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Beilage zu Nr. 251 des Hanauer Anzeiger.

Ueber die Gesundheit des deutschen Kronprinzen bringt das „British Medical Journal" vom 22. ds. einen Artikel, dem Nachstehendes entlehnt sei. „Kommentare, die jüngst in einem oder zwei einflußreichen Organen der deutschen Presse veröffentlicht waren, machen es wünschenswerth, daß wir ein Mißverständniß beseitigen, für welches wir sonst in gewissem Maße verantwortlich zu sein scheinen mögen. Als der deutsche Kronprinz in diesem Lande (England) unter Behandlung war, berichteten wir über den Verlauf des Falles von Woche zu Woche in hin­reichenden Details, um unsere Leser in den Stand zu setzen, dem Laufe der Ereignisse mit verständigem Interesse zu folgen, während wir Sorge trugen, irgend etwas zu vermeiden, was unmanierlicher Neugierde fröhnen könnte Als der Patient soweit genesen war, daß keine weiteren opera­tiven Maßregeln erforderlich waren, hielten wir es für unnölhig, die Ver­öffentlichung regelmäßiger Berichte sortzusetzen aus dem einfachen Grunde, weil nichts von besonderer Wichtigkeit zu berichten war. Dieses vollkom­men natürliche Verfahren scheint indeß mißverstanden worden zu sein, und von der politischen Presse Deutschlands ist dem Aufhören unserer wöchent­lichen Berichte eine düstere Bedeutsamkeit beigelegt worden, für welche durchaus keine Begründung vorhanden ist. ... Die Darlegung, welche wir vorige Woche veröffentlichten, scheint, obwohl sie hinlänglich präcis und deutlich war, die von unseren deutschen Zeitgenossen empfundene Be- sorgniß nicht ganz verscheucht zu haben. Wir wünschen demnach klar und ohne jede diplomatische Zurückhaltung oder Zweideutigkeit zu erklären, daß der letzten Autorität über den Gegenstand zufolge das Befinden des Kronprinzen bis heute Morgen hochbefriedigend ist. Von einer Wiederkehr der Geschwulst ist keine Spur vorhanden; die Funktionen der Organe sind nicht im Mindesten beeinträchtigt, ausgenommen daß die Stimme noch immer etwas schwach ist, und im Halse ist keine Erscheinung oder Empfindung vorhanden, die Beunruhigung in der Gegenwart oder Besorgniß in der Zukunft verursachen könnte. Mehr als dies zu sagen ist rein unmöglich für irgend Jemand, so erfahren er auch sein mag; und unbestimmte Befürchtungen betreffs dessen, was in diesem oder irgend ei­nem anderen Falle hinter dem Schleier liegen mag, eignen sich kaum für öffentliche Erörterung. Der Kronprinz leidet, wie wir bereits mehr als einmal erklärt haben, an einer etwas markanten Reizbarkeit der oberen Luftröhre, in Folge dessen er sich sehr leicht zu erkälten pflegt, und wäh­rend seines Verweilens in Toblach hatte er einen scharfen Anfall von Entzündung nicht nur des Kehlkopfes, sonderu auch der Luftröhre. Es ist aurenscheinlich in keinem Klima unmöglich, sich gänzlich gegen plötz­liche Temperaturveränderungen zu schützen, es ist jedoch angemrssen, zu sagen, daß Toblach, das viele Vortheile hat, als Aufenthaltsort von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin selber gewählt wurde, da sie früher dort gewesen waren und den Platz liebten. Da die Witterung in Baveno seit Kurzem etwas unwirthlich geworden, wird sich der Kronprinz in Bälde nach San Remo begeben, wo er wahrscheinlich den Winter zubringen wird. Da Zweifel gehegt wurden darüber, inwieweit die Berichte, die wir von Zeit zu Zeit veröffentlichten, die Meinung von Sir Morell Mackeime repräsentirten, so erklären wir mit seiner Ermächtigung, daß wir seine Ansichten durchweg mit vollkommener Genauigkeit zum Ausdruck gebracht haben."

t Die Landtagswahlen im Königreich Sachsen.

Die alte goldene Lehre, daß Eintracht stark macht, hat sich soeben wiederum bei den Erneuerungswahlen zum sächsischen Landtage bewährt. Dort hatten die Ordnungsparteien das bei den Reichstags- wahlen so folgenreiche Cartell für die Wahlen zum Landtage erneuert. Die Folge war, daß 19 conservative, 4 nationalliberale, 5 freisinnige Abgeordnete und 1 Sozialdemokrat gewählt wurden, wobei bezüglich der 5 Freisinnigen noch zu bemerken ist, daß sie bei den Reichstagswahlen sich ausdrücklich zum Septennat bekannt haben, so daß ihre Wahl jetzt von den Conservativen und Nationalliberalen nicht bekämpft wurde. Der „echte" Freisinn hat daher in Sachsen abermals eine vollständige Niederlage erlitten und auch die Sozialdemokraten haben ungeachtet gewaltiger Anstrengungen nur einen einzigen Candidaten durchzubringen, d. h. sein bisheriges Mandat zu behaupten vermocht. Es ist dies im Leiziger Landkreise geschehen, welcher ihnen bei den Reichstagswahlen entrissen worden war, doch dürfte nach den Andeutungen sächsischen Blätter die jetzige Wahl, bei welcher mangelhafte Anordnungen nicht ganz ohne Einfluß gewesen zu sein scheinen, nicht unbeanstandet bleiben.

Was haben wir von diesem neuen Wahlerfolge der Sachsen, denen bekanntlich schon im Frühjahr die ganz besondere Anerkennung des Kaisers M Theil geworden, zu lernen? Erstlich, daß die Ordnungsparteien, wenn fc ehrlich zusammenhalten, und die ihnen angehörenden Wähler ihre

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Schuldigkeit thun, in den weitaus meisten Fällen oes Sieges sicher sein dürfen. Aber freilich gehört dazu ein toujours en vedette! Stets auf dem Posten! — wie der Alte Fritz feinem Heere eingeprägt hat. Zum Zweiten lernen wir daraus, daß die „freisinnigen" Triumphgesänge über die in Merseburg Querfurt und Sagan-Sprottau neuerdings erzielten Walsiege eitel Geflunker waren. Die Nation ist der nationalgesinnten Mehrheit nichts weniger als überdrüssig, wie die Fortschrittsblätter glauben machen wollen, und ist mit der Haltung der Reichstagsmehrheit nichts weniger als unzufrieden. Die Wähler von 28 sächsischen Wahlkreisen haben dies soeben von Neuem bekräftigt und es ist anzunehmen, daß die „Freisinnigen" einstweilen an dieser Lection genug haben werden. Drittens ist es nicht minder eitel Geflunker gewesen, wenn die Fortschrittsblätter aus den Fehden, die zwischen einzelnen Preßorganen der nationalen Mehr­heit ausgefochten werden, auf eine innere Zersetzung dieser Mehrheit hin­gewiesen, um ihren eigenen Parteien wieder Muth und Hoffnung zu machen. Die nationale Mehrheit besteht wie im Volke so auch im Reichs­tage unerschüttert fort, mögen auch in einzelnen Zeitungen Gegensätze in einzelnen Fragen zu Tage treten. Diese Zeitungen repräsentiren nicht die Parteien selbst, welche letzteren die Bedeutung des Erfolges vom 21. Februar viel zu hoch veranschlagen, um rhn um solcher Differenzen willen, welche das nationale Interesse nicht berühren, in Frage zu stellen. Die Festigung des Reiches nach Innen, seine Sicherung nach Außen ist und bleibt für die Mehrheitsparteien der maßgebende Gedanke, welchem sich alle andern unterzuordnen haben, und wenn die Fortschrittsblätter nicht gewöhnt waren, ihren Kundgebungen eine denselben in keiner Weise zukommende Bedeutung beizulegen, würden sie auch das Verhalten der anderen Parteien nur nach deren Entschließungen, nicht nach Zeitungs­artikeln bemessen.

Jetzt werden die also Geschlagenen sich und die Ihrigen vielleicht durch den Gedanken zu trösten suchen: Ja, das war nur in Sachsen, im übrigen Deutschland ist es mit dem Cartell nicht mehr so bestellt. Das wäre ein neuer verhängnißvoller Irrthum. Die Conservativen und die Nationalliberalen Sachsens stehen in Deutschland doch nicht isolirt da, sondern leben und handeln in engster Fühlung mit den Parteigenossen im übrigen Deutschland und namentlich mit den Parteileitungen. Der Wieder- zusammentritt des Reichstags steht in naher Aussicht und die Parteien der Mehrheit werden sich unverändert Schulter an Schulter wiederfinden. Sie werden aus den Vorgängen bei den Wahlen in Merseburg Querfurt und Sprottau-Sagan nur gelernt haben, wie sehr es den Gegnern darum zu thun ist, jene Eintracht zu zerstören, welche sich soeben von Neuem in Sachsen, als die Bedingung und als die Bürgschaft des Erfolges er­wiesen hat.

Aus Stadt, Provinz und Umgrgend.

Frankfurt a. M., 27. Oktober. Im letzten Sommer biß der Gaul eines hiesigen Möbelhändlers einen Gassenkehrer beim Vorübergehen in die Brust. Der Verletzte kam in ein Hospital, wo er bis zur Heilung der Wunde mehrere Monate zubringen mußte. Da der Besitzer des bissigen Thieres jede Enlschädigung verweigerte, kam es zum Prozeß und gestern wurde der Möbelhändler zur vollständigen Schadloshaltung des Gassenkehrers und zur Traqung der Kosten verurtheilt. — Ein armer pensionirter Lehrer aus Cassel, dem es in seinen letzten Lebenslagen recht schlecht geht, der sogar seine Lebensversicherungspolice verpfänden mußte, wandte sich vertrauensvoll um Hülfe an seine hiesigen Kollegen. Er that keine Fehlbitte, denn die für ihn eingeleitete Sammlung hatte ein solches Resultat, daß sie den Veteranen aus allem Ungemach befreien und für die nächste Zeit über Wasser halten wird. — In einer hiesigen Restauration ließen sich vorgestern Abend mehrere Herren ein separates Zimmer geben und bestellten dann ein feines Abendbrod Sie machten eine ziemlich große Zeche; denn sie tranken nur vom Besten. Zuletzt bestellten sie noch Cigarren; dann schickten sie den Kellner fort, zwei Droschken zu holen. Als der Letztere mit den Wagen ankam, fand er das Zimmer, in welchem die Herren gezecht hatten, gesperrt. Man öffnete es gewaltsam und ent­deckte nun, daß die Herren, ohne zu zahlen, durch ein nach der Straße führendes Fenster die Flucht ergriffen hatten. Obendrein verlangten nun die Droschkenkutscher von dem Kellner für ihren Zeitverlust auch noch Entschädigung. (Fr. N )

Mainz, 25. Okt. Mit dem heutigen Tag ist das seit Beginn des Kirchenkonflikts geschlossene bischöfliche Priesterseminar wieder eröffnet wor­den. Die Zahl der eingetretenen Alumen ist nahezu 50, worunter die Mehrzahl aus den umliegenden katholischen Ortschaften. Mainzer sind bis jetzt nur sehr wenige in das Seminar eingetreten. (O. Z.)

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