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Nr. 172
Mittwoch den 27. Juli
1887.
Tagesschau.
Berlin, 26. Juli. Der „R. u. St. A." Nr. 172 veröffentlicht: Gesetz, betreffend die Abänderung der Verordnung vom 17. März 1839, betreffend den Verkehr auf den Kunststraßen, und der Kabinetsordre vom 12. April 1840, betreffend die Modifikation des §. 1 der Verordnung vom 17. März 1839 wegen des Verkehrs auf den Kunststraßen, vom 20. Juni 1887.
Berlin, 26. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen, wie Der „R. u. St.-A." aus Bad Gastein meldet, gestern Abend den Thee bei der Gräfin Lehndorff, welche Sr. Majestät zu Ehren eine Theatervorstellung verunstaltet hatte. Heute Morgen nahmen Se. Majestät ein Bad und machten sodann eine Spazierfahrt auf dem Wege nach Böck- stein. An der kaiserlichen Tafel, dt? um 4 Uhr stattfindet, nimmt der Fürsterzbischof Cardinal Fürstenberg von Olmütz theil.
Berlin, 26. Juli. Fürst Bismarck wird auf dem Wege von Varzin nach Kiffingen am Samstag oder Sonntag hier eintreffen und etwa zwei Tage hier bleiben.
Berlin, 25. Juli. Der Präsident der Justizprüfungskommission, Dr. Stölzel, ist nach der Schweiz abgereist. In der Abhaltung der Prüfungstermine für die zweite juristische Staatsprüfung tritt eine Ferien- pause bis zum 6. September d. J. ein.
Berlin, 26. Juli. S. M. Schiffsjungen ■ Schulschiff „Ariadne", Kommandant Kapitän zur See, Barandon, ist am 25. Juni er. in Lissabon eingetroffen und beabsichtigt am 11. August er. wieder in See zu gehen. — Der Dampser „Hohenzollern" mit der abgelösten Besatzung S. M. Kreuzersregatte „Bismarck" ist am 25. Juli er. in Port Ade- laide eingetroffen und hat am 26. desselben Monats die Heimreise fortgesetzt.
Das „Militär-Wochenblatt" widmet heute Alfred Krupp einen warmen Nachruf, der mit den Worten schließt: „Der Name Krupp wird für alle Zeiten mit der Ruhmesgeschichte Preußens aus dem sechsten und siebenten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts verbunden beiben."
Das Direktorium des Zentralverbandes Deutscher Industrieller hat an Herrn Friedrich Krupp in Essen das folgende Beileidsschreiben gerichtet: „Zu dem Hinscheiden Ihres hochverehrten Chefs, des Geheimen Kommerzienraths Alfred Krupp, auf welchen die deutsche Industrie so viele Jahre mit berechtigtem Stolze hingeblickt hat, sprechen wir Ihnen Namens unseres Verbandes unsere innigste Theilnahme aus. Wir haben es uns immer zur großen Ehre gerechnet, die ersten Industriellen Deutschlands zu den Unsrigen zu zählen und beklagen deshalb mit Ihnen um so tiefer den unersetzlichen Verlust, den nicht bloß Ihre Firma, sondern die ganze deutsche Industrie erlitten hat. Den beifolgenden Palmzweig bitten wir auf den Sarg des Verewigten niederzulegen."
Unsere deutsche Nordseefischerei beschäftigt gegenwärtig 402 Fahrzeuge mit einem Bruttoraumgehalt von 32 858 Kubikmeter und einer Besatzung von 1429 Mann. Eine ansehnliche Beihilfe aus Reichsmitteln ist der in Norden etablirten Fischereigenossenschaft, deren Bestrebungen darauf gerichtet sind, die von Norddeich Norderney ausgehende Seefischerei nach Umfang, Betriebsart und Betriebsmitteln zur eigentlichen Hochseefischerei umzugestalten, zum Bau von 2 größeren Kuttern in Gestalt eines Betrages von 10 250 Mark bewilligt und ein Zuschuß von 800 Mark zur Ausbildung eines geeigneten Seemannes im Hochseefischereibetriebe in Aussicht gestellt, falls durch Zeugnisse derjenige Schiffssührer, welche den Betreffenden auszubilden haben, die Erfüllung des Zweckes dargelhan wird. Die junge Genossenschaft, deren erster Kutter „Fürst Bismarck" in diesen Tagen seine Fahrt beginnt, wird hoffentlich durch die thatkräftige Unterstützung des Reiches in ihrem bisherigen Eifer bestärkt werden. Im Interesse einer guten, gesunden und billigen Volksernährung kann auf dem Gebiete der nationalen Hochseefischerei noch gar Mancherlei geschehen, und sind vielversprechende Maßregeln davon auch regierungsseitig im Werke.
Westerkand auf Sylt, 25. Juli. Staatsminister v. Puttkamer ist mit Familie heute Nachmittag zu mehrwöchentlichem Curgebrauche hier eingetroffen.
Münster, 25. Juli. Das Königliche Eisenbahnbetriebsamt [ Münster-Emden hierselbst theilt über das gestern, um 5 Uhr 50 Min. Morgens, bei Leer stattgehabte Eisenbahnunglück folgendes mit: „Von
dem Schnellzuge 5 Uhr 10 Minuten Vormittags ab Emden ist auf der zwischen den Stationen Leer und Jhrhove belegenen Ledabrücke Maschine und Packwagen entgleist, weil der Lokomotivführer das vor der geöffneten Drehbrücke befindliche Haltesignal nicht beachtet hat. Von den Reisenden und den Beamten sind einzelne Pesonen leicht verletzt. Die Beschädigung am Material und an der Brücke ist dagegen erheblich und wird letztere voraussichtlich auf acht Tage unfahrbar sein." (K. Z)
Paris, 26. Juli. Die Regierung beschloß, der Kammer nach deren Wiederzusammentritt ein Gesetz betreffend die Beendigung der großen Arbeiten an der Seine und in Havre vorzulegen. Die Kosten hierfür betragen 100 Millionen Francs, welche von der Handelskammer in Havre beschafft oder vorgestreckt werden sollen. — Nach Anordnung der Regierung soll das ThöLtre ®ait6 provisorisch für die Opöra Comique zur Benutzung überwiesen werden. (Rh. K.)
Bonlangex wird immer verächtlicher. In den Pariser Zeitungen ließ er durch einen bekannten Mittelsmann erklären, 94 Generale hätten sich vor einiger Zeit ihm zu einem Staatsstreich zur Verfügung gestellt und erklärt, „wir sind bereit". Der bekannte Abgeordnete Cassagnac antwortete sofort: „Sie lügen, nennen Sie die Generäle." Die Namhaft- machung blieb aus und zwischen Cassagnac und dem Mittelsmann gibts ein Pistolenduell. (Dfz.)
Petersburg, 26. Juli. Gestern Mittag hat im Beisein des kaiserlichen Paares auf der hiesigen Marinewerfte der Stapellauf des Panzerschiffes „Alexander der Zweite" stattgefunden. Das Schiff faßt 8440 Tons und führt 14 schwere Geschütze und 10 Hotsskis-Kanonen.
New-York, 25. Juli. Der heftige Regen, welcher in den letzten Tagen ununterbrochen gefallen ist, hat der Ernte im Staate New-Pork, Pennsrsivanien und den Neu-England-Staaten großen Schaden zugefügt. Viele Brücken wurden in diesen Staaten weggeschwemmt und Fahrstraßen unwegsam gemacht. Der Regen am Samstag in Massachusetts war der heftigste seit Menschengedenken. In Great Barrington und Umgegend wurden 25 Brücken, viele Dämme und Fabriken zerstört.
London, 25. Juli. Sir H. Drummond Wolff ist heute hierher zurückgekehrt.
New - York, 24. Juli. Der Dampfer „Canada" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier angekommen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Fernsprecheinrichtung. Von nächstem Montag (1. August) ab werden die nunmehr sertiggestellten Fernsprecheinrichtungen hiesiger Stadt dem Betrieb übergeben.
Extrazug. Sonntag, den 7. August er., Abends 6 Uhr 37 Min. wird ab Sachsenhausen ein Extrazug nach Berlin (Potsdamer Bahnhof) über Bebra-Nordhausen Belzig abgelaffen, zu welchem außer in Sachsenhausen auch in Offenbach, H an a u - Ostbahnhof, Elm und Fulda Billets 1., 2. und 3. Klasse für Hin- und Rückfahrt, mit ca. 50 pCt. Preisermäßigung und 45tägiger Gültigkeitsdauer ausgegeben werden.
Mainthal-Zither-Bnnd. Das Volksfest des Mainthal-Zither- Bundes, welches am Sonntag den 7. Aug. in den Parkanlagen zu Wilhelmsbad stattfindet, scheint ein durchaus amüsantes zu werden. Aus dem Programm ist besonders hervorzuheben das von 3 bis 7‘/s Uhr statt- finsende große Concert in den Anlagen. Im Allgemeinen wird sich vas Fest im vollen Sinne' des Wortes zu einem Volksfest gestalten und ist für Unterhaltung in jeder Richtung gesorgt. So z. B. ist das bekannte Sacklaufen für Herren, ein Eierlaufen für Damen und Wurstschnappen für Kinder arrangirt, wobei nicht unbedeutende Preise zur Vertheilung kommen. Ferner werden auf dem Festplotze verschiedene Museums, Schaubuden, Caroussels, Schießbuden und sonstige Sehenswürdigkeiten sich vorfinden. Von Abends 71/» Uhr wird dann in den Räumen des Kurhauses Terpsichoren gehuldigt und werden bei diesem Vergnügen 2 Kapellen aufspielen. Zur Deckung der Kosten erhebt das Comilö einen äußerst mäßigen Beitrag von nur 25 Pfg. und ist dann Gelegenleu geboten alle Festlichkeiten mitzumachen, selbst kann man um diesen geringen Preis das Tanzbein schwingen. Es dürste, sofern dem Feste die Gunst des Huumels erhalten bleibt, dasselbe allen Theilnehmern ebenso angenehme wie genußreiche Stunden bereiten. (O. Z.)