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Nr. 170.

Montag den 25. Juli

1887.

t Deutschland und Portugal in Afrika.

Die zwischen der Kaiserlich Deutschen und der Königlich portugiesischen Regierung vereinbarte und von den Cortes ebenfalls angenommene und amtlich publizirte Erklärung, betreffend die Abgrenzung ihrer beiderseitigen Besitzungen und Interessensphären in Süd-Afrika, lautet in den beiden Hauptartikeln:

Artikel 1. Die Grenzlinie, welche in Südwest-Afrika die deutschen und portugiesischen Besitzungen scheiden soll, folgt dem Laufe des Kunene- flusses von seiner Mündung bis zu denjenigen Wasserfallen, welche südlich von Humbe beim Durchbruch des Kunene durch die Serra Canna ge- bilvet werden. Von diesem Punkte ab läuft die Linie auf dem Breiten- parallel bis zum Kubango, dann im Laufe dieses Flusses entlang bis zu dem Orte Andara, welcher der deutschen Interessensphäre überlasten bleibt, und von da in gerader Richtung östlich bis zu den Stromschnellen von Catima am Zambefe.

Artikel 2. Die Grenzlinie, welche in Südost-Afrika die deutschen Besitzungen von den portugiesischen Besitzungen scheiden soll, folgt dem Laufe des Flustes Rovuma von seiner Mündung bis zu dem Punkte, wo der M'sinjefluß in den Rovuma mündet, und läuft von dort nach Westen weiter auf dem Breitenparallel bis zu dem Ufer des Nyaffa-Sees.

Tagesscha n

Bad Gastein, 23. Juli. Kaiser Wilhelm nahm heute um acht Uhr ein Bad und empfing später den General v. Albedpll zum Vortrag. Zum Essen sind heute geladen: General Graf Palffy sowie der Wirkl. Geheimrath Brenner. An dem gestrigen Esten hatte auch der Oberhof­prediger Dr. Kögel theilgenommen.

Berlin, 23. Juli. Die Nachricht, daß Dr. Peters aus Ostafrika abberufen sei, ist unbegründet.

Zur Zeit werden, wie man derKöln. Ztg." schreibt, in ein­zelnen Landestheilen genaue Aufnahmen über die Arbeitsverhältnisse der hervorragendsten Gewerbzweige vorgenommen. Diese Feststellungen dürften eine höchst werthvolle Grundlage für die Beurtheilung der Arbeiterbe­wegung, namentlich bei ausbrechenden Arbeitseinstellungen, bilden, zumal da die Aufnahmen in regelmäßig wiederkehrenden Zeitabschnitten statt- finden und sich schon jetzt aus dem vorhandenen Stoff ersehen läßt, wie die von den Feiernden aufgestellten Lohnverhältnisse von den amtlichen Festsetzungen abweichen.

Ueber neue Plackereien im Verkehr an der russischen Grenze berichtet dieTils. Ztg.":Es besteht eine alte Verordnung, nach der beim Ueberschreiten der Grenze im Grenzverkehr die Ueberschreitenden keine deutschen Scheidemünzen, sondern nur Gold- und Thalerstücke bei sich führen. Diese Verordnung ist nun wieder aufgefrischt worden und wird mit großer Strenge rücksichtslos gehandhabt. Alle diejenigen, welche zu ihrer Legitimation die von dem preußischen Landrathsamte ausgestellten Grenzkarten vorzeigen müssen, werden vor ihrem Eintritt in Rußland von dem an der Grenze postirten Beamten gefragt, welche Geldsorten sie bei sich führen, und unerbittlich zurückgewiesen, wenn ihr Geldvorrath deutsche Scheidemünze, ja selbst silberne Fün'markstücke aufweist."

Lübeck, 22. Juli. Heute Morgen 10 Uhr fand in Neukloster (Mecklenburg-Schwerin) unter Anwesenheit des Großherzogs und zabl- reicher Lehrer die Enthüllung des Denkmals Friedrich Franz' II. statt. Lehrer Künstler feierte den Verewigten als Förderer der Volksschule. Direktor Kliefoth übernahm das Denkmal. Nach einem Hoch auf den regierenden Großherzog forderte dieser die Lehrer auf, die Tugenden Fried­rich Franz' II. fortzupflanzen.

In Betreff einer aus derLeipziger Zeitung" stammenden Nachricht, daß Dr. Karl Peters, der Leiter der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, auf Veranlassung des Auswärtigen Amts aus Ostafrika zu­rückberufen worden sei, sei bemerkt, daß das Auswärtige Amt mit dieser Angelegenheit nichts zu thun habe. Wie wir erfahren, ist aber auch der Kern der Nachricht falsch; Dr. Peters ist überhaupt nicht zurückberufen, auch ist nichts davon bekannt, daß feine Nückberufung bevorstehe. Die Behältnisse nehmen vielmehr, feit Dr. Peters in Afrika weilt, eine über­raschend günstige Entwicklung, und namentlich haben sich die Beziehungen zum Sultan erfreulich gestaltet. (K. Z-)

DasChemnitzer Tageblatt" theilt eine tabellarische Ueber­sicht über die Werthe der aus dem Konsulardistrikt Chemnitz in dem mit dem 30. Juni 1887 endenden Jahre nach den Vereinigten Staaten von Amerika ausgeführten Produkte und Waaren mit. Es ergibt sich daraus für 1886/87 ein Gefammlwerth von 10 554 173,75 Doll. gegen 9 392 508,77 Doll. in 1885/86, was eine Zunahme von 1 161 664,98 Doll. bedeutet.

Stettin, 23. Juli. Heute Mittag lief auf der Werste der Ma­schinenbau-Aktiengesellschaft Vulkan die als'Ersatz für dieElisabeth" be­stimmte Korvette glücklich von Stapel. Die Prinzen Wilhelm und Hein­rich von Preußen wohnten dem Stapellaufe bei. Prinz Heinrich taufte das SchiffIrene".

In München sind wegen Geheimbündelei in Verfolg der im März d. Js. erfolgten Saisirung von Depots sozialdemokratischer Druck­schriften bis jetzt achtzig Sozialdemokraten vor das Landgericht verwiesen.

Aus Rheinbayern, 22. Juli. In Kaiserslautern ist die Er­richtung einer großen Hammelschlächterei im Werke. Das Fleisch wird in besonderen, eisgekühlten, Eisenbahnwagen nach Paris befördert, weil geschlachtes Fleisch in Frankreich zollfrei eingeführt werden kann, wogegen die Zölle auf lebendes Schlachtvieh bedeutend sind.

DieKöln. Ztg." schreibt: In Paris ist vor wenigen Tagen einer der Direktoren der Nowoje Wremja aus Petersburg eingetroffen: derselbe hatte Audienzen bei Rouvier und Flourens, um die Vergünstigung zu erlangen, daß einige französische Offiziere, namentlich solche, welche von der Angelegenheit Aprolles genaue Kenntniß haben, ermächtigt werden möchten, Zeugenaussagen abzugeben in dem Prozesse des Obersten Villaume gegen die Nowoje Wremja, die behauptet hatte, Villaume habe in Frankreich den deutschen Spionensienst so trefflich eingerichtet, daß derselbe selbstthätig weiter wirke. Rouvier wie Flourens haben das An­sinnen rundweg abgeschlagen. Nun ist jener Russe nach Clemont-Ferrand zum General Boulanger abgereist, den er als den Inhaber der höchsten Gewalt zu betrachten scheint.

Paris, 23. Juli. (K. Z.) Sir Drummond Wolfs wird morgen Abend seine Reise nach London fortsetzen; bis jetzt hat er hier im Ministerium des Auswärtigen keinen Besuch gemacht. Präsident Gravy hat seine Abreise auf Dienstag verschoben. Die Liberte schreibt:Wir glauben zu wissen, daß die französische Regierung sich wegen Hartmanns und Caussins bei der deutschen Regierung nur in offiziöser Weise ver­wenden wird; denn eine Rechtsverletzung hat nicht stattgefundeu. Abbä Hartmann ist deutscher Unterthan und ist dem Militärdienst nach den für deutsche Seminaristen geltenden Vorschriften unterworfen; Cauffin hatte keinerlei freies Geleit (wie die Liberte dies gestern behauptete), sondern überschritt die Grenze, obwohl er benachrichtigt war, daß seine Verhaftung (wegen gerichtlich erkannter Majestätsbeleidigung) wahr­scheinlich sei."

London, 23. Juli. Wie dieTimes" meldet, hätte der türki­sche Botschafter Rustem Pascha dem Premier Lord Salisbury eine Note der Pforte überreicht, in welcher neue Unterhandlungen betreffs der egpp- fischen Frage auf anderer Grundlage als der der Konvention vorgeschla­gen werden.

Wie König Milan von Serbien die Lage der Balkanstaaten ausfaßt, ergibt sich aus einer Aeußerung, die er einem Korrespondenten derTarns" gegenüber gethan hat. Der König erklärte:Die Lage der kleinen Staaten Osteuropas ist fast unhaltbar. Wir können nicht ohne das Wohlwollen Rußlands und Oesterreichs durchkommen, dennoch aber nicht beiden zugleich gefallen. Lehnen wir uns an eine Macht an, so beleivigen wir die andere. Ich bin jetzt 19 Jahre auf dem Thron, aber nur der Himmel weiß, welche Gefahren mir noch bevorstehend König Milan glaubt nicht, daß Rußland Die Wahl des Prinzen Ferdinand ge­nehmigen wird, ist aber überzeugt, daß Bulgarien in Anarchie verfallen wird, wenn die Großmächte nicht bald sich über einen Fürsten für das Land einigen. Endlich sprach sich der König zu Gunsten einer Konföde­ration der Balkanstaaten unter der Führung der Türkei aus. Ohne die Türkei einen derartigen Bund ins Leben rufen zu wollen, käme nicht in Frage.

Wie derPol. Corr." aus Tien-Tsin gemeldet wird, hat der Tsung-Aamen auf Anregung des bekannten Marquis Tseng beschlossen,