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Nr. 160. Mittwoch den 13. Juli 1887.
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Nienst-Uachnchten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Sack mit etwas Hafer. Eine Broche.
Verloren: Ein silbernes Kettenarmband.
Hanau am 13. Juli 1887.
Tagesschau.
Berlin, 12. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König trafen gestern Nachmittag 4 Uhr 30 Minuten in Koblenz ein, wo Allerhöchst- dieselben von den Spitzen der Behörden empfangen wurden. Vom Bahnhof aus begaben Sich Se. Majestät nach dem Schlosse, wo die Begrüßung durch Ihre Majestät die Kaiserin stattsand. — Heute früh um 9 Uhr wurde Sr. Majestät dem Kaiser eine Morgenmusik von der Kapelle des 4. Garde-Grenadier-Regiments gebracht. Um 10 Uhr machten Beide Majestäten eine Spazierfahrt nach den Rheinanlagen. Mittags nahmen Se. Majestät den Vortrag des Generals der Kavallerie, v. Albedyll, entgegen. Zum Diener waren mehrere hervorragende Militär- und Civtl- personen geladen.
Berlin, 12. Juli. Prinz Wilhelm kam heute Vormittag von Potsdam hier an und begab sich vom Bahnhof aus zum Reichskanzler Fürsten Bismarck in den Reichskanzlerpalast, wo er längere Zeit verblieb. Mittags kehrte der Prinz nach Potsdam zurück.
Mitte dieses Monats werden der Staatssekretär Graf Herbert Bismarck und Minister Dr. Friedderg einen sechswöchentlichen Urlaub antreten, den dieser in Bad Ems, jener in Königsstein im Taunus zubringen wird. Minister Bronsart v. Schellendorff ist auf sein Gut nach Ostpreußen abgereist. Auch der Staatssekretär des Reichsjustizamts, Dr. v. Schelling, gedenkt in diesen Tagen seine Urlaubsreise anzutreten.
In der Feldmark Mahlitsch bei Dommitzsch, Kreis Torgau, ist in den letzten Tagen der verflossenen Woche das Auftreten des Kartoffelkäfers konstatirt worden. Als infizirt ist einstweilen eine Fläche von 3 ha ermittelt. Die Vertilgungsmaßregeln sind sofort angeordnet, und ist die Leitung dieser Arbeiten denselben Personen übertragen worden, welche s. Zt. im Jahre 1877 bei dem Auftreten des Kartoffelkäfers bei Schildau die gleichen Arbeiten geleitet und eine vollständige Tilgung der Infektion bewirkt haben.
Halle a. d. S., 12. Juli. Das Reichsgericht hat das Urtheil vom 29. April, betreffend das Würzburger Eisenbahnunglück, aufgehoben, und die Sache in die erste Instanz zurückverwiesen.
München, 12. Juli. Der „Allg. Ztg." zufolge wird die Begegnung des Kaisers mit dem Prinzregenten in Lindau stattfinden.
Gastein, 12. Juli. Die Ankunft des Kaisers Wilhelm wird voraussichtlich zwischen dem 20. und 25. Juli hierselbst erfolgen.
Pest, 12. Juli. (K. Z.) Das gestrige Erdbeben erstreckte sich auf die Comitate Arad, Temesvar, Torontal. — Der Badeort Poprad (im Zipfer Comitat, etwa 1200 Einwohner) ist niedergebrannt, eine einzige Gaffe ist verschont; zahlreiche Badegäste lagern im Freien.
Neapel. Die Cholera, welche sich leider über ganz Sizilien zu i verbreiten scheint, trat, wie man der „Voff. Ztg." schreibt, zuerst in einem kleinen Flecken Calabriens, Rocella-Jonica, epidemisch auf; ungefähr die Hälfte der Erkrankten wurde dahingerafft. Die erschreckte Einwohnerschaft floh nach allen Richtungen, die Bemittelteren bis nach Reggio. Man behauptet, daß die Krankheit durch einen Matrosen von Catania eingeschleppt worden sei. Zuverlässige Berichte über die Zahl der Erkrankten und Todten fehlen. Fast gleichzeitig erkrankten in einer Kaserne in Catania mehrere Soldaten; zur Sicherheit der Stadt wurde das ganze Regiment in das benachbarte Misterbianco verlegt. Trotzdem werden heute verschiedene Fälle von Cholera in Catania selbst gemeldet. Von Messina berichtet die „Gaz. di Messina", daß über das Vorhandensein der Cholera in der Stadt leider kein Zweifel mehr obwalte, obschon man die Epidemie als Cholera nostras ausgeben wolle. Der „Amico del Popolo" aus Palermo meldet, daß die Cholera in die Provinz von Palermo durch einen Studenten aus Catania eingeschleppt worden sei, welcher wenige Stunden nach seiner Ankunft aus genannter Stadt in seiner Heimath Mezzoinso verstarb. Ein Telegramm der „Soff. Ztg." aus Trieft, tl.Juli, lautet: „Die letzten Choleranachrichten aus Sizilien lauten sehr böse. Aus Catania flieht die Bevölkerung. In den letzten
drei Tagen kamen 200 Cholerafälle vor, von denen 70pCt. tödtlich verliefen. Besonders heimgesucht ist die Garnison. Dieselbe verließ die Kasernen und lagert außerhalb der Stadt in Zelten. Das Kriegsministerium hob die Verordnung betreffs der Manöver und Truppen- dislokationen für Sizilien auf. Das Ministerium des Innern ordnete die völlige Einstellung des Eisenbahnverkehrs mit Catania an."
Pakts. Herr Oppert von Blowitz schrieb dieser Tage an die „Times" über eine Unterredung, welche er mit einem hiesigen Diplomaten gehabt hätte. Dieser gab der Meinung Ausdruck, der deutsche Kronprinz thäte wohl daran, den Rath der Aerzte nicht zu befolgen, welche ihm eine Kur in Canterets anempfahlen, weil er unter den obwaltenden Umständen bei der französischen Bevölkerung einem unfreundlichen Empfang entgegen gehen könnte. Der „Times"-Correspondent glaubte die Versicherung des Gegentheils geben zu können und veröffentlicht nun folgendes Schreiben, welches ein Abgeordneter der Hautes-Py- rönöes, der Marquis de Breteuil, in dieser Angelegenheit an ihn gerichtet hat: „Der „Gaulois" gibt eine Unterredung wieder, welche Sie mit einem Diplomaten über das Befinden des deutschen.Kronprinzen geführt haben. Im Laufe derselben erheben Sie Einsprache gegen den Gedanken, daß die Einwohner von Canterets den Kronprinzen unfreundlich empfangen könnten in dem Falle, daß er in diesem Kurorte Heilung suchte. Als Abgeordneter des Departements Hautes-Pyrönöes, ehemaliger Abgeordneter des Arrondissements Argeltzs, dem Canterets angehört, kenne ich die Sinnesweise meiner Mitbürger und sage Ihnen Dank für die Gerechtigkeit, mit der Sie dieselben beurtheilen. Der Patriotismus unserer Gebirgsbewohner ist minder geräuschvoll, als derjenige einer gewissen Kategorie von Großstädten, aber vielleicht aufgeklärter. Der Empfang, den sie dem deutschen Kronprinzen bereiten würden, wäre ein höflicher und ehrerbietiger: dafür bin ich Bürge. Genehmigen Sie u. f. w.
Paris, 12. Juli. Die „Agence Havas" meldet: Die von Kreta nach Konstantinopel entsendete Deputation ist zurückgekehrt. Das von der christlichen Bevölkerung eingesetzte Comite sah mit Rücksicht auf das Wohlwollen des Sultans von weiteren Schritten ab.
Paris, 12. Juli. Die Morgenblätter heben hervor, daß sich die gestrige Kammerdebatte gegen Boulanger gewendet habe, der auch von Clemenceau in dieser Rede aufgegeben worden sei.
Paris, 12. Juli. (F. N.) Dem Vernehmen nach verharrt der Kammerpräsident Floquet bei dem Entschluß, seinen Posten niederzulegen. Er wird diesen Entschluß dem Vizepräsidenten Anatole de la Forqe heute schriftlich mittheilen.
Paris, 12. Juli. Die Deputirtenkammer nahm einstimmig den Antrag Ricard's an, die Demission Floquets zurückzuweisen und ihn zu bitten, auf seinem Posten zu verbleiben. (Fr. N.)
Paris, 12. Juli. Floquet hat seine Rücktritts-Erklärung zurückgenommen. — Die Budgetkommission genehmigte heute mit 10 gegen 2 Stimmen den Bericht Lesquilliers über den Mobilmachungsplan; der Bericht wurde hierauf sofort der Deputirtenkammer eingereicht.
Wie die „Peterburgfkaja Gaseta" erfährt, stände in kurzem in St. Petersburg ein Prozeß bevor, der zweifelsohne nicht nur in Rußland, sondern auch im Auslande die größte Sensation erregen werde. Die Vorgesetzte Behörde des dortigen deutschen Militärattaches, Oberstlieutenant von Villaume, habe wegen einer in der „Rowoje Wremja" s Z. erschienenen berüchtigten Brüsseler Korrespondenz über Herrn von Villaume, gegen die „Rowoje Wremja" eine Klage anhängig gemacht und zwar nicht nur gegen den Redakteur des genannten Blattes Herrn Fevorow, sondern auch gegen den Herausgeber der „Rowoje Wremja", Herrn A. <5. Suworin.
Newyork, 11. Juli. In verschiedenen Theilen Süd-Karolina's wurden leichte Erdstöße verspürt — Die Yacht „Mpstery", welche 40 Ausflügler an Bord hatte, schlug gestern in der Kanarsee-Bai um. 27 Personen, meistens Frauen und Kinder, ertranken, ebenso auch die aus nur zwei Leuten bestehende Mannschaft. — In der Stadt Hurley, Wis- konsin, wo erst in der letzten Woche 100 Häuser nhberbrminten, ereignete sich wiederum eine furchtbare Feuersbrunst, durch welche fast das ganze Geschäftsviertel des Städtchens zerstört wurde. Das Feuer brach im Varisttö-Theater aus. In dem Gebäude fanden 17 Personen, meistens