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Nr. 192
Freitag den 19. August
1887.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise-
Gefunden: Eine Brille. Ein Köcher. Zwei Geldstücke. Ein schwarzes Eiswolltuch. Ein Ohrring.
Hanau am 19. August 1887.
Bekanntmachung.
Wir machen darauf aufmerksam, daß an unserer Gerichtstafel, an der zu öffentlichen Bekanntmachungen bestimmten Stelle der Gemeinde Hanau und in dem Anzeiger des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Casiel Behufs Grundbuchregulirung in der Gemarkung Hanau ein Aufgebot von uns erlassen ist.
Hanau den 17. August 1887.
Königliches Amtsgericht III.
7777 Fuchs. Jordan.
Tagesschau.
Potsdam, 18. Aug. Im Marmorsaale des Königlichen Stadtschlosses fand heute Mittag die Nagelung und feierliche Weihe der den neuen Regimentern und Bataillonen verliehenen Fahnen statt. Kaiser Wilhelm ließ sich bei der Feier durch den Prinzen Wilhelm vertreten. Außerdem nahmen an der Feier Theil: die Kaiserin, die Frau Prinzessin Wilhelm, die Frau Prinzessin Friedrich Carl, die Prinzen Friedrich Leopold und Alexander, ferner die im Gardecorps dienenden und zur Zeit bei ihren Truppentheilen anwesenden Prinzen aus regierenden deutschen Häusern, sämmtliche activen Generale der Berliner und hiesigen Garnison, die Generaladjutanten, die Generale ä la Suite und die Flügeladjutanten des Kaisers. Nachdem Prinz Wilhelm auf sede der auf Tischen aufgelegten neuen Fahnen den ersten Nagel im Namen des Kaisers eingeschlagen hatte, schlug die Kaiserin den zweiten Nagel ein. Hierauf folgten der Prinz Wilhelm mit einem Nagel für den Kronprinzen, einem Nagel für die Kronprinzessin, einem dritten für sich und mit je einem Nagel für jeden seiner vier Söhne, sodann die Frau Prinzessin Wilhelm und die übrigen Prinzen und Prinzessinnen nach ihrer Rangordnung sowie die Prinzen und Prinzessinnen deutscher Häuser, endlich die Generalität, die Regimentskommandeure und die zur Feier commandirten Offiziere und Fahnen-Unteroffiziere. An die Nagelung der Fahnen schloß sich ebenfalls im Marmorsaale die kirchliche Feier zur Weihe der Fahnen, die vom Feldpropst Dr. Richter vorgenommen wurde. Die neuen Fahnen wurden nach dem Schlüsse der kirchlichen Feier durch d e Leib-Compagnie des ersten Garderegiments zu Fuß nach dem Exercierhause gebracht, wo dieselben von den Regiments- Commandeuren übernommen wurden. Im Bronzesaale des Stadtschlosses fand hierauf für die Theilnehmer an der Feier ein Frühstück von 120 Gedecken statt. —---------
Berlin, 18. August. Ee. Majestät der Kaiser und König begrüßten, wie der „R. u. St-A." meldet, vorgestern Abend auf Schloß Babelsberg Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, Allerhöchstwelche Abends 8 Uhr daselbst eintraf. Auch Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Wilhelm, die Prinzissin Friedrich Carl, sowie die Prinzen Friedrich Leopold und Alexander nebst den Hofstaaten waren zur Begrüßung Ihrer Majestät anwesend. Gestern nahmen Se. Majestät der Kaiser in Folge einer durch die schroffen Wetterkontraste entstandenen leichten Erkältung keine Vorträge entgegen.
Berlin, 17, Aug. Die „Nat.-lib. Korr." schreibt: „Als Zeitpunkt der Einberufung des Reichstages ist, wie man in unterrichteten parlamentarischen Kreisen annimmt, Anfang November in Aussicht genommen, während der preußische Landtag erst Mitte Januar 1888 zusammentreten dürfte. Die parlamentarische Zeiteintheilung, wie sie sich in den letzten Jahren festgesetzt hat, würde also beibehalten werden. Eine Vorlage über die Alters- und Jnvalidenversorgung der Arbeiter soll mit Sicherheit in der bevorstehenden Reichstagssession zu erwarten sein. Von größeren Vorlagen für den Landtag verlautet noch nichts. Von einer neuen kirchenpolitischen Vorlage soll nicht die Rede sein."
Der „Magd. Ztg." wird aus Berlin berichtet: Die Londoner Nachrichten über das Befinden des Kronprinzen lauten andauernd günstig. Er würde durchaus im Stande sein, schon jetzt nach Deutschland zurück-
zukehren, allein die Frau Kronprinzessin unterstützt nachdrücklichst den Wunsch der Aerzte, die Nachkur möchte so lange wie irgend möglich ausgedehnt werden. Es handelt sich nur noch um die Kräftigung der bisher kranken Theile des Halses, die in schottischer Luft auf das Erfolgreichste bewirkt werden kann. Zur Erreichung der ursprünglichen Frische des Stimmorgans ist nach ärztlichem Dafürhalten das Verweilen in der Zu- rückgezogenheit angebracht, wo zu häufigem Sprechen der äußere Anlaß fehlt. Es handelt sich um eine gründliche Kur, welche Rückfälle beseitigen soll. Der Kronprinz selbst wünscht, nach seiner Wiederkehr durch keinerlei Störung an sein Leiden erinnert zu werden, und deshalb fügt er sich willig in alle ärztlichen Anordnungen. Bisher hat nicht das geringste Anzeichen die Wahrscheinlichkeit von Neubildungen verrathen.
Das Eisenbahn-Regiment ist noch niemals derartig mit Arbeiten überhäuft gewesen, wie gerade jetzt. Zwölf von den gesummten 16 Kompagnien sind auf Kommando oder mit der Ausführung größerer Bauten betraut. Die 1., 2., 5. und 14. Kompagnie bauen an der Verlängerung der Militärbahn vom Schießplatz nach Jüterbogk. Jeden Morgen fährt ein Extrazug die Mannschaften von Schöneberg zur Arbeitsstätte, von wo sie erst Abends zurückkehren. Die 6. Kompagnie ist in Spandau, um bei der dortigen Zitadelle Brückenbauten auszuführen. Das gesammte 3. Bataillon, mit Ausnahme weniger zurückgebliebener Mannschaften weilt in Mecklenburg, um die Strecke Schwerin-Korow zu bauen, und je eine Kompagnie der drei übrigen Bataillone marschirt jeden Tag nach der Hasenheide, wo z. Z. die Schießstände für das Regiment vergrößert werden und umfangreiche Erdarbeiten auszuführen sind.
Kiel, 17. Aug. Brieffendungen für S. M. Kreuzerfregatte Blücher sind bis zum 19. d. nach Kiel, von da bis auf weiteres nach Swine- münde zu richten.
Dem Reichskanzler Fürsten Bismarck, über dessen Befinden aus Kissingen gute Nachrichten einlaufen, stehen für den Herbst ds. Jhrs. zwei Festtage bevor. Am 23. September vor 25 Jahren ist er in das preußische Ministerium eingetreten und am 8. Oktober vor 25 Jahren hat er die Präsidentschaft im Ministerium übernommen. Wie aus Berlin mitgetheilt wird, gedenkt der Kanzler die beiden Tage nicht in Berlin, sondern in Friedrichsruhe oder Schönhausen zu verleben. Am Dienstag Vormittag ist Prof. Dr. Schweninger beim Fürsten Bismarck in Kissingen eingetroffen. (Dfz.)
Kissingen, 17. Aug. Mit dem 5 Uhr Nachmittags hier ein- treffenden Bahnzuge ist Graf Wilhelm v. Bismark mit Gemahlin von Hanau aus, wie verlautet zum mehrtägigen Besuche des fürstlichen Vaters, hier angelangt. Geheimrath v. Rottenburg holte die Gäste vom Bahnhöfe hier ein. Seit gestern früh befindet sich Professor Schweninger in der Umgebung des Fürsten. (K Z.)
Brannschweig, 17. Aug. Der Personenzug Braunschweig- Hannover überfuhr gestern Abend gegen 10 Uhr in der Nähe von Bechelde bei einem Straßenübergange ein Schlächterfuhrwerk. Der Führer des Wagens, ebenso das Pferd und eine auf dem Wagen befindliche Kuh wurden sofort getötet. (K Z.)
Wien, 18. Aug. Das „Fremdenblatt" konstatirt gegenüber bezüglichen unrichtigen Meldungen, daß das Konsularkorps in Rustschuk anläßlich des Empfanges des Prinzen von Koburg weder geflaggt habe, noch erschienen, noch überhaupt aus äußerster Reserve herausgetreien sei.
Auf dem Genfer Bundesschietzen, welchem nicht nur schweizerische, sondern auch französische und deutsche Schützen beiwohnten, haben die Franzosen eine kleine Lehre erhalten. Dieselben verfehlten während des Festes nicht, überall, und selbst häufig auf störende Weise, die Mar- saillaise spielen zu lassen oder sie singend anzustimmen. Als sich nun ein kleiner Trupp Deutscher die Freiheit nahm, seinerseits — und zwar sehr anständig und keineswegs herausfordernd — die „Wacht am Rhein" zum Besten zu geben, wollten die anwesenden Franzosen dies nicht dulden und machten Miene, den „Prussiens" ihr Mißfallen thätlich zu bezeugen. Aber da legten sich Schweizer Schützen ins Mittel und erklärten kurz und bündig, was dem einen recht, sei dem anderen billig, und wie sie vorher die^Marsaillaise gesungen, sangen sie nun mit den Deutschen die Wacht am Rhein.
Der General Faidherbe, Großkanzler der Ehrenlegion, läßt erklären, er hätte der Patriotenliga niemals angehört und deshalb auch