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Nr. 223

Samstag den 24. September

1887.

Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefähr­lichen Bestrebungen der Socialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nicht periodische Druckschrift:Sozialdemokratische Bibliothek XVII. Ho ch v errath und Revolution." Von W. Liebknecht. Hottingen- Zürich. Verlag der Volksbuchhandlung 1887 nach §. 11 des ge­dachten Gesetzes durch den Unterzeichneten von Landespolizeiwegen ver­boten worden ist.

Berlin den 14. September 1887.

Der Königliche Polizei-Präsident.

__ ___________Freiherr von Richthofen.___________________

KekanNtMachungen Kömgl. Landrathsamts.

Die im Jahre 1877 in Marburg gegründete landwirthschaft- liche Winterschule hat die Aufgabe, in zwei Winterkursen Bauern­söhne und andere junge Leute, welche sich der Landwirthschaft widmen wollen, zu denkenden Landwirthen zu erziehen und für den landwirthschaft- lichen Beruf derart auszubilden, daß sie befähigt sind, ein Landgut ratio­nell zu bewirthschaften, um daraus den möglichst höchsten Ertrag zu ziehen.

Dieser Aufgabe hat die Schule bisher durchaus entsprochen. Die Schüler haben nach Erledigung eines zweijährigen Winterkursus bei Wie­dereintritt in die väterliche Wirthschaft zu deren Hebung wesentlich mit­gewirkt und diejenigen derselben, welche wegen ausreichender Hülfskräfte oder aus anderen Gründen in die väterliche Wirthschaft nicht wieder ein­getreten sind, haben durch Vermittelung des Direktors der Winterschule als Verwalter auf größeren Gutswirthschaften Stellung gefunden und den daselbst an sie gemachten Anforderungen genügt.

Bei den sich täglich steigernden Ansprüchen an den landwirthschaft- kichen Betrieb müssen wir die Landwirthe dringend auffordern, für die Ausbildung ihrer Söhne in den landwirthschaftlichen Lehrgegenständen Sorge zu tragen, und zu diesem Zweck ihnen den Besuch der landwirth­schaftlichen Winterschule in Marburg für ihre Söhne empfehlen. Wir hoffen umsomehr aufs einen zahlreichen Besuch dieser Anstalt, als die dies­jährige Ernte den Landwirthen neuen Muth zur Verbesserung ihrer Wirth­schaft geben wird.

Dank der Fürsorge des letzten hohen Kommunal - Landtags hat die gedachte Schule ihre Lehr- und Hülfsmittel durch Einrichtung eines Labo­ratoriums für chemische, physikalische und mikroskopische Arbeiten wesent­lich vervollständigen können und wird weiter durch den Besuch von reno- mirten Wirthschaften größerer Landwirthe, von Zuckerfabriken, Brenne­reien, Molkerei-Anstalten den jungen Leuten Gelegenheit geboten, das von ihnen theoretisch Erlernte in praktischer Ausführung kennen zu lernen.

Der Unterricht des nächsten Winterkursus beginnt Dienstag den 18. Oktober d. I., Vormittags 8 Uhr. Anmeldungen zur Ausnahme sind zeitig vorher an den Direktor der landwirthschaftlichen Winterschule, Herrn Dr. R. H e s s e in Marburg, zu richten, welcher etwaigen weite­ren Aufschluß über die Schule geben wird. Derselbe, welcher auch außer­halb der Schulzeit die Schüler streng überwacht, ist gern bereit, für ein paffendes Unterkommen der Schüler in gut beleumundeten Familien zu sorgen. Für Wohnung, Verköstigung, Feuerung und Licht hat ein Schü­ler monatlich 3045 Mark zu zahlen. Das Schulgeld beträgt 45 Mark für den Winter, wovon dies Hälfte am 15. Oktober d. J. und die andere Hälfte am 5. Januar 1888 zu entrichten ist.

Die aufzunehmenden Schüler müssen das 15. Lebensjahr über­schritten haben und sich durch ein Zeugniß über den bisherigen Schulbe­such ausweisen, außerdem, wenn sie über ein Jahr die Schule bereits ver­lassen haben, ein Attest der Ortsbehörde über ihre Unbescholtenheit bei­bringen.

Casse! am 7. September 1887. ,

Das Dir ektorium des landwirthschaftlichen Central Vereins.

Wird veröffentlicht.

Cassel am 12. September 1887.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: Schwarzenberg.

Der vorstehenden Bekanntmachung füge ich hinzu, daß die landwirth schastliche Schule in Marburg sich in weiten Kreisen eines guten Rufes erfreut. Da die Anstalt sich im hohen Maße bewährt und von Bauern­söhnen aus dem hiesigen Kreise besucht wird, so ist der Vorstand des hie­sigen landwirthschaftlichen Kreisvereins bestrebt sie bei jeder Gelegenheit den Vereinsmitgliedern zu empfehlen. Der Verein wird hierin durch die schon öfters gehaltenen Vorträge des Direktors der Anstalt, Herrn Dr. Hesse, unterstützt.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich dahin zu wirken, daß Söhne von Landwirthen aus dem hiesigen Kreise der land­wirthschaftlichen Winterschule in Marburg wiederum zugeführt werden.

Hanau am 22. September 1887,

Der Königliche Landrath

V. 4819 Gf. Bismarck.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein schwarz-seidener und ein heller Damen-Sonnen- schirm (in einem Laden stehen geblieben). Ein eiserner Einhängehacken.

Verloren: Ein schwarzes Notizbuch.

Hanau am 24. September 1887.

Tagesschau.

Berlin, 23. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen heute den aus den Manövern zurückgekehrten kommandirenden Ge­neral des Garde-Corps, General der Infanterie v. Pape, sowie den dies­seitigen Botschafter in St. Petersburg, v. Schweinitz, und sodann den bei der Botschaft in Rom kommandirten Major vom Generalstab, v. Engel­brecht. Auch nahmen Se. Majestät die Meldungen des General-Lieutenants z. D. von Salmuth und zahlreicher Offiziere entgegen, darunter diejeni­gen zweier dänischen Offiziere, welche den Manövern des Garde-Corps beigewohnt hatten.

Berlin, 23. Septbr. Die nächste Bundesrathssitzung findet spä­testens nächsten Dienstag statt und wird sich neben der Beschlußfassung über die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes in Berlin und Hamburg und der Besetzung zweier Rathsstellen am Reichsgericht mit der Frage des vorläufigen Inkrafttretens der Ausführungsbestimmungen für die Branntweinsteuer beschäftigen.

Berlin, 23. Sept. Sämmtliche Morgenblätter bringen anläßlich des heutigen Ministerjubiläums des Reichskanzlers Huldigungsartikel, worin sie die Verdienste Bismarcks, dessen Name untrennbar verknüpft sei mit der glorreichsten That Deutschlands in diesem Jahrhundert, hervor­heben, seine auf Bewahrung des Friedens gerichtete Thätigkeit besonders betonen und rückhaltloses Vertrauen auf die' Führung der Nation in der gegenwärtigen schweren Zeit durch den Reichskanzler bekunden. Es stehe in der Nation die Würdigung seiner Thaten längst fest, welche durch kein Jubiläum mehr gesteigert werden könne.

Friedrichsruhe, 23. Sept. Das Ministerjubiläum des Reichs­kanzlers wuroe im engen Kreise begangen. Von einer offiziellen Feier war abgesehen. Die Familie des Reichskanzlers war vollzählig anwesend. Vom Kaiser waren ein Glückwunschschreiben und ein Geschenk eingegangen; ebenso hatten die Ministerkollegen ihrem Präsidenten Glückwünsche gesandt; außerdem trafen zahllose schriftliche und telegraphische Glückwünsche von nah und fern ein. Prinz Wilhelm wird um fünf Uhr erwartet. Prinz und Prinzessin Wilhelm und Prinz Heinrich sind Nachmittags 4^2 Uhr zur Beglückwünschung des Fürsten Bismarck auf dem festlich ge­schmückten Bahnhöfe eingetroffen, von dem Fürst Bismarck und seiner Gemahlin und dem Grafen Herbert Bismarck empfangen und begrüßt. Die Prinzessin fuhr nach kurzem Aufenthalt nach Potsdam weiter. Unter den brausenden Hochrufen der zahlreich versammelten Menge fuhr Prinz Wilhelm mit der Fürstin Bismarck gemeinsam, Prinz Heinrich mit dem Fürsten von Bismarck gemeinsam nach dem Schlosse. Die Abreise der bei­den Prinzen erfolgt im Laufe des Abends. (Fr. N.)

Die Münchener Abgeordnetenkammer hat die Branntweinsteuer- vorlage mit der überraschend großen Mehrheit von 133 gegen 18 Stim­men angenommen. Der weitaus größte Theil des Centrums und auch der deutsch freisinnigen Partei hat also für das Gesetz gestimmt. Tamit ist die Ausdehnung der Branntweinsteuerreform auf das gesammte Reichs­gebiet entschieden, eine der werthvollsten politischen und finanziellen Er-