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Nr. 220

Mittwoch den 21. September

1887.

BekarmtMachungen Königl. LsndraLhsamLs.

Ausschreiben.

Peth, Wilhelm, von Ober-FIörsheim, Schuhmacher, Marktplatz Nr. 8 in Bockenheim wohnhaft gewesen, 63 Jahre alt, mittelgroß, graues Haar und solchen Schnurrbart, schlechte Zähne, Glatze, trug dunklen An­zug, kleinen schwarzen Filzhut, wird seit dem 3. d. Mts. vermißt. 12177 iil.

Geiß, Margaretha Katharina, von hier, 20 Jahre alt, mittelgroß, schwarzbraune Haare, schlechte Zähne, bekleidet mit braungrauem Kleid, braunem Strohhut, auf der rechten Wange ein linsengroßes schwarzes Fleckchen, hat sich am 27 v. Mts. heimlich von hier entfernt. 12697 III.

Um Anhaltung Beider sowie um Nachricht wird ersucht.

Frankfurt a. M., den 17. September 1887.

Königl. Polizei-Präsidium.

Das Ausschreiben des Königlichen Polizei-Präsidiums zu Frankfurt a. M. ist zu veröffentlichen.

Hanau am 20. September 1887.

Der Königliche Landrath

P. 5706_________________Gf. Bismarck.________________________

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Kinderschuh. Zwei goldene Brochen. Ein Paar graue Handschuhe. Ein schwarzes Damen-Rädchen. Ein gelbes Armband. Ein carrirtes Taschentuch. Ein Süddeutsches Eisenbahn-Kursbuch.

Zugelaufen: Ein kleiner rehbrauner Hund mit gestutzten Ohren und Ruthe.

Entlaufen: Ein schottischer Hühnerhund (Fuchs-Ra?e) m. Geschl.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 4 M.

Hanau am 21. September 1887.

Tagesschau.

Berlin, 20. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König hör­ten heute die Vorträge des Chefs des Militärkabinets, Generals v. Albe- dyll, und des Chefs der Admiralität, General - Lieutenants v. Caprivi. Später empfingen Se. Majestät den russischen Militärbevollmächtigten, Grafen Golönitschew-Kutusow.

Berlin, 20. Sept. Der hiesige amerikanische Gesandte George H. Pendleton ist vom Urlaub nach Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Berlin, 20. Septbr. Der DampferHohenstaufen" mit den abgelösten Besatzungen S. M. KreuzerMöwe" undAdler" hat am 18. September von Aden die Heimreise fortgesetzt. Der DampferHohen- zollern" mit der abgelösten Besatzung S. M. S.Olga" (Bismarck" undSophie") ist am 19. September er. in Bremerhaven eingetroffen.

Berlin, 20. Sept. Das hiesige Kammergericht hat die Revision, welche der Redakteur derFreisinnigen Zeitung", Barth, gegen das Ur­theil eingelegt hat, das ihn wegen der bekannten Meldungen über den Militärbevollmächtigten Villaume in Petersburg zu vierwöchentlicher Hast verurtheilte, verworfen und das Erkenntniß der ersten Instanz bestätigt.

Berlin, 20. Sept. DieBerliner Politischen Nachrichten" mel­den, die wieder aufgenommenen Verhandlungen wegen einer russischen An­leihe in Paris ließen neuerdings die Realisirung des Projektes hoffen. Es sei zu wünschen, daß sich diese Hoffnung erfülle, da, je breiter der Markt der russischen Werthe werde, desto eher die deutschen Kapitalbesitzer sich wenigstens eines Theiles ihres Besitzes an solchen Werthen ohne zu empfindliche Einbuße entledigen könnten. (Fr. N.)

Potsdam, 20. Sept. Ihre Königliche Hoheit die Herzogin von Connaught ist heute Morgen gegen 9 Uhr hier eingetroffen, auf dem Bahnhof von Ihren Königlichen Hoheiten der Prinzessin Friedrich Carl sowie dem Erbgroßherzog und der Erbgroßherzogin von Oldenburg em­pfangen worden und hat Sich alsbald nach dem Jagdschloß Glienicke be- geben.

Die beiden Landtagssitze von Neuwied und Altenkirchen, welche im Jahre 1885 bei einem Verhältniß von .241 zu 241 Wahl- wännern durch die Entscheidung des Zufalls dem Centrum anheimfielen,

sind jetzt von der nationalliberalen Partei gewonnen worden. Die Wahl­prüfung erwies eine Anzahl von Formfehlern wegen deren die Urwahlen in mehreren Bezirken für ungiltig erklärt werden mußten. Die dort voll­zogenen Neuwahlen haben nun das Ergebniß gehabt, daß sechs Wahl­männer dem Centrum ab- und der nationalliberalen Partei zuzuschreiben waren; die nationalliberalen Candidaten werden also bei der Hauptwahl am 30. ds. mit 247 gegen 235 Stimmen an die Stelle der Herren Rintelen und van Vleuten treten. Bemerkenswerth ist, daß gerade das Dorf Rheinbrohl, in welchem der bekannte Glockenstreit sich abspielte, die wesentliche Entscheidung gegeben hat; dort, wo früher nur ultramontan gewählt wurde, sind jetzt vier liberale Wahlmänner durchgedrungen. (K. Z.)

Metz, 20. Sept. DieLothringer Zeitung" meldet: Der sechzehn­jährige Sohn des Polizeikommissars Schnäbele aus Pont-ä-Mousson ist gestern in Cheminot verhaftet worden. Derselbe hatte am 14, September aufrührerische Plakate mit französischen Nationalfarben an einen Baum auf der Landstraße von Cheminot nach Pont-ü-Mousson geheftet. Als er gestern in Begleitung zweier Studenten über die Grenze kam, wurde er bis zur Ankunft von Gensdarmen von Grenzwärtern angehalten. Heute erfolgte seine Anlieferung in das Bezirksgefängniß zu Metz.

Dresden, 20. Sept. Graf Kalnokp ist heute Vormittag nach Wien abgereist.

Dessau, 18. Sept. Seit einigen Tagen erhalten verschiedene Leute hier Brandbriefe, in denen ihnen mitgetheilt wird, daß ihr Besitzthum in Flammen aufgehen solle. Die Drohungen werden auch leider verwirk­licht, denn ein Schadenfeuer folgt dem andern. Erst gestern brannten in der Schulstraße abermals drei Häuser nieder, deren Besitzer vorher Brandbriefe bekommen hatten. Auch in der Umgegend scheint der Brand­stifter sein Unwesen zu treiben, denn in Kötnitz Jinb gestern ebenfalls sechs Häuser durch Brandstiftung eingeäfchert.

München, 20. Sept. Der Minister des Aeußeren legte nach den Fr. N." dem Landtage einen Gesetzentwurf vor, betreffend den Ausbau der im Interesse der Landesvertheidigung erforderten zweigeleisigen Ver­bindungsbahnen mit Württemberg, Baden und Hessen. Der Gesammt- bedarf ist auf 5 392 000 Mark veranschlagt, außerdem eine vierprozentige Zinsgarantie zum Antheil der pfälzischen Eisenbahngesellschaften zu 551 800 Mark. Der Finanzminister legte ferner den Gesetzentwurf zur Stabilisirung des Biermalzaufschlags mit sechs Mark vom Hektoliter un­gebrochenen Malzes vor.

München, 20. Sept. Wie dieNeuesten Nachrichten" melden, hatte der deutsche Botschafter in Konstantinopel, v. Radowitz, der Vor­mittags aus Berlin hier eingetroffen war, eine längere Unterhaltung mit dem hier seit einigen Tagen weilenden russischen Botschafter in Konstan­tinopel, Nelidow.

In Reichenberg fand eine Versammlung von 48 nordböhmischen Ortsgruppen des Schulvereins statt. Bürgermeister Schücker begrüßte Namens der ersten deutschen Stadt Böhmens den Ortsgruppentag als eine Kundgebung der Einigkeit der Deutschen bei der Abwehr des gemeinsamen Feindes. Der secessionistische Abgeordnete Prade brächte einen Trinkspruch auf die Wiener Centralleitung aus. Die Wiener Vorstände Weitlof, Gros und Eckel, ebenso Sagner aus Görlitz als Vertreter des Allgemeinen Deutschen Schulvereins wurden mit stürmis em Beifall ausgenommen. Gestern Nachmittag beendigte ein großes Volksfest diese glückliche Besiege- lung der erneuerten Einigkeit.

Kopenhagen, 20. Septbr. Prinz Maximilian von Baden traf gestern hier ein, machte dem König einen Besuch und empfing den Besuch des Kronprinzen von Dänemark und des Königs von Griechenland. Abends wohnte der Prinz mit der Königlichen Familie der Mikado-Vor­stellung im Theater bei. Für heute ist derselbe zur Hoftafel in Fredens- borg geladen.

Paris, 19. Sept. In diesen Tage» wird abermals ein Mobil­machungsversuch stattfinden. Der Kriegsminister will nämlich eine Ab­theilung Eisenbahnarbeiter einberufen. Der Sammelplatz ist in Satory bei Versailles, die Kosten werden auf 120000 Fr. veranschlagt.

Sonthampton, 20. Sept. Bei der gestrigen Probefahrt des Ropal-Mail Company-DampfersElde" in der hiesigen Bai, um ei. >n neuen Maschinenkessel zu prüfen, explodirte der Kessel. Acht Personen wurden gelobtet, darunter der Obermaschinist. (Rh. K