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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 230

Montag den 3. Oktober

1887.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise-

Gefunden: Ein Spazierstock. Ein Regenschirm (auf dem letzten Wochenmarkt stehen geblieben). Ein silbernes Ringchen. Eine kleine hellblaue Knabenmütze.

Vom Wasenmeister eingefangen: ein gelber Pinscher m. Geschl. Hanau am 3. Oktober 1887.

Die Vertreter der gemeinsamen Ortskrankenkasse des Landkreises Hanau werden hierdurch zu einer Generalversammlung auf Montag den 12. Oktober «., Nachmittags 4 Uhr, in den Saal der Centralhalle hier ergebenst eingeladen.

Tagesordnung:

1) Beschlußfassung über die Heranziehung der land- und sorstwirth- schaftlichen Arbeiter zur Kasse.

2) Abänderung des §. 29 der Statuten.

3) Abnahme der Rechnung pro 1886.

4) Beschlußfassung über die Abrechnung der ausscheidenden Gemeinden.

5) Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres.

6) Neuwahlen des Vorstandes.

7) Anträge aus der Versammlung.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Einladung den im Hanauer Anzeiger vom 16. Juli 1885 benannten Personen ge­fälligst noch besonders bekannt geben zu lassen.

Hanau am 30. September 1887.

Der Vorstand der gemeins. Ortskrankenkasse des Landkr. Hanau: Dr. L. Gans.

Tagesschau.

Berlin, 1. Oktober. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den Kaufmann F. Gordon zum Konsul in Sunderland (Eng­land) zu ernennen geruht.

Berlin, 1. Oktbr. Der Kaiserliche Gesandte bei den Vereinigten Staaten von Amerika, v. Alvensleben, hat einen ihm Allerhöchst bewillig­ten Urlaub angetreten. Für die Dauer der Abwesenheit desselben von Washington fungirt der Legations-Rath Freiherr v. Zedtwitz als interi­mistischer Geschäftsträger.

Berlin, 1. Okt. DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Staats­sekretär Graf Herbert Bismarck ist heute Nachmittag abgereist, um den italienischen Minister-Präsidenten Crispi in Büchen zu empfangen und von dort nach Friedrichsruh zu geleiten.

Der deutsche Kolonialverein hat an den Bundesrath eine Peti­tion gerichtet, derselbe wolle in Anbetracht des steigenden Handels-, Personen- und Postverkehrs zwischen Deutschland und Ostafrika, in An­betracht der bedeutenden Kultivationsbestrebungen in den Deutsch-Ostafrika­nischen Schutzgebieten und der dafür bereits aufgewendeten Kapitalien auf Einführung einer zu subventionirenden Dampferlinie hinwirken, welche den Verkehr Deutschlands mit Ostafrika direkt vermittelt, oder aber, falls jene nicht zu erreichen sein sollte, auf die Einführung einer Zweiglinie Aden- Sansibar im Anschlüsse an die subventionirte ostasiatische Linie.

Wilhelmshafe«, 1. Okt. Das Schulgeschwader ist heute Vor­mittag nach dem Mittellängischen Meer abgegangen.

Die Einführung ausschließlich deutschen Unterrichts in den Volks­schulen Posens und Westpreußens läßt auf eine entsprechende Maßregel für Nordschleswig schließen. Ist man doch schon stellenweise dort dazu übergegangen, die eine Hälfte der Religionsstunden in deutscher, die andere in dänischer Sprache geben zu lassen.

Metz, 30. Sept. In Folge eines an den Kaiser gerichteten Gna­dengesuchs wegen des gestern verurteilten Schnäbele ging heute Abend der telegraphische Befehl ein, Schnäbele sofort in Freiheit zu setzen. Schnäbele ist Abends um 7 Uhr abgereist.

Hamburg, 1. Oktbr. Der frühere Redakteur der hiesigenBür­gerzeitung", Wedde, wurde gestern angewiesen, das Gebiet des kleinen Be­lagerungszustandes innerhalb 24 Stunden zu verlassen.

München, 1. Okt. Heute vor zwanzig Jahren ist Lutz ins Ministerium eingetreten. Die Zeitungen rühmen die Verdienste des bayrischen Bismarck. Sogar das PatriotenorganFremdenblatt" erkennt

seine Leistungen an und bezeichnet die Kraft der Opposition als gebrochen. Die Kammer hat einstimmig den Gesetzentwurf betreffs Erläuterung und Vollziehung der Verfassung in Bezug auf Anstellung von Beamten und Veräußerung von Krongütern während der Regentschaft einstimmig angenommen. Referent Walter erklärte, der Ausschuß habe die Frage der Zulässigkeit von Aenderungen der Verfassung während die Regentschaft unerledigt gelassen. Joseph Wagner (liberal) erachtete Aenderungen für zulässig. (K. Z.)

München, 1. Okt. In der heutigen Abgeordnetensitzung gab der Präsident bekannt, daß der Prinzregent eine Abordnung der Kammer zur Ueberreichung der Adresse Montag Vormittag empfangen werde.

München, 1. Okt. (K. Z) Der Abgeordnete Rittler, der wegen der Angriffe der Patriotenpartei nach Rom gereist ist, meldete heute mit hoher Befriedigung über seine Audienz beim Papste. Gleichzeitig erklärt derMoniteur de Rome", es gereiche ihm zur Freude, von der Erklärung der Herren Bücher und Mittler Kenntniß zu nehmen. Diese hat bekannt­lich den Inhalt, daß jemand die katholischen Interessen vertreten könne, auch ohne dem Centrum anzugehören.

Baden, 1. Okt. Se. Majestät der Kaiser von Brasilien, welcher hier zwei Monate lang weilte, verließ mit seiner Familie heute Vormittag 10 Uhr Baden-Baden, um sich vorerst nach Coburg, von dort über Köln nach Brüssel und sodann nach Paris zu begeben. Zur Verabschiedung waren Se. Majestät der Deutsche Kaiser, Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Baden, der Prinz Heinrich von Preußen und der Großherzog von Sachsen auf dem Bahnhof erschienen. Die Spitzen der Behörden und viele Personen von Distinction waren ebenfalls anwesend.

Paris, 1. Okt. Die Nachricht, daß die deutsche Regierung der Wittwe Brignon ein sofortige Entschädigung bewilligt hat, macht hier sehr großes Aufsehen, weil das hiesige Publikum gefürchtet hatte, daß grade diese Frage Schwierigkeiten bereiten werde. Dem Figaro zufolge wurde die Entschädigung auf direkten Befehl des Kaisers bewilligt. Wangen erhielt keine Entschädigung, weil er erklärt hat, er wolle keine solche. Der Staatssekretär Herbert Bismarck sprach am Montag bereits dem franzö­sischen Geschäftsträger das Bedauern der deutschen Regierung über den Vorfall aus. Graf Münster zeigte gestern dem Auswärtigen Amte die Entschädigung der Wittwe Brignon und die Meldung, daß der Soldat Kaufmann unverzüglich in Anklagezustand versetzt werde, an. Da Fürst Bismarck die Gerichtsbehörden sich in vollster Freiheit aussprechen lassen will, so wird er das Ergebniß derselben abwarten. Sobald das gericht­liche Ergebniß erfolgt ist, werden Besprechungen zur Lösung der völker­rechtlichen Fragen eröffnet werden, zu denen dieser Zwischenfall anregte, um den unerträglichen Zuständen an der elsaß-lothringischen Grenze ab- zuhelfen.

Paris, 1. Okt. (K. Z.) Alle Blätter sind darin einig, daß durch das erfolgte deutsche Entgegenkommen der Grenzstreit beigelegt ist und die weitere Abwicklung keine Schwierigkeiten bietet.

Paris, 2. Okt. Graf Münster überreichte gestern Abend 6 Uhr Flourens die Akten der ersten deutschen Untersuchung über den Grenzfall, in welchen die Aussagen der beiden deutschen Soldaten enthalten sind, aber nicht die Zeugenverhöre. Raindre wird die französischen Schrift­stücke heute dem Grafen Herbert Bismarck übergeben.

Madrid, 1. Okt. Die amtlicheGaceta" veröffentlicht eine königliche Verordnung, der zu Folge deutscher Alkohol, welcher bei spanischen Zollämtern eingeht, ohne ein Zeugniß über die Ausfuhrprämie nicht zulässig ist.

Die Post von dem am 28. August von Shanghai abgegangenen Reichs-PostdampferBayern" gelangt in Berlin am 2. Oktober früh zur Ausgabe.

Spe zial-Telegramm e desDeutschen Montags-Blatt."

Wien, 2. Oktbr., 9 Uhr 50 Min. Die meisten Wiener Blätter betrachten Crikpis Besuch beim Reichskanzler in Friedrichsruh als einen glänzenden Beweis für Italiens Festhalten am Frie^ensbunde, welcher eben hierdurch in solchem Maße gekräftigt erscheine, daß die russisch- französischen Alliarzbestrebungen ihre Schrecken verloren hätten. Von gut unterrichteter Seite wird bestätigt, daß Crispis Besuch eben denselben