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Freitag oen 14. Oktober

Nr. 240

Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

Die unter dem 27. September d. I. auf Grund des §. 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 (R. Ges.-Bl. S. 351 ff.) für die Stadt Berlin, die Stadtkreise Potsdam und Charlottenburg, sowie die Kreise Teltow, Niederbarnim und Osthavelland getroffenen, in der Nr. 227 des Reichs- Anzeigers" vom 28. September d. I. veröffentlichten Maßnahmen werden hiermit für die Zeit bis zum 30. September 1888 unter Genehmigung des Bundesraths auch auf den Stadtkreis Spandau mit der Maßgabe ausgedehnt, daß die im §. 4 der Bekanntmachung vom 27. September d. I. vorgesehenen Anordnungen auf den Stadtkreis Spandau keine An­wendung finden.

Berlin am 6. Oktober 1887.

Königliches Staats-Ministerium.

von Puttkamer. Mapbach. Friedberg, von Goßler.

Bekarmtmachungen Kömigl. Landrathsamts.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Herbst - Control - Versammlungen im Kreise Hanau finden an nachstehenden Orten, Tagen und Stunden statt:

In Windecken auf dem Schloßberg am 7. November 1887, Vormittags S1^ Uhr, für die Orte:

Windecken, Eichen, Erbstadt, Marköbel, Ostheim, Oberdorfelden, Kilianstädten, Niederissigheim, Roßdorf und Gutsbezirk Baiers- röderhof.

In BischofsheimKirch- und Schulpatzin der Hintergasse am 7. November 1 887, Vormittags IP/2 Uhr, für die Orte: Fechenheim, Gronau, Niederdorfelden, Wachenbuchen, Bergen, Enkheim, Bischofsheim, Hochstadt, Dörnigheim, Gutsbezirke Dotten- felderhof und Gronauerhof.

In Langenselbold Kirchplatz am 8. November 1887, Vormittags 9 Uhr, für die Orte:

Langenselbold, Hüttengesäß, Langendiebach, Neuwiedermus, Ravolz- Hausen, Rückingen, Oberissigheim, Rüdigheim und Gutsbezirk Rüdigheimerhof.

In Hanau Paradeplatz, Zeughaus am 9. November 18 87, Vormittags 8 Uhr, für die Orte:

Keffelstadt, Oberrodenbach, Niederrodenbach, Großauheim, Groß- krotzenburg, Mittelbuchen, Bruchköbel, Gutsbezirke Wolfgang, Pulverfabrik, Philippsruhe und Fasanerie, Wilhelmsbad, Wil­helmsbaderhof, Kinzigheimerhof und Neuhof.

In Hanau wie vor am 9. November 18 8 7, Vor­mittags 9 Uhr, für die Stadt Hanau und zwar die Jahrgänge 1880, 1881 und 1882.

In Hanau wie vor am 9. November 1 8 8 7, Vor­mittags 10 Uhr, für die Stadt Hanau und zwar die Jahrgänge 1883, 1884, 1885, 1886 und 1887.

Es wird dies mit dem Bemerken veröffentlicht, daß zu den Herbst- Control-Versammlungen sämmtliche Reservisten, Dispositions-Urlauber und die zur Disposition der Ersatz-Behörden Entlassenen, sowie die Landwehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1875 und diejenigen Mannschaften der Marine, welche in der Zeit vom 1. April 1875 bis 31. März 1876 eingetreten sind, zu erscheinen haben.

Der Militärpaß und das Führungs-Attest sind mit zur Stelle zu bringen.

Dispensationen von den Control-Versammlungen können eintreten und müssen darauf bezügliche Gesucke, welche von der Ortsbehörde be­glaubigt sein müssen, spätestens 3 Tage vor der betreffenden Control- versammlung an den Bezirks-Feldwebel in Hanau gerichtet werden.

Frankfurt a/M., im Oktober 1887.

Landwehr-Bezirks-Kommando.

Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, die vorstehende Be­kanntmachung wiederholt in ortsüblicher Weise zu veröffentlichen und die

1887.

ihnen durch die Bezirks-Compagnie zugehenden Plakate über die Control- versammlung an zweckmäßigen besonders in's Auge fallenden Stellen anzubringen.

Hanau am 8. Oktober 1887.

Der Königliche Landrath.

M. 4285 J. V: Baabe.

Nachstehendes Ausschreiben wird hierdurch veröffentlicht. Hanau am 12. Oktober 1887.

Der Königliche Landrath

P. 6232 Gf. Bism arck.

Offenbach, den 8, Oktober 1887.

Am 22. v. M. wurde in der Gemarkung Klein-Steinheim in der Nähe der Heinz'schen Filzfabrik die Leiche eines etwa 70 Jahre alten unbekannten Mannes gefunden. Nach dem ärztlichen Fundbericht fehlt das linke Auge schon lange, während der Körper mit einem rechtsseitigen Bruch von der Größe eines Kindskopfes behaftet war.

Die bis jetzt angestellten Recherchen haben nicht den gewünschten Erfolg gehabt und ersuchen wir durch die Polizeibeamten 2c. gefälligst Nachforschungen anstellen zu lassen, die zur Ermittelung der Persönlichkeit des verstorbenen Unbekannten führen.

Großh. Amtsgericht Offenbach.

Dienst-Nachrichten ans dem Kreise.

Gefunden: Eine graue Kuhdecke.

Hanau am 14. Oktober 1887.

Der Anschluß Italiens

an die den Frieden bewahrenden monarchischen Centralmächte, wie er durch den Besuch Crispis in Friedrichsruh und durch die diesem Besuch ge- folgten Kundgebungen als eine für Jedermann verständliche Thatsache .erkennbar geworden ist, hat in Deutschland zwei Gegner gefunden, welche, wie alle auf die Sicherheit und Festigung des Reiches und seines Friedens gerichteten Maßnahmen, so auch diese Stärkung des mitteleuropäischen Friedensbündnisses nicht unangefochten lassen. Während ein demokratisches Blatt die Italiener dadurch irre zu machen sucht, daß es ihnen die un­wahre Nachricht von angeblich im Frühjahr deutscherseits zur Erhaltung des Cabinets Robilant ergangenen Kundgebungen in das Gedächtniß zurückruft, ereifert sich dieGermania" gegen das deutsch-italienische Bündniß als ein den Anforderungen der politischen Sittlichkeit nicht ent­sprechendes. Schon der Umstand, daß dieGermania" ein Bündniß tadelnswerth findet, an welchem Oesterreich voll und ganz theilnimmt, beweist, daß es ihr nicht um die angeblichen Gründe der politischen Sitt­lichkeit, sondern lediglich um die Bekämpfung der Reichspolitik zu thun ist. Denn, wenn Oesterreich und sein gut katholisches Kaiserhaus sich mit dem nach Meinung der ..Germania" revolutionären Italien verbünden, ohne zuvor die römische Frage in's Reine gebracht zu haben, so ist wohl anzunehmen, daß auch von katholischer Seite an die Erfordernisse der Politik zur Sicherung des Friedens und der Culturentwickelung Europas der Maßstab einer unausführlichen politischen Moral nicht gelegt wird. Diese Auffassung wird auch durch die in Rom selbst erscheinenden päpst­lichen Organe bestätigt, welche den Anschluß Italiens an die beiden Kaiser­mächte sehr beifällig begrüßen und daran nur den Ausdruck der Hoff­nung knüpfen, daß Italien nun auch die römische Frage zum Austrag bringen werde, von welcher Crispi allerdings erklärt hat, daß sie für Italien keine Frage ist, wie ja auch der König im Sinne seines Vaters Rom als unantastbar bezeichnet bat.

In einer gewissen Uebereinstimmung mit den demokratischen Kampf­mitteln zieht dieGermania" eine preußische Note aus dem Jahre 1860 heran, um den Unterschied in der sittlichen Auffassung der Politik von damals gegenüber der Politik von heute zu erweisen. Aber der Unter­schied zwischen der preußischen und der italienischen Politik war damals und ist noch heute der, daß Preußen für Deutschland eine bundesstaat- liche Organisation, Sardinien für Italien den Einheitsstaat anstrebte.

Ungeachtet dieser und vieler anderen Verschiedenheiten bietet die neuere Geschichte Italiens so viele Analogien zur neueren Geschichte