■bonnerne»»!« greif:
Jährlich 9 Mari O«Ibj.4M. 50gfg.
Bicrieljährlich > Mar! 25 Psg.
Für auSwättige Abonnenten
Mn dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer 10 Pfg.
5
Jugteich Amtliches g)rgan für Staöt- und Landkreis Kanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
SitferHenf« greif:
Sie Ifpattige Tarmondgeile eb. beten Raum 1» Pfg.
Sie Sspalt. Seite 20 Pfg-
SteSfpaltigeSeite
30 Pfg.
Nr. 235.
Samstag den 8. Oktober
1887.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise-
Gefunden: Eine Wagenlaterne.
Vom Wasenmeister ein gefangen: ein schwarzer Spitz mit graugelben Abzeichen, m. Geschl.
Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher mit gelben Beinen.
Hanau am 8. Oktober 1887.__________________________________
Tagesschau
Baden-Baden, 7. Okt. Kaiser Wilhelm empfing, nach den „F. N.", heute den Vortrag v. Bülow's, besuchte den Fürsten Hrhenzollern und wohnte darauf der Matinee bei dem Gesandten Eisendecher bei. Zum Diner war der Fürst von Hohenzollern mit Familie geladen, welcher mit den Großherzoglichen Herrschaften und dem Prinzen von Weimar auch am Thee theilnehmen wird. Die Prinzen Ludwig und Rupprecht von Bayern sind heute früh nach München zurückgereist. Der Großherzog von Baden war zur Verabschiedung auf dem Bahnhöfe.
Am 24. d. Mts. tritt in Berlin im Reichs-Gesundheitsamte, unter Vorsitz des Direktors desselben, Geh. Regierungsraths Köhler, eine Kommission zur Revision der Reichsverordnung vom 4. Januar 1875 über den Verkehr mit Arzneimitteln zusammen.
Die offiziöse „Bndapester Korresp." meldet: „Deutsche Blätter haben letzthin behauptet, daß an eine Erneuerung des zwischen Oesterreich- Ungarn und Deutschland bestehenden Meistbegünstigungsvertrages kaum I gedacht werden könne. Wir haben Ursache anzunehmen, daß diese Ansicht eine irrige ist und wenn auch an das Zustandekommen eines Tarifver- | träges Heuer nicht mehr zu denken ist, dennoch die Erneuerung des be- - stehenden Meistbegünstigungsvertrages im Laufe der nächsten Wochen jeden- । soll« erfolgen wird. Da dieser Vertrag die Zollpolitik der beiden Vertragsmächte in keiner Weise bindet und allen Theilen bezüglich des autonomen Zolltarifes völlig freie Hand läßt, hat derselbe übrigens ohnehin keine eigentliche wirthschaftliche Bedeutung."
Breslau, 7. Okt. Der Ankunft des Fürstbischofs Kopp wird hier für Mittwoch den 19. Oktober entgegengesehen.
Jserlohn, 7. Okt. Aus Veranlassung einer am 8. d. Mts. stattfindenden Feier eines Familienfestes hat Commercienrath Hugo Ebbinghaus seiner Vaterstadt ein Capital von 300 000 Mk. zum Zwecke einer dauernden Stiftung für wohlthätige und gemeinnützige städtische Zwecke geschenkt, unter Vorbehalt seiner Zustimmung über die Art der Verwendung.
Leipzig, 6. Okt. Die Verhandlungen in dem Anarchisten-Prozeß wurden heute zu Ende geführt. Neue sprach eine halbe Stunde und beantragte für sich Freisprechung. Der Oberreichsanwalt dagegen beantragte 10 Jahre Zuchthaus. Die Veröffentlichung des Urtheils erfolgt Montag 12 Uhr.
München, 6. Oktbr. Der Finanzausschuß genehmigte heute einstimmig die Weitererhebung des erhöhten Malzaufschlags auf 2 Jahre.
Wien, 6. Oktbr. Die österreichisch ungarische Bank hat heut den Diskont auf 4Vi, den Lombardzinsfuß auf 5l/8 pCt. erhöht.
Baveno, 7. Okt. Der deutsche Kronprinz ist heute Mittag hier ein getroffen und in der „Villa Clara" abgestiegen.
Rom, 7. Okt. Minister Crispi ist heute Nachmittag hier einge- troffen.
Brüssel, 7. Okt. Anläßlich des morgen vor dem Schwurgerichte von Brabant beginnenden Prozesses gegen den Sozialisten Moreau, welcher angeklagt ist, zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgefordert zu haben, ließ nach den „Fr. N." die Sozialistenpartei rothe Plakate in der Stadt anschlagen, auf denen alle Arbeiter aufgefordert werden, sich morgen nach dem Justizpalaste zu begeben und dort zu protestiren.
Paris, 7. Okt. Bei dem Bankette in Ligne hielt Minister Spukler eine Rede, in welcher er hervorhob, die Führung der Regierung durch den Präsidenten Grevy könne als Bürgschaft für die Sicherheit Frankreichs und für eine Politik des Friedens gelten. Der Redner forderte die Anwesenden auf, sich dieser Politik anzuschließen, welche bezwecke, die Aussöhnung aller Republikaner mit allen Franzosen herbeizuführen. — Der Botschafter Herbette kehrt am nächsten Montag naco Berlin zurück. — „Eoleil" und „La paix" besprechen die marokkanische Frage und heben
hervor, keine Partei Frankreichs beabsichtige, Marokko für Frankreich zu beanspruchen. Die „Republique franyaise" meint, andere denken vielleicht daran; dann allerdings werde Frankreich gezwungen sein, ein Wort mit- zusprechen. (Rh. K.)
Paris, 7. Okt. Der russische Großfürst Nikolaus ist seit gestern in Paris.
Paris, 7. Oktbr. (K. Z.) In der Umgebung des Großfürsten Nikolaus wird behauptet, eine vom Gaulois mitgetheilte Tischrede sei ungenau und dürfte bezüglich des freiwilligen Eintritts des Großfürsten in das französische Heer eine Berichtigung erfahren.
Paris, 7. Oktbr. (K. Z) Nach dem Figaro lautet der Trink- spruch, den der Großfürst Nikolaus von Rußland an Bord des Uruguay gehalten hat, folgendermaßen: „Frankreich arbeitet, um die Vergeltung vorzubereiten, und thut wohl daran; und es zeugt von seiner großen und gesunden Denkweise, daß es sich durch die beständigen Quälereien des Nachbarlandes nicht in Erregung versetzen läßt Möge es fortfahren, sich vorzubereiten, seine Rüstung auszubessern und aus feinen Soldaten Helden zu machen, deren Großthaten die Geschichte verewigen wird. Aber auch Rußland seinerseits bleibt nicht unthätig; es arbeitet unaufhörlich daran, den deutschen Einfluß auszurotten. Daß man es wisse unsere ganze Familie liebt Frankreich. Alle Bestrebungen des Zaren gehen dahin, den deutschen Einfluß, der zu einer gewissen Zeit groß war, unter unsern Würdenträgern abzuschwächen, und bald wird unsere ganze Regierung sich nur noch aus Männern zusammensetzen, die Frankreich lieben. Bis dahin, ich wiederhole es, möge Frankreich sich nicht fortreißen lassen, denn gegen- wärtig würde es schwierig sein, im Kriegsfalle unser Bündniß zu verwirklichen, binnen kurzem aber werden alle Hindernisse verschwunden und im Falle eines Krieges werde ich der erste sein, der sich in die französische Armee, die ich aus vollem Herzen liebe, einreiht. Und meinem Beispiel, davon seien Sie überzeugt, werden viele Russen folgen." — Die alles, was bisher geleistet worden, übertreffende Revancherede des Großfürsten Nikolaus wird trotz aller Unglaublichkeit fast allgemein für echt gehalten. Obwohl eine offizielle Ableugnung kaum ausbleiben wird, auch einzelne Ausdrücke nicht ganz wortgemäß wiedergegeben sein mögen, wird die Thatsache, daß ein russischer Großfürst eine so heftige Revancherede gehalten, nicht aus der Welt geschafft werden können und Ableugnungen werden mit großem Mißtrauen ausgenommen werden.
London, 6. Oktober. Der Castle-Dampfer „Roslin Castle" ist gestern auf der Ausreise in Capetown angekommen.
Hamburg, 5. Oktober. Der Postdampfer „Francia" von der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist in Colon eingetroffen.
68$** Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. -4^W
Aus Stadt, Provinz und UMgegRud-
Schwurgericht. Montag den 10. Oktober: Verhandlung gegen 1) Maurer Heinrich Scheuch von Eckardroth wegen MünzverbrechenS 2) gegen Schuhmacher Rudolph Gaul von Fulda wegen betrüglichen Bankrutts. — Dienstag den 11. Oktober: Verhandlung gegen Jakob Klaus von Schenklengsfeld wegen Unzucht unter Vergewaltigung. -
Geschichtsverein. Unser Geschichtsverein ist, wie alljährlich im Herbst, emsig bei der Arbeit und zwar werden die im vergangenen Jahr bei und in Kesselstadt aufgenommenen Untersuchungen und Ausgrabungen fortgesetzt. Wie man uns sagt, sollen die Resultate der diesjährigen Forschungen, über welche in der am 11. d. M., Abends 7 Uhr, im rothen Saale des Bürgervereins stattfindenden Monatsversammlung berichtet werden wird, vor besonderer Wichtigkeit sein und interessante Aufschlüsse geben über die früheste Zeit der römischen Okkupation in hiesiger Gegend. Die frühere Vermuthung, daß in Kesselstadt römische Besesti- gungen vorhanden gewesen, ist zur Gewißheit geworden und zwar haben diese Anlagen einen sehr bedeutenden Umfang gehabt und bilden tinen Hauptstützpunkt der römischen Okkupationsarmee.
Nicht wenig hat zu den glänzenden Erfolgen dieser Untersuchungen das allseitige freundliche Entgegenkommen der Bewohner von Kesselstadt beigetragen.
Geschichtsverein. Sonntag den 9. Oktober, von 11 bis 12 Uhr Vormittags, ist die Sammlung des Hanauer Bezirksvereins für