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Nr. 174
Freitag den 29. Juli
1887.
Bekanntmachungen Kömgl. Lanörathsamts.
Von dem 4. Bataillon des hier garnisonirenden Hessischen Füsilier- Regiments Nr. 80 findet Dienstag den 2. August und Mittwoch den 3. August d. I., jedesmal von 6 Uhr Morgens bis Mittags 1 Uhr, in den oberen Bruchwiesen eine Schießübung mit scharfen Patronen statt.
Die allgemeine Schußrichtung geht von den Schießständen nach Nord-Osten und dem Köbeler Walde. Die nach den Bruchwiesen und in den gefährdeten Theil des Köbeler Waldes führenden Wege werden mit Sicherheitsposten abgesperrt werden.
Die Besitzer der Wiesen werden aufgefordert, sich Montag den 1. August, Nachmittags 5 Uhr, im Wiesenterrain einzufinden, um die Kosten für etwa entstehenden Flurschaden vorher mit dem Bataillon vereinbaren zu können.
Das Betreten des Bruchköbeler Staatswaldes, sowie des Bruchköbeler und Langendiebacher Gemeindewaldes während der vorbezeichneten Zeit wird hierdurch bei Meidung einer Strafe bis zu 9 Mark subs. 3 Tagen Haft untersagt. Den ausgestellten Sicherheitsposten ist bei Meidung gleicher Strafe unbedingt Folge zu leisten.
Die betreffenden Herren Ortsvorstände, insbesondere zu Bruchköbel, Nieder- und Oberissigheim, sowie Langendiebach, haben dies mit der Schelle zur besonderen Kenntniß der Ortseinwohner zu bringen.
Hanau am 27. Juli 1887.
Der Königliche Landrath
M. 3677 Gf. Bismarck.
Am 16. d. Mts. erschoß sich hier am Main ein unbekannter Wann. Derselbe war ca. 30—35 Jahre alt, klein, hatte dunkle Haare, breites Gesicht und war bekleidet mit schwarzem Rock, Weste und Hose, weißbaumwollenen Strümpfen, blauer mit weißen Tupfen versehener Cravatte mit werthloser Vorstecknadel, weißem Hemd ohne Zeichen und roth und weiß gestreiften Hosenträgern. Außerdem führte er bei sich ein weißleinenes Taschentuch und ein kleines rothseidenes Brusttaschentuch, eine vernickelte Uhrkette mit Schützenmedaille.
Der Verlebte scheint dem Arbeiterstande angehört zu haben.
Um Auskunft über die Person des Verlebten wird ersucht.
Frankfurt a/M., den 24. Juli 1887.
Königl. Polizei-Präsidium.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 28. Juli 1887.
Der Königliche Landrath
P. 4555 Gf. Bismarck.
Nachdem in Mahlitsch bei Dommitzsch, Kreis Torgau, das Auftreten des Kartoffelkäfers auf einer größeren Fläche konstatirt ist, nehme ich Veranlassung unter Hinweisung auf die Reg.-Pol.-Verordnung vom 12. September 1877 (Amtsbl. S. 317), die Anzeigepflicht bei Entdeckung des Käfers betr., sowie auf das Regierungs-Ausschreiben vom 12. August 1879 (Amtsblatt S. 363), die Beschreibung des Käfers betr., die Aufmerksamkeit der Herren Ortsvorstände auf diesen Gegenstand zu lenken, mit der Aufforderung, im Falle etwaiger Wahrnehmungen des Käfers mir umgehende Anzeige zu erstatten.
Hanau am 26. Juli 1887.
Der Königliche Landrath
3630__Gf. Bismarck.____
Dienst-Nachrichten aus dem steife.
Gefunden: Ein Visitenkarten-Täschchen mit einer Karte. Ein Dessert-Messer. .Ein Portemonnaie mit Geld.
Hanau am 29. Juli 1887. _________________________
Tagesschau.
Gastein, 28. Juli. Kaiser Wilhelm nahm heute um 8 Uhr ein Bad und machte dann eine Spazierfahrt. Gestern Nachmittag nahm der Kaiser noch den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Wirkl. Geh. Legationsraths v. Bülow entgegen und besuchte Abends eine
Soirge bei der Gräfin v. Lehndorff. An dem gestrigen Diner nahm auch der österreichische General von Ritter Theil.
Berlin, 28. Juli. Die Post sagt gegenüber dem heutigen Artikel des „Journals de St. Petersburg", daß die Rechtsverachtung, welche in dem Ukas vom 26. März er. liege, das tiefste Vertrauen Deutschlands zur Sicherheit russischen Besitzes erschüttert habe. Unter diesem Gesichtspunkte habe der Ukas nützliche Folgen gehabt.
Wie die Danziger Zeitung erfährt, wird Contre-Admiral Pirner, der einen längeren Urlaub angetreten hat, zum lebhaften Bedauern des gesammten Beamtenpersonals der kaiserlichen Werft auf seinen Danziger Posten als Oberwerftdirektor voraussichtlich nicht zurückkehren, da derselbe in den Ruhestand zu treten beabsichtigen soll. AIs Nachfolger des Herrn Pirner in der Oberleitung der hiesigen Werft wird jetzt vielfach der Ca- pitän zur See Frhr. v. Hollen, Schwiegersohn des früheren Chefs der Admiralität v. Stosch, bisher Commandant der Kreuzerfregatte Stein, bezeichnet.
Posen, 26. Juli. „Kuryer" und „Dziennik" theilen mit, daß den Lehrern des Landkreises Posen die Anweisung zugegangen sei, darauf zu halten, daß die Schulkinder in den Stundenpausen untereinander nur deutsch sprechen.
In Weimar ist am 26. Juli im hohen Alter von fast 84 Jahren Frhr. v. Gleichen-Rußwurm, der Schwiegersohn Schillers und Vater des bekannten Berliner Malers, gestorben.
An der Landwirthschaftlichen Akademie in Hohenheim bei Stuttgart ist eine Art Studentenaufstand ausgebrochen. Einer der Studirenden, ein Russe, wurde wegen eines geringfügigen Vergehens (einer nicht besonders erheblichen Ausschreitung gegenüber einem untern Bediensteten der Akademie) durch einen Gendarm der Staatsanwaltschaft überliefert, welche ihrerseits selbst über diese Art des Vorgehens nicht wenig erstaunt gewesen sein soll. In Folge dessen haben von etwa 80 Studirenden gegen 70 ihren Austritt erklärt, und zwar sofort, also kurz vor den bevorstehenden Prüfungen. (M. N. N.)
Paris, 27. Juli. (K. Z.) Als Antwort auf den Brief Cassag- nacs veröffentlicht Laur folgendes Schreiben an seine Zeugen: „Nach viertägigem Warten habe ich den Brief Cassagnacs empfangen. Ich bitte um Verzeihung, daß ich Sie mit einem Menschen in Berührung gebracht habe, der die Regeln des Anstandes so wenig kennt. Er entschlüpft mir, man hatte es mir vorausgesagt. Die Namen, welche er fordert, die unter dem Druck seiner frechen Drohungen zu nennen mir aber die Ehre verbietet, lege ich bei, Caffagnac mag sie auf dem Mensurplatze in dem Augenblick, wo er mir Genugthuung für die doppelte Beleidigung gibt, lesen. Sollte er sich wiederum entziehen, so würde ich das Recht haben, zu behaupten, daß er heute noch demselben Gefühl der Klugheit folgt, dem er gehorchte, als er am Schlachttage in den Kellern von Sedan weilte."
Paris, 28. Juli. Bei einem Danket in Havre hielt der Handels- Minister de H^rddia gestern eine Rede, in welcher er darauf hinwies, daß die Politik der Regierung dahin strebe, auf allen Gebieten das von der Demokratie, welche der fortwährenden Kämpfe müde ser, geforderte Einvernehmen herzustellen. Der Marine Minister Barbey brächte dann einen Toast auf die Marine und die Armee aus. General Guiny erwiderte: die Armee beschränke sich darauf, ihre Aufgabe zu erfüllen, ohne sich mit den inneren Agitationen zu beschäftigen; sie werde unter allen Umständen ihre Pflicht thun. Das Land und die Regierung könnten auf sie zählen.
Paris, 28. Juli. Der Botschafter Raindre reist morgen nach Petersburg, um in Abwesenheit Herbettes die Botschaft zu führen.
London, 28. Juli. In einer gestern in Norwich stattgehabten konservativen Versammlung hielt Lord Salisbury eine Rede, in welcher er sich dahin aussprach, daß Egypten sich jetzt im Zustande vollkommener Ruhe befinde; die Gefahr, von au'stänvischen Stämmen angegriff n zu werden, scheine für das Land ganz und gar beseitigt. Auch mache Egypten dem Anschein nach Fortschritte in der Civilisation, welche die Regierung dem Lande dauernd zu sichern hoffe. England habe durch die Nicht- ratifizirung der englisch - türkischen Konvention von Seiten des Sultans Nichts verloren; Egyyten habe aber durch die Bemühungen Sir Drum-