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Str. 246
Freitag den 21. Oktober
1887.
Amtliches.
Bekanntmachung.
In der Provinz Hefsen-Nafsau sind
1) der Weingutsverwalter Ott zu Rüdesheim,
2) der Gymnasiallehrer Stritter zu Biebrich als weitere Sachverständige behufs Untersuchung und Feststellung von Reblaus Infektionen ernannt worden.
Cassel, den 22. September 1887.
Der Ober-Präsident.
Nr. 4974___________(gez.) Graf zu Eulen burg.___________________
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Zollstock. Ein farbiges Kindertaschentuch. Ein weißes Armband. Drei neue rothe Taschentücher. Ein Manschettenknopf mit Mechanik. Ein Leihhauszettel. Ein Taschenmesser. Ein Griffelkasten.
Entlaufen: Ein Schäferhund, grau mit weißen Abzeichen, m. Geschl., auf den Namen „Spanier" hörend.
Hanau am 21. Oktober 1887.
Tagesschau.
Berlin, 20. Oktober. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den Kaufmann Jean Strömsdörfer zum Konsul in Lima (Peru) zu ernennen geruht.
Berlin, 20. Oktbr. Beide Kaiserliche Majestäten empfingen heute Morgen, wieder „R. u. St.-A." aus Baden-Baden meldet, den Besuch Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Wilhelm, welcher von Baveno kommend, befriedigende Nachrichten von dort brächte. Se. Königliche Hoheit begleitet Se. Majestät den Kaiser auf der Rückreise.
Breslau, 20. Okt. (K. Z.) Fürstbischof Kopp hat gestern seinen Einzug in unsere Stadt gehalten, der ein glänzender Festzug war. An der Ehrenpforte wurde er von dem Erzpriester Boer mit einer Rede begrüßt, in welcher auch sein kirchenpolitisches Wirken hervorgehoben wurde. Der Fürstbischof erwiderte, daß er jedes Verdienst für seine Person ab- lehne, da, was erreicht worden, dem Kaiser und dem Papst und dem katholischen Volke zu danken sei. Am Domportale fand die Begrüßung durch den Dompropst Dr. Kayser Namens des Domkapitels in lateinischer Sprache statt, worauf der Fürstbischof gleichfalls in lateinischer Sprache erwiderte. Wie ich erfahre, gedenkt Dr. Kopp gegen Weihnachten nach Rom zu reisen, um dem Papst für das ihm bewiesene Vertrauen zu danken und ihm zu seinem Jubiläum Glück zu wünschen. Mehrere andere deutsche Bischöfe st llen sich ihm anschließen wollen.
Breslau, 20. Okt. Heute früh 10 Uhr fand im festlich geschmückten Dom die Inthronisation des Füstbischofs Kopp statt. Nach vollzogenem Ceremoniell trat der Fürstbischof an die Brüstung des Pres- byteriums und hielt eine Ansprache an seine Diözesanen, in der er gelobte, seinen Pflichten treu nachzukommen. Kopp bat die Gemeinde, ihm treu anzugehören, so daß Oberhirt, Hirten und Heerde eins sei. Zum Schluß ermähnte er die Diözese, dankbar zu sein dem Kaiser, der durch sein Zusammenwirken mit dem Papst ermöglichte, daß der Breslauer Stuhl bald wieder besetzt wurde. Die Feier beschloß eine Missa solemnis, welche von Kopp zelebrirt wurde. Der Feier wohnten die Spitzen der Behörden, darunter der kommandirende General, der Oberpräsident, der Oberbürgermeister, der Rektor, die Malteser-Ritter und zahlreiche Vertreter des Adels bei. (Fr. N.)
Hirschberg in Schl., 20. Okt. Heute früh brannte hier das Hotel „Preußischer Hof" ab. Beim Herabspringen aus den oberen Stockwerken haben zwei Dienstmädchen, ein Reisender und ein Feuerwehrmann schwere Verletzungen erlitten; außerdem wurden mehrere Personen leicht verwundet.
Barme«, 19. Okt. Der hiesige christlichsoziale Verein hatte, nach der „K. Z." auf Montag Abend eine öffentliche Versammlung anbe- raumt, in welcher über das Thema: „Christlichsozial oder Sozialdemo- kratie, wem gehört die Zukunft?" verhandelt wurde. Da der Zutritt sür Jedermann frei war, so erschien eine große Anzahl Sozialdemokraten, uwer ihnen auch der Reichslagsabgeordnete Harm. Als der christlich- loziale Bandwirker vom Baur, ein bekehrter Sozialdemokrat, in der Hitze des Wortgefechts sich zu der Bemerkung verstieß, daß die sozialdemokratischen Führer sich von den Arbeitern bezahlen ließen, und noch vor kurzem Geld zum Besuche des Sozialistencongreffes in der Schweiz von|
ihnen empfangen hätten, entstand ein arger Lärm, in welchem die Sozialdemokraten den Redner umringten und wegen seiner Behauptung in derben Worten schmähten. Nur mit Mühe gelang es dem Vorsitzenden Pastor v. Nathusius die Ruhe wieder herzustellen, in welchem Bemühen er von Harm auf das kräftigste unterstützt wurde, indem er die Arbeiter zum Verlassen des Saales aufforderte.
Brannschweig, 19. Okt. Für das Abt-Denkmal ist der Entwurf des Professors Echtermeier gewählt worden.
Aus Weimar wird der „Krzztg." geschrieben: Die Fürstin zu Hohenlohe, die Tochter der Fürstin Wittgenstein, der Freundin Liszts, hat der Liszt-Stiftung 70 000 Mk. zur Unterstützung verdienter Musiker über- wiesen.
Wie«, 20. Oktbr. Die „Presse" meldet: Mit Rücksicht auf die demnächst erfolgende Vertagung des Reichsraths beabsichtige der Handels- Minister v. Bacquehem im Einvernehmen mit der ungarischen Regierung eine Vsrla e einzubringen, welche die Regierung ermächtige, die ablaufenden Handelsverträge mit Deutschland und Italien, event, mit Modifikationen, auf ein halbes Jahr, vom 1. Januar bis 30. Juni 1888, zu verlängern.
Pest, 20. Okt. (K. Z.) Das Reichsgericht in Leipzig verurtheilte die Ferdinand Nordbahn wegen nicht vertragsmäßiger Einlösung der Dividendenscheine zur Zahlung von dreihunderttausend Mark an eine Breslauer Firma.
Das belgische Kriegsrninisterimn macht bekannt, daß es auch fernerhin, und zwar bis zum 1. Oktober 1888, Stellvertreter für die Armee für den bisherigen Preis von 1600 Frs. liefert. Daraus folgt, daß in Folge der im Lande andauernden wirthschaftlichen Krisis sich zahlreiche Stellvertreter melden. Früher kostete ein solcher mehrere Tausende, jetzt nur 1600 Fr. trotz der Verlängerung der Dienstzeit. Jeder, der diese kleine Summe aufbringen kann, nimmt einen Stellvertreter. Die Beschaffenheit der letzteren wird aber immer schlechter, so daß sie eine wahre Plage für die Armee sind und deren moralischen Gehalt empfindlich schädigen.
Kopenhagen, 20. Okt, Ein offener Brief des Königs vertagt den Reichstag bis zum 5. Dezember. — Heute wurde ein neues provisorisches Gesetz veröffentlicht, wodurch die Regierung ermächtigt wird, im laufenden Finanzjahre die bestehenden Steuern weiter zu erheben und die nothwendigen Ausgaben zu bestreiten. (Fr. N.)
Christiania, 20. Oktober. Die Ministerkrisis gilt als beendet; sämmtliche Minister haben sich entschlossen, im Amte zu verbleiben.
Paris, 20. Oktober. General Caffarel erhielt den Abschied und wurde aus der Armeeliste gestrichen. Der Rath der Ehrenlegion sprach sich dahin aus, daß Caffarel in den Listen der Ehrenlegion zu streichen und ihm das Recht abzusprechen sei, irgendwelches Ordenszeichen zu tragen
Paris, 20. Okt. Die republikanischen Gruppen der Wähler des Departements Jndre-et-Loire haben nach der „K. Z." auf den 25 Oktober ihren Deputirten Wilson zu der großen Wählerversammlung eingeladen, die veranstaltet wurde, um ihn über die jüngsten Skandalgeschichten zu vernehmen. — Laut Gaulois werden die Mitglieder der Rechten der De- putirtenkammer zum 25. Oktober eine Erklärung entwerfen, die auf der Rednerbühne verlesen werden soll und worin sie sich verpflichten, gegen die jetzige wie gegen jede künftige Regierung keine systematische Opposition zu machen; sie werden in Folge dessen aus keinen Fall mit der äußersten Linken Coalitionspolitik treiben, dagegen der Regierung nachdrücklich entgegentreten, wenn sie mit dem Radikalismus, der Frankreich ins Verderben führe, ein Abkommen treffen wollte.
London, 20. Okt. Die deutsche Bark Planteur von Stralsund stieß am Dienstag mit dem Corker Dampfer Upupa bei Beachy Head zusammen. Die Bark ging unter. Von der Schiffsmannschaft, welche zum größten Theil aus Stralsund gebürtig ist, ertranken elf Personen, zwei wurden gerettet. (K. Z.)
Der Londoner Ingenieur Greathead hat im Anftrage eines englischen Syndikats der Regierung die Offerte gemacht, einen 8 Meilen im gen unterseeischen Tunnel zu bauen, um die Prinz EdwarixJnsein mit dem Festlande zu verbinden. Die Regierung soll für den Bau Lstr. 200COO fünfzig Jahre lang zahlen. Sollte das Projekt zur Ausführung gelangen, so wird die Strecke zwischen Montreal und Liverpool um 672 Meilen abgekürzt werden.