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Deutschlands, daß eben ein hoher Grad von Feindseligkeit dazu gehört, in der Constatirung dieser Gleichartigkeit eineunmoralische Auffassung" zu finden. Uebrigens ist auch derGermania" diese Ansicht erst über Nackt gekommen. Zuerst einem natürlichen Impulse und der ursprüng­lichen redaktionellen Einsicht folgend, schloß sie sich der allgemeinen Zu­stimmung an, mit welcher die Reise Crispi's in Deutschland und Defter reich begrüßt wurde; dann erst ist ihr das welfische Recept für die von ihr zu nehmende Stellung zugegangen und sie führte entschuldigend aus, es stehe für den Frieden so viel auf dem Spiele, daß man es dem ein­zelnen Staate nicht verübeln könne, wenn er sich selbst ein durch Crispi vertretenes Italien nicht verfeinden wolle. Italien bestehe nun einmal und da sei es in der jetzigen schweren Lage besser, daß es sich dem Guten, wie es durch Deutschland und Oesterreich repräsentirt werde, zuwende, als dem Bösen, wie es durch Rußland und Frankreich vertreten sei, im Uebrigen aber ist Fürst Bismarck der krasseste Realpolitiker des Jahr­hunderts, der nur nach dem augenblicklichen Nutzen und nicht nach Grund­sätzen frage.

Daß Fürst Bismarck seit 16 Jahren unter den denkbar größten Schwierigkeiten, an welchen dieGermania" und ihre Einbläser einen recht bedeutenden Antheil haben, nur einem Grundsatz folgt: das Reich zu festigen, nur einem Prinzip in der Politik huldigt: den Frieden zu sichern, läßt dieGermania" selbstverständlich außer Acht. Ihr schwebt eine künftige europäische Generalregulirung" vor, die Alles wieder in Ordnung bringen werde. Ungefähr die nämlichen Worte haben wir so oft aus dem Munde Windthorsts gehört, daß wir über die Quelle dieser politischen Wendungen in derGermania" nicht im Zweifel sein können. Es ist die nämliche antideutsche Welfenpolitik, welche päpstlicher als der Papst dem letzteren zu dienen vorgibt, wenn sie sich gegen das Reich wendet, in welchem der Papst selbst Die stärkste Stütze der conservativen Ordnungen in Europa, mithin auch des Papstthums anerkannt hat. An­statt sich also zufrieden zu geben, daß da§ Italien Crispi's sich diesem deutschen Reiche anschließt, handelt dieGermania" und ihr wölfischer Inspirator gegen das Interesse des Papstthums, indem sie Italien von Deutschländ zu trennen und damit in Bahnen zu drängen sucht, die doch weniger für Deutschland als für das Papstthum bedenklich fein würben. Die General-Regulirung des Abg. Windthorst ist nur ein anderer Aus­druck für das Jesuitenrezept:Uns kann nur noch eine Revolution helfen." Das ist richtig, soweit die Jesuiten wieder zur Herrschaft gelangen wollen, aber diese Herrschaft ist ganz unabhängig vom Papstthum und der katholischen Kirche.

Tugesschau.

Berlin, 13. Oktober. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs an Stelle des auf seinen Antrag entlassenen Vize-Konsuls Ver­mehren den Kaufmann Emil Ketelsen zum Vize-Konsul in Chihuahua (Mexiko) zu ernennen geruht.

Berlin, 13. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König nah­men, wie derR. u. St. A." aus Baden-Baden meldet, gestern Vor- mittag Vorträge von dem Militärkabinet und dem Wirklichen Geheimen Legations-Rath v. Bülow entgegen. Mittags 1 Uhr starteten Se. Majestät im Großherzoglichen Schloß einen Besuch ab und machten später eine Spazierfahrt. Zum Diner war Graf Vitzthum geladen.

Berlin, 13. Okt. Die Abreise Sr. Maj. des Kaisers aus Baden- Baden nach Berlin wird, nach derK. Z ", vor dem 19. d. M. nicht erfolgen, weil es, wie die Kreuzzeitung erinnert, hergebracht ist, den Ge­burtstag des Kronprinzen in Baden-Baden im Familienkreise zu feiern. Leider ist seit etwa einer Woche das Befinden der Kaiserin-Königin nicht sehr gut; doch hofft man, daß sie sich von ihrer Abspannung bald wieder erholen werde. Der Kaiser befindet sich vortrefflich.

Berlin, 13. Okt. Der Bundesrath überwies die Vorlage, betr. den Zollanschluß von Geestemünde und Lehe, an die Ausschüsse für das Zoll- und Steuerwesen, sowie für Handel und Verkehr und für das Rechnungswesen.

Berlin, 13. Okt. Die ständige Deputation der Produktenbörse nahm die Vorschläge der Spiritusinteressenten an, daß der Gewichtshandel eingeführt, bei dem Lokogeschäft, frei ins Haus abgeschloffen, auf 10 Mk. pro 10 000 Liter herabgesetzt und die Kourtage vom Verkäufer bezahlt werde. Nur Atteste amtlicher Aichungsstellen sollen fernerhin gültig sein. Das Aeltestenkollegium wird hierüber am Montag beschließen. (Fr. N.)

Berlin, 12. Okt. Heute hat sich die auf Betreiben des deutschen Colonialvereins ins Leben gerufene GesellschaftHerman" endgültig ge- bildet. Die Gesellschaft beabsichtigt in Brasilien Ländereien zu erwerben, welche für Ansiedlung von Landwirthen geeignet sind.

Bei der Nachwahl im 2. Liegnitzer Reichstagswahlkreise, am 8. d. M., sind 12 793 Stimmen abgegeben worden, wovon der Oberbürger­meister v. Forckenbeck in Berlin (vfr.) 7617 und der Amtsrath Reinecke (rl.) 5158 Stimmen erhalten hat. Ersterer ist somit gewählt.

Bonn, 13. Okt. DerBonner Zeitung" zufolge trafen hier die Bischöfe von Salisbury und Lickfield, Dr. Woodsworth und Dr. Mac- Lagan ein, um mit dem Bischof Reinkens über die Beziehungen zwischen der anglikanischen und der altkatholischen Kirche zu konferiren.

Leipzig, 13. Okt. In dem Prozesse Thümmel-Wiemann wegen Beleidigung der römischen Kirche und des rheinischen Richterstandes wurde das Urtheil des Elberfelder Landgerichts vom Reichsgerichte wegen Nicht- beschlußfassung über die Ladung von Sachverständigen aufg'hoben und die Verhandlung an das Landgericht in Cassel verwiesen. (RH. K.)

Vorigen Montag starb in Gotha auf einer Erholungsreise der Senatspräsident des Breslauer Oberlandesgerichts, Mitglied des Abge­ordnetenhauses, Bus so v. Bismarck, an den Folgen einer Gehirn­haut-Entzündung Er war am 1. Mai 1824 geboren und vertrat den Wahlkreis Flatow-Deutsch Krone im Abgeordnetenhause, wo er der frei­konservativen Fraktion angehörte.

Bremen, 13. Okt. Die Rettungsstation Rügenwaldermünde tele- graphirt: Am 12. Oktober von der deutschen SchaluppeLiberty", Kapi­tän Rades, gestrandet östlich der Wippermündung, die aus 2 Personen bestehende Besatzung gerettet durch den Raketenapparat.

München, 13. Okt. Der Finanzausschuß der Kammer der Ab­geordneten genehmigte den gesammten Militäretat nach den Anträgen der Regierung in Höhe von 58 382 105 M.

Wien, 13. Okt. Prinz Wilhelm hat seinen Reiseplan geändert; er kehrt nicht nach Berlin zurück, sondern geht morgen von hier zu einem Besuche seines Vaters nach Baveno.

Amsterdam, 12. Oktbr. Bei der in Amsterdam während dieses Sommers gehaltenenAusstellung von Lebensmitteln" sind auf deutsche Einsender folgende Auszeichnungen gefallen: Silberne Medaillen erhielten Friedrich Behr in Köthen, getrocknete Gemüse; Witwe Zunz in Bonn, ge­brannter und ungebrannter Kaffee; Gebr. Stollwerk in Köln, Eichelcacao.; Gustav Witt in Hamburg, gesalzenes Rindfleisch und gesalzenes Schweine­fleisch ; Heine und Siebig in Hannover, Puddings; Bantelmann in Hanno­ver, Marzipansachen. Goldene Medaillen besamen G. H. Knorr in Heil­bronn a. N. für conservirte Lebensmittel; W. Budenberg in Dortmund für Apparate zur Bereitung von künstlichem Mineralwasser (höchste Aus­zeichnung in der betreffenden Gruppe) Das Ehrendiplom erhielt Ernst Prell für seine Einsendung Hackerbräu, welche die Reise nach Batavia hin und zurück gemacht hatte und alsdann von dem Preisgericht beur­theilt wurde.

Rom, 12. Okt. Wie dieRisorma" meldet, spendete Se. Majestät der Kaiser Wilhelm für die Armen in Messina 10 000 Mk.

Paris, 12. Oktbr. (K. Z.) Wilson veröffentlicht in den Abend­blättern ein Schreiben, worin er die Beschuldigung Kreittmayrs, daß « einen auf Ordensschacher bezüglichen Brief an Frau Limouzin gerichtet habe, für grundlos erklärt unddiesem ganzen Feldzuge das entschiedenste Dementi entgegensetzt." Die Libertö schreibt:Im Ministerium wird Ge­neral Caffarel sehr bedauert. Es scheint sich ein Umschwung der Ansich­ten zu seinen Gunsten vorzubereiten; man ist überzeugt, daß der am we­nigsten Bloßgestellte er sei." Diese Ueberzeugung ist allerdings sehr rela­tiver Art. Bis jetzt ist hier über das Verbleiben des Generals v. Andlau nichts bekannt.

Paris, 13. Okt. Der militärische Untersuchungsrath beschloß ein­stimmig, Caffarel zu entlassen wegen Vergehens wider die militärische Ehre. Der Kriegsminister wird Grevy ein diese Entscheidung bestätigendes Dekret unterbreiten. Der Kriegsminister General Ferron forderte den General Boulanger auf, ihm mitzutheilen, ob die ihm (Boulanger) von einigen Zeitungen zugeschriebenen Aeußerungen über angebliche Machina­tionen Ferron's (in der Affaire Caffarel) gegen ihn richtig seien. General Boulanger erwiderte, er habe bisher keinen Einblick in diese Zeitungen genommen.

Stockholm, 13. Okt. Das Oberstatthalteramt zu Stockholm kassirte alle bei den letzten Reichstag? mahlen zur Zweiten Kammer in Stockholm abgegebenen Wahlzettel, auf welchen unter anderen Namen auch der Name des Arbeiters Lareson steht, welcher die Kommunalgebühren schuldet. Hierdurch werden die Wahlen von 22 freihändlerischen Kandi­daten annullirt und Neuwahlen erforderlich.

Mitchelstown, 13. Okt. In der Untersuchung über die Todes­ursache der bei den letzten Ruhestörungen gelödteten drei Personen gab die Jury gestern ihr Verdikt auf Todtschlag mit Vorbedacht ab, begangen von dem Chef der Lokalpolizei und fünf Polizisten, welche auf die Meng« schössen.

Petersburg, 13. Okt. (K. Z.) Zwei kleinere Blätter haben nun­mehr nach demFigaro" den deutschfeindlichen Trinkspruch des Groß­fürsten Nikolaus Michailowitsch gebracht und der deutschfresserische Swje! leitartikelt heute über denselben und gibt sich der freudigen Hoffnung hin, daß das französisch-russische Bündniß immer näher rücke. Nunmehr hielt die Oberpreßverwaltung es für nöthig, die weitere Veröffentlichung der Rede zu verbieten. Die deutschfeindliche Gesellschaft jubelt, aber an bet Börse herrscht die größte Trauer.

New-York, 12. Okt. Das amerikanische KriegsschiffAdams" erhielt den Befehl, nach Samoa abzugehen.

New-York, 13. Oktober. Ein Orkan richtete an der Westkiist von Mexiko beträchtlichen Schaden an. Unter anderen ist die Stab Quelite (Provinz Sinaloa), wel-e gegen 8000 Einwohner zählt, fit gänzlich zerstört worden und viele Menschen sind umgekommen.