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Nr. 253
Samstag den 29. Oktober
188?
DienK-Uachrichten aus dem Kreise.
Ortsdiener Schmidt in Langenselbold ist zum Ausschneider der Präparate für Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichenen bestellt und vereidigt worden.
Gefunden: Eine Tabakspfeife. Ein kathol. kleiner Katechismus. Ein ev. Katechismus. Ein Paar schwarze Kinderhandschuhe. Ein rothes Strickzeug. Ein Portemonnaie mit einigen Pf.
Hanau am 29. Oktober 1887. ____________________________
Bekanntmachung.
Am 12. November d. A. wird wieder wie in den Vorjahren, zwecks Veranlagung der Klassensteuer für das Etatsjahr 1888/89 eine allgemeine Aufnahme des Personenstandes in hiesiger Stadt vorgenommen werden.
Es werden zu diesem Behufe jedem Hauseigenthümer oder dessen Stellvertreter schon mehrere Tage zuvor die erforderlichen Formulare eingehändigt werden, um deren genaue Ausfüllung hinsichtlich sämmtlicher in dem betreffenden Hause nebst Zubehör wohnenden Personen nach dem Stande vom 12. November d. I. ersucht wird.
Ich darf hierbei wohl die Erwartung aussprechen, daß das betheiligte Publikum nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch zur Förderung der Veranlagungsarbeiten bar auf Rücksicht nehmen wird, daß Der am 13. November erfolgenden Abholung der vorschriftsmäßig ausgefüllten und von dem Hauseigenthümer oder dessen Stellvertreter unterschriebenen Personenstandslisten kein Hinderniß entgegensteht.
Hanau, 25. Oktober 1887.
Der Oberbürgermeister.
I. V.: Heraeus.
Zur Ausführung des §. 60 des Viehseuchen-Gesetzes vom 25. Juni 1875 findet in Gemäßheit des §. 11 des Reglements vom 11. Dezember 1875 am 2. k. Mts. eine Ausnahme des Bestandes an Pferden, Eseln, Mauleseln, Maulthieren und Rindvieh dahier statt, auf Grund deren die in den §§. 5 und 6 des angezogenen Reglements vorgesehene Abgabe für das Jahr 1888 — diesmal nur für Rindvieh — mit 5 Pf. für jedes Stück im Januar 1888 erhoben werden wird. —
Das Berzeichniß über den betreffenden Viehbestand ist zur Einsicht der Betheiligten vom 6. bis einschließlich den 19. k. MtS. auf dem Rathhause ausgelegt und sind Anträge auf Berichtigung bis zum 19. k. Mts bei dem Unterzeichneten, etwaige Reklamationen gegen die bezüglichen Entscheidungen aber bis einschließlich den 29. k. Mts. bei Königlichem Regierungs-Präsidium zu Caffel anzubringen.
Hanau am 29. Oktober 1887.
Der Oberbürgermeister.
______________________I. V.: Heraeus. ____________________
T a g e 8 s ch a u.
Berlin, 28. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König mußten einer leichten Erkältung wegen die Fahrt zur Jagd nach HubertuSstock aufgeben.
Berlin, 28. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König em- psingen heute den Hauptmann der Reserve, Grafen Werder, behufs Rückgabe der Orden seines verstorbenen Vaters, des Generals der Infanterie, ©rasen Werder, sowie die beiden in Kaiserlich chinesische Dienste tretenden Affiliere, den Premier - Lieutenant von Brixen-Hahn vom Westfälischen lllanen-Regiment Nr. 5, und den Second-Lieutenant v. Auer vom Grenadier Regiment Kronprinz, 1. Ostpreußischen Nr. 1. Später empfingen
Majestät den Oberst-Jägermeister Fürsten Pleß.
Berlin, 28. Oktober. Der hiesige amerikanische Gesandte, George Pendleton, hat einen ihm von feiner Regierung bewilligten Urlaub augetrettN. Für die Dauer der Abwesenheit desselben von Berlin fungirt der Legations-Sekretär Chapman Coleman als interimistischer Geschäfts- rrager.
In Wsistenfels verwickelte sich ein 13jähriger Junge beim Ver- laffen einer Schaukel so unglücklich in einen Strick, daß er durch Erhängen seinen Tod fand.
Osnabrück, 26. Okt. Der Magistrat und das Bürgervorsteherkollegium haben beschlossen, den feiernden Bergleuten des städtischen Steinkohlenbergwerks vor der Rückkehr zur Arbeit keinerlei Zugeständnisse zu machen. Auch die in den städtischen Steinbrüchen beschäftigten Leute legten heute sämmtlich die Arbeit nieder. Im Gemeinderath wurde der Antrag gestellt, den Betrieb des Bergwerks, welcher im letzten Jahre eine Zubuße von 96 000 Mk. erforderte, ganz amzugeben. Die Rücksicht auf die Interessen der Arbeiter hielt indeß von diesem äußersten Schritt noch zurück. (K. Z.)
Braunschweig, 26. Okt. (K. Z.) Die Vermehrung der preußischen Lotterieloose und die strenge Durchführung des Verbots in Preußen, in auswärtigen Lotterieen zu spielen, wirken immer mehr auf den Absatz der braunschweigischen Lotterieloose ein. Nachdem vor einiger Zeit bereits, wie damals mitgetheilt, eine Verminderung der Zahl der Lotterie- loose von 100 000 auf 98 000 stattgefunden, wird demnächst eine weitere Herabsetzung um 5000 Stück, also auf 93 000, ausgeführt werden. Die Zahl der Gewinne wird dann ebenfalls eine entsprechende Verminderung erfahren müssen, so soll namentlich ein Gewinn von 80 000 Mk. in der 6. Classe auf 60 000 Mk. herabgesetzt werden.
In dem Hamburger Kurierzuge, welcher gegen 2 Uhr Nachmittags an Osnabrück vorbeifuhr, wurde in der Nähe der genannten Stadt ein Reisender vermißt. Beim Durchsuchen der Wagen fand man denselben entseelt auf dem Abort. Durch einen Revolverschuß hat der Unglückliche seinem Leben ein Ende gemacht. Das Billet lautete von Hamburg nach Köln. Die Leiche wurde in Osnabrück im Leichenschauhause untergebracht. Die Persönlichkeit ist noch nicht festgestellt.
München, 28. Okt. Im Finanzausschüsse erwiderte beim Etat des königlichen Hauses auf die Anfrage des Frhrn. v. Stauffenberg der Finanzminister, der Verkauf der Kunstwerthfachen aus dem Nachlasse König Ludwigs II. nach Stuttgart, Straßburg und New-Aork sei eine Pri- vatschatullensache; daher sei der Landtag inkompetent in dieser Sache ; übrigens verführen die Kuratoren des Königs loyal und patriotisch, die Hauptkunstsachen blieben in den königlichen Schlössern dem bayerischen Lande erhalten.
Amsterdam, 25. Okt. In Dordrecht sind seit gestern mit dem Grafen von Paris auch der Herzog von Chartres, der Prinz von Join- viüe, der Herzog von Nemours, der Herzog d'Audiffret-Pasquier und etwa 70 orleanistische Depuürte und Senatoren, deren Namen übrigens so viel als möglich geheim gehalten «erden, eingetroffm.
Wien, 28. Okt. Das Abgeordnetenhaus nahm in zweiter und dritter Lesung den Gesetzentwurf an, welcher die Regierung ermächtigt, die Handelsbeziehungen mit Deutschland und Italien bis längstens zum 30. Juni 1888 provisorisch zu regeln. Im Laufe der Debatte bemerkte der Handelsminister, Deutschland sprach bereits die Geneigtheit aus, in Verhandlungen über den Handelsvertrag einzutreten, während sich die Verhandlungen mit Italien in einem vorgerückten Stadium befänden. Die Regierung müsse bei den Verhandlungen freie Hand haben, um die Interessen des Reichs wahrnehmen zu können. Der Minister bedaure ebenfalls, daß die Stabilität der Verhältnisse durch ein solches Provisorium unterbrochen werde, aber er sei bemüht, die Kontinuität der Verhältnisse zu erhalten. Bei der Berathung über die vom Herrenhause beschlossenen Aenderungen an dem Arbeiterkrankenversicherungsgesetz wurde die Zuständigkeit der Landtage über die Krankenversicherung der ländlichen Arbeiter anerkannt und die ursprüngliche Fassung des Paragraphen über die Betriebskrankenkassen beibehalten. Der Regierungsvertreter hat die Annahme der vom Herrenhaus beschlossenen Fassung empfohlen, um das Zustandekommen des Gesetzes nicht zu verzögern. (Fr. N.)
Mailand, 28. Okt. Die deutsche Kronprinzessin ist mit dem Prinzen Heinrich und der Prinzessin Victoria gestern von Baveno nach Monza gereist, um nach dem „Ry. K." dem italienischen Königspaare einen Besuch abzustatten.
In Paris ist kürzlich der Senator Admiral Jauröguiberry gestorben. Er war 1815 geboren, 1870 Kontreadmiral und nahm erst als Divisionär, dann als Kommandant des XVI. Armeekorps an dem Feldzug der Loirearmee Theil. Im Kabinet Waddington und Freycinet hatte er das Marineministerium, legte aber sein Portefeuille nieder, als den Orleans ihre Kommandostellen in Heer und Flotte genommen wurden.