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M. 224

Montag den 26. September

1887.

Tagesscha«.

Beelitt, 24. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen heute Vormittag den Wirklichen Geheimen Rath v. Madai, den General ä la suite v. Winterfeldt und, vor dem Vortrage des Chefs des Militärkabinets, zahlreiche militärische Meldungen. Um ll/z Uhr wurde der chinesische Gesandte in Audienz empfangen, welcher Sr. Majestät kost bare Geschenke des Kaisers von China überreichen durfte. Demnächst statlete Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm Sr. Majestät dem Kaiser einen Besuch ab.

Berlin, 26. Sept. Kaiser Wilhelm wird heute Nachmittag 6 Uhr 30 Minuten mittels Extrazuges vom Potsdamer Bahnhof aus Berlin verlassen, um sich zur Kaiserin nach Baden-Baden zu begeben, wo mit der großherzoglich badischen Familie der Geburtstag der Kaiserin am 30. September gefeiert wird. Heute Mittag hatte sich, nach dem D. M.-Bl.", noch eine vielhundertköpfige Menschenmenge vor dem Palais angesammelt, um dem Kaiser vor seiner Abfahrt noch ihre Lebewohlgrüße während des Vorüberziehens der Wache zuzurufen. Die Garde-Füsiliere zogen unter den kaiserlichen Fenstern vorbei, doch der Kaiser erschien trotz aller Hochrufe nicht.

Berlin, 24. Sept. DerReichsanzeiger" meldet: Mackenzie, welcher sich auf einer Erholungsreise befindet, besuchte den Kronprinzen in Toblach und konstatirte ein erfreuliches Fortschreiten der Besserung des Halsleidens. Vor seiner Rückkehr nach England stellte Mackenzie einen nochmaligen Besuch in Aussicht.

Berlin, 24. Sept. Der König hat das Herrenhausmitglied Freiherrn v. Solemacher-Antweiler zu Bonn, der in dem bekannten Streite mit einem jungen Herrn v. Schorlemer-Metternich vom Landgericht zu Bonn wegen Beleidigung rechtskräftig verurtheilt worden war, nunmehr vollständig begnadigt.

Berlin, 24. Sept. Die Hauptsteuerämter sind gegenwärtig er­mächtigt worden,zuverlässigen" Brennereibesitzern auf ihren dahin gehenden Antrag widerruflich zu gestatten, bei mehrfachem Betriebe nur die Tageszeit (Vormittags oder Nachmittags) des Beginnes der Ein- maischung des ersten Bottichs in der betreffenden Stelle des Betriebs­planes anzumelden, sobald die'betheiligten Brennereibesitzer sich verpflichten, mit den erklärten Einmaischungen stets ohne willkürliche und nicht durch sonstige Betriebsvorrichtungen gebotene Unterbrechungen fortfahren zu lassen. (K. Z.)

Berlin, 24. Sept. Einzelne hiesige Blätter haben die Nachricht gebracht, daß Graf Schuwaloff, der russische Botschafter am hiesigen Hofe, nach Friedrichsruh gereist sei. Diese Nachricht stellt sich als unrichtig heraus. Graf Schuwaloff ist in diesen Tagen durch Deutschland gereist, hat sich aber in Berlin nicht aufgehalten, sondern die Stadt nur berührt, um sich direkt nach Frankreich zu begeben.

Berlin, 24. Sept. Der deutsche Botschafter in Petersburg: General-Adjutant von Schweinitz, hat gestern Abend mit seiner Familie Berlin wieder verlassen, um sich mit längerm Urlaub nach Wilhelmshöhe bei Cassel zu begeben.

Berlin, 24. Sept. Der Kaiserliche Botschafter Graf zu Münster ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub nach Paris zurückgekehrt und hat die Geschäfte der dortigen Botschaft wieder übernommen.

Crefeld, 24. Sept. Das 25jährige Ministerjubiläum des Fürsten Bismarck wurde gestern auch hstr recht würdig und erhebend gefeiert, Die ganze Stadt hatte festlich geflaggt und in den Räumen der Gesell­schaftVerein" wurde ein großartiges Gastfest abgehalten, wo unter Concert, Absingung vaterländiger Lieder, kerniger, der Bedeutung des Tages gewidmeter Reden und Trinksprüchen die Festtheilnehmer noch bis zur späten Stunde in der angenehmsten Weise gefesselt mürben.

Zum ersten Male ist in dem Etat des bayrischen Justiz­ministeriums zu Entschädigungen für unschuldig erlittene Haft die Summe von 5000 M. pro Jahr eingestellt worden. Dies geschieht entsprechend dem Beschluß des Bundesrathes vom 17. März d. I., durch welchen das Vertrauen ausgesprochen wurde, daß in den Bundesstaaten überall für Beschaffung der zu obigen Zwecke nöthigen Mittel Sorge getragen werde. ~ (Tfz.)

Karlsruhe, 24. Sept. Der heutigen Rothkreuz-Konferenz wohn- ten das Großherzogliche Paar und der Erbgroßyerzog, später auch die von Baden-Baden eingetroffene Kaiserin bei. Die Konferenz nahm, unter |

Ablehnung der eine Aenderung der Stellung des internationalen Komitäs bezweckenden russischen Vorschläge, die Beschlüsse der Kommissionsmehrheit an, welche die Beibehaltung des in Genf residirenden internationalen Komitös in der bisherigen Art empfohlen hatte. Nachmittags hielt Pro­fessor Kraske einen Vortrag über Verbandstoffe, welche sodann praktisch vorgeführt wurden. Nach der Sitzung empfing die Kaiserin das Präsi­dium und einzelne Mitglieder der Konferenz und kehrte um 2 Uhr nach Baden-Baden zurück.

Wien, 24. Sept. Zwei hier aus Sofia eingetroffene deutsche Beamte bestätigen, daß die Raubanfälle in Bulgarien häufiger werden; sie selber seien bei Petroschan ihres ganzen Gepäckes mit 5000 Fr. beraubt worden, und sie beschuldigten den Gaftwirth in Kimitschina der Mithülfe; derselbe habe nämlich ihrem Kutscher einen betäubenden Trank gegeben.

Wien, 24. Sept. DasFremdenblasi" sagt: Wir Oesterreicher gratuliren unserem großen Freunde, dem Fürsten Bismarck, dem Leiter der Politik der beiden engverbündeten Reiche Deutschland und Oesterreich- Ungarn, dem Mitbegründer der Allianz, welche den Frieden Europas wahrt, zu seiner Jubrläumsfeier. Der Artikel rühmt ferner die innere reformatorische Thätigkeit und die unerschöpfliche Arbeitskraft des Fürsten Bismarck und schließt mit den Worten: Es wäre nicht leicht, einen zweiten Staatsmann zu nennen, der, mit so großer Machtfülle ausge­stattet, seinen höchsten Ehrgeiz darin sucht, die Ruhe der Nationen zu wahren.

Toblach, 24. Sept. Der Kronprinz reist morgen Vormittag 11 Uhr nach Venedig und übernachtet im Hotel Trento in Trient. Die Kronprinzessin und das Gefolge gehen erst übermorgen über Ampizo nach Venedig. (Fr. R.)

Rom, 24. Sept. Der Papst empfing den preußischen Gesandten v. Schlözer.

Paris, 24. Sept. Der heutige Ministerrath setzte das außer­ordentliche Budget des Krieges von 139 auf 84, das der Marine von 303/i auf 16 Millionen herab. Der deutsche Botschafter Graf Münster hat Flourens einen Besuch abgestattet und eine lange Unterredung mit dem französischen Minister gehabt.

Paris, 24. Sept. Laut dem Temps hat der deutsche Botschafter in seiner gestrigen Unterredung mit dem französischen Minister des Aus­wärtigen seine Ueberzeugung ausgesprochen, daß alle Mächte gegenwärtig über die Erhaltung des Friedens einverstanden seien. Graf Münster habe hinzugesetzt, die Gesundheit des deutschen Kaisers sei jetzt sehr gut.

Als Folge des französischen Mobilmachungsversuchs hat, wie es heißt, der Kriegsminister die Absicht, für alle Pferde, die der Requisition unterworfen sind, Büchlein anlegen zu lassen, wie für die sämmtliche Mannschaft, die zur Armee gehört. Alle zwei Jahre würden die der Requisition unterworfenen Pferde nach Bezirken zusammengezogen, besichtigt und eingeübt.

London, 24. Sept. DieTimes" widmet dem 25jährigen Mi- nisterjubiiäum Bismarcks einen sympathischen Leitartikel, worin sie sagt: Unsere Glückwünsche sind um so aufrichtiger, weil Niemand zweifeln kann, daß die Stärke und Einigkeit Deutschlands, welche die größten Errungen­schaften Bismarcks sind, die sicherste und solideste Bürgschaft für die Auf- rechterbaltung des europäischen Friedens bilden und stets gebildet haben. In dieser Hinsicht war die Dauer der ministeriellen Stellung Bismarcks sicherlich von unermeßlichem Vortheil für Europa. Nichts in der jüngsten Geschichte der europäischen Poutik läßt sich mit der einzigen Stellung ver­gleichen, welche der deutsche Reichskanzler einnimmt. Am 25. Jahrestage seines Eintritts in das Ministerium steht er stärker und fester da als je vorher. Nur Fürst Bismarck konnte die deutsche Nation durch die Schwie­rigkeiten und Gefahren, welche ihre Pfade umlagerten, führen. Die Schöpfung des deutschen Reiches ist sicherlich die größte staatsmännische Leistung unserer Zeit.

Der englische DampferRomeo" aus Liverpool, mit einer La­dung von 2800 Tonnen Mais nach Rouen unterwegs, strandete am Tonne-stag unweit Lavaquerie und kenterte bald darauf, wobei sieben Passagmre und sechs skandinavische Matrosen ertranken.

Mitchelstown, 23. Septbr., Abends. Prozeß gegen O'Brien. Nach Vernehmung der Belastungszeugen ergriff der Teputirte Harrington das Wort, um O'Brien zu vertheidigen. Derselbe warf der Regierung