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Nr. 173.
Donnerstag den 28. Juli
1887.
Bekanntmachungen Königl. Lanorathsamts.
Von dem 4. Bataillon des hier garnisonirenden Hessischen Füsilier- Regiments Nr. 80 findet Dienstag den 2. August und Mittwoch den 3. August d. I., jedesmal von 6 Uhr Morgens bis Mittags 1 Uhr, in den oberen Bruchwiesen eine Schießübung mit scharfen Patronen statt.
Die allgemeine Schußrichtung geht von den Schießständen nach Nord-Osten und dem Köbeler Walde. Die nach den Bruchwiesen und in den gefährdeten Theil des Köbeler Waldes führenden Wege werden mit Sicherheitsposten abgesperrt werden.
Die Besitzer der Wiesen werden aufgefordert, sich Montag den 1. August, Nachmittags 5 Uhr, im Wiesenterrain einzufinden, um die Kosten für etwa entstehenden Flurschaden vorher mit dem Bataillon vereinbaren zu können.
Das Betreten des Bruchköbeler Staatswaldes, sowie des Bruchköbeler und Langendiebacher Gemeindewaldes während der vorbezeichneten Zeit wird hierdurch bei Meidung einer Strafe bis zu 9 Mark subs. 3 Tagen Hast untersagt. Den ausgestellten Sicherheitsposten ist bei Meidung gleicher Strafe unbedingt Folge zu leisten.
Die betreffenden Herren Ortsvorstände, insbesondere zu Bruchköbel, Nieder- und Oberissighcim, sowie Langendiebach, haben dies mit der Schelle zur besonderen Kenntniß der Ortseinwohner zu bringen.
Hanau am 27. Juli 1887.
Der Königliche Landrath
M. 3677 Gf. Bismarck.
Dienst-Nachrichten aus dem Lreise-
Gefunden: Eine Brille mit Futteral. Eine Cigarrenspitze mit Futteral. Ein kleines Portemonnaie mit Geld. Ein Sonnenschirm. Eine defekte Knabenjacke. Eine Serviette. Eine Peitsche. Ein schwarzseidener Regenschirm. Ein goldener Trauring; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Keffelstadt.
Zugelaufen: Ein weiß und roth gefleckter Hund w. Geschl.
Entlaufen zu Langenfelbold: ein kleiner gelber Pinscher m. Geschl., auf dem Rücken einige kahle Stellen.
Hanau am 28. Juli 1887.
Bekanntmachung.
Erfahrungsmäßig tritt in den Herbstmonaten in Folge der alsdann st attfind enden Massenbeförderungen von Obst, Getreide, Kartoffeln, Rüben, Zucker, Kohlen u. s. w. alljährlich eine bedeutende Steigerung des Güterverkehrs und somit eine erhöhte Inanspruchnahme des Güterwagenbestandes der Eisenbahnen ein.
Dies veranlaßt uns, namentlich die Consumenten von Kohlen und Coaks schon jetzt aufzufordern, für thunlichst frühzeitigen Bezug ihres Bedarfes zu sorgen und rechtzeitig entsprechende Vorräthe anzusammeln, damit bei etwaigen im Eisenbahnbetriebe vorübergehend eintretenden Verzögerungen keine Verlegenheiten entstehen.
Im Allgemeinen ersuchen wir das verkehrstreibende Publikum, sich die schleunige Be- und Entladung der Wagen angelegen sein zu lassen, um den Eisenbahn Verwaltungen zu ermöglichen, von einer Einschränkung der Ladefristen, so lange wie irgend thunlich, abzusehen.
Frankfurt a. M., im Juli 1887.
Königliche Eis euch ah n - Dir ektion.
Tages schau.
Berlin, 27. Juli. Nach hier vorliegenden Nachrichten wird Kaiser Wilhelm von Gastein sich nach Babelsberg und dann zu den Manövern nach Königsberg und Danzig, sowie noch Liegnitz begeben. (Rh. K.)
Berlin, 27. Juli. Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den Kaufmann Ernst Wiedemann in Tucuman (Argentinien) zum Vize Konsul daselbst zu ernennen geruht.
Berlin, 27. Juli. Der „R. u. St.A." Nr. 173 veröffentlicht: Verordnung, betreffend den Eigenthumserwerb und die dringliche Belastung der Grundstücke im Schutzgebiet der Neu-Guinea - Compagnie, vom 20. Juli 1887.
Berlin, 27. Juli. (K. Z.) Es ist völlig erfunden, daß Dr. Peters
seine Sendung und Thätigkeit in Ostafrika abtreten werde oder gar zurückberufen sei. Die Berliner Pol. Nachr. können vielmehr versichern, „daß die Ostafrikanische Gesellschaft in Unterhandlungen mit dem Sultan von Zansibar über sehr wichtige Punkte steht, daß die Verhandlungen sich in einem sehr günstigen Fortgange befinden, daß aber bisher, wie selbstverständlich, nur telegraphische Mittheilungen darüber haben hierher gelangen können, da nur alle vier Wochen ein Postwechsel mit Zansibar stattfindet.
Das Gerücht, Graf Blumenthal, der kommandirende General des 4. Armeekorps, werde demnächst in den Ruhestand treten, entbehrt gutem Vernehmen nach der Begründung. Graf v. Blumenthal ist trotz seiner 77 Jahre noch sehr rüstig und wird hoffentlich noch lange Zeit im Stande sein, dem deutschen Heere und Vaterlanve seine weithvollen Dienste zu widmen. Um sich allen Huldigungen bei seinem bevorstehenden 60» jährigen Dienstjubelfest zu entziehen, hat der General übrigens einen längeren Urlaub erbeten und erhalten. Er gedenkt denselben auf seiner in Westpreußen gelegenen Besitzung zu verleben.
Stratzburg i. E., 27. Juli. Vor der Strafkammer in Mül- Hausen sollten heute die vor einiger Zeit wegen Besudelung eines deutschen Grenzpfahles verhafteten und kürzlich gegen Kaution vorläufig freige- laffenen Reinbold und Schmitt, Angestellte der Französischen Ostbahn- Gesellschalt, erscheinen. Dieselben- waren aber nicht erschienen und hatten ihr Nichterscheinen brieflich der Strafkammer gemeldet. Die letztere ordnete ihre Festnahme an und vertagte die Verhandlung bis zu der erfolgten Verhaftung. (Fr. N.)
Ein alter Herr ist I. H. F. Dohfe in Rehhorst bei Reinfeld in der Nähe von Lübeck. Der Alte ist 105 Jahre alt und lebt in den allerdürftigsten Verhältnissen. Ein Redakteur der Voss. Zeitung hat ihn jüngst „entdeckt" und durch die Erzählung seiner Lebensschicksale — der Alte hat unter Napoleon in Rußland und Spanien gekämpft und ist bei Leipzig schwer verwundet worden — das öffentliche Mittleid auf ihn hingelenkt. Fortwährend fließen jetzt Gaben nach Rehorst, um dem Greise die letzten Tage zu erleichtern.
Leipzig, 27. Juli. Die Revision des Buchhalters Günzel in Berlin, der dort am 25. Mai wegen Todschlags und Raubes zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt wurde, ist heute vom Reichsgerichte verworfen worden.
München, 27. Juli. Der Rosenheimer Postzug entgleiste gestern nach der „K. Z." bei Kolbermoor. Zwei Personen sind schwer verletzt.
Bern, 27. Juli. In Zug hat sich die Mauer am Staden neuerdings gesenkt; eine weitere Katastrophe scheint unvermeidlich zu sein.
Brüfsel, 27. Juli. In der heutigen Versammlung der Rechten der Repräsentantenkammer wurde beschlossen, dagegen zu stimmen, daß der Antrag Guillery (Progressist) zu Gunsten der Revision des Artikels 47 der Verfassung in Erwägung gezogen werde. Der Antrag bezweckt die weitere Ausdehnung des Wahlrechts.
Paris, 26 Juli. Nach einer Anordnung der Regierung soll der Opöra comique provisorisch das Gaitö - Theater zur Benutzung überwiesen werden.
London, 26. Juli. Das Oberhaus hat heute in zweiter Lesung die Novelle, betreffend den Handelsmarkenschutz, angenommen.
Hamburg, 26. Juli. Der Postdampfer „Thuringia" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrts- Aktiengesellschaft ist gestern in St. Thomas eingetroffen.
New-York, 26. Juli. Der Dampfer „The Queen" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Meffing'sche Linie) ist hier ange- kommen.
Reichsgerichts-Entscheidunge».
Hat eine Ehefrau ihren Mann wegen ihr zugesügter Mißhandlungen und Ehrenkränkungen, welche ihr gesetzlich ein Recht geben den iliann zu verlassen, um sich dadurch ferneren Mißhandlungen zu entziehen, verlassen, ohne auf Ehescheidung anzutragen, so braucht sie nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Civilscnats, vom 25. April d. I., erst dann wieder zum Mann zurückzukehren, wenn besondere thatsächliche Umstände eingetreten sind, welche jene Gefahr fernerer Mißhandlungen beseitigen. Die