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Mittwoch den 14. September

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1887.

BekanntMOchAngen Königl. LemsrathHamts.

Die Herren Bürgermeister weile ich hierdurch zur strengen Beach­tung des §. 4 der Regierungs-Polizei-Verordnung vom 30. März c. (Amtsblatt Nr. 28 unv Hanauer Anzeiger Nr. 140) an, wonach alle Fuhrwerke, namentlich auch die Fracht- und Bestellsuhrwerke, vom Eintritt der Dämmerung bis zur beginnenden Tageshelle auf der linken Seite mit einer hellbrennenden Laterne versehen sein müssen. .

Hanau am 10. September 1887.

Der Königliche Landrath

P. 5548 Gf. Bismarck.

Tagesschau.

Stettin, 13. Sept. Die Kaiserparade auf dem Krekower Felde ist, wie dieFr. N." schreiben, bei prachtvollem Wetter glänzend ver­laufen. Kaiser Wilhelm traf kurz nach 11 Uhr auf dem Paradefelde ein und fuhr, von der Kaiserin und der Prinzessin Wilhelm in einem Sechsspänner und den Prinzen Wilhelm und Leopold zu Pferde begleitet und von einer glänzenden Suite gefolgt, zunächst die in zwei Treffen auf­gestellten Armeekorps entlang, dann ließ er die Truppen zweimal in Parademarsch vorbeidefiliren. Bei beiden Vorbeimärschen führte Prinz Wilhelm die Königsgrenadiere, Moltke sein Kolberger Regiment, vor dem Kaiser vorüber. Beim ersten Vorbeimarsch der Königinkürassire verließ der Kaiser den Wagen, ging zum daneben haltenden Wagen der Kaiserin, salutirte und blieb am Wagen der Kaiserin stehen, bis das Regiment vorbeipassirt war. Während der beiden Vorbeimärsche stand der Kaiser fast ununterbrochen. Gegen l3/* Uhr war der zweite Vorbeimarsch be­endigt. Der Kaiser fuhr dann die Front der Kriegervereine entlang. Ununterbrrochene enthusiastische Hochrufe begleiteten diese Fahrt.

Berlin, 13. Sept. (K. Z.) Fürst Bismarck wird sich heute Abend mit dem Hamburger Expreßzuge nach Friedrichsruh begeben, wo er für die nächste Zeit sich mit der Frau Fürstin aufzuhalten beabsichtigt. Er wird vom Chef der Reichskanzlei Geheimrath Dr. v. Rottenburg begleitet sein. Am hiesigen Hofe sind mit aufrichtiger Freude die Berichte ver­folgt worden, die hier über das große Interesse eingelaufen sind, das der Prinz Ludwig von Bayern bei seiner Theilnahme an den diesjährigen Seemanövern der Entwicklung der kaiserlichen Marine entgegengebracht hat. Der bayrische Thronfolger hat es verstanden, sich rasch die Sym- pathieen unserer Marinekreise zu erwerben. Die Frau Prinzessin Friedrich Karl feiert morgen ihren fünfzigsten Geburtstag.

Berlin, 13. Sept. Fürst und Fürstin Bismarck reisten heute Nachmittags 5% Uhr nach Friedrichsruhe ab.

Berlin, 13. Sept. Wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" bört, erwartet der Reichskanzler von der Kissinger Kur einen guten Er­folg. Vor der Hand macht sich die ermattende Wirkung der Bäder geltend, so daß der Kanzler genöthigt gewesen ist, die Einladungen zu den Festlichkeiten abzulehnen, welche in Königsberg und Stettin anläßlich der Manöver von den Provinziallandtagen und den städtischen Verwal­tungen veranstaltet wurden.

Berlin, 13. Sept. DieNordd. Allgem. Ztg." bemerkt zu der Mittheilung der Blätter, daß die Erhöhung einzelner Offiziergehälter be­absichtigt werde, das Gerücht scheine bisher nur in Reporterkombinationen seinen Ursprung zu haben.

Berlin, 13. Sept. Der vortragende Rath im Justiz Ministerium, Geheime Ober-Juktizrath Hoffmann, ist am 11. d. Mts. Hierselbst ver­storben.

In denBerl. Pol. Nachr." lesen wir: In Preußen finden I seit 1879 alljährlich Aufnahmen des Bestandes der Dampfmaschinen und Dampfkessel statt. Dieselben erfolgen nach den Hauptgruppen der stehen­den Dampfkessel und Dampfmaschinen, der beweglichen Dampfkessel und Lokomobilen, der Schiffsdampfkessel und Schiffsdampfmaschinen. Die ersten beiden Gruppen, stehende Dampfkessel und Dampfmaschinen, geben ein Bild , der Anwendung der Dampfkraft in der Produktion, während die, beweglichen Dampfkessel und Lokomobilen zum größeren Theil und die Schiffskessel und -Maschinen ausschließlich dem Verkehr! dienen.

Da die erstmalige Aufnahme, der Stand vom Anfang 1879, also unmittelbar vor dem auf den Schutz der nationalen Arbeit gerichteten Zolltarif stattfand, bietet der Vergleich des Ergebnisses der damaligen Aufnahme mit dem der letzten, den Stand Anfang 1887 betreffenden Ermittelung einen nicht unwesentlichen Beitrag zu Beurtheilung der Frage, wie Deutschlands Production und Verkehr sich unter der Herrschaft der Schutzpolitik entwickelt hat. Die Zahl der stehenden Dampfkessel hat sich von 32 411 auf 44 207 Stück, also um erheblich über 36%, diejenige der Dampfmaschinen von 29 895 auf 41 736 Stück, also um nahezu 40% vermehrt. Die beweglichen Dampfkessel stiegen im Verlauf von 7 Jahren von 5536 auf 10 891, also um beinahe 100%, die der Schiffsdampfkessel von 702 auf 1408 Stück oder mehr als lOO°/o, die­jenige der Schiffsdampfmaschinen endlich von 623 aus 1172 Stück oder um etwa 9O°/o.

Diese Zahlen verstehen sich einschließlich der Dampfmaschinen und Dampfkessel und Marineverwaltung und gewinnen noch dadurch an Ge­wicht, daß in neuerer Zeit mehrfach zu der Ersetzung mehrerer kleiner Kessel und Maschinen durch eine große Anlage geschritten worden ist, mithin die Vermehrung der in den Dienst der Produktion und des Verkehrs gestellten Dampfkraft größer ist, als sie die Zahl der Kessel und Maschinen erscheinen läßt. Wenn andererseits auch nicht überall die Vermehrung der Dampfkräfte gleichbedeutend ist mit der ent­sprechenden Steigerung der Produktion und des Verkehrs, was z. B. mit von dem Uebergang von der Segelschifffahrt zum Dampfbetrieb herrüht, so ist doch der Schluß gerechtfertigt, daß die mit Dampfkraft arbeitende Produktion und der entsprechende Verkehr einen das An­wachsen der Bevölkerung um das sehr Vielfache übersteigenden Aufschwung genommen haben.

In einem Dorfe bei Epfnrt fiel ein neunjähriger Knabe bei dem sog.Purzelbaum Schlagen" dergestalt nieder, daß er das Rückgrat brach.

Straszburg, 13. Sept. DieStraßburger Post" meldet, daß der Unterstaatssekretär Back in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden ist, sodaß ihm nichts mehr im Wege steht, sein Amt als Bürgermeister von Straßburg zu behalten.

München, 12. Sept. Der Prinz Regent nahm heute Mittag 12 Ubr in feierlicher Audienz von dem apostolischen Nuntius Ruffo Scilla dessen Akkreditive entgegen.

München, 13. Sept. (K. Z.) Bayerns Antheilnahme an dem Branntweinsteuergesetz ist in das am Donnerstag der Kammer vorzu- legende Budget schon eingestellt. Der Gesetzentwurf über den Anschluß Bayerns enthält nur einen Artikel. Die Centrumsfraktion hat heute Abend eine Vorbesprechung. Die Kammer wäre schon morgen beschluß­fähig, die erste Sitzung findet aber erst Donnerstag statt.

Cannstatt, 13. Sept. Nach dem amtlichen Ergebniß der am 9. d. M. im zweiten würtembergischen Wahlkreise stattgehabten Reichs­tagswahl wurden im ganzen 13027 Stimmen abgegeben, von denen Land­gerichtsrath Veiel in Stuttgart (Nat.-Lib.) 10 204, Boßert (Sozialdem.) 2735 und Posthalter Retter (Demokrat) 63 Stimmen erhielt. Ersterer ist mithin gewählt.

Wien, 13. Sept. Der Statthalter von Elsaß-Lothringen, Fürst Hohenlohe, ist heute Morgen mit seiner Gemahlin nach Warschau gereist.

Wien, 13. Sept. (K. Z.) Kalnockys Besuch bei Bismarck ist nunmehr festgesetzt: er findet nächster Tage statt. Ein Brief der Pol. Corr." aus Petersburg drückt das Befremden russischer Regierungs- kreise uus, daß die angebliche Kaiserbegegnung fast ausschließlich politisch aufgefaßt werde, während doch die Verwandschast und die persönlichen Beziehungen ausreichenden Grund bieten. Es liegt nichts vor, was zur Aenderung der zwischen Deutschland und Rußland bestehenden vollständig befriedigenden Beziehungen in irgend einem Sinne Anstoß geben könnte. Prinz Ferdinand soll vertraulich bei den kleinen Orientstaaten Rumänien und Serbien seine Anerkennung betreiben, jedoch vergeblich.

, Toblach, 13. Sept. Die Frau Ecbprinzessin Charlotte von Meiningen ist, nach derKöln. Z" auf der Durchreise nach Venedig heute Nachmittag hier eingetroffen uno gedenkt Abends die Reise über München fortzusetzen.

Agram, 13. Sept. Der kroatische Agitator, Abgeordneter David