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Nr. 238

Mittwoch den 12. Oktober

1887.

GekanntMachurlgen KönigU Landrathsamts.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Herbst - Control - Versammlungen im Kreise Hanau finden an nachstehenden Orten, Tagen und Stunden statt:

In Wind ecken auf dem Schloßberg am 7. November 1 8 8 7, Vormittags S1^ Uhr, für die Orte:

Windecken, Eichen, Erbstadt, Marköbel, Ostheim, Oberdorfelden, Kilianstädten, Niederissigheim, Roßdorf und Gutsbezirk Baiers- röderhof.

In BischofsheimKirch- und Schulpatzin der Hintergasse am 7. November 1 887, Vormittags IP/2 Uhr, für die Orte: Fechenheim, Gronau, Niederdorfelden, Wachenbuchen, Bergen, Enkheim, Bischofsheim, Hochstadt, Dörnigheim, Gutsbezirke Dotten- felderhof und Gronauerhof.

In Langenselbold Kirchplatz am 8. November 1 88 7, Vormittags 9 Uhr, für die Orte:

Langenselbold, Hüttengesäß, Langendiebach, Neuwiedermus, Ravolz- Hausen, Rückingen, Oberissigheim, Rüdigheim und Gutsbezirk Rüdigheimerhof.

In Hanau Paradeplatz, Zeughaus am 9. November 1887, Vormittags 8 Uhr, für die Orte:

Kesselstadt, Oberrodenbach, Niederrodenbach, Großauheim, Groß- krotzenburg, Mittelbuchen, Bruchköbel, Gutsbezirke Wolfgang, Pulverfabrik, Philippsruhe und Fasanerie, Wilhelmsbad, Wil­helmsbaderhof, Kinzigheimerhof und Neuhof.

In Hanau wie vor am 9. November 18 8 7, Vor - mittags 9 Uhr, für die Stadt Hanau und zwar die Jahrgänge 1880, 1881 und 1882.

In Hanau wie vor am 9. November 1887, Vor­mittags 1 0 Uhr, für die Stadt Hanau und zwar die Jahrgänge 1883, 1884, 1885, 1886 und 1887.

Es wird dies mit dem Bemerken veröffentlicht, daß zu den Herbst- Control-Versammlungen sämmtliche Reservisten, Dispositions-Urlauber und die zur Disposition der Ersatz-Behörden Entlassenen, sowie die Landwehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1875 und diejenigen Mannschaften der Marine, welche in der Zeit vom 1. April 1875 bis 31. März 1876 eingetreten sind, zu erscheinen haben.

Der Militärpaß und das Führungs-Attest sind mit zur Stelle zu bringen.

Dispensationen von den Control-Versammlungen können eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche, welche von der Ortsbehörde be­glaubigt sein müssen, spätestens 3 Tage vor der betreffenden Control- versammlung an den Bezirks-Feldwebel in Hanau gerichtet werden.

Frankfurt a/M., im Oktober 1887.

Landwehr-Bezirks-Kommando.

Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, die vorstehende Be­kanntmachung wiederholt in ortsüblicher Weise zu veröffentlichen und die ihnen durch die Bezirks- Compagnie zugehenden Plakate über die Control- versammlung an zweckmäßigen besonders in's Auge fallenden Stellen anzubringen.

Hanau am 8. Oktober 1887.

Der Königliche Landrath.

M. 4285 J. B: Baabe.

t Die Zunahme der Auswanderung.

Auch die neuesten Ausweisungen über die Zahl der überseeischen Auswanderer aus Deutschland während des Monats August bestätigen die schon in den ersten Monaten dieses Jahres gemachte Beobachtung von einer Zunahme der Auswanderung. Im August d. I. sind 8 061 Per­sonen aus Deutschland ausgewandert, gegen 6 727 im August vorigen Jahres und gegen 8 615 im August 1885. Die Gesammtziffer der von Anfang Januar bis Ende August d. J. Ausgewanderten belauft sich auf 72 608 Personen, gegen 52 596 bezw. 82 716 in dem gleichen Zeitraum des Jahres 1886 bezw. 1885. Sieht man genauer zu, auf welche Pro­vinzen der Hauptantheil der Auswanderung fällt, so stehen hier wieder wie dies schon von jeher der Fall war Westpreußen und Posen

voran; ersteres hat in den ersten acht Monaten dieses Jahres 10 329 überseeische Auswanderer abgegeben, Posen 7 373. Was aber an diesen Zahlen besonders auffällig ist, das ist die ganz ungewöhnliche Steigerung der Auswandererzahl gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres gerade in diesen Provinzen: aus Westpreußen sind 4 939, aus Posen 2 841 Personen mehr ausgewandert; in den meisten übrigen Provinzen des preußischen Staates ist der Zuwachs ein nicht nur absolut, sondern auch verhältnißmäßig viel geringerer.

Diese Erscheinung verdient unseres Erachtens ernste Beachtung. Posen und Westpreußen sind vornehmlich ackerbautreibende Provinzen. Ist es nun auch bei dem Mangel genauer Angaben über den Beruf der Auswanderer nicht möglich, die Personen, welche diese Landestheile zur überseeischen Auswanderung verlassen haben, direkt für das landwirth- schaftliche Gewerbe in Anspruch zu nehmen, so wird doch nicht in Abrede zu stellen sein, daß es mehr oder weniger mit der Landwirthschaft in enger Verbindung stehende Leute sind, welche über's Meer gegangen sind. Daß aber gerade in diesem Jahre die Auswanderung aus diesen Provinzen einen so erheblichen Aufschwung genommen hat, läßt sich nur auf den Umstand zurückführen, daß die wachsende Noth der Landwirthschaft, welche gerade hier sich besonders sühlbar macht, den Antrieb dazu gebildet hat. Es ist dies auch ganz erklärlich. Wenn die Landwirthschaft nicht rentabel ist und immer weiter in ihren Erträgen zurückgeht, können die Groß­grundbesitzer keine genügenden Arbeitslöhne mehr zahlen und ebenso kann der Kleinbesitzer sich nicht mehr halten; auch der Handwerker muß unter solchen Verhältnissen leiden, und so ist es begreiflich, weshalb gerade jetzt, wo trotz aller bisherigen Maßnahmen die Landwirthschaft sich in der gedrücktesten Lage befindet, die Zahl der Auswanderer wächst.

Ist dies für alle ackerbautreibenden Landestheile eine Calamität, so noch ganz besonders für Posen und Westpreußen. Denn hier bedeutet der Abzug heimischer Kräfte, der fich nach allen Wahrnehmungen vor­zugsweise aus deutschen Elementen rekrutirt, zugleich eine Schwächung des deutschen Elements und der deutschen Cultur, die zu stärken gerade der Zweck der Colonisationspolitik ist. Was aber so muß man fragen können alle hierauf gerichteten Maßnahmen für Erfolge erzielen, wenn ein großer Theil der Eingesessenen wie bisher, so namentlich auch jetzt wieder aus wirthschaftlichen Gründen den heimathlichen Boden verläßt? Der Abgang ist ein so bedeutender, daß er nicht so ohne Weiteres zu ersetzen ist, und wenn auch wirklich neue deutsche Kräfte in diese Provinzen über­geführt werden, so muß man sich doch die Frage vorlegen, ob diese nicht auch demselben Schicksal verfallen müssen, wenn es nicht gelingt, die Landwirthschaft rentabler zu machen und so die wirthschaftlichen Kräfte auf ihrer Scholle zu erhalten. Der Raum, welcher durch die Auswan­derung deutscher Elemente entsteht, kann leicht durch polnische Elemente ausgefüllt werden, und dadurch würde gerade der Zweck der Colonisations­politik, welche auf die Zurückdämmung der polnischen Fluth gerichtet ist, beeinträchtigt werden.

Die Zunahme der Auswanderung gerade aus diesen Provinzen, verbunden mit dem Schaden, der ihnen daraus in nationaler Be­ziehung erwächst, sind deutliche Fingerzeige für die Nothwendigkeit, der Landwirthschaft mehr als bisher zu Hilfe zu kommen. Geschieht dies nicht, so wird diese Unterlassungssünde sich am ersten und deutlichsten an diesen beiden Provinzen rächen. Es ist ein in wahrem Sinne nationales Interesse, welches hier auf dem Spiel steht, und welches gebieterisch for­dert, energische Maßregeln zu Gunsten der nothleidenden Landwirthschaft zu ergreifen, um so mehr, als die Unterlassung derselben zu schwerwiegen­den Nachtheilen auch für den ganzen Staat führen würde.

Tagesschau.

Berlin, 11. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen, wie derR. u. St. A." aus Baden-Baden meldet, gestern Vormittag den Statthalter in Elsaß Lothringen, Fürsten Hohenlohe, wel­cher Nachmittags wieder abgereist ist, nahmen sodann den Voitcag des Militärkabinets entgegen und machten Nachmittags, trotz der regnerischen Witterung, eine Spazierfahrt. Hierauf fand ein größeres Diner statt, an welchem Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin, der preußische Gesandte in München, Graf Werthern, der General Lieutenant v. Keßler, die Gene­rale Frhr. von der Goltz, Frhr. Röder von Diersberg und von Treskow,