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Nr. 122.
Freitag den 27. Mai
1887.
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Auf Grund der §§. 11 und 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird die Nr. 36 der hier erscheinenden Königsberger Volks- Zeitung vom 15. Mai d. I. — Druck und Verlag von Heinr. Thierbach Nachflgr. (I. Gollong in Königsberg) — hierdurch verboten.
Königsberg den 18. Mai 1887.
____Der Regierungs-Präsident. In Vertr.: Höpker.__________
Bekanntmachungen Königl. Lanm athsamts.
Da der am 22. ds. Mts. im Main ertrunkene Franz Müller von hier noch nicht aufgefunden ist, auch keine weitere Spuren wahrgenommen sind, so ist Seitens der Mutter des Verunglückten um Anstellung von Nachforschungen ersucht und Demjenigen, welcher die Leiche auffindet, eine Belohnung von 20 Mark ausgesetzt und hier hinterlegt worden.
Franz Müller, 12 Jahre alt, hat rothe kurz geschnittene Haare, am Mittelfinger der rechten Hand fehlt das erste Glied.
Hanau am 27. Mai 1887.
Der Königliche Landrath.
P. 3140 Gf. Bismarck.______________________
Menst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Ein Paar weiße baumwollene Strümpfe. Eine Knabenmütze. Ein Paar weiße Manschetten. Ein schwarzer Regenschirm. Eine defekte Pferdedecke mit rothen Streifen.
Zugelaufen: Ein gelber Pinscher. Ein schwarzer Spitz. Ein schwarzes Huhn.
Verloren: Ein Paar gelbseidene Handschuhe. Ein brauner Regenschirm.
Entlaufen: Ein brauner Dachshund m. Geschl.
- Hanau am 27. Mai 1887.
Tagesschau.
Berlin, 26. Mai. '©e. Majestäl der Kaiser und König nahmen heute Vormittag auf dem Tempelhofer Felde die Frühjahrsparade über die in Berlin und Spandau garnisonirenden Truppen des Gärde- Corps ab.
Berlin, 26. Mai. Se. Hoheit der Prinz und Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Albert von Sachsen - Altenburg sind gestern Abend hier einqetroffen und im Königlichen Schlosse abgestiegen.
Berlin, 26. Mai. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Der bei der Behandlung des Kronprinzen im Einverständniß mit den ärztlichen Autoritäten zugezogene Spezialist Morell Mackenzie fand' nach wiederholter Untersuchung des Kronprinzen dessen Zustand nicht so besorgnißerregend, daß er nicht hoffte, durch zweckentsprechende Behandlung das Uebel in nicht zu langer Zeit beseitigen zu können.
Berlin, 26. Mai. Die „Germania" sagt, zuverlässiger Mittheilung zufolge liege die von der Kurie vollzogene Ernennung des Bischofs Kopp zum Fürstbischof von Breslau bereits im Kultusministerium vor.
Erpel, 25. Mai. In der Nacht vom Montag auf Dienstag wurde in einer Villa von fachkundigen Dieben vieles Silberzeug gestohlen. Die Diebe, deren Fußspuren in einem frisch geölten Zimmer sichtbar blieben, waren barfuß oder mit Gummischuhen versehen gewesen. Den Hunden hatten sie ein Betäubungsmittel gegeben und an den Thüren mittels Schraubenziehern die Schloßschrauben herausgedreht. Unechtes Silberzeug ließen sie liegen.
Die „Dfz." schreibt: In Bayern weht gegenwärtig in den oberen Regionen ein anderer Wind, der freilich den „Patrioten" oder dem „bay rissen Centrum", wie sie sich jetzt nennen, nicht angenehm ist. Nicht genug, daß der Prinzregent auf seiner Rundreise den Hetzern allerorts die ausdrucksvollste Nichtbeachtung hat zu Theil werden lassen, hat er noch dazu ihre Gegner, so namentlich den als „niederbayrischen Bauernkönig" bekannten Dr. Bücher in Passau in der bevorzugtesten Weise ausgezeichnet. Und das müssen jene Herren erleben, nachdem sie noch vor Kurzem
die schönsten Hoffnungen auf einen ihrer Partei günstigen Ministerwechsel haben begraben müssen!
Stuttgart, 26. Mai. Die Abgeordnetenkammer genehmigte mit 64 gegen 24 Stimmen die Regierungsvorlage, welche die landwirthschaft- lichen Steuern um 1 Million erleichtert, die Gewerbe- und Gebäudesteuer dagegen entsprechend erhöht.
Karlsruhe, 26. Mai. Der Landtag ist auf den 7. Juni zu einer außerordentlichen Session einberufen worden.
Gastein, 25. Mai. Eine Depesche, die die „N. fr. Pr." heute aus Gastein von verläßlicher Seite erhält, widerlegt die Melvung, daß der deutsche Kaiser Heuer nicht nach dem salzburgischen Bade gehen werde. Heute ist nämlich, wie berichtet wird, die Bestellung des Quartiers für Kaiser Wilhelm, sowie für dessen Gefolge, und zwar für den 19. Juli, in Gastein eingelangt.
Pest, 26. Mai. Die Thronrede des Kaisers bei Schluß des Reichstags betont, die Opferwilligkeit des Landes, sowie die freundschaftliche Lösung der mit Oesterreich zu regeln gewesenen Fragen gewähre der Regierung eine mächtige Stütze, um in den Beziehungen, in denen sie heute zu allen Mächten stehe, mit Erfolg und zunehmender Hoffnung ihre Wirksamkeit dafür fortzusetzen, daß unter vollständiger Wahrung der Lebensinteressen der Monarchie der Friede auch ferner aufrechterhalten werden könne. (Fr. N.)
Charleroi, 25. Mai. (K. Z.) Im Becken von Charleroi zählt man heute 1000 Aufständische mehr als gestern; zwei weitere Bataillone Soldaten sind angekommen, sodaß jetzt 3500 Mann Infanterie und 500 Reiter hier liegen. Heute ist auf vielen Zechen Zahltag; vielleicht werden dann noch mehr Arbeiter ausstehen. Das Telephon zwischen Mont-sur- Marchienne und Charleroi wurde vergangene Nacht durchschnitten. Alle Zechen sind mit Sicherheitswachen besetzt.. Auf die Wohnung eines Glasbläsers in La Louviers wurde ein Dynamitanschlag gemacht. Nach Scraing sind Truppen abgegangen, da bei Cockerill ein allgemeiner Aufstand stattfand.
Paris, 25. Mai, Nachm. Floquet setzt die Berathung über die Kabinetsbildung mit den Opportunisten fort. Letztere bestehen darauf, daß General Boulanger dem neuen Kabinet nicht angehören dürfe; namentlich wird für den Fall des Verbleibens Boulanger's im Kabinet von Rouvier die Uebernahme des Finanzministeriums abgelehnt. Man hält, wenn die Opportunisten bei ihrer Weigerung beharren, für möglich, daß Floquet den Auftrag zur Bildung eines neuen Kabinets ablehne.
Paris, 26. Mai. Heute Vormittag fand bei Grevy eine Konferenz statt, woran von Freycinet, Devas, Ferry, Rouvier und Raynal theilnahmen; dieselbe dauerte bis Mittag.
Paris, 26. Mai. Herr v. Freycinet hat die Bildung des neuen Kabinets übernommen.
Paris, 26. Mai. (K. Z.) Zwischen Deutschland und Frankreich wurde eine Uebereinkunft unterzeichnet, welche auf zwei Jahre ein einheitliches Zollsystem in den deutschen und französischen Besitzungen an der Sklavenküste einführt.
Paris, 25. Mai, Abends 11 Uhr 50 Minuten. In der Opöra comique brach heute Abend Feuer aus. Soweit bisher bekannt ist, sind 6 Personen ums Leben gekommen, 12 verwundet, meist dadurch, daß sie aus den Fenstern hinaussprangen. Man fürchtet, daß es mehreren weiblichen Personen (Figuranten) nicht gelungen ist, das brennende Gebäude zu verlassen. Viele Personen sind durch die Fenster der oberen Etagen gerettet worden. Die benachbarten Gebäude sind geschützt. — 26. Mai, Morgens. Das Feuer in der Opöra comique ist nach den angestellten Ermittelungen in den Soffitengardinen des Hinteren Bühnenraums ausgebrochen. Die Zuschauer hätten das Theater daher leicht verlassen können, da aber das Gas erlosch, bevor das Theater vollständig geräumt war, so fürchtet mau, daß einige Zuschauer der oberen Ränge von der Dunkelheit überrascht wurden und den Ausgong nicht gewinnen konnten. Das Feuer dehnte sich schnell über die Bedachung des Gebäudes aus, der Plafond stürzte bald nach dem Ausbruche des Feuers ein. Es verlautet bis jetzt, daß einige 60 Personen verwundet und 19 getödtet seien. Genauere Details können noch nicht festgestellt werden. Die Rettungsarbeiten dauern fort. Das Gebäude der Oper ist, wie der „RH. K." schreibt, voll-