Abonnements-
Preis:
Zabrlich 9 Mark. Halbj.4M. 50Pfg.
Vierteljährlich
L SJiart 25 Pfg. Für auswärtige
Abonnenten
Mit dem betreffenden Poftaufschlag. Die einzelne Nummer 10 Pfg.
Zugleich Amtliches §>rgan für Staöt- unö LanöKreis Kerucru.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
JnsertionS-
PreiS:
Die ispaltige Garmondzeile ob. deren Raum
10 Pfg.
Die Sspalt. Zeile 20 Pfg.
Die SspaltigeZeile 30 Pfg.
Nr. 208
Mittwoch den 7. September
1887.
Amtliches.
Bekanntmachung.
In der Provinz Hessen Nassau sind:
1) der Weingutsbefitzer Eduard Wuppermann zu Rüdesheim,
2) Dr. C. Plitt zu Bievenkopf,
als weitere Sachverständige behufs Untersuchung und Feststellung von Reblaus Jnfectionen ernannt worden.
Cassel den 28. August 1887.
Der Ober-Präsident In Vertrttung
___________________gez.: Polen.____________________________
Bekanntmachungen Kömgl. Land; athsamts.
Der Sackträger unv Fuhiknecht Friedrich Hasecke aus Fürstenberg, geboren am 28. September 1843, hat sich aus hiesiger Stadt entfernt und sich dadurch seinen Pflichten gegen seine zwei hier in Pflege gegebenen Kinder entzogen.
Es wird ersucht nach dem Aufenthaltsort des Hasecke zu fahnden und im Ermittelungsfalle Nachricht hierher zu geben.
Hanau am 1. September 1887.
Der Königliche Landrath
P. 5422________________Gf. Bismarck.
Menst-Nachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.; Empfangnahme bei Ackermann Philipp Traxel II. zu Langendiebach. Ein kleiner weiß und schwarzer Hund und ein gelber Spitz, beide m. Geschl.
Gefunden: Zwei Notizbücher. Am 2./9. er. auf dem Friedhofe: eine Denkmünze von 1636. A t rothe Steine. Eine Knabenmütze mit Futteral.
Hanau am 7. September 1887.
Tagesschau.
Berlin, 6. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Polizei-Präsidenten Frhrn v. Richthofen, nahmen in Gegenwart des Gouverneurs und des Kommandanten militärische Meldungen und demnächst den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Generals u Albedyll entgegen. Hierauf empfingen Se. Majestät den General Arzt Dr. Wegner, nach desien Rückkehr aus England. — Beide Majestäten sind Abends 7 Uhr nach Schloß Babelsberg abgereist.
Berlin, 5 Sept. Fürst und Fürstin Bismarck werden in der zweiten Hälfte dieser Woche Kissingen verlassen. Die verzögerte Zusammenkunft mit dem Grafen Kalnoky soll noch in diesem Monat stattfinden. Die Verzögerung beruht, wie glaubwürdig versichert wird, auf rein äußerlichen Gründen.
Berlin, 6. Sept. S. M. Schiffsjungen-Schulschiff „Ariadne", Commandant Capitän z. S. Barandon, ist am 5. September ds. Js. in Madeira eingetroffen. Der Dampfer „Hohenzollern" mit der abgelösten Besatzung S. M. S. „Olga" („Bismarck" und „Sophie") ist am 5. September in Genua eingetroffen und hat an demselben Tage die Heimreise fortgesetzt.
Die „Nationalliberale Korrespondenz" äußert sich über die gescheiterte Spiritusgesellschast folgendermaßen: An dem wunderlichen Lärm der deutschfreisinnigen Presse war jedenfalls das Wunderlichste, daß man gar nicht bedacht hatte, wie sehr man auf einen sonst bei jeder Gelegenheit so hoch gepriesenen Ruhmestitel der alten Fortschrittspartei lvshieb. Oder steckte in dem Spiritus-Gesellschastsprojekt im Grunde etwas Anderes, als jener Genossenschaftsgedanke, den vor einem Menschen- alter Schulze-Delitzsch den Handwerkern und Arbeitern predigte? Ganz speziell genommen, hat nicht auch das Schulze Delitzsch'sche System den Handwerkern die Errichtung gemeinschaftlicher Verkaufsmagazine zur Erzielung besserer Preise empfohlen? Und wo ist es da einem fortschrittlichen Blatt eingefallen, über die Gefahr von „Privatmonopolen" zu schreien oder von Verletzung der berechtigten Interessen des Zwischenhandels zu reden? Was das letztere anlangt, so sind bekanntlich die nach Schulze-Delitzsch'schem Muster geschaffenen Konsumvereine der Abscheu zahlloser Kleinkrämer, deren rechtmäßiges Einkommen sie allerdings in
vielen Fällen erheblich geschmälert haben. Wer aber hat je aus fortschrittlicher Feder ein Verdammungsurtheil über die Konsumvereine gelesen ? Nun, was dem einen recht ist, ist dem andern billig — diesen Satz wird doch am wenigsten eine „freisinnige" Partei mißachten wollen! Wenn die Konsumenten berechtigt sind, Vereinigungen zur Erzielung niedrigerer Preise zu bilden, wie sollten die Produzenten ihrerseits sich nicht ebenfalls zur Erzielung höherer Preise zusammenschließen dürfen? Das letztere ist nicht nur jedenfalls ebenso berechtigt, es kann auch unter Umständen als allgemein volkswirthschaftlich nützlich, ja nothwendig erscheinen. Unsere extrem freihändlerische Opposition thut immer, als ob ein ungemessenes Sinken des Preises der Verbrauchsgegenstände der Inbegriff einer gedeihlichen Wirthschaftsentwickelung fet. Ueber solch kurzsichtige Einseitigkeit ist gar nicht erst zu reden. Es giebt immer eine Grenze, unter welche der Marktpreis der Waaren wichtiger Produktionszweige nicht sinken darf, ohne daß das Gemeinwohl Schaden leidet. Darin liegt einer der unbestreitbaren Berechtigungsgründe von Schutzzöllen, welche einen durch ausländische Zufuhr bewirkten übertriebenen Preisdruck zu verhindern bestimmt sind.
Königsberg, 5. Sept. (K. Z.) Die Stadt ist überaus prächtig geschmückt, die Häuser sind bekränzt und beflaggt, die Stimmung der Bevölkerung ist eine gehobene. In den Straßen herrscht musterhafte Ordnung. Fünfzig Ehrenjungfern empfingen den Prinzen Albrecht an der Ehrenpforte. Eine Tochter des Bürgermeisters Hoffmann begrüßte Se. k. Hoheit und der Bürgermeister Hoffmann hielt eine Ansprache an denselben. Der Prinz erwiderte mit herzlichem Dank für den ihm bereiteten Empfang und sagte: „Noch gestern Abend hat Se. Majestät mich beauftragt, der Bürgerschaft Königsbergs das tiefste Bedauern darüber auszusprechen, daß es ihm nicht möglich gewesen ist, wie er bestimmt gehofft, die Stadt zu besuchen, mit welcher ihn so viele trübe wie freudige und herzliche Erinnerungen verknüpften " An der Tribüne auf dem Kantplatze, wo der Magistrat und die Stadtverordneten Aufstellung genommen hatten, begrüßte Stadtverordnetenvorsteher Weller den Prinzen folgendermaßen: „Königliche Hoheit! Unser Schmerz, Se. Majestät unsern allergnädigsten Kaiser und Herrn heute nicht begrüßen zu können, wird dadurch gemildert, daß Se. Majestät Ew. Königliche Hoheit mit Aller- höchstdero Vertretung beauftragten. Ew. k. Hoheit wollen mir gnädigst gestatten, Sie im Namen der städtischen Behörde hiesiger Residenz- und Krönungsstadt ehrerbietigst begrüßen zu können und diesem Gruß dadurch die rechte Weihe zu geben, indem ich rufe: Se Majestät unser allergna- digster Kaiser und König lebe hoch!" Auch Prinz Albrecht stimmte in das vieltausendstimmige Hoch ein und antwortete: „Ich danke Ihnen im Namen Sr. Majestät für den wunderschönen Empfang, den die Stadt Königsberg mir bereitet, und Sie dürfen überzeugt sein, daß ich Sr. Majestät davon Meldung machen werde. Ich danke Ihnen nochmals." Hierauf brächte der Stadtverordnetenvorsteher Weller ein Hoch auf den Prinzen Albrecht aus, in welches die Bevölkerung begeistert einstimmte. Bei der Ankunft des Prinzen beim Schlöffe präsentirte die Ehrenwache, der Prinz nahm die Parade über dieselbe ab und unterhielt sich sodann mit vielen Offizieren seiner Umgebung. Hierauf zog der prächtige Festzug der Gewerke und Corporationen vor dem Prinzen vorüber.
Königsberg, 6. Sept. Bei der heutigen Kaiserparade stand das Armeekorps in zwei Treffen. Nachdem Prinz Albrecht die Fronten abgeritten, fand ein zweimaliger Vorbeimarsch statt. Der Prinz äußerte sich hoch befriedigt und bemerkte, er glaube bestimmt annehmen zu können, daß der Kaiser, wenn Allerhöchstdemselben es vergönnt gewesen wäre, die Parade abzunehmen, dasselbe günstige Urtheil gefällt haben würde. Jedenfalls werde er nicht verfehlen, sofort Sr. Majestät telegraphisch über die vorzügliche Haltung der Truppen Bericht zu erstatten. Morgen 'Vormittag iährt Prinz Albrecht zu den Korpsmanövern bei Knöppelsdorf. Nachmittags 5 Uhr findet Diner statt, wozu die Spitzen der Zivilbehörden ge'aden finb. (Fr. N.)
Danzig, 6. Sept. Prinz Albrecht antwortete auf telegraphische Anfrage, er werde nicht nach Danzig kommen.
Wilhelmshaven, 6. S pt Das Angriffsgeschwader ist heute früh zum Beginn der Manöver in See gegangen. Pnnz Ludwig von Baiern, der während seines Aufenthaltes hier der Reihe nach alle Marine-Etablissements eingehend bFichtigt hatte, befand sich an Bord des Panzerschiffes Kaiser.