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Nr. 179

Donnerstag den 4. August

1887.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Für die diesjährige Badezeit werden zur Verhütung von Unglücks­fällen und zur Wahrung des Anstandes beim ^ Baden die nachstehenden Vorschriften in Erinnerung gebracht:

1) das Baden in der Kinzig und in den Stadtgräben ist gänzlich verboten;

2) außerhalb der öffentlichen Bade- und Schwimmanstalten darf im Main nur an denjenigen Plätzen gebadet werden, welche durch am Ufer stehende Pfähle als ungefährlich und erlaubt bezeichnet sind;

3) Kindern unter 14 Jahren ist das Baden nur unter Aufsicht er­wachsener Personen gestattet;

4) das Baden im offenen Main längs der Philippsruher Straße, des Schlosses Philippsruhe und des dazu gehö­rigen Schloßgartens, sowie

5) das Baden im offenen Main, Rumpenh eim gegenüber, ist verboten.

Uebertretungen dieser Vorschriften oder Ungebührlichkeiten gegen den mit Handhabung der Ordnung beauftragten Badeaufseher werden mit Geldstrafe von mindestens einer Mark oder bei Unvermögen mit Haft geahndet.

Hanau am 8. Juni 1887.

Der Königliche Landrath Gf. Bismarck.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises habe ich heute die Bescheide auf die Klassensteuer-Reklamationen pro 1887/88 zugesandt, um die Aus­fertigungen über Steuer-Ermäßigungen und Befreiungen zu den Belägen der Klassensteuer-Abgangslisten zu nehmen und danach in den Listen das Nöthige zu wahren, vorher jedoch den Reklamanten Kenntniß davon zu geben.

Die zurückweisenden Bescheide sind den betreffenden Reklamanten alsbald einzuhändigen und ist mir bis spätestens zum 14. d. Mts. be­achtlich anzuzeigen, an welchem Tage die Behändigung stattgefunden hat und die Benachrichtigung der Ermäßigten erfolgt ist.

Hanau am 1. August 1887.

Der Königliche Landrath

St. 1390 Gf. Bismarck.

Tagesschau.

Berlin, 3. August. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen, wie derR. u. St.-A." aus Bad Gastein meldet, gestern Abend den Thee bei der Gräfin Lehndorff ein. Die Spazierfahrt unterblieb des Regens wegen und aus demselben Grunde auch heute früh, nach dem Bade, die Promenade. Im Laufe des heutigen Vormittags nahmen Se. Majestät Vorträge entgegen.

Berlin, 3. Aug. DerReichsanzeiger" meldet: Der Kaiser er­nannte zum Präsidenten des Kuratoriums der physikalisch-technischen Reichs­anstalt den Geheimen Oberregierungsrath Weymann, zu Mitgliedern des Kuratoriums den Obersten Schreiber, den Kapitän zur See Mensing, den Geheimen Oberpostrath Maßmann, die Professoren Förster, Helmholz, Landolt, Bezold, Paalzow und Helmert, den Geheimen Regierungsrath Siemens, die Optiker Füß und Bamberg, sämmtlich in Berlin, die Pro­fessoren Neumayer (Hamburg), Clausius (Bonn), Kohlrausch (Würzburg), Seeliger (München), Zeuner (Dresden), Dietrich (Stuttgart), Grashof (Karlsruhe), Abbe (Jena), Kundt (Straßburg), die Optiker Steinheil (München) und Repfold (Hamburg).

Berlin, 3. August. Der Botschafter der Französischen Republik am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Mr. Jules Herbette, hat einen von seiner Regierung ihm bewilligten Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit desselben von Berlin fungirt der Botschasts-Rath Raindre als interimisti­scher Geschäftsträger.

Berlin, 3. August. Die Post von dem am 22. Juni von Syd­ney abgegangenen Reichs - PostdampferSalier" trifft, wie derReichs- anzeiger" meldet, am 3. d. M. in München ein und gelangt für Berlin am 4. August früh zur Ausgabe.

Dem kommandirenden General des 4. Armeekorps Grafen Blnmen-

thal ist zu seinem Jubeltage folgende Cabinetsordre des Kaisers zuge­gangen: Ich spreche Ihnen zum 30. dieses Monats, dem Tage, an wel­chem vor 60 Jahren Ihre an hohen Verdiensten und Ehren so reiche Dienstzeit begann, Meine wärmsten und herzlichsten Glückwünsche aus und wünsche, daß Mein beifolgendes Bild Ihnen noch recht lange und dem­nächst Ihren späteren Nachkommen vor Augen stellen möge, wie Ihr Kö­nig Ihres hervorragenden Antheils an drei ruhmvollen Kriegen und Ihrer für alle Zeiten auf den Ehrentafeln der Armee verzeichneten Dienste jederzeit mit wärmstem Dank und hoher Anerkennung eingedenk gewesen ist. So lange Gottes Wille uns noch beisammen läßt, immer Ihr dank­barer König Wilhelm.

München, 3. August. Se. Königl. Hoheit der Prinz Wilhelm von Preußen ist heute früh hier eingetroffen, hat mit Sr. Hoheit dem Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha am Bahnhof das Frühstück eingenom­men und ist mit demselben dann über Murnau weitergereist, um an einer Gebirgsjagd auf Hochwild theilzunehmen. Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich hat sich heute Vormittag 11 Uhr nach Tegernsee begeben. Se. Königliche Hoheit der Prinz-Regent Luitpold ist nach Tölz abgereist.

Wien, 3. Aug. DasFremdenblatt" erfährt von gut unter­richteter Seite, Prinz Ferdinand von Coburg sei nicht abgereist, auch der bulgarische Minister des Aeußeren Natschewitsch befinde sich noch hier und werde noch mehrere Tage hier verweilen.

Gastein, 3. August. Das Befinden des Kaisers Wilhelm ist vorzüglich. Die Zusammenkunft mit dem Kaiser von Oesterreich findet am nächsten Samstag Mittags 12 Uhr unmittelbar nach der Ankunft des Kaisers von Oesterreich statt.

Bern, 3. Aug. (K. Z.) Schon in der nächsten Woche erfolgt die Prüfung des Anschlusses der italienischen Linien an die Simplonbahn seitens italienischer Regierungsingenieure.

Paris. 3. Aug. Alle Zeitungen beschäftigen sich in endlosen Aus­führungen mit dem gescheiterten Duell Ferry-Boulanger, so daß für Katkow wenig Raum übrig bleibt und einige denselben vollständig ver­gessen. Bezüglich des Duells gehen die Ansichten der Gelehrten auseinan­der, je nach der Partei, der sie angehören. Bezeichnend für die franzö­sische Duellauffassung ist die Vertheidigung der Freunde Ferrys, die naiv erklären, daß Ferrys Secundanten zu der Ablehnung vollständig berechtigt gewesen seien, da der Zweikampf unter den von Boulanger gestellten Bevingungen einen ernsten Ausgang hätte haben können, was weder der Geringfügigkeit der Beleidigung noch den französischen Sitten entsprochen hätte. (K. Z.)

Paris, 2. Aug. Die Nachricht von dem Tode Kattkoffs hat hier einen deprimirenden Eindruck gemacht So bedeutungslos das Er- eigniß an sich ist, bleibt immerhin die Thatsache charakteristisch, daß die hiesige chauvinistische Presse so viel Aufhebens davon macht. Das Journal Paris" schreibt z. B. unter der Überschrift:Zu viel Glück.":

Katkoff ist todt. Die Deutschen können sich beglückwünschen. Noch ein Feind, der verschwindet. Sie sahen, Einen nach dem Andern, alle die sterben, deren Einfluß oder Genie sie fürchteten und sie sahen sie gerade in dem Momente sterben, wo sie ihnen am meisten furchtbar er­schienen. Erst Skobeleff, dann Gambetta, dann Chanzy und Heule Kat­koff. So mögen sie sich denn freuen und in vollen Zügen den Geruch des newn Kadavers einathmen; er muß gut riechen, denn er hat sie gründlich verabscheut. Aber ihr mysteriöses Glück wird nicht verhindern, daß die Ereignisse sich erfüllen. Frankreich ist mit Gambetta nicht ge­storben. Ebenso kann der Tod Katkoffs an der russischen Politik nichts ändern. Die Stärke des Journalisten-Apostels lag in der Sache, die er vertrat und diese Sache, die Sache des unabhängigen Rußlands, als eines aktiven Element des europäischen Gleichgewichts, ist in dem Zaren verkörpert, der die Macht und auch den Willen hat, dieselbe zum Triumph zu führen."

Die Patriotenliga bat vor dem Tode Katkoff's folgende Depesche nach Moskau geschickt:Das leitende Comitä der Patriotenliga, das auf die Nachricht von dem gefährlichen Zustande des hervorragenden russischen Patrioten Katkoff eine außerordentliche Sitzung hielt, richtet an ihn wie an alle die Seinigen den Ausdruck seiner glühendsten Wünsche für die Wiederherstellung einer Gesundheit und für die Rettung eines