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Zugleich Amtliches Gvguu für SLcröL- unö Lunökveis Kanarr.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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20 Pfg.
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Nr. 244.
Mittwoch oen 19. Oktober
1887.
Amtliches. Bekanntmachung. Postpacketverkehr mit Jamaika und mit West Australien.
Von jetzt ab können Postpackete im Gewicht bis zu 3 kg h Jamaika und nach West-Australien versandt werden.
Ueber die Versendungsbedingungen und Taxen ertheilen die Post- alten auf Verlangen Auskunft.
Berlin W., 12. Oktober 1887.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts. von Stephan.
Kekarmtmachrmqen Königl. Landrathsamts.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Herbst - Control - Versammlungen im Kreise tau finden an nachstehenden Orten, Tagen und Stunden statt:
In Wind ecken auf dem Schloßberg am 7. November 1887, rmittags 8*/> Uhr, für die Orte:
Windecken, Eichen, Erbstadt, Marköbel, Ostheim, Oberdorfeiden, Kilianstädten, Niederissigheim, Roßdorf und Gutsbezirk Baiers- röderhof.
In Bischofsheim — Kirch- und Schulpatzin der Hintergasse— am 7. November 1887, Vormittags 1 P/s Uhr, für die Orte: Fechenheim, Gronau, Niederdorfelden, Wachenbuchen, Bergen, Enkheim, Bischofsheim, Hochstadt, Dörnigheim, Gutsbezirke Dotten- felderhof und Gronauerhof.
In Langenselbold — Kirchplatz — am 8. November ' 188 7, Vormittags 9 Uhr, für die Orte:
Langenselbold, Hüttengesäß, Langendiebach, Neuwiedermus, Ravolz- Hausen, Rückingen, Oberissigheim, Rüdigheim und Gutsbezirk Rüdigheimerhof.
In Hanau — Paradeplatz, Zeughaus — am 9. November ’ 18 8 7, Vormittags 8 Uhr, für die Orte:
- Keffelstadt, Oberrodenbach, Niederrodenbach, Großauheim, Groß- 1 krotzenburg, Mittelbuchen, Bruchköbel, Gutsbezirke Wolfgang, , Pulverfabrik, Philippsruhe und Fasanerie, Wilhelmsbad, Wilhelmsbaderhof, Kinzigheimerhof und Neuhof.
In Hanau — wie vor — am 9. November 188 7, Vor - | mittags 9 Uhr, für die Stadt Hanau und zwar die Jahrgänge 1880, 1881 und 1882.
In Hanau — wie vor — am 9. November 1 887, Vormittags 10 Uhr, für die Stadt Hanau und zwar die Jahrgänge 1883, 1884, 1885, 1886 und 1887.
Es wird dies mit dem Bemerken veröffentlicht, daß zu den Herbst- Control-Versammlungen sämmtliche Reservisten, Dispositions-Urlauber und die zur Disposition der Ersatz-Behörden Entlassenen, sowie die 1 Landwehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September I 1875 und diejenigen Mannschaften der Marine, welche in der Zeit vom ' 1. April 1875 bis 31. März 1876 eingetreten sind, zu erscheinen haben.
Der Militärpaß und das Führungs-Attest sind mit zur Stelle zu bringen.
Dispenlationen von den Control-Versammlungen können eintreten und müssen darauf bezügliche Gesucke, welche von der Ortsbehörde be- - glaubigt sein müssen, spätestens 3 Tage vor der betreffenden Control- > Versammlung an den Bezirks-Feldwebel in Hanau gerichtet werden.
Frankfurt a/M., im Oktober 1887.
Landwehr-Bezirks-Kommando.
Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung wiederholt in ortsüblicher Weise zu veröffentlichen und die ihnen durch die Bezirks-Compagnie zugehenden Plakate über die Control- versammlung an zweckmäßigen besonders in's Auge fallenden Stellen anzubringen.
Hanau am 8. Oktober 1887.
Der Königliche Landrath.
M. 4285 J. V.: Baabe.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise-
Gefunden: Eine Milchkanne. Eine Nadelbüchse.
Entlaufen: Ein hellbrauner Hühnerhund m. Geschl. (kastrirt) mit weiß gesprenkelter Brust, auf den Namen „Hektor" hörend; dem Wiederbringer eine Belohnung
Abgetrieben: Am rechten Mainufer bei Hanau 11 Böden Floßholz; im Auffindungsfalle wird um Nachricht, ersucht.
Verloren: Ein neuer seidener Regenschirm.
Hanau am 19. Oktober 1887.
t Die Fäulniß in Frankreich.
Während Frankreich alle seine Anstrengungen auf die Vervollkommnung feiner Heereseinrichtungen, die gegebenen Falls seine nationale Ehre vertheidigen sollen, gerichtet hält, während es fortwährend auf der Suche nach Spionen ist, von denen es Gefahren für seine äußere Sicherheit befürchtet, während es um seine innere Sicherheit vor den Angriffen bona- partistischer und orleanistischer Prätendenten ängstlich besorgt ist und sich gegen dieselben mit immer neuen Schutzwehren zu umgeben sucht, ist ihm von Innen heraus unerwartet ein viel größerer Feind entstanden, welcher um so gefährlicher ist, als er auf alle politischen und socialen Verhält- niffe des Landes zersetzend einwirkt und die Lebensadern desselben zu unterbinden droht.
Hohe Beamte und Osficiere der französischen Republik stehen in dem Verdacht, ihre Stellungen zu einem schmutzigen Handel mit Dekorationen der Ehrenlegion mißbraucht und sich dabei als Helfershelferinnen Frauenspersonen bedient zu haben, deren Beziehungen mit den gefeiertsten Namen der Republik und Armee diese selbst mindestens in einen üblen Verdacht gebracht haben. General Caffarel ist festgesetzt, Senator General d'Andlau hat sich der Festnahme durch Flucht entzogen, die Namen Boulanger, Thibaudin, Wilson sind — ob mit Recht oder Unrecht, wird sich in der Untersuchung zeigen — in diese Angelegenheit verwickelt, zum mindesten bilden ihre Beziehungen zu den verhafteten Frauenspersonen Limoufin und Ratazzi augenblicklich den Hauptstoff für die Pariser Presse. Aber die Blätter gehen weiter und deuten an, daß auch einzelne Volksvertreter in dem Verdacht stehen, ihren Einfluß zur persönlichen Bereicherung auszu- nutzen. Die Geldgier des General Caffarel wird sogar mit der, wie man sich erinnert, vorzeitigen Veröffentlichung des Mobilisirungsplans in Verbindung gebracht. Die politische und sociale Fäulniß in der Verwaltung, die sich hiermit dem erschreckten Blicke offenbart, erscheint aber um so größer und allgemeiner, als bereits das Streben zu Tage tritt, die allgemeine Aufmerksamkeit wieder aus das Gebiet der Spionenriecherei abzu- lenken und die Beschuldigten und Verdächtigen als Opfer einer politischen Intrigue der Gegenpartei — also Der Gegner der Boulangisten — hinzustellen, statt daß sich Alle ohne Unterschied der Partei erheben, um für die Verletzung der Ehre Frankreichs auf eine Bestrafung und gründliche Reinigung der Kreise zu dringen, welche die Geschicke des Landes mehr oder weniger in der Hand haben.
.. Es gibt Leute — auch bei uns —, welche in der Republik das Vorbild aller Staatsformen erblicken, weil sie sie für die eigentliche Pflanz- und Pflegstätte aller bürgerlichen Tugend und Rechtlichkeit halten. Diese Auffassung hat freilich schon längst keinen Halt mehr, seitdem man weiß, wie namentlich in südamerikanischen Republiken, mit wenigen Ausnahmen, die Ausbeutung der amtlichen Stellungen zu persönlichem Vortheil eingerissen ist und wie auch in den Vereinigten Staaten trotz der lebhaften Bemühungen des gegenwärtigen Präsidenten, das Uebel auszurotten, das Beamtenthum von Elementen durchsetzt ist, welche sich in ihren Handlungen vorzugsweise von dem Triebe des Eigennutzes leiten lassen. Die französische Republik wurde bisher namentlich von den Anhängern der republikanischen Staatsform als von solchen Auswüchsen frei betrachtet. Und jetzt blickt man hier in einen wahren Abgrund von Fäulniß! Männer, denen die Wahrung der Ehre Frankreichs in erster Linie anvertraut ist, stehen mit den verworfensten Creaturen in Verbindung, um sich zu bereichern und so um so besser ihren niedrigsten Lüsten fröhnen zu können.
Man sage nicht, daß dies keine Schlußfolgerungen auf die republikanische Staatsform an sich zuläßt. Diese Auswüchse scheinen uns vielmehr mit derselben gerade in engster Verbindung zu stehen. In der Republik drängt sich naturgemäß Alles dahin, um auf welchem Wege auch