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Nr. 215
Donnerstag den / 5. September
1887.
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesehes vom 21. Oktober 1878.
Auf Grund der §§. 11, 12 und 15 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21, Oktober 1878 (20. April 1886) wird die hierselbst am 1. September 1887 erschienene Nr. 69 des 6. Jahrgangs des „Norddeutschen Wochenblatts", welche in dem Artikel „Zum Todestage Ferdinand Lasialle's" sozialistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer die Eintracht der Bevölkerungsklaffen gefährdenden Weise zu Tage treten läßt, und dieserhalb von der hiesigen Polizeibehörde beschlagnahmt ist, hiermit verboten.
Bremen den 3. September 1887.
Die Polizeikommission des Senats.
Teten s. Schultz.
KekmmtmkchmMn Kimigl. Lanmaihsamts.
Ausschreiben.
Colporteur Heinrich Müller, geboren zu Paderborn, wohnhaft in Darmstadt, welcher Bilder zu Gunsten eines Kirchenbaus vertreibt, wird seit Juli l. Js. vermißt und vermuthet, daß demselben ein Leid zugestoßen sei. Derselbe ist 41 Jahre alt, von mittlerer Größe, schlanker Statur, hat ovale Gesichtsform, blaue Augen, hellblonde Haare, mit beginnender Glatze auf dem Vorderkopf, starken hellblonden Schnurrbart und war bekleidet mit schwarzem steifen Filzhut mit runder Krone, gelbem bezw. schwarzen Taillenrock, graufarbigcn gesprenkelten Hosen und Zug- stiefeln.
Man ersucht ergebenst um Anordnung geeigneter Recherchen nach dem Verbleib des Vermißten und Mittheilung vom Resultat.
Darmstadt, den 10. September 1887.
Grobherzogliches Polizeiamt.
Das Ausschreiben des Großh. Polizeiamts zu Darmstadt ist zu veröffentlichen.
Hanau am 13. September 1887.
Der Königliche Landrath
P. 5584. Gf. Bismarck.
Nenst-WchrWen aus dem Artist-
Gefunden: Ein Pack defekte Kleidungsstücke, als: Rock, Hose, Hemd, Halstuch rc. Ein Portemonnaie mit Geld. Eine Halskette von Elfenbein. Eine Ledertasche (auf der Post liegen geblieben). Ein Regenschirm (in einem Laden stehen geblieben). Zwei Heustränze. Eine Knabenmütze. Ein Kinderlaschentuch.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Pudel. Ein kleiner gelber Hund; beide m. Geschl.
Hanau am 15. September 1887.
Tagesschau.
Stetti«, 14. Sept. Kaiser Wilhelm ertheilte im Laufe des Vormittags mehrere Audienzen. Für Morgen Nachmittag 1 Uhr hat der Pasewalker Reiferem ein Rennen auf dem hiesigen Rennplatz veran- anstaltet Der Kaiser hat den Besuch deffelben in Aussicht gestellt. — Das heutige Corpsmanöver gegen einen markirten Feind begann um lO'/i Uhr Vormittags bei Brunn. Brunn, von der Avantgarde des markirten Feindes besetzt und befestigt, wurde vom 2. Armeecorps von Wamlitz und Sparrenfelde aus angegriffen. Eine Attaque der Kavalleriebrigade wurde abgeschlagen, ebenso der erste Angriff der Infanterie. Der zweite Angriff der Infanterie gelang, nachdem der rechte Flügel verstärkt war. Sodann ging die Kavallerie zur Verfolgung, vor. Das Manöver, welchem auch Prinz Leopold beiwohnte, schloß um 12^4 Uhr. Prinz Wilhelm führte das Grenadierregiment König Friedrich Wilhelm IV." Das anfänglich herrschende Regenwetter hatte sich gegen Mittag aufge- .heitert. ...... ..... (F. N.)
Berlin, 13. Sept. Minister v. Puttkamer, der den Manövern in Ostpreußen beigewohnt hatte, ist gestern von Königsberg hierher zurückgekehrt.
Der General Graf von Werder ist am Montag, gerade an seinem 79. Geburtstag, auf seinem Gute Grüffow im Kreise Belgard in Folge eines Schlaganfalles gestorben. Seine hohen Verdienste um unser Vaterland, die in der Eroberung von Straßburg und in dem erfolgreichen Widerstand gegen die Bourbakische Armee in der dreitägigen Ver- theidigungsschlacht an der Lisaine ihren hervorragendsten Ausdruck gefunden haben, werden in der deutschen Geschichte unvergessen bleiben. Nach dem Feldzug war er bis zum Jahre 1879, wo er in den Ruhestand trat, der kommandirende General des badischen Armeekorps. Viele Städte, Karlsruhe, Freiburg, Stettin, Gräfrath, haben ihn zu ihrem Ehrenbürger, die Universität Freiburg zum Ehrendoktor ernannt. Das Fort IX in Metz führt seinen Namen; in Freiburg ward ihm 1876 ein Denkmal gesetzt. Seit 1871 war er Chef des 4. Rheinischen Infanterie- Regiments Nr. 30. Die Herrschaft Grüffow erwarb er im Jahre 1879; seitdem lebte er in stiller Zurückgezogenheit auf seinem Schlosse. Ein Grundzug seines Wesens war echte Frömmigkeit, die er niemals öffentlich zur Schau trug. Pflichttreue, Wahrheitsliebe, Offenheit, dazu Herzens- güte und liefes Gemüth zeichneten ihn aus. Für seine Leute war er in allen Lagen des Lebens ein jederzeit bereiter Helfer. Er hinterläßt einen Sohn, Hauptmann der Reserve im Garde-Füsilier-Regiment, und drei Enkelkinder.
Kiel, 14. Septbr. Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich ist mit der ersten Torpedobots-Division heute früh aus Wilhelmshaven hier eingetroffen.
Der als welfischer Agitator bekannte Pastor a. D. Grote, kurze Zeit in Hannover Bürgervorsteher, der 1872 nach seiner Verur- theilung in einem politischen Prozesse nach der Schweiz flüchtete und von dort aus literarisch im Sinne der welfischen Partei thätig war, ist dem „Hann. Courier" zufolge fin Basel an einem Schlaganfall im 62. Jahre verstorben.
München, 14. Sept. Die Thronrede des Regenten kündigt an, trotz der günstigen Finanzlage seien Angesichts der steigenden Reichsund Staatsausgaben neue Einnahmen zu beschaffen. Hierbei komme zunächst der Beitritt zum Norddeutschen Branntweinsteuergesetz in Betracht. Bayern werde sich dem nicht entziehen können, sowenig der Regent auch bei aller Vertragstreue für das Reich dem Aufgeben eines Reservatrechtes zugeneigt sei. Der Regent hofft, das Gesetz wegen der Zustimmung Bayerns zur Branntweinsteuer werde vor dem ersten Oktober angenommen sein. Hierdurch würden die Mittel beschafft zur Gehaltsbesserung der Geistlichen, Lehrer und instabilen Staatsbediensteten. Unter voller Zustimmung zur socialpolitischen Reichsgesetzgebung kündigt die Rede Gesetze an, betreffend eine Kaffe für die Invaliden- und Reliktenversorgung der ständigen Arbeiter bei den Staatseisenbahnen, ferner über die Besserung der Beförderungsverhältnisse und eine Erhöhung der Bezüge der bei den Staatsverkehrsanstalten Angestellten, ferner über die Erbauung mehrerer Lokalbahnen, den Ausbau der landwirthschaftlichen Gesetzgebung und die Ausführung der Unfall- und Krankenversicherung. Bezüglich der nächstjährigen Ausstellung in München werden dem Landtag Forderungen zugehen. Endlich wird eine Aenderung des Paragraphen 18 Titel 2 der Verfassungsurkunde wiederum vorgelegt, da dieselbe zur Beseitigung unhaltbarer Zustände auf dem Gebiete des Heimathswesens wie für die Verwaltung des staatlichen Immobiliarbesitzes nothwendig sei. Die Thronrede schließt mit dem Tank für die vielen Beweise rührender Anhänglichkeit bei der Rundreise des Regenten. (F. N.)
München, 13. Sept. Die Abgeordneten Bücher und Ritller haben mit 5 konservativen Abgeordneten eine Fraktion gebildet, die als „freie Vereinigung" bezeichnet wird.
Nürnberg, 13. Sept. Die 41. Hauptversammlung des Gustpv- Adolf-Vereins wurde heute Nachmittag durch feierliche Begrüßung der Versammlung im großen Rathhaussaale eröffnet. Nach dem Vorsitzenden des Ortsausschusses und dem Vorsitzenden des Ansbacher Hauptvereins, Ccnsistorialrath Bürger, ergriff der Bürgermeister v. Stromer das Wort, um den Verein im Namen der an evangelischer Erinnerung so reichen Stadt Nürnberg willkommen zu heißen. Regierungsrath v. Götz aus