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Donnerstag den 30. Jum

Nr. 149.

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Tagesschau.

NR. Berlin, 28. Juni. Die Gesundheit unseres Kaisers hat sich soweit wieder gekräftigt, daß derselbe bei der günstigen Witterung der letzten Tage täglich zwei Ausfahrten unternehmen konnte, die dem ehr­würdigen Monarchen recht gut bekommen sind. Heute hörte der Kaiser den Vortrag des Berliner Polizei-Präsidenten, hatte Mittags eine Kon­ferenz mit dem Chef der Admiralität und arbeitete dann längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabinets. Ueber die diesjährigen Sommer­reisen sind endgültige Bestimmungen noch nicht getroffen. Die Nachricht hiesiger und auswärtiger Blätter, daß der Kaiser bereits am 2. Juli nach Ems abreifen werde und daß die nöthigen Wagen und Pferde aus dem Kaiserlichen Stalle heute dorthin abgehen, bestätigt sich, wie wir hören, nicht.

Berlin, 29. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute nach einer Ausfahrt den Vortrag des Chefs des Civilkabinets und halten im Laufe des Nachmittags eine Konferenz mit dem Oberstkämmerer, Grafen Stolberg.

Berlin, 28. Juni. Die Bundesrathsausschüsse für Zölle und Steuern und für Eisenbahn, Post und Telegraphen hatten sich mit der Ermittelung des zollpflichtigen Gewichts von in Eisenbahnwagenladungen eingehenden Massengütern zu beschäftigen. Anlaß gab eine Anzeige des Reichsbevollmächtigten für Zölle und Steuern in Karlsruhe, wonach im Herbst 1886 über die schweizerisch - badische Grenze mehrere mit frischen eingestampften Trauben der Weinlese gefüllte Cisternenwagen auf der Ei­senbahn eingeführt worden sind, bei deren zollamtlicher Abfertigung seitens der Empfangsämter hinsichtlich der Ermittelung des Nettogewichts der Trauben ein verschiedenartiges Verfahren eingehalten worden ist. Bei dLim-gve-ßherzoglich cheffischen Steueramt zu Bensheim ist der dünnflüssige Theil der Trauben in sogenannte Mostfässer, die statt des Spundes eine größere viereckige Oeffnung haben, der übrige Theil aber in Bütten über- gesüllt und von dem Bruttogewicht der so gefüllten.Fässer und Bütten das Eigengewicht derselben abgezogen worden. Bei den Hauptsteueräm­tern zu Frankfurt a. M. und Heidelberg sowie bei dem Hauptzollamt zu Stuttgart ist, und zwar bei letzterem mit nachträglicher Genehmigung der Direktivbehörde, der Wagen in gefülltem und in entleertem Zustande auf der Geleiiewaage vermögen und darnach das Nettogewicht der Trauben berechnet, während bei dem Hauptsteueramt zu Bingen von dem ebenso ermittelten Gewicht des gefüllten Wagens das angeschriebene Eigengewicht desselben in Abzug gebracht worden ist. Um die bestehenden Zweifel zu beseitigen und für Fälle der vorliegenden oder ähnlicher Art die Berück­sichtigung des praktischen Bedürfnisses allgemein zu ermöglichen, wird es sich empfehlen, die Befugniß der Amtsvorstände entsprechend zu erweitern. Die Ausschüsse beantragen demgemäß,der Bundesrath wolle beschließen, im letzten Satz von Ziffer 1 der unterm 11. April 1883 genehmigten Bestimmungen betreffend die Ermittelung des zollpflichtigen Gewichts von in Eisentzahnwagenladungen eingehenden Massengütern hinter dem Wort Schwere" einzuschalten:oder sonstiger besonderer Umstände". (K. Z.)

Berlin, 29. Juni. Seltene Gäste sollen im Laufe dieses Sommers nach Berlin kommen, und zwar eine zahlreiche Karawane von jenen freien Malayen, welche den südlichen Theil der malayischen Halbinsel Ostindiens bewohnen und unter der Oberhoheit des Sultans oder Pangeran von Djohor stehen. Grade dieser Stamm der großen malayischen Rasse zeich­net sich durch besonders schöne Formen aus.

Dem Bundesrath sind in der letzten Zeit mancherlei Gesuche bezüglich einer verschärften Sonntagsfeier zugegangen, namentlich wünsch­ten mehrere Antragsteller das Verbot der Tanzvergnügen an Sonntagen. Der Bundesrath- hat diese Anträge abgelehnt. Dasselbe Schicksal hatte eine Eingabe von Studenten der deutschen Hochschule in Prag, welche die Anrechnung der von Studirenden deutscher Nationalität auf der Univer­sität Prag verroenbeten Zeit wünschten.

Die Berliner) Kreuz-Zeitung, seit alter Zeit und unter aller­lei Wanolungen die dickste Freundin Rußlands, warnt neuerdings die Deutschen vor dem Ankauf russischer Werthpapiere und räth zum Ver­kauf. Sie trügen, sagt sie, zwar bessere Zinsen als viele andere Papiere, seien aber sehr gefährdet und unsicher, weil Rußland in neuester Zeit vor vielerlei feindseligen und gewaltsamen Maßregeln gegen Deutschland nicht zurückgeschreckt sei. 2 bis 3 Milliarden russischer Papiere seien bereits in deutschem Besitz, während Engländer und Franzosen ihre russischen Pa­piere schon länger veräußert hätten.

1887.

Mülheim a. RH., 28. Juni. Von zuständiger Seite wird der K. Z." mitgetheilt, daß bei dem gestrigen Eisenbahnunfall in Mülheim a. RH. im ganzen acht Personen leicht verletzt worden stnd. Unter den­selben befinden sich die beiden, angeblich schwer verletzten Damen, Mutter und Tochter, von welchen die erstere, wie in anderen Blättern behauptet worden, an den Folgen der erlittenen Verletzungen bereits gestorben sein sollte. Beide sind heute aus dem Krankenhause entlassen worden und haben ihre Weiterreise angetreten.

DieK. Z." schreibt: Die Wahlen in Baiern sind jetzt soweit vollzogen und bekannt, daß die Zusammensetzung der neuen Zweiten Kam­mer feststeht. Danach werden weder die Ultramontanen noch die Libera­len für sich die Mehrheit haben, vielmehr werden die beiden kleinen kon­servativen Gruppen die Entscheidung geben. Es find dies 5 Katholiken und 4 Protestanten, die insgesammt bei entscheidenden Fragen auf die Seite des Ministeriums treten dürften, das ebensowenig in religiösen wie in politischen Fragen zum Radicalismus hält. Allem Anschein nach tritt für Baiern eine Zeit innerer Ruhe ein, die der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung durchaus erwünscht ist.

Eine neue Expedition wird im Monat Juli nach dem deutschen Schutzgebiet im Suaheli-Sultanat an der afrikanischen Ostküste abgehen. Der aus Bayern gebürtige Landwirth Herr A. Küntzel hat, wie der Voss. Z." mitgetheilt wird, die Absicht, im Suahelilande Plantagenbau zu beginnen, jedoch unter der Bedingung, daß nur solche Theilnehmer zu­gelassen werden, welche Landwirthe sind und sich selbstthätig betheiligen. Herr Küntzel hatte sich vor einigen Jahren einer Expedition der Ost­afrikanischen Gesellschaft angeschlossen und die sogen. Tana-Expedition (nach dem Suaheli-Gebiete) mitgemacht. Als später Kapitän Valois von dem KriegsschiffGneisenau" mit einer Matrosen-Abtheilung von dem vor Zanzibar liegenden Geschwader den Suaheli-Sultan in Witu aufsuchte und gleichsam als deutschen Schutzgenossen offiziell begrüßte, be­gleitete ihn wiederum A. Küntzel. Der Letztere hat jetzt eine Gesellschaft von sechs jungen Landwirthen zusammengebracht, welche sämmtlich einen mäßigen, gleich hohen Beitrag zahlen. Im Suaheli-Sultanat soll dann zunächst eine Versuchsstation eingerichtet werden, in welcher auf die Dauer von höchstens einem Jahre Versuche über den Anbau der lohnendsten Pflanzen gemacht werden sollen.

Wien, 29. Juni. Wie diePresse" meldet, steht der Abschluß eines Handels- und Schifffahrtsvertrags zwischen Oesterreich und Zanzibar, zu welchem der Sultan von Zanzibar die Anregung gegeben, auf der Grundlage der Meistbegünstigung bevor.

Paris, 28. Juni. Wie aus Algier gemeldet wird, entstand am 26. Juni in Biskra zwischen Spahis und Marokkanern, welche bei den Eisenbahnarbeiten.belästigt sind, ein Streit. Gegen 100 Marokkaner griffen eine Patrouille an und machten von der Feuerwaffe Gebrauch; die gegen sie entsandten Truppen tödteten alsdann 10 Marokkaner, verwun­deten mehrere und verhafteten gegen 30; von den Spahis wurden mehrere verwundet und einer gelobtet. Die Ruhe ist wiederhergestellt.

Paris, 29. Juni. General Boulanger hat dem Vernehmen nach Weisung, Sofort zur Uebernahme des 13. Armeekorps sich auf seinen Posten zn begeben.

London, 29. Juni. Gestern Abend fand in der Guildhall in London ein großer Festball anläßlich der Jubiläumsfeier statt. 6000 Personen waren zugegen, darunter der Prinz und die Prinzessin von Wales, die deutsche Kronprinzessin, Prinz Wilhelm von Preußen, der König von Sachsen und andere königliche Persönlichkeiten. Die königlichen Gäste, insbesondere der Prinz und die Prinzessin von Wales und die deutsche Kronprinzessin, wurden bei ihrer Ankunft und Abfahrt von einer großen Menge enthusiastisch begrüßt. (RH. K.

In Dudlet) wurden dieser Tage drei Kettenmacherwerkstätten mit­telst Schießpulver in die Lust gesprengt. Unholde hatten mit Pulver ge­füllte Bleibüchsen, an denen sich Lunten befanden, in die Schornsteine ge­than. Als Grund des Verbrechens wird angegeben, daß die betreffenden Kettenmacher billiger als ihre Konkurrenten arbeiteten. Zum Glück wurde Niemand verletzt.

' Petersburg, 29. Juni. Man glaubt hier, daß nächstens die Verlobung des Großfürsten Michael Michmlowitsch, dritten Sohnes des Großfürsten Michael, Onkels des Zaren, mit einer Tochter des Prinzen von Wales erfolgen und bekannt gegeben werde.

Petersburg, 29. Juni. DerRegierungsanzeiger" meldet: