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Nr. 175.
Samstag den 30. Juli
1887.
Bekanntmachungen KönigU Lanörathsamts.
Bekanntmachung.
Am 28. Mai d. Js. wurde im hiesigen Stadtwalde die Leiche eines unbekannten Mannes erhängt aufgefunden, welche folgendermaßen beschrieben wird: ca. 50—60 Jahre alt, 1,75 Mtr. groß, von kräftiger Statur, mit magerem bartlosen Gesichte, stark ergrauten Haaren, blaugrauen Augen und fast zahnlosem Munde. Bekleidet war die Leiche mit dunkelgrauem Jaquet, dunkelbrauner Weste und Hose, wollenen Strümpfen, schweren ledernen Schnürschuhen, blau- und rothkarrirtem baumwollenen Hemd, weißem Vorhemdchen — Chemisette —, schwarzer Cravatte und schwarzem runden Hut. In den Taschen fanden sich vor: eine Schnupftabaksdose von Horn, ein leeres Brillen-Futteral, zwei Schlüssel und ein Notizbuch, auf dessen Deckel mit Bleistift geschrieben steht: „Adolf Böhlen, Breslau". Ferner steht darin geschrieben, daß er aus Schwermuth und Tiefsinn den Selbstmord begangen habe und daß seine Angehörigen die Beerdigungskosten erstatten würden.
Nach Auskunft des Königlichen Polizei-Präsidii zu Breslau ist der Name Böhlen dort nicht vertreten.
Um Auskunft wird ersucht, falls die Person des Verlebten bekannt sein sollte.
Frankfurt a/M., den 20. Juli 1887.
Königliches Polizei-Präsidium.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 29. Juli 1887.
Der Königliche Landrath
P. 4554 Gf. Bismarck.
Nachdem in Mahlitsch bei Dommitzsch, Kreis Torgau, das Auftreten des Kartoffelkäfers auf einer größeren Fläche konstatirt ist, nehme ich Veranlassung unter Hinweisung auf die Reg.-Pol.-Verordnung vom 12. September 1877 (Amtsbl. S. 317), die Anzeigepflicht bei Entdeckung des Käfers betr., sowie auf das Regierungs-Ausschreiben vom 12. August 1879 (Amtsblatt S. 363), die Beschreibung des Käfers betr., die Aus- merksamkeit der Herren Ortsvorstände auf diesen Gegenstand zu lenken, mit der Aufforderung, im Falle etwaiger Wahrnehmungen des Käfers mir umgehende Anzeige zu erstatten.
Hanau am 26. Juli 1887.
Der Königliche Landrath
V. 3630 Gf. Bismarck.__
Vienft-Uachnchten aus dem Kreise.
Gesunden: Zwei Kindertaschentücher. Ein WeißesKettenarmband mit Kugel. Ein Armband (Reifform). Eine kurze Kette.
Verloren: Ein weißes Perlmutter-Federmesser mit 2 Klingen (vermuthlich zu Wilhelmsbad auf dem Turnfest). Ein kleines Portemonnaie mit 50—60 Pf.
Hanau am 30. Juli 1887.
T a g e s s ch a «.
Berlin, 29. Juli. Zum gestrigen Diner bei Sr. Majestät dem Kaiser und König, um 4 Uhr, waren, wie der „R. u. St.-A." aus Bad Gastein meldet, der Oberst-Lieutenant v. Villaume, der Prinz von Thurn und Taxis und der General v. Osten-Sacken geladen. Den Thee nahmen Se. Majestät Abends bei der Gräfin Lehndorff ein. Heute Morgen 8 Uhr nahmen Se. Majestät der Kaiser ein Bad, machten, begleitet von dem General - Adjutanten Grafen Lehndorff und dem Oberst - Lieutenant von Villaume, von 10 bis 11 Uhr einen Spaziergang auf der Kaiserpromenade und hörten sodann den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Generals v. Albedpll.
Berlin, 29. Juli. Kaiser Wilhelm, der gestern bereits sein 8. Bad genommen und in demselben eine gute Viertelstunde zugebracht hat, gedenkt mit dem 21. Bade seine Kur in Gastein zu beenden und die Rückreise nach Schloß Babelsberg anzutreten. Vor Ankunft des Kaisers dürfte bereits die Kaiserin, von Homburg kommend, auf Babelsberg eintrcffen, um den erlauchten Monarchen bei seiner Rückkehr in die Heimath zu begrüßen.
Berlin, 29. Juli. Der Dampfer „Salier" mit den abgelösteN Kommandos S. M. Kreuzer „Nautilus" und „Albatroß", ist am 29. Juli er. in Port Said eingetroffen und an demselben Tage wieder in See gegangen.
Berlin, 29. Juli. Ein Kommando der Luitschiffer-Abtheilung ist gestern Abend zur Theilnahme an der Belagerungsübung nach Mainz abgerückt.
Berlin, 29. Juli. (K. Z.) Die ungünstigen Nachrichten über das Befinden des Königs der Niederlande bestätigen sich. Wenn auch eine unmittelbare Lebensgefahr nicht vorhanden sein soll, so ist doch bei dem vorgerückten Alter des erkrankten Monarchen eine plötzliche schlimmere Wendung nicht ausgeschloffen. Der König hat bekanntlich nur eine Tochter, die 7jährige Prinzessin Wilhelmine, die Erbin der holländischen Krone. Im Großherzogthum Luxemburg, wo bekanntlich das salische Gesetz gilt, ist sie dagegen nicht erbberechtigt. Das Großherzogthum fällt vielmehr nach dem Tode des Königs an den ehemaligen Herzog von Naffau, dessen Erbrecht zweifellos ist.
Berlin, 29. Juli. Die „Post" sagt, das „Petersburger Journal" entblöde sich nicht, in seiner letzten Kundgebung über die hiesigen Angriffe auf den russischen Kredit das Vorgehen eines erheblichen Theiles der deutschen Presse als „einfaches Börsenmanöver" zu bezeichnen. Das „Journal" sinke dadurch auf einen Standpunkt, zu dem die „Post" sich nicht herablassen wolle. Das „Journal" möge fortfahren, die Zweifler an der Loyalität der russischen Finanzwirthschaft zu beschimpfen. Der russische Kredit werde darum um nichts besser werden. Der Kredit könne sich erst wieder heben, wenn, wozu es vielleicht mehrerer Generationen bedürfe, das Rechtsgefühl so tiefe Wurzeln in der russischen Gesellschaft geschlagen, daß die Rechtsverachtung, wie sie in dem Ukas vom 26. März sich kundgebe, zu einem Dinge der Unmöglichkeit geworden sei.
Köln, 28. Juli. Die Exkönigin Jsabella von Spanien, welche mehrere Tage hier verweilte und im Hotel du Nord unter anderm Namen abgestiegen war, ist heute Vormittag mit dem Schiffe nach Mainz abgereist. Sie begibt sich von dort nach Schlangenbad zur Kur. Die Königin besuchte den Zoologischen Garten, die Flora, den Dom und machte längere Spazierfahrten in der Neustadt, deren Anlagen ihr besonders gefielen. In mehreren Geschäften machte fie Einkäufe. (K. Z.)
Von Bürgern der Stadt Münster in Westfalen wird die Gründung einer gemeinnützigen Aktien-Baugesellschaft beabsichtigt, welche der ärmeren Bevölkerungsklasse billige und gesunde Wohnungen zu beschaffen bezweckt. Die seit etlichen Jahren außerordentlich lebhafte Bauthätigkeit hat fast nur Miethsgebäude für den begüterten Mittelstand geschaffen; die vorhandenen Arbeiterhäuser sind nicht nur der Zahl nach unzulänglich, sondern bleiben auch zum Theil hinter den bescheidensten baulichen und gesundheitlichen Anforderungen zurück. Die Gebäude sollen innerhalb des Stadtbezirks im Gemisch mit den Wohnhäusern der übrigen Bürgerklassen erbaut werden.
Polnische Blätter theilen mit, daß den Lehrern des Landkreises Posen die Anweisung zugegangen sei, darauf zu halten, daß die Schulkinder in den Stundenpausen unter einander nur deutsch sprechen. Das versetzt die nationalpolnischen Agitatoren natürlich in Hellen Zorn und sie fordern zu um so energischerer Pflege des polnischen Idioms im Hause auf. Die polnischen Agitatoren werden es allerdings nie begreifen wollen, daß polnischen Kindern die Kenntniß Der deutschen Sprache Vortheile in jeder Beziehung für das ganze Leben gewährt, weil sie nur dadurch befähigt werden können, an den Segnungen des Kulturlebens Antheil zu nehmen.
Halle a. d. S., 29. Juli. Die städtischen Behörden unserer Stadt haben dem General Grafen v. Blumenthal anläßlich seines 60jäh- rigen Dienstjubiläums das Ehrenbürgerrecht der Stadt Halle verliehen.
Wnrzen, 29. Juli. Die der hiesigen Actiengesellschaft „Kunst- mühlenwerke vormals Krietsch" gehörige Neumühle ist gänzlich niedergebrannt.
München, 29. Juli. In der Vorstadt Au ist heute Vormittag 11 Uhr ein zweistöckiges Haus eingestürzt. Die Zahl der Verschütteten ist unbekannt. Bis jetzt wurden drei Todte gesunden. (F. I.)
Nürnberg, 28. Juli. Herr Fabrikbesitzer Karl Faber, Mitin-