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Nr. 22 2

Freitag den 23. September

1887.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Der Tagelöhner Karl Friedrich Frisch körn aus Neuenhaßlau, geboren am 1. Juni 1837, hat sich aus hiesiger Stadt entfernt und seine beiden unversorgten Kinder der Armenpflege anheim fallen lassen. Es wird ersucht nach dem Aufenthaltsorte des Frischkorn zu fahnden und im Ermittelungssalle Nachricht hierher zu geben.

Hanau am 21. September 1887.

Der Königliche Landrath

P. 5678 Gf. Bismarck.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher veranlasse ich hier­durch, die sämmtlichen Quittungen rc. über gelieferte Marschfourage und gestellten Vorspann, sowie die Quartierbescheinigungen bis längstens zum 2». d. M. an mich einzusenden.

Hanau am 22. September 1887.

Der Königliche Landralh

M. 4175 * Gf. Bismarck.

Unter Bezugnahme auf die Mittheilung vom 30. April d. J. in Rr. 106 des Kreisblattes benachrichtige ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, daß der Obergärtner Heinrich Anfangs Oktober d. I. zum Zwecke der Bereifung der Allee- und Straßen-Bauwpflanzungen im Kreise eintreffen wird. Den Gemeinden, Vereinen und Privat-Obstbaum- besitzern ist Gelegenheit gegeben, mit dem genannten Obergärtner in Ver­kehr zu treten und bei Anlage und Unterhaltung von Obstpflanzungen dessen Rath einzuholen.

Etwaige dieserhalbige Wünsche bitte ich mir j bis Ende d. Mts. mitzutheilen.

Hanau am 20. September 1887.

Der Königliche Landrath

V. 4834 __________Gf. Bismarck.__________________

t Fünfundzwanzig Jahre.

Nachdem der Prinz Adolph zu Hohenlohe - Jngelfingen auf sein wiederholtes Gesuch von dem Vorsitz im Staatsministerium entbunden, habe Ich den Wirklichen Geheimen Rath von Bismarck-Schönhausen zum Staatsminister ernannt und ihm den interimistischen Vorsitz des Staats- winisteriums übertragen. Wilhelm."

Also lautete die Cabinetsordre vom 23. September 1862, durch welche unser nunmehriger Reichskanzler Fürst Bismarck mit der Leitung der Staatsgeschäfte vor fünfundzwanzig Jahren betraut wurde. Ein Blick in jene Zeit, wo diese Ernennung erfolgte, stellt uns den gewaltigen Ab- stand vor Augen, in welchem sich das heutige Preußen und Deutschland von der damaligen Zeit innerer Zerrissenheit und äußerer Ohnmacht be­findet, läßt uns aber auch die Riesenkraft geistigen Schaffens und Kön­nens erkennen, welche in diesem Zeitraum im Dienste des Königs und zur Ehre des engeren wie des gemeinsamen deutschen Vaterlandes unab­lässig gewirkt hat und von so wunderbaren Erfolgen begleitet gewesen ist.

Auf die hohen Verdienste unseres leitenden Staatsmannes brauchen wir nicht im Einzelnen hinzuweisen. Jeder kennt sie, Jeder fühlt sie, der fähig ist, sich des unermeßlichen Unterschiedes bewußt zu werden, welcher die heißen Zeitpunkte von einander trennt. An dem Fest seines fünfund- zwanzigjährigen Tienstjubiläums als preußischer Ministerpräsident kann die Bewunderung der lebenden Generation für den Fürsten nicht größer sein als zu jeder anderen Zeit, seitdem wir die Früchte genießen können, welche seine Arbeit gezeitigt hat. Aber das Gefühl des Dankes hat heute nicht nur ein Recht, sondern auch die Pflicht, lebendiger hervorzutreten, wo für sein arbeitsames Leben ein Zeitabschnitt ein tritt, wie ihn selten ein leitender Staatsmann, auch wenn er nur auf geringe Erfolge Hinwei­sen konnte, erlebt hat. Fürst Bismarck bedarf freilich, wie er oft ge^ äußert hat, des Dankes nicht; wenn Einer, dann kann er das Gefühl der Gerugthung für das, was er mit Aufopferung aller seiner Geistes- und Körperkraft geschaffen, in sich selbst tragen. Aber jede echte Preuße und Teutsche stillt das Bedürfniß in sich, gerade an diesem Tage ihm Dank dorzubringen, weil er, er gehöre einer Partei an, welcher er welle, ange- uchts der großen geschichtlichen Thatsachen, die sich in dem hinter uns lugenden Zeitraum vollzogen haben, der Wahrheit die Ehre geben und orethnnen muß, daß, wenn Preußen und Deutschland heute so mächtig m der Welt dasteht, dies vor Allem auch dem großen Meister der Staats­

kunst zu verdanken ist, welcher Preußen und Deutschland aus inneren Drangsalen und äußeren Stürmen trotz vieler Hindernisse und Wider­wärtigkeiten bis hierher zu lenken verstanden.

Unser Blick wendet sich aber heute keineswegs nur in die Vergan­genheit zurück. Fürst Bismarck steht wir dürfen es mit Dank gegen Gott sagen heute noch auf dem Gipfel seines Könnens und Schaffens und denkt und wirkt weiter im Dienste seines Kaisers, die verschlungenen Fäden der auswärtigen Politik mit kundiger Hand entwirrend, um dem neuen Reiche das kostbare Gut des Friedens zu erhalten, und im Innern rastlos an der Sicherung und Erstarkung unseres Gemeinwesens arbeitend, um es stürm- und wetterfest für die Zukunft zu machen. Und so dürfen wir an seinem Jubeltage mit vollem Vertrauen in die Zukunft blicken und dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck geben, daß die mühevolle Ar­beit des Fürsten wie bisher, so auch in weiterer Folge gesegnet sein und reiche Früchte tragen möge. Dazu möge ihm vor Allem der Allmächtige auch ferner Kraft und Gesundheit geben, und dazu möge ihm auch in der Sinnesart seiner Mitbürger ein immer fruchtbarerer Boden erwachsen!

Tagesscha«

Berlin, 22. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen heute den kommandirenden General des I. Armeekorps, General der Infanterie v. Kleist, aus Anlaß der Ernennung desselben zum Chef des 7. Ostpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 44. Demnächst arbeiteten Se. Majestät mit dem Chef des Militärkabinets.

Berlin, 21. Sept. Die kostbaren Geschenke, welche der Kaiser von China unserm Kaiser zum neunzigsten Geburtstage übersandt hat, sind jetzt aus China hier eingetroffen. Voraussichtlich wird der hiesige chinesische Gesandte dieselben in feierlicher Audienz dem Kaiser am Samstag überreichen.

Berlin, 22. Septbr. Der Königlich großbritannische Botschafter am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Sir Edward Malet, hat einen ihm von seiner Regierung bewilligten Urlaub angetreten. Während der Abwesen­heit desselben von Berlin fungirt der Botschafts-Sekretär Scott als inte­rimistischer Geschäftsträger.

Berlin, 22. Sept. DiePol. Nachr." weisen auf die ver- schiedentliche Bestätigung der Nachricht von der Wiederaufnahme der Un­terhandlungen wegen einer russischen Anleihe in Paris hin und wiederholen, eine so günstige Gelegenheit zur wenigstens theilweisen Entäußerung der russischen Werthe, wie die jetzige, wo der Pariser Finanz daran liegen müsse, den russischen Kurs möglichst zu halten, dürfte sich sobald schwerlich wieder finden.

Nach dem neuen Terminkalender für die Verwaltungsbeamten sind in Preußen Regierungs-Assessoren vorhanden 242 gegen 226, 187, 171, 155 und 121 in den Vorjahren bis 1882 zurück. Ihre Zahl hat sich also in den letzten 5 Jahren verdoppelt. Die Zahl der Regierungs­Referendare beträgt zur Zeit 360 gegen 339, 258, 259, 238 und 154 in den Vorjahren bis 1882 zurück.

Der in Deutschland viel besprochene und in letzter Zeit nament­lich von der Frankfurter Handelskammer angeregte Plan, Antwerpen durch einen Kanal mit dem Rheine zu verbinden, macht vielen Franzosen schlaf­lose Nächte. Der St. Gotthard, so sagt man, habe bereits Marseille zu Gunsten von Genua übervortheilt und die französische Regierung müsse nun zusehen, daß nicht den französischen Kanalhäfen ähnliche Nachtheile zu Gunsten Antwerpens zugefügt würden. Paris zum Seehafen zu machen und die Häfen am Kanal noch weiter auszubauen, wird als Gegenmittel gegen denvor keinem Mittel zurückschreckenden" deutschen Wettbewerb empfohlen.

Das Befinden des vor etwa drei Wochen auf der Jagd er­krankten Abgeordneten Hobrecht hat sich so weit gebessert, daß der Kranke seit ein paar Tagen wieder das Bett verlassen konnte.

Kiel, 22. Sept. Der Prinz und die Prinzessin Wilhelm begaben sich zur Werft Germania in Gaarden, wo die Kriegsschiffe salutirten. Punkt elf Uhr bestieg die Prinzessin die Taufkanzel und taufte den PanzerkreuzerErsatz Ariadne":Prinzessin Wilhelm". Der glückliche Stapellauf des Schiffes erfolgte unter den Klängen der Nationalhymne und tausendstimmigem Hurrah. (Fr. N.)

Kiel, 22. Sept. Der Prinz und die Frau Prinzessin Wilhelm sind heute Morgen um 9'/s Uhr hier cingetrcffcn und am Bahnhof vom Prinzen Heinrich, der Admiralität, dem Oberpräsidenten und denS pitzen