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Nr. 243
Dienstag den 18. Oktober
1887.
BekanntMachungen KöNigl. Landr athsamts.
Der Landes-Ausschuß hat beschlossen, von Erhebung einer Abgabe, zur Deckung der in Gemäßheit des Reichsgesetzes vom 23. Juni 1880, • betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, bezw. nach i dem Ausführungsgesetz vom 12. März 1881 entstehenden Ausgaben,
für Pferde, Esel, Maulthiere und Maulesel pro 1888 auf Grund des §, 9 des Viehseuchen-Reglements abzusehen, da der vorhandene Re- ! servefonds im Abschnitt für Pferde rc. auf mehr als 40 000 Mk. angewachsen ist (zur Zeit 52 400 Mk.).
Dagegen soll für jedes Stück Rindvieh wie seither eine einfache Abgabe von 5 Pfg. für das Jahr 1888 erhoben werden.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher haben deßhalb gemäß der ihnen f. Z. zugefertigten Verfügung vom 31. Oktober 1876 die Zahlung des Viehbestandes und Aufstellung der Verzeichniffe des abgaben- pflichtigen Viehes mit der Specifikation der zu entrichtenden Abträge am ; 2. November er. vorzunehmen und die für das Rindvieh festgesetzte Abgabe im Januar 1888 zur Erhebung zu bringen.
Ich bemerke hierbei, daß die Aufnahme des Pferde- rc. Bestandes in die Verzeichniffe für alle Fälle gleichwohl zu geschehen hat und nur die bezügliche Rubrik für den Abgabenbetrag unausgefüllt bleibt.
Das Special-Verzeichniß ist nach Ausfüllung der auf der Rückseite desselben vorgeschriebenen Bescheinigungen behufs Festsetzung vor der Erhebung der Abgabe bis spätestens zum 10 Januar an mich einzusenden.
Die erforderlichen Formulare, nämlich
1. Titel u. entsprechende Anzahl Einlagebogen zum Verzeichniß,
2. die zu diesem Verzeichniß gehörigen Geld-Ablieferungsscheine
i werden den Herren Bürgermeistern H. p. C. zugehen.
Die auf dem Titelbogen der Verzeichnisse enthaltenen Anmerkungen sind bei Aufstellung der Listen genau zu beachten.
Schließlich wird darauf aufmerksam gema t, daß es bei Ablieferung der Geldbeträge der Einsendung der festgestellten Special-Verzeichnisse an die ständige Schatzkasse nicht bedarf, vielmehr nur die Ablieferungsscheine dem Geldbetrag beizugeben sind.
Hanau am 15, Oktober 1887.
Der Königliche Landrath
V. 5291 Gf. Bismarck.
Dienst-Nachrichten aus dem streife.
Gefunden: Eine Pferdedecke von Wachstuch. Eine Cigarrenspitze. Ein Zollstock. Ein Paar weiße wildlederne Handschuhe. Ein Geldtäschchen mit etwas Inhalt. Ein silbernes Armband, daran einige 20 Pf.-Stücke. Ein Regenschirm. Eine Scheere.
Verloren: Ein Armband, daran eine Verzierung von Münzen.
Hanau am 18. Oktober 1887.
t Dem Kronprinzen.
In die weite Ferne, in welche der rauhe Herbst des deutschen Nordens noch keine Einkehr gehalten, wo des Südens laue Lüfte wehen und ein blauer Himmel sich in den blauen Fluthen des Lago maggiore spiegelt, sendet Deutschland diesmal zum 18, Oktober dem Kronprinzen Heilgruß und Glückwunsch, inniger, wärmer und ernster, denn je zuvor. In dem Lebensjahr, welches der durchlauchtige Herr beendet, ist sein Gesundheitszustand Gegenstand der Besorgniß der Ration gewesen und Erfordernisse Der fortschreitenden Genesung halten den Kronprinzen seit längerer Zeit, voraussichtlich auch noch für eine Reihe von Monaten, vom Vaterlande fern. Um so tiefer empfunden sind die Wünsche, welche die Heimath ihm widmet, die huldigenden Grüße, welche ein ganzes, großes, einiges Volk ihm darbringt, das in dem rühm- und sieggekrönten Feldherrn zugleich den sorgenden Förderer aller edlen Arbeit des Friedens verehrt. Selten oder nie in der Geschichte ist es dem Erben einer mächtigen Krone so wie unserm Kronprinzen vergönnt gewesen, schon als solcher seinen Namen durch ruhmvolle Thaten in die Jahrbücher seines Volkes einzuzeichnen, Thaten kriegerischer Größe sowohl, wie Thaten friedlicher Entwickelung, und so schon als Prinz in vollem Dienste der Pflichten gegen sein Land zu stehen, dessen Geschicke er seit seinen Jünglingsjahren warm im Herzen getragen. Als der erlauchte Herr vor Jahresfrist zu den Hochschulen von Heidelberg und Straßburg sprach, gedachte er der
schier unerreichbaren Hoffnungen und Ideale, welche in seinen jungen Jahren in ihm und seinen Zeitgenossen gelebt und dann durch eine Geschichte sonder Gleichen erfüllt worden sind. Da war es wohl zum ersten Male, daß der Kronprinz der Nation einen Einblick in das tiefe Innere feines Glaubens an Deutschlands Bestimmung eröffnete, als er von dem Beruf der deutschen Universitäten sprach, „den schönen Glauben der Volksgemeinschaft auszubreiten, der unser Hort und unsere Stärke ist," und ihnen das Ziel stellte, „die Lebensformen unseres Volkes gedeihlich auszubilden". Dieser warme Antheil, welchen der Kronprinz an der Erfüllung der deutschen Geschicke genommen, seine so vielfach bekundete edle Menschenfreundlichkeit und Herzensgüte, das schöne Erbtheil unseres Königshauses, wird ihm im Norden wie im Süden des Vaterlandes durch herzliche Verehrung erwidert. Und so grüßen den 18. Oktober nicht nur die alten Erblande der Preußischon Krone von Memel bis zum Rhein, sondern hoch oben im deutschen Norden, „wo an des Landes Marken sinnend blickt die Königsau", bis hinunter, wo die Firnen des bayerischen Oberlandes gleich Bildern der Ewigkeit zum Himmel ragen, von den Küsten des deutschen Nordmeeres bis zum fernen Südwesten, wo Schwarzwald und Vogesen einander zuwinken und das alte Wahrzeichen des Straßburger Münsters aufragt, rauschen die innigsten Wünsche in einander für des Kronprinzen Heil und Genesung. Möge er sie in dem Lande finden, welches ihm seit Jahren warme Sympathie bewahrt, dessen Königshause er in herzlicher Freundschaft zugethan ist, und das sich den Bestrebungen Deutschlands zur Erhaltung des Weltfriedens angeschlossen hat. Aus dem fernen Norden aber tragen ihm am 18. Oktober die Lüfte die millionenfachen Grüße unferes deutschen Volkes zu:
Auf baldiges Wiedersehen in der deutschen Heimath, in voller Kraft und Gesundheit!
Tagesschau.
Berlin, 17. Oktober. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs an Stelle des auf seinen Antrag entlassenen Konsuls Harmsen, Baron von Mayals, den Kaufmann Juan Guardiola zum Konsul in Alicante (Spanien), und den Kaufmann Wilhelm Ehlers zum Konsul in Cartagena (Spanien) zu ernennen geruht.
Berlin, 17. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König machten, wie der „R. u. St.-A." aus Baden-Baden meldet, gestern Nachmittag eine Spazierfahrt und beehrten den Gesandten von Eisendecher mit einem Besuch. Danach fand Familientafel zu acht Personen statt.
Berlin, 17. Okt. (K. Z.) Weitere an bestunterrichteten Stellen eingezogene Erkundigungen bestätigen, daß die gestrige Nachricht von Ritzaus telegraphischer Agentur über einen neuerdings vom Zaren ge= planten, in acht bis vierzehn Tagen auszuführenden Besuch des Kaisers Wilhelm keinerlei Glauben verdient. Bei der großen Ansteckungssähigkeit der Masern, von der die hiesige Gesellschaft im vorigen Winter sich zu überzeugen die reichste und traurigste Gelegenheit hatte, und bei der außerordentlichen Vorsorge, mit der die Leibärzte von unserm greifen Kaiser alles fern zu halten suchen, was ihm eine Gefahr der Erkrankung bringen kann, hält man es hier sogar geradezu für ausgeschlossen, daß unter diesen persönlichen Verhältnissen der Zar jetzt den Wunsch ausdrücken würde, dem Kaiser seinen Besuch abzustatten. Das ist auch die Ansicht, welche von hiesigen hochgestellten Russen ausgesprochen wird.
Berlin, 17. Okt. Der bekannte Physiker Universitätsprofessor Kirchhoff ist heute früh gestorben. (Fr. N.)
Münster, 17. Okt. Fürstbischof Kopp ist von der theologischen Facultät der hiesigen Akademie zum Doctor theologiae honoris causa ernannt worden — Der 3 Uhr 59 Min. Vormittags hier fällige Kurierzug von Hamburg traf heute mit einer Verspätung von drei Stunden ein. Die Ursache derselben war ein Zusammenstoß mit einem Güterzug bei Harburg. (K. Z.)
Langensalza, 17. Okt. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl wurde Amtsrichter Bode von hier (deutschkonservativ) mit 242 von 244 Stimmen gewählt.
Sigmaringen, 16. Okt. Der frühere Reichstagsabgeordnete Prinz Edmund Radziwill legte heute im Benediktinerkloster Beuron bei Sigmaringen das Ordenszelübde ab.
Die Handels- und Gewerbekammer für Oberbayern hat sich