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Nr. 227
Donnerstag den 29. September
1887.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Manschettenknopf mit Mechanik. Ein Strängchen schwarze Wolle. Ein chirurgisches Instrument (Messer). Eine Peitsche. Ein Portemonnaie mit Inhalt. Ein Schraubenzieher mit Elfenbeingriff. Ein Messer mit mehreren Klingen.
Hanau am 29. September 1887.
Tagesschau
Berlin, 28. Sept. Der „R. u. St.'A." Nr. 227 veröffentlicht: Verordnung, betr. die Besteuerung des Branntweins im Königreich Bayern, vom 27. September 1887.
Berlin, 28. Sept. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Staatsministeriums, betreffend die Verlängerung des sog. kleinen Belagerungszustandes für Berlin, Potsdam, Charlottenburg und Umgegend, sowie für Altona und Umgegend bis zum 30. September 1888 und die hierzu gehörigen Ausführungsbestimmungen.
Berlin, 28. Septbr. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den Kaufmann Heinrich Friedrich Glade zum Konsul in Honolulu (Hawaii) zu ernennen geruht.
Berlin, 28. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten, wie der „R. u. St.A." aus Baden Baden meldet, gestern Vormittag den Vortrag des Civilkabinets. Mittags unternahmen Se. Majestät bei schönstem Wetter eine Spazierfahrt und machten später der Herzogin von Hamilton einen Besuch. Zum Diner war ver preußische Gesandte von Eisendecher geladen. Abends wurde bei Ihrer Majestät der Kaiserin der Thee genommen.
Berlin, 28. Sepie Der Statthalter in Elsaß-Lothringen, Fürst Hohenlohe, wird seine amtliche Thätigkeit in Straßburg alsbald wieder aufnehmen. . Der Besuch, den der Statthalter dem Kaiser in Baden- Baden machen wird, ist von langer Hand geplant und übrigens in derselben Weise seit einer Reihe von Jahren um dieselbe Zeit abgestattet worden. Nachdem nunmehr von allen Seiten die thatsächlich unerfindlichen Gerüchte über den Rücktritt des Statthalters, seinen Ersatz und dergleichen widerrufen worden sind, darf man hoffen, daß sie endlich von der Tagesordnung verschwinden werden.
Berlin, 28. Sept. Die „Nordd. Allgem. Ztg." bringt einen vorläufigen Bericht des Oberstaatsanwaltes in Colmar über den Zwischen- fall an der Grenze, woraus folgendes hervorzuheben ist: Am Sonnabend Mittag wurden zwei zur Verstärkung des Forstschutzes kommandirte Jäger Namens Kaufmann und Linhoff benachrichtigt, daß an der Grenze in der Gegend des deutschen Distriktes Hochrein gejagt werde. Beide verfügten sich dorthin und vernahmen Jagdgeräusch. Während Linhoff den Waldabhang umging, erblickte Kaufmann in einer Entfernung von 120 bis 150 Meter in einer Fichtenkultur auf deutschem Gebiete 8 bis 12 bewaffnete Personen, welche sich theils hinter-, theils nebeneinander quer nach der einige Schritte entfernten Grenze bewegten. Da das dreimalige Haltrufen erfolglos blieb und die Betreffenden sich näherten und hinter Gebüsch und Bäumen in der Nähe Deckung fanden, schoß Kaufmann dreimal. Derselbe zog sich sodann zurück, da alsbald auch hinter den Bäumen auf französischem Gebiete auf ihn angeschlagen wurde, was auch Linhoff gesehen hat. Etwa 4 bis 5 Meter von der Grenze entfernt sind zwei größere Blutspuren auf dem Moose wahrnehmbar, welche offenbar davon herrühren, daß sich Brignon nach dem Schuffe an die gedachte Stelle schleppte und dort einige Zeit liegen blieb. Blutige oder andere Spuren waren in dem dichten und hohen Heidefarnkraut auf deutschem Gebiete nicht wahrnehmbar. Von dem Standorte Kaufmanns beim Schießen kann nach dem Orte, wo die Blutspuren auf französischem Gebiete sich befinden, wegen des dazwischen liegenden Gebüsches und der dicken Bäume nicht gesehen und, nicht geschaffen werden. Hiernach ist an- zunehmen, daß die Schüsse auf deutschem Gebiete gegen anscheinende Wilderer abgegeben worden sind und auf deutschem Gebiete zwei derselben getroffen haben. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schließt sich dem allgemeinen Bedauern über die traurige Wendung des Vorfalles an; es sei abzuwarten, ob die gerichtliche Untersuchung ein Verschulden oder eine Uebereilung der deutschen Beamten ergeben werde.
Berlin, 28. Sept. Der „Kreuzzeitung" zufolge trat der Sultan von Sansibar nach an amtlicher Stelle eingetroffenen Nachrichten das gesammte Küstengebiet, welches ihm durch Abkommen vom 1. Nov. 1886 zugesprochen worden ist, an Engländer und Deutsche entsprechend der be
züglichen dort abgegrenzten Interessensphären Englands und Deutschlands ab. Der Sultan habe gegen eine Jahreszahlung jeden Einfluß auf das Küstengebiet aufgegeben. Bestimmte Angaben hierüber seien demnächst zu erwarten.
Berlin, 28. Sept. Die Zweifel über die Todesart des vorvergangene Nacht ermordeten Nachtwächters Braun sind nun gehoben, die Obduktion hat im Laufe des gestrigen Nachmittags bereits stattgefunden. Sie ergab, daß dem Ermordeten mit einem scharfen Stemmeisen zwei Stiche in den Hals beigebracht und ihm außerdem durch ein stumpfes Werkzeug der Schädel zerschmettert worden sei, in Folge dessen der Tod sofort eingetreten sein müsse. Die Nachforschungen nach dem Mörder sind in vollem Gange.
Essen, 27. Sept. Der Bergwerksbesitzer Grillo hierselbst hat sich heute durch Zusage bei der Stadtverwaltung erboten, auf eigene Kosten ein Stadttheater zu bauen. Die Bausumme soll 500 000 M. betragen.
Dresden, 27. Sept. Zum Sitz des Deutschen Schriftstellerverbandes, welcher aus der gestern erfolgten Verschmelzung des bisherigen Allgemeinen Schriftstellerverbandes und des Schriftstellervereins hervorgegangen ist, wurde Berlin bestimmt. Der neue Verband gliedert sich in Bezirksvereine, als deren Sitze zunächst Berlin, Breslau, Hamburg, Leipzig, München, Stuttgart, Frankfurt a. M, Prag, Wien und Graz in Aussicht genommen sind. Zu Vorstandsmitgliedern, zu denen später die Vorsitzenden der Bezirksvereine hinzutreten, wurden gewählt: Robert Schweichel, L. Ziemssen und Otte Wenzel in Berlin, Emil Rittershaus (Barmen), Maximilian Schmidt (München), Klaar (Prag), Brasch (Leipzig), K. v. Thaler (Wien), R. Keil (Weimar).
Schwerin, 26. Sept. Eine größere Anzahl Offiziere des 9. Armeekorps macht augenblicklich unter Führung des Generalmajors v. Fischer eine Generalstabsreise durch unser Land, deren Aufgabe es ist, u. a. auch das Feld für das im nächsten Jahre stattfindende Kaisermanöver des 9. Armeecorps vorläufig auszusuchen und festzustellen. Es verlautet nämlich in militärischen Kreisen, daß diesem Armeekorps im Jahre 1888 die Ehre zu Theil werden würde, von Sr. Majestät dem Kaiser persönlich gemustert zu werden. Unter den Gegenden Mecklenburgs, welche sich für die Abhaltung des Kaisermanövers besonders eignen dürften, wird die Gegend zwischen Doberan, Bützow und Kröplin vielfach bezeichnet. Namentlich bietet Doberan für das Hauptquartier des Kaisers den geeignetsten. Ort. (K. Z.)
Leipzig, 28. Sept. (K. Z.) Die Hauptverhandlung gegen Neve vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenate des Reichsgerichts beginnt am 3. f. M. Der Vertheidiger ist Erythropel.
München, 28. Septbr. In den auf der Oktoberfestwiese aufgeschlagenen Zeltbuden brach gestern Abend Feuer aus, durch welches ein Weinrestaurant und mehrere Vergnügungsbuden zerstört wurden. Das rechtzeitige Eintreffen der Feuerwehr verhinderte ein weiteres Umsichgreifen des Feuers. Der Wirth des Weinrestaurants wurde heute unter den Trümmern verkohlt aufgefunden.
München, 28. Sept. Bei den Aufräumungsarbeiten auf der Brandstätte aus der Theresienwiese wurde die verkohlte Leiche des vermißten Weinwirthes aufgefunden. (Der Brand war in einer zum Oktoberfeste errichteten Weinbude ausgebrochen und hatte mehrere angrenzende Buden ergriffen.) (Rh. K.)
Pest, 28. Sept. Das ungarische Parlament ist heute zusammengetreten ; beide Häuser hielten ihre erste Sitzung.
In Pest wird der Kaiser in Gegenwart des Hofes und der höchsten Würdenträger am 29. das Deak-Denkmal enthüllen. Bis dahin sollte dasselbe in einem riesigen Leinwandüberzuge verhüllt bleiben, doch ist nach dem Fremdenblatt das programmwidrige Ereigniß eingetreten, daß ein Spitzbube das Denkmal zu früh enthüllt, nämlich die Leinwand über Nacht gestohlen hat. Man hat schnell einen neuen Bretterverschlag gemacht.
Wie man der „Bohemia" aus Pest meldet, wurde die Regelung der Handelspolrtischen Verhältnisse zwischen Oesterreich-Ungarn und dem deutschen Reiche während der Entrevue in Friedrichsruh zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Kalnocky erörtert. „In unterrichteten Kreisen" heißt es weiter, „gilt es demgemäß als wahrscheinlich, daß das Provisorium auf Grund der Meistbegünstigung, eventuell der Verlängerung des gegenwärtigen Zustandes auf ein Jahr Platz greift. Nachdem das letztere am Jahresschluß zu Ende geht, müssen die neuen Stipulationen