.

Zugelaufen: Ein kleines rehbraunes Hündchen m. Geschl.

Abhanden gekommen auf dem Wege von Marköbel über Hanau bis Frankfurt a/M: ein ein Viertel Jahr altes Schweinchen.

Gefunden: Ein Notizbuch. Eine Kindermütze mit Pelzbesatz. Eine schwarze Schürze. Ein Kranken-Unterstützungskaffenbuch für Ernst Wagner.

Verloren: Auf dem Wege von Hanau bis Großauheim: ein schwarzes Jacket, in der Tasche ein Portemonnaie mit über 3 M. und ein Cigarren-Etui mit Cigarren.

Hanau am 10. November 1887.______

NR. Die Friedensliga zwischen den centraleuropäischen Staaten Deutschland, Oesterreich und Italien verfolgt naturgemäß mit den Zweck, für den Fall einer Koalition derjenigen Mächte, welche wie Frankreich und Rußland zum Theil seit lange, zum Theil wenigstens in neuerer Zeit gleich friedliche Absichten nicht erkennen ließen. Allein dies ist nicht nur nicht der einzige, sondern auch nicht der zunächst und in erster Linie in Betracht kommende Zweck der Tripelalliance.

Wie die gesummte deutsche Politik von dem Gedanken der Erhal­tung des Friedens getragen und geleitet wird, verfolgt das bezeichnete Bündniß der drei mitteleuropäischen Großmächte weit mehr vornehmlich auch den Zweck, eine Bedrohung des Friedens zu verhüten. In dieser Hinsicht wirkt an sich der Zusammenschluß der Mächte zu Schutz und Trutz schon erheblich; von ihm gilt gleichfalls die alte Regel: si vis pacem para bellum! (Willst du den Frieden, so bereite den Krieg vor.) Aber der Friedensbund der drei Mächte wirkt nicht nur als Friedens­erhalter, indem er die zur Vertheidigung des Friedens vorhandenen Kräfte sammelt und damit stärkt, sondern die Vereinigung der drei wesentlich auf die Erhaltung des Bestehenden bedachten und von Macht­gelüsten freien Staaten muß nothwendiger Weise auch moralische Er­oberungen für die Sache des Friedens machen. Ueberall und auch bei unseren Nachbarn im Osten und Westen gibt es eine große Anzahl friedlich gesinnter Leute, welche sehr wohl wissen, daß die Kultur im Allgemeinen und vor Allem das Erblühen jeder wirthschaftlichen Prosperität, daß insbesondere der Aufschwung von Handel, Verkehr und Gewerbefleiß von der Herstellung dauernder den Frieden sichernder Zustände abhängt. Ihre Stimme wird nur zu oft von den lauten Aeußerungen des Ehrgeizes und der Leidenschaft übertönt Wenn diese friedliebenden Elemente erst aus dem Vorhandensein der Friedensliga werden die Hoffnung gewonnen haben, daß sie mit ihrer Anschauung durchdringen, so wird sie ohne Zweifel sich in höherem Maße als bisher geltend machen und mit Kraft von innen gegen die frievensstörenden Tendenzen reagiren. Wenn man erwägt, daß alle Gründe der Vernunft für die friedliche Entwickelung sprechen, müßte man mit Sicherheit auf Erfolg rechnen. Freilich lassen sich unsere Nach- baren nicht immer von Gründen der Vernunft leiten.___

Tagesschau.

Berlin, 9. November. Se. Majestät der Kaiser und König nah­men gestern die Vorträze des Chefs der Admiralität, General Lieutenants v. Caprivi, und des Chefs des Militärka inets, Generals v. Albedyll, entgegen. Heute hörten Se Majestät die Vorträge des Chefs des Civil- kabinels, Wirklichen Geheimen Raths v. Wilmowski, und des Staats­sekretärs des Auswärtigen Amts, Grafen v. Bismarck.

Berlin, 9. Nov. Ueber das Befinden des Kronprinzen liegen heute an maßgebender Stelle neue thatsächliche Meldungen weder im guten noch im ungünstigen Sinne vor. Die Börse war, wie die „K. Z." bemerkt, im Anfang sehr beunruhigt, weil viele Besucher beim Vorüber­gehen am kronprinzlichen Palais wahrgenommen hatten, daß an vielen Fenstern, die bisher verhängt waren, die Vorhänge in die Höhe gezogen waren und daß eine Reihe Zimmer gelüftet und gereinigt wurden. Man schloß hieraus, daß die Rückkehr des Kronprinzen bereits beschlossen und eine Operation nicht länger aufzuschieben sei. Dieser Schluß ist aber voreilig; die Lüftung und Instandsetzung der Zimmer ist nur angeordnet

Donnerstag den 10, November

1887

worden, um auf alle Fälle gerüstet zu sein. Mit fieberhafter Ungeduld erwartet man die Veröffentlichung des Befundes der gemeinsamen ärzt­lichen Untersuchung.

Berlin, 9. Nov. (K. Z.) Prinz Wilhelm trifft heute Mittag 12 Uhr 45 Min. in Genua ein, von wo aus er dann noch eine vier­stündige Elsenbahnfahrt nach San Remo zurückzulegen hat. Dr. Krause, der bereits am Montag früh von hier abgereist ist, mußte bereits heute sorgen Va 11 Uhr in San Remo angelangt sein.

Berlin, 8. Nov. Die „K. Z." schreibt: Wie es heißt, genehmigte der Kaiser die Grundzüge zur Alter- und Jnvalivenversorgung der Arbeiter. Das Staatsministerium wird über die Berufung des Volkswirthschafts­raths beschließen, der voraussichtlich nächste Woche zusammentreten dürfte. Dem Vernehmen nach soll die Vorlage daran festhalten, daß die Alter­und Jnvalidenversorgung zugleich für alle Arbeiter (etwa 12 Mill.) in Kraft gesetzt werde.

Berlin, 9. Nov. Die „Nationalzeitung" meldet: Generalarzt Dr. v. Lauer, Leibarzt des Kaisers, ist seit einigen Tagen nicht unerheb­lich an einem Lungenkatarrh erkrankt und bettlägerig. Sein Zustand ist aber in der Besserung begriffen. Der Kaiser läßt sich täglich theilnahms- voll nach dem Befinden des Patienten erkundigen.

Berlin, 9. Novbr. Der amerikanische Gesandte am hiesigen Aller­höchsten Hofe, George H. Pendleton, ist vom Urlaub nach Berlin zurück­gekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der Gesetzentwurf, betreffend die unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen wird in der nächsten Reichs­tagssession wieder eingebracht werden. Bekanntlich hat ein solcher Ent­wurf bereits zweimal im Reichstage vorgelegen; in der letzten Session ist man zu einer eingehenden kommissarischen Berathung gelangt, welche eine Umgestaltung des Entwurfs zur Folge hatte. Von den Vertretern fast sämmtlicher Parteien war die in Aussicht genommene Bestimmung inso­weit für zu weitgehend erachtet, als es sich um die Sittlichkeitsvergehen handelt, dagegen haben die staatserhaltenden Elemente in den verschiedenen Parteien sich im Wesentlichen mit den Vorschlägen der verbündeten Re­gierungen einverstanden erklärt, welche sich auf die Prozesse beziehen, bei denen die Oeffentlichkeit wegen Besorgniß einer Gefährdung der Staats­sicherheit ausgeschlossen werden soll. Wie wir vernehmen, wird der neue Entwurf im Wesentlichen den Beschlüssen der Reichstagskommission Rech­nung tragen, sodaß zu erwarten steht, daß es diesmal zu einer kom­missarischen Berathung gar nicht kommen, sondern daß die Vorlage durch Plenarberathungen zur Erledigung und Verabschiedung gelangen wird.

Wilhelmshafen, 8, Nov. Briefsendungen für S. M. Kreuzer- corvette „Luise", Commandant Corv.-Cap. Claussen v. Fink, sind bis zum 16. November nach St. Vincent (Cap Verdes) — über Genua —, vom 17. November nach Freetown (Serra Leona) — über Liverpool —, vom 17. November Mittags ab und bis zum 30. November nach Kamerun — über Hainburg —, vom 1. Dezember bis zum 22. Dezember Vor­mittags nach Freetown — über Liverpool —, vom 22. Dezember d. I. Mittags ab und bis auf weiteres nach St. Vincent (Cap Verdes) zu richten.

Wien, 9. Nov. Der Heeresausschuß der ungarischen Delegation bewilligte nach fünfstündiger Debatte, worin der Kriegsmister wiederholt eingriff, unverändert mit großer Mehrheit den für das Repetirgewehr eingestellten Betrag von 15V2 Millionen. (Fr. N.)

Wien, 9. Nov. Die Hofoper mußte wegen schlechter Ausführung der neuen elektrischen Beleuchtung durch die englische Gesellschaft ge­schlossen werden. Der Zeitpunkt der Wiedereröffnung ist noch unbestimmt.

Kopenhagen, 9. Nov. Nach vorläufiger Bestimmung reist der Kaiser von Rußland mit seiner Familie am 15. oder 16. November nach Berlin. Am Tage darauf begibt sich die Prinzessin von Wales mit ihren Kindern in Begleitung des Königs nach Lübeck. (Fr. N.)

Rom, 9. Nov. Nachts gegen zwei Uhr wurde in Venedig ein Erdstoß verspürt, der jedoch keinen Schaden anrichtete; ebenso in Ferrara gegen P/s Uhr ein wellensörmigls, sieben Sekunden andauerndes Erdbeben in der Richtung von Nordost gegen Südwest.

Madrid, 8. Novbr. Der wegen des Mordversuchs auf den Marschall Bazaine angeklagte Hillatrand ist zu 8 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt worden.